Archiv des Autors: Tina Franziska Paulick

Christian Ohrens – Blinder Foto und Video Blogger

In der Einleitung zu seinem Blog http://christian-ohrens.de erzählt Christian wie er auf die Idee kam zu fotografieren und zu filmen und wie seine Methode funktioniert:

Christian mit einem T-Shirt auf dem steht: Starrt mich nicht so an ... Ich bin doch bloß ein blinder Fotograf.

Warum ausgerechnet Fotos und Videos?

Während meines Studiums habe ich mich (fast ausschließlich) mit audiovisuellen Medien, vorrangig Film und Fernsehen, auseinandergesetzt. Hieraus entstand die Idee, einmal selbst etwas zu filmen, ob nun einen Ort, ein Interview oder was auch immer. Blinde, die sich begleiten und filmen lassen, gab es in der Vergangenheit bereits. Ich wollte selber die Kamera halten und führen; quasi als blinder Regisseur meines eigenen Filmes.

Was das Fotografieren angeht, so entstand die Idee kurz vor meiner letzten Reise. Warum immer nur in Worten beschreiben, was man erlebt hat, gerade, wenn ein Großteil des Freundeskreises sehend ist? Warum soll ich nicht auch, als Blinder, Urlaubsfotos mit nach Hause bringen? Und könnte es nicht interessant sein, wenn man frei nach Gefühl fotografiert, anstatt sich von dem leiten zu lassen, was alle fotografieren?

Wie filmst und fotografierst du?

Beim Fotografieren und Filmen orientiere ich mich stets an Beschreibungen von Passanten, an Geräuschen oder aber auch örtlichen Gegebenheiten (Treppen, Eingänge, Häuserwände etc.). Ich lasse mir meine Umgebung beschreiben, erkunde auf eigene Faust Orte und entscheide so, ob ein Platz/ein Ort/ein Gegenstand für mich interessant ist oder nicht.

Christian geht es nicht um perfekte und gezielte Fotografien. Seine Arbeit ist ein Experiment das oft von Zufallsaufnahmen lebt. Insbesondere durch die Kommentare in den Videos bekommt der Betrachter einen authentischen Einblick der gefilmten Orte und kann vergleichen was zu hören und zu sehen ist.

Woraus besteht deine Ausrüstung?

Ich nutze eine Exilim von Casio, da sie einige gute Automatismen bzgl der Schräglagenkorrektur und Beleuchtung bietet und vor allem klein und handlich ist. Für Videos habe ich mir zusätzlich vor kurzem eine Sony SDR-AS15 angeschafft, das ist eine Action-Camera, die sich jedoch super auf ein Handstativ schrauben lässt.

Wie reagieren Passanten auf dich?

Viele, vor allem sehende, Menschen verstehen nicht, warum ein Blinder fotografiert oder filmt. Sie können und wollen sich auch zum Teil nicht mit so einer Situation auseinandersetzen, weil es für sie schlicht weg keinen Sinn ergibt und, auf dem ersten Blick, nur wie unnütze Knipserei aussieht.

Bei Anderen wiederum wird sogleich das Helfer-Syndrom geweckt. Eigentlich nicht schlimm, würden manche nicht sogleich das Kommando der Kamera übernehmen und ein aus ihrer Sicht besseres Foto schießen wollen. Dies führte in der Vergangenheit schon dazu, dass Passanten auf der Straße mir die Kamera aus der Hand nehmen, oder zumindest mit mir gemeinsam die Kamera richtig führen wollten.

„Vorsicht … Blinder Fotograf!“

Um diese ‚Eingriffe‘ zu verhindern, aber auch um ein wenig die Neugier für das ‚Neue‘ zu wecken, entschied ich mich in diesem Jahr, bei meinen Foto- und Videotouren ein T-Shirt zu tragen: „Starrt mich nicht so an… Ich bin doch bloß ein blinder Fotograf“. Diese Verharmlosung, die eher einen Scherz vermuten lässt, bringt jedoch die Sache kurz und knackig auf den Punkt: Wir sind ’nur‘ blind, haben aber die gleichen Interessen wie Ihr. Wir belächeln Euch ja auch nicht, wenn Ihr mal Hörspiele hört oder produziert. Sie enthalten ja auch schließlich nichts fürs geliebte Auge…

Hast du die Fotos auf deinem Blog alle selbst gemacht?

Ca. 80% meiner hier gezeigten Filme und Fotos sind wirklich von mir geschossen worden. Dies bedeutet auch, dass ich mir zwar von anderen Passanten bzw. Besuchern beschreiben ließ, was sich in meiner unmittelbaren Umgebung befand, jedoch ließ ich mich selten beim Fotografieren führen, geschweige denn habe die Kamera aus der Hand gegeben. Letzteres machen die übrigen 20% meiner Fotos aus.

Die Bilder sind so, wie sie sind: Originale. Unbearbeitet, unselektiert. Selbst wenn ein Bild zehnmal aufgenommen wurde, selbst wenn es verruckelt ist oder die Kamera schief gehalten wurde, selbst wenn nur eine weiße Wand (anstatt des ganzen Raumes) aufgenommen wurde. Viele der Bilder hätte der Sehende sicherlich aussortiert. Aber genau darin liegt ja gerade der Sinn meines Experiments.

Einige von Christians Projekten:

Christians Foto –und Video Touren führten ihn bis jetzt unter anderem nach Trier, Köln, München, Recklinghausen, Marburg, Skandinavien und sogar Jekaterinburg in Russland. Er arbeitet auch als DJ und Radio Moderator. Mehr Infos findet ihr auf seiner Homepage und seinem YouTube Kanal.

Zitate und Foto: http://christian-ohrens.de/bilder/ sowie E-Mails.

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Überbelichtung als probates Stilmittel? – High-Key von Nadine

Liebe Leser,

Da ich gestern schon mit dem leidigen Thema Belichtung begonnen habe, mache ich an dieser Stelle einfach mal etwas differenzierter weiter. Außerhalb der, für uns, normalen Belichtung von Fotos, die auch für unser Auge eher gewohnt wirken, gibt es auch Bilder, bei denen bewusst mit sehr viel Licht gearbeitet wird. Das sind die sog. High-Key-Fotos.

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Tipps zur Belichtung von Nadine

Liebe Leser,

da ich in der letzten Zeit öfter gefragt werde, wie ich arbeite, werde ich mich an dieser Stelle eine Weile dem Schildern meiner Herangehensweise an verschiedene Situationen und Arbeitsweisen widmen.

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Barrieren im Kopf von Nadine

Liebe Leser,

nun, da ich auch werbepräsent bin und auch der erste größere Auftrag ansteht, bin ich an eine Grenze gestoßen, an die ich, als ich mit dem Fotografieren angefangen habe gar nicht gedacht hatte. Menschen, die nicht glauben, dass ich meine Fotos selbst mache.

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11 Gesichter einer Frau von Susanne

Die Fotografin:

Portrait-Fotografie‘ hieß das Thema in diesem Semester. Allein der Gedanke verursachte mir Kopfschmerzen. Bisher waren meine Motive berechenbarer für mich. Ich konnte sie mir besser vorstellen und empfinden. Wie sollte ich einen Menschen empfinden, wenn ich ihn nicht sah. Ich verband ihn mit Dingen, die ich kannte. Ließ unser Model z.B. Seifenblasen machen und auf einem Spielplatz schaukeln. Das gab mir ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Ich konnte die Situation nachspüren – denn auf dem Display der Kamera sah ich nur schemenhaft.

Aber ich wollte auch klassische Portraits machen und so zogen wir nach Innen um. Es wurden für mich optimale Bedingungen geschaffen, das bedeutete Licht von hinter mir und auf das Gesicht unseres Models gerichtet. Ein geringer Abstand zwischen uns, rundete das Ganze ab. Die Überraschung folgte, als ich die Kamera einschaltete und auf das Display schaute. Klar und deutlich sah ich dort Zehras dunkle Augen, ihre schön geformten ebenfalls dunklen Augenbrauen und ihr lockiges schwarzes Haar, das ihr Gesicht umrahmte.

Diese starken Kontraste machten es möglich ihre Mimik viel besser einzuschätzen. Es fehlte mir nur die Mundpartie, die konnte ich wie sonst nur schemenhaft erahnen.

Das gab mir nun Möglichkeiten in die Hand, die ich bisher nicht hatte. Wir konnten beide direkt in Kontakt treten. Diesmal fühlte ich die Situation nicht nur, ich sah sie auch. So hielt ich verschiedene Emotionen, die Zehras Gesicht preisgab, in den Bildern fest.

Collage mit 11 Fotos einer Frau auf schwarzem Hintergrund angeordnet.

Bildbeschreibung:

Wir sehen eine Collage aus 11 Portraits einer jungen Frau – Zehra. Jedes Bild zeigt sie in einer neuen Momentaufnahme, die durch ihre Mimik eine jeweils andere Stimmung widerspiegelt. Trotzdem entstand die Fotoserie am Stück hintereinander.

Die Portraits sind vor schwarzem Hintergrund aufgenommen. Alle Fotos zeigen aber ganz zentral im Bild das Gesicht der jungen Frau in Großaufnahme. Es nimmt fast den gesamten Bildbereich ein – überwiegend vom Kopf, über den Hals, bis zum Ansatz der Schultern. Der Hintergrund spielt daher keine große Rolle, sondern untermalt nur das Gesicht, setzt es in Szene.

Von der Kleidung ist jeweils nur an den Schultern ein kleiner Teil zu erkennen. Ein enganliegendes Shirt, bei dem auf schwarzen Untergrund blühende rote Rosen gedruckt sind.

Zehra hat ein südländisches Aussehen. Ihre Haare sind sehr dunkel – fast schwarz, schulterlang und gelockt. Die junge Frau trägt ihre Haare offen, sodass sie ihr Gesicht umrahmen. Dieses ist oval geformt, mit einer hohen Stirnpartie. Zehras Augenbrauen sind markant – wie die Haare von dunkler Farbe und haben eine schmal geschwungene Form.

Es sind immer wieder ihre Augen, die im Bild den Blick des Betrachters als Erstes auf sich ziehen. Zehras Augen sind mandelförmig, mit einer auffallend dunklen Iris. Die Augenfarbe ist dunkelbraun, so dunkel, dass sich das Schwarz der Pupille kaum von der Augenfarbe abhebt. Zarte, aber lange Wimpern umranden die Augen, in denen Emotionen intensiv widergespiegelt werden.

Insgesamt ist das Gesicht zierlich, sodass sich die Wangenknochen abzeichnen. In der Nase trägt Zehra einen winzigen Schmuckstein, so klein, dass er auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist. Der Mund harmoniert mit dem restlichen Gesicht – die Lippen weder voll, noch besonders schmal geformt.

Die einzelnen Fotografien zeigen einen Regenbogen an Emotionen. Das Spektrum reicht von ernst-nachdenklich, und ängstlich-unsicher, schüchtern, über offen-freundlich, selbstbewusst und kokettierend, bis hin zu lachend-albern, den Schalk im Nacken.

Die Fotografin:

So endet für mich die Portraitreihe mit noch einem Höhepunkt, ich schaue in Zehras verschiedene Gesichter, bei guter Beleuchtung nun auch auf meinen Fotos und ich finde sie sind super gelungen. Deswegen an dieser Stelle: Dank an mein Team!

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Die Blinde Fotografin

blinde Fotografin mit Hund

Auf dem Bild ist eine Frau mit einer Kamera zu sehen. Es handelt sich um eine Fotografie, die an einem Sonntag im Oktober 2015 in Leipzig aufgenommen wurde. Die Fotografierende Person steht in einem Abstand von circa zwei Metern zu der Person, die das Bild aufgenommen hat. Die Fotografin auf dem Bild ist leicht nach links gedreht und fotografiert aus dem Bild heraus, ein unbekanntes Motiv.

Im Vordergrund befindet sich eine Frau Anfang Dreißig auf einem Bürgersteig. Sie hat braune lange Haare, die nach hinten gelegt sind. Sie trägt eine braune Lederjacke mit einem fliederfarbenen Schal, eine schwarze Hose und schwarze Turnschuhe mit weißer Sohle. In der rechten Hand hält sie eine Kamera, die ihr Gesicht größtenteils verdeckt. Es ist noch erkennbar, dass sie eine Sonnenbrille trägt. Links von ihr ist ein brauner Hund zu sehen, den sie an der Leine führt. Ebenfalls in der linken Hand befindet sich ein Blindenstock. Dieser befindet sich mit der Kugel auf den geriffelten hellgrauen Bodenplatten, die sich in einer dreier Reihe auf dem Bürgersteig befinden.

Der Bürgersteig ist strukturiert durch verschiedene Steinarten. Von vorne gesehen sind kleine Pflastersteine, dann die geriffelten Bodenplatten, wieder Pflastersteine und große Steinplatten aneinander gereiht. Neben der Fotografin verläuft ein grauer Metallzaun, der den Bürgersteig von einem Hof trennt. Von rechts nach links gesehen reihen sich eine schmale graue Metallwand eines Containers, ein Hof und der Flachbau einer Garage aneinander. Die Mauern der Garage sind mit Graffiti besprüht. Im Hintergrund sind zwei Häuser zu sehen. Eines davon ist saniert und das Dach mit Gauben versehen, das andere unsaniert und die Fenster sind teilweise zugemauert.

Das spannende an diesem Bild ist die Fotografin selbst, da sie sich dieses Bild als „Inszenierung“ gewünscht hat. Sie, als blinde Frau mit Blindenstock und Blindenhund, kann wie alle Menschen auch fotografieren. Außerdem ist in diesem Moment das Motiv, welches sie gerade fotografiert genauso wenig für den Betrachter des Bildes wahrzunehmen, wie für sie selbst.

 

 

 

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