Archiv des Autors: karsten

Die Bilder der Blinden

„Das Bild bereitet auf das vor, was kommt. Ohne Bild ist vieles, was auf den Menschen zukommt nicht zu erwarten. Selbst was gehört wird, was gerochen werden kann braucht zu beträchtlichem Teil seine Entschlüsselung im Bild, das die jeweilige Situation einordnet, einschätzt. Alles, was auf den Menschen zukommt, birgt latent für den Blinden einen Schrecken in sich und wenn es nicht der Schreck ist, ist es die Überraschung dessen, was eintrifft, auf das er immer gefasst sein muss, ob es nun angenehm oder unangenehm ist.

Alle sinnliche Wahrnehmung mündet zunächst in Erwartung…“

Das ist der Anfang des neuesten Textes in Gerald Pirners sehr tollem Blog. Gerald Pirner ist blind und schreibt über Kunst, über seine Wahrnehmung, über seine Kunstwahrnehmung. In seinen eigenen Worten:

„Bildlos Kunst schauen. Blind Skulpturen wie Malerei im Tasten erfahren. In der Erzählung den Film wie das Theater begreifen. Ohne Bild die Wirklichkeit des Konzertes seinen Klangursprüngen nachhören und verstehen. Kunst mit dem ganzen Körper aufnehmen, sie in ihn einschreiben lassen. Die Körperinschriften der Kunst wiedergeben, ihnen nachschreiben, ihnen nachtasten, sie in Poesie verwandeln, sie darin wandeln lassen.

Wo die Augen die Bilder verweigern, muss der ganze Körper sie hervorbringen: der Körper, dieser Zwitter aus Membran und Geigerzähler. Der hört den Spuren seiner „Aufschreibsysteme“ nach um in sich die Sprache zu finden, die sie ihm zugänglich machen.

Mehr als Rezensionen: Kurzschlüsse von Sinnen mit anderen Sinnen und ihren Funkenschlag beobachten, ihn protokollieren, ihn begrüßen. Das Gehörte, das Gespürte sich aus dem Körper heraus fortschreiben lassen. Auf dem Weg erstehen Räume aus Worten, in denen Bilder nisten.

Eingewoben werden in Bildern des Blinden, die leisten sich Übergriffe von Worten und Tönen auf zu Tastendes, auf zu Spürendes, auf zu Hörendes. Lichtempfindlich genug werden um bildlos Bilder zu sehen, blinde Bilder des Blinden aus Schmecken, aus Tönen, aus Geruch.“

Gerald Pirner schreibt leicht und hoch reflexiv und so, daß sich mir als Sehendem Welten auftun. Das ist aufregend. Er ist ein Mittler zwischen der unsichtbaren Welt und der anderen. Als solche verstehen, von der anderen Seite kommend, ja auch wir uns. Gerald Pirners Blog ist sozusagen unser Komplementärstück. Müsst ihr lesen!

 

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12. Januar, 20 Uhr, Brotfabrik Berlin: Die Planung feat. Alex – Das nächste Konzert im Dunkeln!

Anlässlich der Ausstellung „Die Schönheit der Blinden“ werden am 12. 1. um 20.00 Uhr in der BrotfabrikGalerie im Rahmen der Reihe „Konzerte im Dunkeln“ sehende und nicht sehende MusikerInnen gemeinsam im Dunkeln Musik und Klang darbieten. Claudia Fierke, Filmmusikerin und Teil der Konzeptband DIE PLANUNG, wird mit der Saxophonistin Alexandra Reinshagen auf eine musikalische Reise gehen, die der Soundtüftler Steffen Nitzel mit dem von ihm gestalteten Klangteppich in ein locker gebundenes Korsett packt.
Man kann sich fallen lassen, staunen, zuhören, über Texte nachdenken, mitwippen, langsam entgleisend entgleiten, einfach nur dabei sein!
Besonderes an diesem Abend ist die Teilnahme im zweiten Teil der Reise: die Musik wird durch Ella Wieser am Bass und Andrea Mesch am Schlagzeug in eine andre Richtung geschickt.
Reisen Sie mit!
Brotfabrik Galeries Foto.

 

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Neuer Workshop mit Blinden Fotografinnen

Nachdem es am Samstag vor Weihnachten so gut gelaufen ist, findet in der Brotfabrik in Berlin am Samstag, d. 9. Januar um 11h gleich noch ein Workshop mit blinden Fotografinnen statt. Jeder darf mitmachen! Ihr könnt erleben, wie blinde Fotografinnen arbeiten. Es gibt Gespräche über Blindheit und Fotografie. Und es gibt die Möglichkeit, euch von einer blinden Fotografin portraitieren lassen. Macht die Erfahrung!
Wer teilnehmen möchte, melde sich bitte vorher bei uns an: picdesc (at) gmail.com

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Fotografien aus dem Workshop mit Blinden Fotografen

Und hier nun einige Bilder, die bei unserem Workshop entstanden sind. Noch ohne Bildbeschreibungen, aber mit Alt-Texten und Unterzeilen.

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Die Planung feat. Alex: Konzert im Dunklen v. 3.12.15

Das müßte eigentlich einen viel reißerischeren Titel haben. Das war nämlich ein soo toller Abend, ein so schönes Konzert. Und hier haben wir jetzt endlich einen Mitschnitt. Er dauert eine dreiviertel Stunde, nehmt euch die Zeit, setzt euch in Ruhe hin, hört. Es lohnt sich!  

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Unser Workshop in der Brotfabrik

Ihr Lieben,

kein Live-Blogging, aber Ganz-Kurz-Danach-Blogging: unser Workshop heute ist ganz großartig gelaufen. Silja und die Teilnehmer haben mit dem Blindfotografieren experimentiert und es gab dabei und danach sehr angeregte und anregende Gespräche. Die Bilder von Siljas Kamera folgen ganz bald. Hier unter dem Text sind schon mal einige Eindrücke von Petra Schroeck, der Leiterin der BrotfabrikGalerie. Die Bilder sind leider noch nicht beschrieben, aber immerhin schon mit Alt-Texten versehen. Zu Besuch beim Workshop  waren auch das Deutschlandradio und der Deutschlandfunk, wir werden deren Beiträge hier verlinken. Und schließlich Gerald Pirner, ein blinder Autor, der sehr toll über Kunst schreibt. Das war ein schöner Zufall, ich hatte ohnehin vor, ihn bald einmal anzuschreiben. Hier sein Blog: http://geraldpirner.com.

 

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