Hier das Portfolio in Einzelseiten. Die Bild- bzw Seitenbeschreibungen findet ihr auch im Alt-Text. Komplett findet ihr es hier als PDF: 1. die bebilderte Version, und 2. die Version zum Lesen.

Das Portfolio der Blinden Fotografen in Berlin von 2024/2025.
Seite 3
Links ein Text und rechts zwei dokumentarische Fotos, die ihn bzw das Lightpainting illustrieren.
“Lightpainting für Blinde findet zumeist in
einem völlig abgedunkelten Raum statt.
Die Kamera steht auf einem schweren
Stativ. Der Sensor ist mit geringer ISO-Zahl
und kleiner Blende so unempfindlich wie
möglich eingestellt und kann so bei sehr
langen Belichtungszeiten aufnehmen,
was der Fotograf mit einer Taschenlampe
anleuchtet. Alles andere bleibt im Dunkel,
bleibt für die Kamera unsichtbar, wird
nicht auf dem Bild sein.
Im Dunkel des Studios kann der Blinde
Fotograf, kann die Blinde Fotografin alles
und jeden so arrangieren, wie sie es foto-
grafieren möchte. Sie kann ihr Motiv tas-
tend erkunden und mit Portraitierten und
Models sprechen. Dann beginnt sie mit der
Ausleuchtung. Mit dem Fernauslöser wird
die erste Aufnahme gemacht. Entweder
von ihr selbst oder von ihren sehenden
Assistenten. Deren eigentliche Aufgabe
besteht darin, Bilder zu beschreiben.
Bildbeschreibungen sind ein wesentliches
Werkzeug im Fotostudio für Blinde Foto-
grafen. Sie verändern aufgrund der Be-
schreibungen nach und nach, Probebild für
Probebild, das Motiv und die Belichtung,
bis die Bildbeschreibungen ihren Vorstel-
lungen entsprechen.”
Bild oben:
Man sieht unscharf in orangefarbenem Licht zwei Frauen, die sich im Profil gegenübersitzen. Die Frau links hält auf ihrem Schoß die Hände der Frau rechts umfasst.
Davor sieht man im Vordergrund, so dass sie teilweise den Blick auf die Frau rechts versperrt, scharf die Rückseite einer Digitalkamera, auf derem blau leuchtenden Display man klein die Frauen sieht, sowie die im Text erwähnten Einstellungen: ISO 100, die Zahl gibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors an, f16, das ist die Blende, und “Bulb”, das ist die unendliche Belichtungszeit.
Darunter das Schwarzweißbild zweier Frauen beim Lightpainting:
“Susanne Emmermann portraitiert eine Freundin.”
Die Frau rechts im Bild leuchtet die Frau links mit einer Taschenlampe an. Die sitzt mit geschlossenen Augen da, das Gesicht in ihre offenen Hände gestützt, und lächelt zufrieden und entspannt. Ihre rechte Gesichtshälfte liegt im Schatten, die linke ist hell erleuchtet. Das Gesicht der anderen Frau ist schwach, aber gleichmäßig erleuchtet, sie blickt hoch konzentriert. Ihre linke Hand ist vorsichtig vorgestreckt, in der rechten hält sie leicht vorgebeugt die Taschenlampe, als würde sie sich aus der Dunkelheit anpirschen.