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100 Meisterwerke: 13. „Großinquisitor“ von El Greco

Großinquisitor

Das 171 x 108 cm große Ölgemälde des Großinquisitors wurde um 1600 vermutlich im Spanischen Toledo geschaffen und befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York. El Grecos Signatur des Gemäldes findet sich auf dem zerknitterten Blatt auf dem Boden vor dem Großinquisitor.

Das hochformatige Gemälde zeigt den geistlichen Großinquisitor Kardinal Fernando Niño de Guevara. Er ist in seinen Sechzigern und von schlanker Statur. Der Kardinal sitzt zentral auf einem hölzernen, mit Schnörkeln verzierten Stuhl und nimmt den Großteil des Bildes ein. Sitzfläche und Lehne des Stuhles sind mit rotem Samt bezogen, der mit goldenen Nägeln befestigt ist.

Der Mann sitzt gerade mit leicht geöffneten Beinen auf dem Stuhl. Sein Blick ist aus der Perspektive des Betrachtenden in die rechte Bildmitte gerichtet. Die Arme liegen auf den Armlehnen. Seine rechte Hand hängt locker am Ende der Armlehne hinunter und seine linke Hand wirkt etwas verkrampft an die Lehne geklammert. Er trägt an jeder Hand jeweils zwei prunkvolle Ringe, je am Ringfinger und am Zeigefinger. Seine Hände sehen sehr knochig und dünn aus. Sie sind faltig, blass und von Adern durchzogen.

Der Kardinal trägt hellbraune, geschlossene Lederschuhe, von denen nur die Spitzen zu sehen sind. Des Weiteren ist er mit einem langen, rosa-roten Kardinalsgewand bekleidet. Das Gewand sieht aus wie ein Kleid; unten weit ausladend und oben ist es eine Art Umhang, der bis zur Hüfte reicht. Dieser Umhang ist mit einer geraden Knopfleiste in der gleichen Farbe bis zum Kinn hinauf geschlossen. An den Handgelenken, am Kragen und in der Mitte, wo das Gewand auseinander fällt, blitzt ein gefälteltes Untergewand hervor. Dieses ist gelb-weiß mit schwarzen Schattierungen und an den Rändern mit Spitze versehen.

Auf dem Kopf trägt er eine Kardinalsmütze im Farbton des Obergewandes. Die Form der Mütze erinnert leicht an einen steifen Turban, aber sie ist nicht gewickelt. In der Mitte, sowie rechts und links stehen die Außenkanten etwas eckig ab. Der höchste Punkt der Mütze befindet sich in der Mitte, von wo aus eine Naht senkrecht zum unteren Rand verläuft.

Das schmale Gesicht wirkt müde und erschöpft. Er trägt einen grauen Vollbart, der vorne an der Spitze weiß meliert ist. Er hat schmale, geschlossene Lippen und eine ebenfalls schmale, lange Nase mit einem Huckel. Der Inquisitor trägt eine runde, schwarz umrahmte Brille. Er hat eine hohe, mit Denkfalten versehene Stirn, große, dunkle Augen und dunkle, buschige Augenbrauen, die etwas über dem Brillengestell hervor schauen. Der Kardinal hat große, schmale Ohren und kurze Haare an den Schläfen.

Vor seinen Füßen liegt ein rechteckiges Blatt Papier, an dem die rechte untere Ecke leicht geknickt ist und es scheint schon einmal gefaltet gewesen zu sein. Es sieht bemalt oder beschrieben aus. Die Signatur des Malers, die sich darauf befindet ist nicht zu erkennen. Der Hintergrund ist ungefähr mittig zweigeteilt. Links hinter dem Stuhl steht ein dunkler, rustikaler Holzschrank und rechts scheint die Wand mit gemusterter Goldtapete bedeckt zu sein. Der Boden ist mit hellgrauen und rötlichen und schwarzen Marmorfliesen versehen.

Insgesamt wirkt das Bild ernst und trostlos. Der Kardinal hat einen leeren Blick und wirkt durch die verkrampfte Handhaltung sehr angespannt. Seine Kleidung und der Hintergrund lassen ihn reich und mächtig erscheinen. Wenn man weiß, dass die Spanischen Inquisitoren viele Menschen hinrichten ließen, wirkt sein Gesicht kalt und grausam. Ohne das Kardinalsgewand wäre es eher ein Portrait eines Politikers als das eines Geistlichen.

Das Gemälde diente Stefan Andres als Grundlage für seine 1936 erschienene Novelle „El Greco malt den Großinquisitor“, ein fiktionaler Text der sich mit dem Machtverhältnis von Kirche und Staat, sowie der individuellen Religiosität des Malers befasst.

Text: Jenny Kraus 

Bildquelle: Wikimedia

 

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100 Meisterwerke: 12. „Betende alte Frau“ von Rembrandt

Betende alte Frau

Das Gemälde „Betende Alte Frau“ des Niederländischen Barockmalers Rembrandt Van Rijn wird auch „Rembrandts Mutter betend“ genannt. Das hochformatige Bild mit den Maßen 15,5 x 12,2 cm wurde in Öl auf Kupfer gemalt. Heute ist es in der Residenzgalerie in Salzburg ausgestellt. Insgesamt ist das Gemälde in dunklen Farben gehalten und strahlt Ruhe aus.

Abgebildet ist der Oberkörper einer alten Frau mit zum Gebet gefalteten Händen. Sie wendet dem Betrachtenden ihre linke Seite zu. Es scheint, als würde sie in die linke untere Ecke des Bildes schauen. Die Frau trägt einen Pelzumhang  und ein rotes Kopftuch. Das Tuch ist so weit, dass es sich an den Seiten wölbt wie eine Kapuze und am Hinterkopf ein Zipfel zu sehen ist. Es ist bis in die Hälfte der Stirn gezogen, so dass kein Haaransatz erkennbar ist. Nur an der der dem Betrachtenden zugewandten Seite sind wenige, sehr dünne, längere, grau-weiße Haare zu sehen. Es scheint als ob die Frau von oben beleuchtet wird, da nur der obere Teil des Kopftuches in kräftigem rot erstrahlt; an dieser Stelle sind auch die Pinselstriche deutlich erkennbar. Weiter unten hingegen wirkt der Stoff dunkler.

Das Gesicht leuchtet beige-gelb und ist komplett mit vielen, kleinen Falten überseht. Die Frau scheint Mitte-Ende neunzig zu sein. Da Ihr Blick nach unten gerichtet ist, hat sie ihre Augen nur einen kleinen Spalt breit geöffnet. Augenbrauen sind nicht zu erkennen. Ihre Augenlieder sind breit und lassen mandelförmige Augen erahnen. Die Nase ist gerade und lang. Ihr Mund ist leicht geöffnet und gibt den Blick auf zwei einzelne, faulige Zähne im Unterkiefer frei. Die Oberlippe ist sehr schmal und die Unterlippe gleichmäßig breit und etwas spröde. Ihr Kinn ist rund und kurz. Da ihr Kopf nach unten geneigt ist, bildet sich ein Doppelkinn, welches einen Schatten auf den gelben Schal wirft. Dieser Schal wurde vorne einmal übereinander geschlagen und scheint aus grober Wolle zu sein. Der Schal ist oben gelb-braun vermischt und wird dann dunkelrot.

Durch den voluminösen Umhang ist die Gestalt der alten Frau nicht zu erkennen. Der schwarze Umhang geht nahtlos in den ebenfalls schwarzen Hintergrund über. Nur der Kopf samt Tuch, der Schal und die Hände stechen hervor. Die Hände der alten Frau berühren sich leicht auf Brusthöhe zum Beten. Die Hände ragen bis zum Handgelenk aus dem Umhang heraus. Gut sehen kann man aufgrund der Position der Frau nur ihre linke Hand. Von ihrer rechten Hand ist nur ein Stück Handfläche und Handballen zu sehen. Die gut sichtbare Hand ist mit tieferen Falten überzogen. Die Haut wirkt dünn und fast durchscheinend. Sie hat relativ kurze breite Finger mit kurzen Fingernägeln.Das Bild wird im Ganzen von unten nach oben etwas heller. Es wirkt fast so als werd die alte Frau von oben angeleuchtet. Die Szene wirkt sehr friedlich. Die alte Frau scheint tief ins Gebet versunken zu sein.

Text: Jenny Kraus

Bildquelle: Wikimedia

 

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100 Meisterwerke: 11. „Die Dame auf dem Pferd“ von Alfred Kubin

Die Dame auf dem Pferd

Das Gemälde von Alfred Kubin mit dem Titel „Die Dame auf dem Pferd“ ist um 1900 entstanden. Es ist heute in der Neuen Galerie New York ausgestellt und hat die Maße 39.7 × 31 cm. Das hochformatige Bild ist in Schwarz-weiß Tönen gehalten. Es zeigt ein Schaukelpferd mit scharfen „Sensen“ als Wippe. Unter den Sensen liegen zertrümmerte Menschenteile verstreut. Auf dem Pferd sitzt eine Reiterin.

Das stolze, weiße Pferd nimmt fast das ganze Bild ein. Es ist dünn und muskulös. Das Tier hat seine spitzen Ohren aufgestellt, die Nüstern weit aufgebläht und die Zähne aufeinander gebissen. Es wirkt als ob es in Angriffsstimmung ist. Die Beine, die auf den Enden der beiden Kufen stehen, sind durchgestreckt. Es trägt ein einfaches, dünnes Zaumgeschirr.

Die Reiterin sitzt im Damensitz auf dem Pferd. Ihre Beine hängen auf der dem Betrachtenden zugedrehten Seite des Pferdes herab. Sie trägt ein schwarzes, langes Kleid, welches ihren gesamten Körper bedeckt. Das Kleid hat lange Ärmel, ist oben sehr eng anliegend und wird nach unten weiter, so dass es den hinteren Teile des Pferdes komplett bedeckt. Der rechte Arm der Frau ist gerade nach vorne ausgestreckt, mit der rechten Hand hält sie die Zügel. Den linken Arm hat sie im rechten Winkel auf ihren linken Oberschenkel gestützt. In der linken Hand hält sie eine Reitgerte, die nach hinten zeigend aus dem Bild hinaus ragt.

Die Dame trägt dunkle Handschuhe und einen hohen, schwarzen Zylinder. Sie hat schwarze Haare, die zum Knoten gebunden sind. Ihren Blick richtet sie über ihre linke Schulter zum rechten Bildrand hin. Ihr Blick wirkt kalt und ernst. Das Gesicht ist weiß-grau und bildet einen starken Kontrast zu ihrer schwarzen Kleidung. Die Frau hat ein spitzes Kinn, einen langen Hals, eine längliche Nase und einen hervorstehenden Kiefer.  Sie ist sehr schlank und es sieht aus als träge sie eine Korsage unter ihrem Kleid, die ihre steife Haltung zusätzlich verstärkt.

Unter den sensenartigen Wippen, auf denen das Pferd steht, liegen graue menschliche Körperteile, hauptsächlich Arme und Beine, die quer über den Boden verstreut sind. Der Bildhintergrund ist aufgeteilt in ein Viertel Boden und der Rest Wand. Der Boden ist grau und die Wand ist schwarz. Um den Oberkörper der Frau und das Pferd herum erscheint der Hintergrund etwas heller.

Insgesamt wirkt das Bild auf mich aggressiv, brutal, düster und mächtig. Als wolle der Maler eine autoritäre Gräfin darstellen, die ihre Gegner oder Untertanen ohne Rücksicht und Erbarmen buchstäblich zermalmt.

Text: Jenny Kraus

Bildquelle: Brooklynrail.org

 

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100 Meisterwerke: 10. „Tod zum Blinden“ Szene aus dem „Baseler Totentanz“

Baseler Totentanz

Bis 1805 war an der Innenseite einer Friedhofsmauer des Dominikanerklosters in Basel ein etwa 60 Meter langes und etwa zwei Meter hohes, vermutlich um 1440 von einem unbekannten Künstler angefertigtes Bild zu sehen: „Der Basler Totentanz. Das Bild wurde mit Temperafarben auf den Verputz gemalt und bedeckte die gesamte Fläche der Mauerseite. Die genaue Entstehungsgeschichte, Künstler oder Auftraggeber sind unbekannt. Die Mauer wurde 1805 abgerissen und der originale „Basler Totentanz somit nach vielfachen Restaurierungen und Kopien zerstört.

1806 schuf Johann Rudolf Feyerabend nach Vorlage einer Kopie von Emanuel Büchel aus dem 18. Jahrhundert eine Aquarellkopie. Das Bild ist im Querformat gestaltet; allerdings ist die Länge des Originals optisch in fünf Stücke geteilt, die wiederum in Reihen übereinander angeordnet sind. Unter jeder Bildzeile befindet sich ein schmaler, hellbrauner Streifen, der nach oben und unten jeweils durch eine dünne, schwarze Linie begrenzt ist. Darin steht unter jeder Szene der jeweilige Titel in geschwungenen Lettern: „Der Tod Zum / Zur …“.  Der Hintergrund der Szenen wie auch der Streifen für die Unterschriften sind durchgängig gezeichnet. Die Schatten eines Bildes fallen teilweise in das rechts anschließende.

Abgebildet sind 37 lebensgroße Tanzpaare, bestehend aus dem Tod in Gestalt eines menschlichen Skeletts und eines Menschen. Die Menschen sind mit Attributen ihres jeweiligen Standes oder Berufes dargestellt; dies und die Reihenfolge der Darstellung zeigen die Hierarchie der spätmittelalterlichen Gesellschaftsordnung: beginnend mit dem Papst und endend mit dem Bauern. Diese Gesellschaftsordnung wird durch das Bild  bekräftigt. Hoffnung gibt es im Tod, da alle Menschen sterben müssen. Außerhalb der Rangordnung sind vor dem Papst in der ersten Reihe der Prediger und der Tod selbst in jeweils einer Szene dargestellt. Nach dem Bauern in der fünften und letzten Reihe sind in vier Szenen Adam und Eva, der Maler, die Malerin sowie abschließend die Miniatur der Predigerkirche mit Kirchhof und Kirchmauer, auf welche der Totentanz gemalt war, zu sehen.

„Der Tod zum Blinden“

Die Szene „Tod und Blinder“ befindet sich als drittes Bild von rechts in der vierten Reihe von oben.

Im Mittelpunkt der Szene stehen deutlich rechts der Blinde und links der Tod. Bei dem Blinden handelt es sich um einen eher älteren Mann mit weißem Haar und weißem länglichem Bart. Er läuft gekrümmt. Der Körper erscheint dünn und eher schmal, aber nicht abgemagert. Die Perspektive zeigt ihn von rechts kommend und folglich von seiner linken Seite. Sein Gesichtsausdruck erscheint kläglich, aber freundlich. Seine Kleidung ist zerschlissen: die weiß-grauen Beinkleider zeigen Löcher und bedecken die Beine bis zur Hälfte der Waden. An den Füßen trägt er schwarze Überwürfe, die von knapp über den Knöcheln abwärts reichend und weder Zehen noch Sohlen bedecken. Ein annähernd backsteinfarbenes Gewand unter einem hellbraunen, ärmellosen Überwurf bedeckt den Körper des Mannes von den Schultern bis zu den Oberschenkeln. Der Kopf ist mit einem schwarzen, flachen und runden Hut mit weißem, schmalem Hutband bedeckt. Im Nacken liegt ein gräuliches Halstuch. Um seine Schultern hängt ein schwarzer Schulterriemen, an dem seine Habseligkeiten befestigt zu sein scheinen.

Mit der rechten Hand hält der Blinde senkrecht einen wahrscheinlich geschnitzten Holzstab, in der linken eine dünne Leine, an deren anderem Ende sich ein kleiner Hund befindet, der in die gleiche Richtung läuft wie der Mann, sich jedoch nach ihm umschaut. Er reicht mit dem Rücken gerade bis zur Wade des Mannes. Abgesehen von ein paar schwarzen Flecken auf dem Rücken und ebenfalls schwarzen Ohren, ist der Hund weiß. Sein Fell ist kurz und zottelig.

Ihnen entgegen tritt der Tod: Ein menschliches Skelett, oder eher ein bis auf die Knochen abgemagerter Mensch, mit weißem, spitzen Kinnbart und länglichem Schnurrbart sowie grauem Haupthaar. Seine Augen sind nicht nur leere Höhlen und der Mund ist leicht geöffnet. Der Gesichtsausdruck wirkt neutral. Der Tod trägt einen Strohhut mit zwei langen grauen Vogelfedern daran. An den Beinen sind zerschlissene Hosen, die bis zu den Oberschenkeln reichen, angedeutet. Dazu trägt er eine knappe Schürze, die den Lendenbereich bedeckt.

Entsprechend der Szene kommt der Tod von links und zeigt seine rechte Seite. Der Hund befindet sich direkt zwischen den sich in Bewegung befindenden Beinen des Todes. Mit der linken Hand hält der Tod  den Stab des blinden Mannes fast am oberen Ende fest umschlossen, in der rechten Hand hält er eine Schere, deren geöffnete Schenkel bereits die Hundeleine zu umfassen beginnen.

Der Hintergrund der Szene zeigt einen schmalen, sandfarbenen Weg im unteren Bereich, und perspektivisch dahinter einen etwa doppelt so breiten Grasstreifen. Darüber schließt der gräulich erscheinende hellblaue Himmel bis zum oberen Rand der Szene an. An der äußersten rechten Seite des Horizonts erscheint blass ein Haus oder ein Gut mit Bäumen dahinter. Am Wegessrand bis in den Grasstreifen hinein befindet sich senkrecht zur Laufrichtung der Figuren ein in den Boden eingelassenes längliches, rechteckiges Loch.

Text: Philipp Zeitler

Bildquelle: Wikimedia

 

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100 Meisterwerke: 9. „Feldhase“ von Albrecht Dürer

Feldhase

„Feldhase“ ist ein im Jahr 1502 entstandenes Aquarell von Albrecht Dürer. Das Bild hat die Maße von 25,1 x 22,6 cm im Hochformat, erscheint aber annähernd quadratisch. Es befindet sich in der Albertina in Wien. Dürers Tierbilder sind bekannt für ihre Detailtreue. Der Hintergrund ist hell, gebrochen weiß und beige, an den meisten Stellen fein, manchmal grob gescheckt. Das Hauptaugenmerk fällt sofort auf den Hasen, der mit aufgerichteten, langen Ohren in der Mitte des Bildes sitzt. Die Bilddiagonale verläuft sehr akkurat von links oben nach rechts unten. Der Hase ist von links vorne im Dreiviertelprofil gezeichnet.

Der Kopf, die Löffel und die Brustpartie des Hasen sind in Untersicht, die Rückendecke und die Hinterhand in Aufsicht dargestellt. Das Fell  ist überwiegend hellbraun. An einigen Stellen an Kopf und Rücken ist es etwas dunkler gefärbt. Im Kontrast dazu sind Brust und Unterseite wesentlich heller. Die Struktur der Felllagen ist sehr detailliert dargestellt, wodurch das Fell beinahe glänzend und greifbar wirkt. Der Hase sitzt auf seinen Hinterläufen, deren Knie wie zwei Höcker am Hinterleib jeweils rechts und links über den Rücken hinaus ragen. Die Vorderläufe liegen unter seiner Brust. Die beschatteten und daher etwas dunkleren Pfoten ragen erheblich unter dem Körper hervor. Krallen und Fingerknochen sind deutlich gezeichnet.

Der Kopf erscheint fast klein gegen die übergroßen Ohren. Das rechte Ohr des Hasen ist parallel zur Bilddiagonale nach hinten angewinkelt und weist an den Rändern ringsherum sehr helles Fell auf. Sein linkes Ohr steht fast senkrecht nach oben;  lediglich die hellbraun gefärbte Außenseite ist dem Betrachtenden zugewandt. Die Augen sind dunkel, bräunlich mit großer schwarzer Pupille. Im dem Betrachter zugewandten Auge ist eine helle Spiegelung reflektiert. Die dunkle Stirn strebt zum Maul und mündet in der deltaförmigen Nase. Die Unterseite der Nase ist schwarz. An den Oberlippen rechts und links der Nase sprießen deutlich sehr dunkle, vielleicht schwarze Schnurrhaare. Ebenfalls deutlich allerdings in Zahl und Länge geringer sprießen dunkle Haare über den Augen und den etwas heller gefärbten Wangen hervor.

Etwa in der Mitte des Körpers am Bauch befindet sich sehr helles, wahrscheinlich weißes Fell, unter dem die rechte Hinterpfote teilweise hervorlugt. Am rechten Hinterlauf befindet sich auf der dem Boden zugewandten Seite ein grauer Fleck. Der Hase wirft von sich aus nach links vorne einen leichten Schatten in den rechten unteren Bereich des Bildes – allerdings nicht über eine imaginäre waagerechte Linie in Verlängerung der Pfoten hinaus

Mittig am unteren Bildrand,  jedoch mit Abstand zu diesem, steht die Signatur des Malers: Das Entstehungsjahr 1502 über Dürers Initialen, der Großbuchstabe D zwischen den Schenkeln eines größeren Großbuchstaben A.

Der Hase wirkt als würde er für den Moment des Betrachtens still sitzen, schnuppern und lauschen. Er erweckt den Eindruck als könnte er jeden Moment davon hoppeln.

Text: Philipp Zeitler

Bildquelle: Wikimedia

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100 Meisterwerke: 8. „Portrait der Natalia Vodianova“ von Paolo Roversi

Portrait Natalia Vodianova

Das Portrait ist 2003 von dem Fotografen Paolo Roversi aufgenommen  worden. Roversi ist seit Jahrzehnten in der Mode- und Portraitfotografie tätig und hat schon zahlreiche Models abgelichtet.  Auch bei diesem Portrait handelt es sich um ein Model – Natalia Vodianova (Natalja Michailowna Wodjanowa). Die heute 34-jährige ist ein bekanntes Gesicht in Werbekampagnen für große Mode Labels und bekannte Kosmetikmarken. Das Bild ist Teil einer als „Nudi“-Serie bezeichneten Bilderreihe, die neben  Natalia noch andere erfolgreiche Models enthält. Diese Serie wiederum ist Teil der Ausstellung Supermodells“ und wurde als Buch unter dem Titel „NUDI veröffentlicht.

Roversi legt hier seinen Fokus auf die Wirkung des Lichtes im Zusammenhang mit dem nackten Körper. Er arbeitet dabei mit dem Pigmentdruck. Dass Originalbild ist 135 x 110 cm groß. Das Portrait ist schwarz – weiß und im Hochformat.

Auf dem Bild ist der nackte Oberkörper einer jungen Frau, um die zwanzig, zusehen. Es handelt sich jedoch nicht um den kompletten Oberkörper, sondern nur um einen Ausschnitt bis zur Mitte des Rückens. Sie schaut direkt in die Kamera, ihr Oberkörper ist dabei jedoch eher abgewandt. Es wirkt, als ob sie eigentlich mit dem Rücken zur Kamera sitzt und sich dann leicht dreht, um über ihre rechte Schulter zurück zu schauen. Es ist somit nichts von Brust oder Bauch zuerkennen. Natalia trägt ihre leicht gewellten, dunkelblonden oder hellbraunen Haare offen. Sie reichen ihr bis zu den Achseln.  Ihre rechte Schulter ist nicht von den Haaren bedeckt und deutlich zusehen. Ihre Haut ist hell und sieht sehr gepflegt aus,. Außerdem liegt ein Schatten unter ihren Achseln, welchen sie selbst durch ihren rechten Arm verursacht.

Das Model hat ein sehr feines Gesicht, wobei ihre Augen sofort in den Fokus rücken. Da diese groß und klar wirken. Außerdem stechen sie zusätzlich hervor, da sie hell leuchten auf ganz natürliche und ungeschminkte Weise. Dabei sind ihre Wimpern kaum zu erkennen und die in Form gezupften Augenbrauen sind ihrer ovalen Augenform angepasst. Das Portrait ist generell sehr natürlich und Natalia wirkt ungeschminkt, ansonsten trägt sie keinerlei Schmuck und ihre Ohren sind vollkommen von ihren Haaren bedeckt. Sie hat volle Lippen, wobei Unter- und Oberlippe gleich proportioniert sind. Ihr Mund ist geschlossen und deutet weder ein Lachen noch traurig nach unten gezogen Mundwinkel an. Der Rest ihres Gesichtes passt sehr gut zum Gesamteindruck – Kinn, Nase und Stirn rücken eher in den Hintergrund und haben keine markanten Merkmale. Insgesamt ist sie vermutlich eher klein und zierlich gebaut.

Der grau melierte Hintergrund ist bei diesem Portrait unwichtig. Wie schon zuvor erwähnt, stechen die Augen sehr hervor und der Blick wirkt dabei intensiv. Sie wirkt zerbrechlich und vorsichtig.  Ich empfinde dieses Portrait als sehr gelungen und ästhetisch ansprechend.

Text: Mandy Buchwalsky

Bildquelle: Artprice.com

 

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