Die blinden Reporter: Von Angesicht zu Angesicht

Susanne Emmermann, Anika Weichert und Klaus Möller über die Ausstellung

Lotte Laserstein – Von Angesicht zu Angesicht

vom 05.04.-12.08.2019 in der Berlinischen Galerie

Track 1 Annelie Lüdgens erzählt über Lotte Laserstein, gibt Hintergrundwissen zu Konzeption, Räumlichkeiten und Farben der Ausstellung

Track 2 Bilder in der Treppenhalle und Zeitgeschehnisse im Fokus der Gruppenbilder: „Abend über Potsdam“ (1930), „Die Unterhaltung“ (1934), „Abendunterhaltung“(1948)

Track 2.1 Besucherin beschreibt „Die Unterhaltung“ (1934)

Track 3 A. Lüdgens beschreibt „Abend über Potsdam“ (1930)

Track 3.1 Besucherin beschreibt „Abend über Potsdam“ (1930)

Track 4 Raum – Handwerk des Malens, K. Renner und A. Lüdgens beschreiben „Ich und mein Modell“ (1929/30)

Track 5 Lüdgens beschreibt: „Russisches Mädchen mit Puderdose“ (1928)

Track 6 K. Renner und A. Lüdgens beschreiben: „Mädchen mit Katze“ (1932/33)

Track 7 K. Renner und A. Lüdgens beschreiben: „Bauerntochter“ (1932)

Track 8 Besucherin beschreibt „Selbstbildnis an der Staffelei“ (1938)

Track 9 Besucherin beschreibt „Liegendes Mädchen auf Blau“ (1931)

Track 10 Besucherin beschreibt „Maler in den Dünen“ (1933)

Track 11 Besucherkind beschreibt „Maler in den Dünen“ (1933)

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Die Blinden Reporter: (in)Visible von Jess Curtis

Gerald Pirner und Heidi Prenner:

Gespräche zu (in)Visible von Jess Curtis.

(in)Visible  wurde in der Tanzfabrik aufgeführt. Und bis zum 13. 10. 2019 in San Francisco.

Hier zwei Links:

https://www.jesscurtisgravity.org/invisible#invisible-desc

https://www.tanzfabrik-berlin.de/de/events/924

Und nun zu den Gesprächen:

  1. Mit Jess Curtis

über seinen Zugang zum Stück

über Inhalt und Narration

über Orte und Publikum

Und 2. mit dem Publikum

über allgemeine Eindrücke

über die Zugänge zum Stück

und über Subjekt/Objekt

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„Was du nicht siehst/2“ ohne Titel (Entdeckungen) von Mary Hartwig

ohne Titel. Foto von Mary Hartwig. Originalmasse 60 x 45 cm

Eine Farbfotografie von zwei Personen an einem Tisch sitzend, mit Textilien hantierend.

 

Das Bild ist ein Querformat in sehr weichem Licht mit überwiegend rotbraunen und rotgoldenen Farbtönen. In der Mitte ein runder mittelgroßer Tisch, an dem die zwei Personen links und rechts sitzen. Im Hintergrund zwei Fenster über Eck, durch die aber kein Tageslicht, sondern eher Dämmerlicht scheint. Auf dem Tisch liegen mehrere gefaltete Stoffbahnen, die von den beiden aufgenommen und betrachtet werden.

Die linke Person ist im Halbprofil zu sehen, hat die Augen geschlossen und lächelt. Sie hat dunkles Haar, das zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst ist. Ihre Arme liegen auf dem Tisch und halten einen weissen Stoff mit rotem Randstreifen in den Händen. Die zweite Person ist rechts im Profil zu sehen. Sehr verschwommen und mit bräunlichen Schatten auf dem Gesicht. Sie hat kurzes Haar und betrachtet einen dunklen Stoff mit großen hellen Punkten. Ihr rechter Arm ist aufgestützt und hält den Stoff. Beide tragen dunkle Kleidung, die seitlich mit dem dunklen Bildrand verschwimmt. Die Umgebung ist eine Art Erker mit alten Holzfenstern mit breiten Rahmen mit Fensterkreuz. Alles ist durchzogen von dunkeln Schatten und Konturen, sowohl aussen vor dem Fenster, als auch drinnen. Über dem Tisch und den Köpfen der Personen schwebt ein Korkenzieherast mit gläseren Herzen daran hängend. Rechts und links sind die Konturen von Pflanzen zu ahnen. Das Licht in der Szene fällt mittig auf den Tisch. Es kommt offensichtlich teils durch das geschlossene Fenster. Vor dem Fenster draussen ein entfernter Himmel mit Konturen von Bäumen und Büschen. Rechts ein Baumstamm, der dem Haus nahe steht. Genau im Zentrum des Bildes, hinter der Scheibe sehen wir eine menschliche Handfläche. Umgeben von grünen Planzenteilen. Der einzige Grünfarbton im Bild. Die Hand hat schlanke Finger und wird von einem deutlichen Lichtstrahl von unten beleuchtet, aber ohne erkennbare Person dazu. Nur schemenhaft ist links davon ein menschliches Gesicht zu erahnen, das mit Spiegelungen auf der Fensterscheibe verschwimmt. Wir meinen zwei weit aufgerissene Augen zu sehen, die nach oben schauen. Jetzt fällt auch der Ausschnitt aus dunkler Kleidung auf. Aber nur unsere Fantasie kann das zu einem Gesicht ergänzen. Gleich wird es wieder durch Äste und Buschwerk überdeckt. Der rotbraune Fensterausschnitt rahmt alles perfekt ein.

Die Lichtfarbe und Lichtverteilung in diesem Bild gibt ihm etwas extrem Malerisches, Geheimnisvolles. Dunkles ist braun oder schwarz, Helles ist maximal goldton, meist aber rotbraun. Die klaren graden Konturen der Fenster setzen sich ab von der weich gezeichneten Szene am runden Tisch. Die vielen unregelmäßigen Pflanzenformen bringen Unruhe in die ruhige Szene.

 

beschrieben von Katrin Heidorn

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„Was du nicht siehst/2“ „Teiresias und Ödipus“ von Gerald Pirner

Titel: Teiresias und Ödipus. Foto von Gerald Pirner. Originalmasse 100 x 70 cm

Ein schwarz-weisses Doppelportrait von zwei männlichen Gesichtern vor schwarzem Hintergrund

Das Bild ist ein Hochformat mit sehr viel Schwarz, aus dem zwei Gesichter im Halbprofil schauen. Beide sind auf die linke untere Bildecke gerichtet . Das untere hat geschlossene Augen und einen sichtbaren kurzen Vollbart. Das zweite Gesicht schaut mit offenen Augen schräg nach unten und hat ebenfalls einen gestutzten Vollbart. Beide Gesichter werden von jeweils einem hellen Lichtstreifen erleuchtet.

 

Das untere Gesicht befindet sich fast im Zentrum des Hochformats. Es ist ein nicht mehr junges Männergesicht mit sichtbaren Falten auf Stirn und Wangen, die durch das von unten kommende Licht betont werden. Der Lichtstreif ist nicht sehr kräftig, so dass das Gesicht gleichmässig schwach beleuchtet ist. Nur rechts oben an der Stirn und links unten am Kinn gibt es hellere Lichtflecken. Das Haar ist nur am Ansatz zu sehen und die linke Gesichtshälfte verschwimmt mit dem dunklen Hintergrund. Der Hals ist verschattet, die Kleidung dunkel. Rechts unter dem Kinn sind auf der Kleidung zwei große Zahlen schwach beleuchtet: eine Null und eine Sieben. Der Gesichtsausdruck ist neutral, fast entspannt. Die leichte Anspannung entsteht offensichtlich durch den leicht gesenkten Kopf.

Vielleicht aber auch durch die zweite Person, die offensichtlich stehend, hinter der ersten über deren Kopf hinweg ins Leere schaut. Dies Gesicht befindet sich etwas links von der Bildmitte fast am oberen Bildrand. Es handelt sich um einen Mann ähnlichen Alters oder  älter als der Erste. Dieses zweite Gesicht ist zugleich heller beleuchtet, aber auch weniger scharf in den Konturen. Es ist im gleichen Halbprofil zu sehen und durch einen runden Halsausschnitt der Kleidung ergänzt. Ein breiter heller Lichtstreifen läuft vom rechten Auge, rechts der Nase bis zum Kinn. Das betont die gebogene Nase, von der aus beeindruckende runde Furchen über die Wange laufen. Der Mund ist verschwommen und von Bart umrandet. Die Mundwinkel sind aber deutlich nach unten gezogen, was dem Gesicht einen grimmigen Ausdruck verleiht. Das kräftige Kinn ist vom hellen Vollbart bedeckt. Die Augen sind nur schwer als geöffnet zu erkennen, da auch ihre Konturen nicht scharf gezeichnet sind. Zudem sind die Lider halb geschlossen und der Blick geht leicht nach unten.

Das Licht auf diesem Bild ist so sparsam verteilt, dass es wenig Rückschlüsse auf die Körper und damit die Aktion der Dargestellten zuläßt. Ein extrem schwacher Lichtschein links im Bild und der kleine Lichtkegel, der die Kleidung der unteren Person beleuchtet, sind die einzigen Hinweise auf die Räumlichkeit der Komposition.

 

beschrieben von Katrin Heidorn

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Die Begründung der Jury der Wiesbadener Fototage

warum Sie den Blinden Fotografen ihren Preis verliehen hat:

Jurypreis der Wiesbadener Fototage 2019

Fotostudio für Blinde Fotografen 

Susanne Emmermann, Mary Hartwig, Silja Korn und Gerald Pirner

Vier in ihrer Lebenszeit erblindete Fotografeninnen und Fotografen – Susanne Emmermann, Mary Hartwig, Silja Korn und Gerald Pirner – haben zusammen mit dem Fotografen und Dokumentarfilmer Karsten Hein im Juni 2018 ein gemeinsames Fotoatelier in Berlin gegründet. Betitelt wurde es als ein Ort für Visionen. Auf Ihrer Facebook-Seite steht dazu: „Jeder Fotograf braucht eine innere Vision von dem Bild, das er machen möchte. Blinde Fotografen kultivieren diese innere Vision und realisieren sie mit einem Apparat, der mehr umfasst als die Kamera selbst. 

Deutlicher kann ein „Grenzgang der Fotokunst“ nicht vor Augen geführt werden, als etwas zu präsentieren, dass von den Akteuren selbst nicht gesehen werden kann. Alle vier Fotografen*innen schaffen intime und lautlose Bilder, indem sie die Technik des sog. „Lightpaintings“ nutzen und so das Charakteristikum ihrer Arbeiten schaffen, nämlich das Licht als ein besonderes Fluidum, als eine Aura oder eben eine innere Vision zu veranschaulichen. Sie machen das Licht zu ihrem Material und schaffen es dabei, ein Bild von einer Idee, sozusagen ein Vorstellungsbild, zu visualisieren, weclhes das Außen nicht kennt. Die künstlerische Kraft der sehr poetischen manchmal fast religiös-mystisch wirkenden Arbeiten ist enorm, wird berücksichtigt, dass stets zwei Personen im Teamwork an der Entstehung beteiligt sind.

Beim sog. „Lightpainting“ wird bei absoluter Dunkelheit der Verschluss der Kamera geöffnet. Der zu Portraitierende oder der Gegenstand werden vom Fotografen abgetastet und mit einer oder mehreren unterschiedlichen Lichtquellen (Taschenlampe, Feuerzeug oder Kerze) beleuchtet bzw. „bemalt“. Es ist eine Technik der Langzeitbelichtung, die eine fast wörtliche Umsetzung von Fotografie als Lichtmalerei vorstellt. Der Fotograf entscheidet dann, wann dieser Prozess beendet ist und schließt den Verschluss der Kamera. Anschließend beginnt der Dialog mit einer sehenden Person, die eine detaillierten Bildbeschreibung abgibt, um gegebenenfalls die Aufnahme zu wiederholen. Entscheidend sind somit die Aspekte, dass es um das Empfinden, um das taktile Aufspüren von Motiven und das anschließende Gespräch zwischen zwei Menschen geht.

Silja Korn verwendete für ihr erstes fotografisches Selbstportrait eine Kerze, um über die Wärmeempfindung auf ihrer Haut die Lichtintensität zu regulieren und so den wechselnden Eindruck von hellen und dunklen Partien auf ihrem Antlitz bewusst zu steuern.

Die im Frühjahr verstorbene Mary Hartwig arbeitete in ihrer Arbeit „Der Vogel“ in einer altmeisterlichen Manier. In einer Aureole aus Goldtönen liegt ein Wesen in verletzlicher und friedvoller Haltung.

In Gerald Pirners Bildern steht zunächst die Auseinandersetzung mit seiner Erblindung im Vordergrund. Bildinszenierungen des eignen, verletzten Körpers. In seinen Essays untersucht und beschreibt er präzise die Zusammenhänge des Berührens. „Berührung, die Licht wird. Berührung, die von Unberührbarem spricht.

Susanne Emmermanns Fotografien sind meist theatrale Erzählungen. Das Bild hier stammt jedoch aus einem Zyklus abstrakter, überwiegend farbiger Linien im Raum. Auf die Frage, warum sie fotografiert, sagte sie einmal: „Um mich zu erinnern – genau wie Sehende.“

Abschließend ist der Kollege und Mitinitiator des Fotostudios für blinde Fotografen Karsten Hein zu nennen, der 2011 ein Portraitprojekt umsetzte, in dem er auch Blinde einlud und fotografierte. Daraus ergaben sich die Ideen, Portraitfotografie für Blinde und später Fotografiekurse anzubieten. Kurz darauf entstanden der erste Fotoblog für Blinde und im letzten Jahr das Fotostudio.

Der Jurypreis der 11. Wiesbadener Fototage 2019 in Höhe von 1.500 Euro geht an die Gruppe des „Fotostudios für Blinde Fotografen“ – Susanne Emmermann, Mary Hartwig, Silja Korn, Gerald Pirner und Karsten Hein – für ein zukunftsweisendes und herausragendes Fotoprojekt von hoher sowie gleichartiger Qualität.

 

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Preis der Jury der Wiesbadener Fototage für die Blinden Fotografen

Das ist eigentlich alles, was wir bislang wissen. Am 6. September erhält die Gruppe des Fotostudios für Blinde Fotografen den Jurypreis der Wiesbadener Fototage.

 

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