Archiv des Autors: Tina Franziska Paulick

„Portrait Nick“ von Gerald Pirner

Portrait Nick

Meine Bilder sind ein Spiel mit Zitaten der verschiedensten Provenienz.Porträt Nick nimmt eine Geste von Samuel Beckett auf, die der Erblindete einst auf einem Plakat gesehen hat, das Beckett bei den Proben zu Warten auf Godot  zeigt, fast auf dem Boden, der Regisseur, eine Geste seinen Schauspielern zeigend.

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100 Meisterwerke: 65. „Das Jüngste Gericht“ von Wassily Kandinsky

Das jüngste Gericht

„Das jüngste Gericht“ von Kandinsky ist ein Gemälde mit den Maßen von 30cm x 50 cm und wurde 1910 fertig gestellt. Es ist hochkant ausgerichtet und leuchtet in kräftigen Farben. Auf den ersten Blick wirkt dieses Werk eher wie eine Farbmischplatte eines Künstlers als ein abgeschlossenes Werk. Kandinsky hat hier einige dutzend verschiedener Farben verwendet. Die obere Bildhälfte wirkt insgesamt wärmer und freundlicher als die untere. Das kommt vor allem daher, dass er dort mehr warme Farbtöne verwendet hat, vor allem Gelb- und Rottöne.

Mit etwas Phantasie und ruhigem Blick erkennt man aber doch deutlich herausgearbeitete Motive und eine Art Landschaftsmotiv, das sich über das gesamte Werk erstreckt. In der rechten, oberen Ecke hat Kandinsky ein Gesicht im Profil gezeichnet, wenn auch abstrakt. Man erkennt nur ein riesiges Auge, mit einer tiefschwarzen und eher leblos wirkenden Pupille. Das Profil der Nase ist ebenfalls erkennbar. Anstelle des Mundes formt sich hier aber eine Trompete, die das Gesicht auch mit einem Arm, dessen Ursprung außerhalb des Bildbereiches liegt, hält. Die Trompete entspricht nicht der gewöhnlichen Form, ist jedoch in sattem goldgelb gehalten und wurde am Trompetenende noch mit einer Art rotem Haken versehen. Als Musikinstrument ist es nur zu erkennen, weil sich das Mundstück an der Stelle des Gesichts oben rechts befindet, wo der Mund sein sollte.

Das Gesicht hat darüber hinaus rote Bäckchen, vermutlich aufgrund der Anstrengung beim Spielen des Instruments. Von der Stirn abgehend sind leuchtend rote, kräftige Linien zu sehen, die an eine symbolische Darstellung einer Sonne erinnern, deren Lichtstrahlen die Erde treffen.  Ein hellblauer Fleck in der Ecke deutet auf einen blauen Himmel hin.

Insgesamt ist das Werk sehr unübersichtlich und wirkt unsauber gearbeitet. Alle Farben scheinen willkürlich verwendet worden zu sein, da überall nur wenig mit einer Farbe, aber mit vielen Farben allgemein gearbeitet wurde. Eine klare Kontur hat, beziehungsweise ein deutlich erkennbares Objekt ist, ein verzerrtes Rechteck in der oberen Bildmitte. Es sieht aus wie ein Haus auf einem Hügel, nur eben ohne Dach und allem was ein Haus ausmacht. Der Hügel auf dem das Haus steht, ist in einem sehr dunklen Rot gemalt. Mit schwarz intensiviert Kandinsky diesen Eindruck noch.

Das Haus hat ein rotes, ausgemaltes Viereck im ersten Quadranten des „Gebäudes“ und an Stelle des Dachs ragen dünne Zylinder aus dem Gebäude. Die Zylinder wirken zusammen mit dem Rechteck wie ein Gefäß für Pinsel und Stifte. Einer der „Pinsel“ ist allerdings wie ein Bumerang geschwungen. Die goldene Trompete teilt das Bild in zwei sichtbar unterschiedliche Bereiche. Alles unterhalb der Trompete macht einen eher düsteren Eindruck. Verstärkt wird dieses Empfinden dadurch, dass Kandinsky dort eine Person im Profil gezeichnet hat, die fast zwei drittel in der Größe misst und im Profil dargestellt wurde. Die Person hat ein geschlossenes Auge, an dem ein dunkelgrüner Punkt direkt unterhalb des Lids liegt und an eine Träne erinnert. Die Haare sind streng nach hinten gemalt worden, als würde ein kräftiger Wind von vorn in das Gesicht blasen. Der Kopf ist leicht gesenkt und die Person wirkt traurig. Die Geschlechtsidentität der Person ist nicht auszumachen, da sie auch statt gewöhnlicher Kleidung eine Art Nachthemd trägt. Das Nachthemd ist im oberen und unteren Bereich hauptsächlich mit Weiß ausgearbeitet worden, wohingegen der Bauchbereich mit Grau und vier fast parallel verlaufenden, horizontalen Strichen gelber und grauer Farbe gemalt wurde.

Nach langer Betrachtung erscheint die Person zu knien und sie hält sich die Ohren zu, mit ihren dünne, langen Fingern, die ebenfalls kreidebleich sind. Die vier Parallelen könnten eine Andeutung von Rippen sein. Unterhalb des Rumpfes ist an der Rückseite der Person noch eine starke, schwarz konturierte Ausbeulung zu sehen, die an ein Gesäß erinnert. Die Proportionen des Körpers stimmen an keiner Stelle mit denen eines normalen Menschen überein. Die Person ist sehr in die Länge gezogen und der Oberkörper ist im Verhältnis zum Unterkörper dreimal so groß. Die Beine bilden den unteren, rechten Bildrand des Bildes. Parallel zur Ausbeulung auf Gesäßhöhe sind vier dicke, kurze Linien gezeichnet worden. Die erste in einem kräftigen Gelb, die weiteren in Rot. Direkt oberhalb dieser Linien ist eine weitere, rote Linie zu erkennen, welche parallel zum Rücken verläuft und doppelt so lang ist, wie die Linien darunter.

Aus dem Mund der Person kommt eine Art weißer Wolke, die an eine Sprechblase erinnert. Um diesen Fleck herum wurde mit viel dunklem Grün und Blau gearbeitet, wenngleich sich auch zwei weitere weiße Flecken anschließen, die in der Mitte zwei gelbe Flecken haben. Zusammengenommen sieht es aus, als wären es zwei Spiegeleier, die ineinander verlaufen. Unterhalb der Eier sind ungenaue Farbverläufe zu sehen. An dieser Stelle wurde auch bewusst mit dunkleren Tönen gearbeitet, auch wenn es ein absolutes Chaos zu sein scheint. Es gibt hier rote, blaue, grüne, violette, schwarze und rosa Flecken. Die gemalte Person wirkt, als suche und brauche sie dringend Ruhe. Das Gesicht mit der Trompete bläst allerdings mit voller Kraft.

Bildquelle: Wikipedia.de

Text: Max Scheller

Anmerkung der Redaktion: Hier ist durch eine Verwechslung ein anderes Bild beschrieben worden. Zu finden ist das hier beschriebene „Jüngste Gericht“ von Kandinsky unter folgendem Link: https://www.kandinskywassily.de/werk-469.php

Die Kompostion 5 hat laut Wikipedia von Kandinsky ebenfalls den Untertitel „Das jüngste Gericht“ erhalten, daher die Verwirrung. Wir entschuldigen uns.

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„Shot in the Dark“: „Manna“ von Sonia Soberats

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Eine Junge Frau hebt eine Schale über ihren Kopf

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie. Eine junge Frau in einem schulterfreien Kleid hält in ihren erhobenen Armen eine Schale aus getriebenem Metall. Sie hat den Kopf in den Nacken gelegt, lächelt und hält die Augen geschlossen. Über den dunklen Hintergrund verteilen sich kleine Lichtpunkte, die zum Teil einen Schweif haben. Aus der Schale scheint sich Licht wie eine Flüssigkeit in ihren Mund zu ergießen.

Copyright: Sonia Soberats, 2003 Originalmaße 60 x 47 cm

 

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„Duft der Rose“ Von Gerald Pirner

 

Der Duft der Rose

Meine Bilder sind ein Spiel mit Zitaten der verschiedensten Provenienz. Da ist etwa Der Duft der Rose, der sich auf die Erinnerung des Erblindeten an ein Fotoportrait des Malers Mark Chagall bezieht: ein Bild,  auf welchem dieser stehend einen Rosenstrauß wie eine Axt geschultert hält. Nick trägt die Rose im Mund und scheint im Laufen begriffen, beeilt er sich seine Liebe zu erklären oder apportiert er etwas, das jemand anderes verloren hat?

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„Shot in the Dark“: „Death Watch“ von Sonia Soberats

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Ein Mann und eine Frau blicken auf einen Toten hinab.

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie. Ein dunkelhäutiger älterer Mann um die sechzig mit einem Schnurrbart liegt, in Tücher gehüllt, auf dem Boden. Sein Gesicht ist nicht von den Tüchern verdeckt, seine Augen sind geschlossen. Über ihm schwebt eine Wolke aus Lichtlinien.

Eine kräftige Frau mit einem Langstock in der Hand und ein kräftiger dunkelhäutiger Mann neben ihr, stehen hinter dem liegenden Körper, ihre Gesichter gesenkt. Die Augen des Mannes sind von der oberen Bildkante abgeschnitten, die Frau hält die ihrigen geschlossen. Ihre Oberkörper sind dem Leichnam zu ihren Füßen zugeneigt und von geschwungenen Lichtlinien beleuchtet

Copyright: Sonia Soberats, 2008 Originalgröße 60 x 47 cm

 

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100 Meisterwerke: 64. „Ohne Titel“, Rote Tinte und Bleistift auf Papier, 1998 von Louise Bourgeois

Bleistiftzeichnung mit roter Tinte

Bei dem Werk von Louise Bourgeois, das in der Kunsthalle Bielefeld ausgestellt wird, handelt es sich um ein weißes Blatt Papier, auf dem lediglich mit rotem Stift und einem Bleistift gearbeitet wurde. Im ersten Augenblick wirkt es beinahe wie eine Kinderzeichnung, die an einem Familienkühlschrank hängen könnte. Auf den zweiten Blick erkennt man aber die fein säuberlich gezeichneten Linien und die verschachtelte Dimensionalität der Abbildungen.

Das Format des Blattes ist hochkant und etwa 75 Prozent des gesamten Blattes sind weiß, beziehungsweise leer geblieben. Bei ungenauer Betrachtung sieht es so aus, als strecke sich eine rote Säule, vielleicht auch ein sehr lang gezogener Käfig, vom unteren Bildrand bis über den oberen Bildrand. Das DIN A 4 Blatt reichte der Künstlerin aber offensichtlich nicht aus, da das Motiv am oberen Bildrand wie abgeschnitten aussieht, geradezu unvollständig. Es macht den Eindruck, als hätte Louise Bourgeois sich mit dem Maßstab vertan und es somit einfach nicht beenden können.

Bei genauer Betrachtung erkennt man zunächst ein rot gezeichnetes, sehr kleines Kind, welches gerade stehen kann. Die Konturen des Kindes sind ziemlich hart mit Bleistift heraus gearbeitet worden. Man könnte fast behaupten, dass Bourgeois mit Bleistift zunächst die Konturen des Körpers grob vorgezeichnet hat und diesen vielleicht noch korrigieren wollte, falls die Proportionen nicht gestimmt hätten. Das Kind hat einen sehr runden Kopf, ohne Haar und ohne Gesichtszüge. Lediglich ein roter Punkt deutet das Auge an. Der Oberkörper des Kindes ist nicht ausgemalt, sondern lediglich in rot und weiß konturiert. Wenn man anhand der übrigen Kleidung Rückschlüsse auf das Geschlecht des Kindes ziehen müsste, so wäre es wahrscheinlich ein Mädchen, denn es trägt einen Rock und das Bild macht nicht den Eindruck, als würde es stereotypische Gender Vorurteile infrage stellen wollen. Der Rock ist rot schraffiert worden, in der Diagonalen von links oben, nach rechts unten. Darunter trägt das Mädchen noch eine Art Strumpfhose, zumindest kann man dies erahnen. Die Beine sind vordergründig mit Bleistift ausgemalt worden, aber auch etwas Rot lässt sich darin finden. Die dünnen, feinen Details in rot auf den Beinen erinnern an blutgefüllte Äderchen. Der Übergang von Bein zu Fuß ist fließend, wenngleich die Füße ausschließlich rot gezeichnet sind.

Das Kind ist im Profil abgebildet, somit ist auch nur ein Arm erkennbar. Er ist abgesehen von seinen Umrissen komplett papierweiß und etwas unproportional zum Rest des Körpers. Das Kind klammert sich mit der einen sichtbaren Hand, mit ungefähr drei Fingern, an rote Schnüre, welche von oben herab hängen. Die Beine sind so gezeichnet, als würde das Kind gehen. Das hintere wirkt dünner als das vordere Bein.

Man erkennt, dass es sich bei dem Gegenstand links vom Kind, also die rote Säule in der Bildmitte, um eine Frau handelt. Eine Frau mit zwei Körpern übereinander gezeichnet. Beide Körper bilden zusammen unter sich einen kleinen Schatten, der zwischen zwei Absatzschuhen auf dem Boden scheint. Die Schuhspitzen zeigen nach aussen. Da das Bild aus dieser Perspektive überhaupt keinen Sinn ergibt, bestärkt sich der Eindruck, das es sich um eine Zeichnung von Kinderhand handelt. Die beiden Körper haben die selben Beine, man erkennt nur zwei. Das Kind daneben erstreckt sich bis auf Höhe der Knie. Oberhalb der Knie erscheinen die Körper völlig unterschiedlich. Der eine ist groß und dünn. Der zweite Körper hingegen hat eine Sanduhrenform und ist üppig mit Brust und Gesäß ausgestattet und hat im Vergleich eher dünne Arme, die augenscheinlich hinter dem Rücken verschränkt sind.

Beide Körper wurden frontal gezeichnet und sind im Vergleich zu dem Kind wesentlich kräftiger mit Rot gezeichnet worden. Der üppige Körper trägt auch eine Bluse mit acht erkennbaren Knöpfen in Doppelreihe und einem Kragen. Man sieht keinen Ausschnitt. Der sich dort anschließende Hals ist allerdings überdimensional lang und wurde mit Bleistift gezeichnet, danach aber scheinbar wieder ausradiert. Er wirkt deshalb schmutzig und passt nicht zum Rest der sichtbaren, unbekleideten Körperteile. Am Ende des Halses schließt sich der einzige Kopf an, über den die beiden Frauenfiguren verfügen. Herzförmige geöffnete Lippen sind ins Gesicht gezeichnet und ein roter Querstrich deutet die Nasenspitze an. Der Rest des Gesichts ist nicht mehr auf das Blatt gezeichnet worden und macht das Bild unvollständig. Man kann noch erahnen, dass die große Frau entweder sehr langes Haar hat, bis zum Fußboden genauer gesagt, oder einen Umhang vom Kopf bis zu den Füßen trägt, der über die im Ansatz erkennbaren, schmalen Schultern hinab gleitet. Es wirkt zum einen wie Haare, weil es lange, durchgehende, rote Striche sind, die sich am Ende leicht nach außen Wellen. Wie ein Umhang wirkt es, weil es sich an den üppigen Körper anschmiegt und die Sanduhrenform umschmeichelt.

Das Kind hält sich also an dem Haar oder dem Umhang fest. Die hinter dem Rücken verschränkten Arme der üppigen Dame sind leicht ausradiert worden, als hätte sich Louise dagegen entschieden oder eben auch festgestellt, dass die Proportionen nicht stimmen. Mit viel Phantasie könnte man behaupten, dass es sich hierbei um eine Entwicklung ein und der selben Person handelt. Erst ist sie eine wunderschöne, starke und wohl proportionierte Frau und dann wird sie zu einem Geist und zieht gen Himmel davon, weshalb sich vielleicht auch das Kleinkind an sie klammert.

Bildquelle: restauratoren.de

Text: Max Scheller

 

 

 

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