Archiv des Autors: karsten

Die Blinden Fotografen haben ein neues Portfolio, Titelseite

Hier ist es in Einzelseiten. Die Bild- bzw Seitenbeschreibungen findet ihr auch im Alt-Text. Komplett findet ihr es hier als PDF: 1. die bebilderte Version, und 2. die Version zum Lesen.

Dies ist das Portfolio der Blinden Fotografen in Berlin von 2024/2025.  

Die Titelseite ist sehr dunkel, schwarzbraun, 

nur oben rechts steht groß in rot-orange der Titel: “Das Fotostudio der Blinden Fotografen”

und unten rechts auf der Seite befindet sich ein Bild von Mary Hartwig - “Der Schrei” - das ebenfalls zum überwiegenden Teil schwarzbraun ist, so dass der abgebildete schreiende Mann dem Betrachter, in der gleichen orangenen Farbe wie die Schrift, sozusagen aus dem Dunkel der Seite entgegenkommt. Wir sehen ihn ganz nah, das schreiende bärtige Gesicht, die weit aufgerissenen Augen, die ebenfalls weit geöffneten Hände mit den gespreizten Fingern zu einer aufgeregten Geste erhoben. Alles an ihm ist Schrecken, Alarm.      

Ganz klein im Hintergrund sieht man außerdem noch schemenhaft eine zweite Person, eine Frau, die links zur Seite, also vom schreienden Mann wegguckt, als halte sie nach etwas Ausschau.  

Das ganze Heft hat einen schwarzen Hintergrund, schwarz wie das abgedunkelte Studio beim Lightpainting, schwarz wie der Bildhintergrund bei den meisten Lightpaintings.

Dies ist das Portfolio der Blinden Fotografen in Berlin von 2024/2025.  

Die Titelseite ist sehr dunkel, schwarzbraun, 

nur oben rechts steht groß in rot-orange der Titel: “Das Fotostudio der Blinden Fotografen”

und unten rechts auf der Seite befindet sich ein Bild von Mary Hartwig – “Der Schrei” – das ebenfalls zum überwiegenden Teil schwarzbraun ist, so dass der abgebildete schreiende Mann dem Betrachter, in der gleichen orangenen Farbe wie die Schrift, sozusagen aus dem Dunkel der Seite entgegenkommt. Wir sehen ihn ganz nah, das schreiende bärtige Gesicht, die weit aufgerissenen Augen, die ebenfalls weit geöffneten Hände mit den gespreizten Fingern zu einer aufgeregten Geste erhoben. Alles an ihm ist Schrecken, Alarm.      

Ganz klein im Hintergrund sieht man außerdem noch schemenhaft eine zweite Person, eine Frau, die links zur Seite, also vom schreienden Mann wegguckt, als halte sie nach etwas Ausschau.  

Das ganze Heft hat einen schwarzen Hintergrund, schwarz wie das abgedunkelte Studio beim Lightpainting, schwarz wie der Bildhintergrund bei den meisten Lightpaintings.  

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Podcast: Der geborgte Blick: Susanne Emmermann im Salzmuseum

Der geborgte Blick Oder die etwas andere Art Kunst zu sehen ist ein Podcast für alle, die neugierig darauf sind, wie blinde Menschen die Kunst erleben. Tauche mit uns ein in Diskussionen von Blind und Sehend über Gemälde, Skulpturen und mehr. Kinder kommen bei den blinden Reporter*innen genauso zu Wort wie Kuratoren und zufällige Museumsbesucher. Lasst euch darauf ein, die Bilder und Kunstwerke für eure inneren Augen entstehen zu lassen. Wir können euch versprechen: Es lohnt sich!

In dieser ersten Folge spricht Susanne Emmermann mit Lukasz Papierak über ihren Besuch des Salzmuseum in Bad Sülze, wohin sie von Schüler*innen einer 5. Klasse eingeladen wurde.

Musik und Ton: David von Ilsemann, http://simsalaboing.de/

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Lightpainting-Bilder einer Skulptur von Johannes Büttner von Silja Korn (2)

Bildbeschreibung von Birgit Plinke:

Das querformatige schwarz/weiß-Foto von Silja Korn zeigt (ebenso wie das Farbfoto der Serie) die Plastik „ohne Titel“ von Johannes Büttner

www.johannes-buettner.com

die 2020 in Kooperation mit Caroline Bertram

www.coucoubycaro.com

entstanden ist. Die Plastik ist aus Keramik und hat die Form eines röhren-, bzw. schlauchartigen Objekts. Dieses ist aus exakt der gleichen Perspektive wie auf dem Farbfoto fotografiert, von einem leicht erhöhten Standpunkt, so dass man auf die obere und linke Seite des Objekts sieht. Es erstreckt sich diagonal von links oben nach rechts unten und ist leicht gebogen. Es hat eine unregelmäßige Oberfläche. An einigen Stellen sind ringförmig um den Objektkörper verlaufende Rillen in unterschiedlichen Abständen zueinander, an anderen Stellen sind Einbuchtungen und Dellen.

Im Unterschied zum Farbfoto ist das Objekt auf dem schwarz/weiß-Foto in seinen Konturen aber deutlicher zu erkennen. Es ist am rechten unteren Bildrand nicht angeschnitten, sondern wird vom schwarzen Untergrund umrahmt. Auch der Ort, an dem sich das Objekt befindet, ist hier klarer zu erkennen. Es liegt auf einem Stoff, der in unregelmäßigen Falten liegt. Der Stoff ist als solcher aber nur in der Nähe des Objekts zu erkennen. Zu den Bildrändern hin verliert er sich im Dunkeln. Bei näherem Hinsehen, sieht man auf der linken Bildhälfte, in der Nähe des Objekts, ein relativ kurzes, durchsichtiges, nur locker zusammengelegtes Kabel liegen sowie einen kleinen quadratischen Apparat und eine kleine durchsichtige Röhre mit einem Schraubverschluss.

Auch auf dem schwarz/weiß-Foto wird das zentrale Objekt von Lichtspuren umspielt. Diese verteilen sich aber anders um das Objekt, als auf dem Farbfoto. Die Lichtspuren in der linken, oberen Bildhälfte umspielen das Objekt weiträumig und sind vom Bildrand angeschnitten. Auf dem Weg zum unteren, rechten Bildrand hin, läuft die Lichtspur nah an der oberen Seite des Objekts entlang und umspielt es zum unteren rechten Ende hin sehr eng in unregelmäßigen Spuren. Auf den Lichtspuren leuchten einzelne Punkte hell auf. Die Lichtpunkte sind an anderen Stellen zu finden, wie auf dem Farbfoto. Einige der Lichtpunkte sind so hell, dass sie von kleinen Strahlenkränzen umgeben sind.

Silja Korns Website: www.siljakorn.de

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Lightpainting-Bilder einer Skulptur von Johannes Büttner von Silja Korn (1)

Bildbeschreibung von Birgit Plinke:

Im Zentrum des querformatigen Farbfotos von Silja Korn erstreckt sich diagonal von links oben nach rechts unten ein röhren- bzw. schlauchförmiges Objekt, das in einem schwarzen, dunklen Raum verortet ist. Es handelt sich dabei um eine Plastik aus Keramik („ohne Titel“) von Johannes Büttner

www.johannes-buettner.com

die 2020 in Kooperation mit Caroline Bertram

www.coucoubycaro.com

entstanden ist. Das Objekt ist nicht gerade, sondern leicht gebogen. Es hat eine unregelmäßige Oberfläche. An einigen Stellen sind ringförmig um den Objektkörper verlaufende Rillen in unterschiedlichen Abständen zueinander, an anderen Stellen sind Einbuchtungen und Dellen. Die Unebenheiten sind in unregelmäßigen Abständen über die Oberfläche verteilt. Das Objekt ist von einem leicht erhöhten Standpunkt aus fotografiert, so dass man auf die obere und linke Seite des Objekts sieht. Von links oben fällt ein unregelmäßig gesetztes, fleckiges Licht auf das Objekt. Die Unregelmäßigkeit des Lichts wird durch die Schatten, die durch die unregelmäßige Oberfläche des Objekts, erzeugt werden, noch verstärkt. Das Objekt leuchtet blauviolett aus der schwarzen Umgebung. Im rechten unteren Viertel des Fotos ist das Objekt stark verschattet, so dass nicht klar erkennbar ist, ob es noch im Bild endet oder angeschnitten ist. Ein blauvioletter Lichtstreifen strahlt im rechten unteren Viertel des Bildes bogenförmig vom Objekt ab.

Das Objekt ist von unregelmäßigen hellroten Lichtspuren umgeben und überzeichnet. In der linken Bildhälfte sind die Lichtspuren näher am Objekt, in der rechten Bildhälfte zum unteren rechten Bildrand hin, umspielen sie das Objekt auch in weiterem Abstand. An einigen Stellen leuchten einzelne helle, fast weiße Punkte in den Lichtspuren auf.

Hier auch nochmal Siljas Adresse: www.siljakorn.de

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100 Meisterwerke (69): Bildnis des Dr. Gachet

Farbiges Gemälde eines an einem Tisch sitzenden Mannes. Kopf auf die Hand gestützt, auf dem Tisch Bücher und Blumen.
Portrait des Doktor Gachet. Ölgemälde von Vincent van Gogh aus dem Jahr 1890. 68 x 57cm. 1. Fassung.

Ein Gemälde im Hochformat. Das Portrait eines an einem Tisch sitzenden Mannes füllt das Bild, vom runden Tisch am unteren Bildrand ist nur ein Stück zu sehen. Im linken oberen Viertel das Gesicht des Doktors, uns zugewandt mit weicher heller Schirmmütze auf den kurzen, feuerroten Haaren. Der Mund ist geschlossen und von einem hellen kurzen Bart auf Oberlippe und Kinn umrahmt. Die Mundwinkel zeigen abwärts, das alterslose Gesicht ist zerfurcht von beige und grün gemalten Stirn- und Wangenfalten. Der Blick geht ins Leere, seine rechte Wange ist auf die rechte Faust gestützt. Der so leicht seitwärts geneigte Oberkörper ist bekleidet mit einem dunklen Jackett mit drei hellgrünen Knöpfen. Am rechten Bildrand, leicht abgeschnitten, der angewinkelte linke Arm des Mannes. Die kräftige Hand liegt flach auf der Tischkante mit der orange-gemusterten Tischdecke. Am mittleren unteren Bildrand ein Wasserglas mit zwei blühenden Zweigen einer bläulichen Wiesenblume, sehr wahrscheinlich Fingerhut. Links neben dem Glas auf dem Tisch zwei aufeinanderliegende gelbe Bücher. Hinter dem Mann ein Hintergrund aus drei verschieden grau-blauen Flächen mit türkisfarbenen Strichakzenten. Die Flächen sind durch geschwungene Linien wie ein hügeliger Horiziont getrennt.

Die kräftigen Farben sind vor allem das dunkle Grau des Jacketts und das helle Gelb der Haut, Mütze und Bücher sowie das Orange der Tischdecke und Haarbüschel neben der Mütze. Das ganze Gemälde durchziehen ausserdem grüne Akzente. Sie beleben als waagrecht und schräg laufende kürzere Pinselstriche den Hintergrund und das Jackett der Person. Aber auch die aufgerissenen traurigen blaugrauen Augen haben hellgrüne Augenringe unter den hochgezogenen Brauen. Das Grün findet sich wieder in den Blättern der Blume und dem Muster der Tischdecke. Keine Fläche ist nur einfarbig, alles ist durchzogen mit den für van Gogh typischen kurzen kräftigen Pinselstrichen, die die Flächen miteinander verbinden und überall Farbakzente hinterlassen. Die Fläche des Ölbildes erhält dabei eine an Flechtwerk erinnernde Struktur. Die Linien, die die Flächen umranden, sind kräftig gezogen, aber so geschwungen, dass keine Waagerechte oder Senkrechte entsteht.

Beschrieben von Katrin Heidorn

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Zen in der Kunst, ein Bild zu beschreiben -Bildbeschreibungen als Weg zur Erleuchtung

Vor kurzem schrieb uns Henriette Schulz-Eigendorf aus Kyoto. Sie hatte ihrer Vermieterin Frau Noe, einer über 90-jährigen Sängerin, von unserem Projekt erzählt: 

“Noe San erinnert sich an einen Artikel über “Zen und die Künste” aus den 50er oder 60er Jahren, der eine Aufzählung von Künsten enthält, die nach Ansicht des Autors besonders geeignet sind, in ihrer Ausübung Zen zu praktizieren. Bogenschießen, Blumenstecken, Kalligraphie usw. usf. und tatsächlich – Bildbeschreibungen. 

Alle Künste hingegen, in denen es darum geht, immer wieder etwas Neues zu erfinden, sind, so wie ich es verstanden habe, dem Zen-Gedanken fremd. Um Zen und die Kunst zu verbinden, braucht es gerade die Wiederholung und die Nachahmung. So wie es z.B. auch in der “orthodoxen” chinesischen Malerei erstrebenswerter war, die Bildmotive des Kanons möglichst vollkommen zu wiederholen, als ein neues Motiv zu erfinden. Letzteres wurde als willkürlich empfunden. Erstrebenswert war die Meisterschaft in den Künsten, die sich nur durch Übung, d.h. durch Wiederholung erreichen lässt. Die Wiederholung der immer gleich ausgeführten Bewegungen ist schließlich das Medium der Selbstvergessenheit, in der Kunst und Meditation ineinander übergehen. Der Weg des Zen ist das Üben. Das Werk als dessen Ergebnis wird danach beurteilt, wie es den Weg widerspiegelt. Kriterien ihrer Beurteilung sind Meisterschaft in der Beherrschung der Mittel, Einfachheit und Leichtigkeit.   

Der Artikel erzählt die Geschichte eines blinden Meisters. Dieser forderte seinen Schüler auf, ihm die Bilder einer Mappe mit Tuschezeichnungen so zu beschreiben, dass er sie vor seinem geistigen Auge sehen konnte. Der junge Mann begann beflissen, das Bild eines berühmten Felsens im Japanischen Meer ausführlich und en detail zu beschreiben. Er begann rechts oben und arbeitete sich langsam zur Bildmitte vor. Doch schon bald unterbrach ihn das kräftige Schnarchen des Meisters, der neben ihm im Sitzen eingeschlafen war, bevor die Beschreibung den Felsen erreicht hatte. 

Am nächsten Morgen belehrte der Meister den Schüler, wie er das Bild beschreiben sollte: Sammle dich und dann betrachte das Bild. Versenke dich in das Bild, richte deine ganze Aufmerksamkeit darauf. Ihr Sehenden könnt ein Bild in einem einzigen Augenblick erfassen. Beginne damit, mir den Eindruck dieses Augenblicks wiederzugeben. Und sprich in einfachen Worten, die leicht zu erfassen sind. Deine Worte sollen wie das klarfließende Wasser sein, ganz natürlich, so dass ich nicht über ihren Sinn grübeln muss, reich, so dass vor meinem geistigen Auge ein lebendiges Bild wachgerufen wird, und kurz, damit ich nicht einschlafe. 

So wird gazō no setsumei, das Bildbeschreiben, zu einer Form der “Beschwichtigung aller Unruhe der Gedanken”, mit der wir uns wie bei der Meditation die Erleuchtung zwar nicht erarbeiten oder gar herbeizwingen können, mit der wir uns aber in einen Zustand versetzen, der das plötzliche Eintreten der Erleuchtung wahrscheinlicher macht. 

Am Ende beschrieb der Schüler seinem Meister die ganze Mappe in einer einzigen Nacht, ohne dass der Meister ermüdete. Im Gegenteil, er sah jedes einzelne der Blätter mit größter Lebendigkeit vor seinem geistigen Auge. Dem Schüler aber war es, als sehe er die Zeichnungen zum ersten Mal wahrhaftig. “Zuvor erkannte er Stückweise, jetzt aber erkannte er.” Sehen und Beschreiben wurden eins. Er tauchte in die Welt der Zeichnungen ein und tiefe Seelenruhe durchdrang ihn. 

Ist das nicht eine phantastische Perspektive für eure Arbeit?”

In der Tat. Faszinierend. 

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