Archiv der Kategorie: Sonstiges

Kurzfristig Leser_Innen für Audio Versionen unserer Texte gesucht

Dank freundlicher Unterstützung einer Blindenschule in Berlin, können wir Blinden Besuchern unsere Bildbeschreibungen für die Ausstellung in der Brotfabrik im Dezember als Blindenschriftdruck anbieten. Da aber nicht alle Blinden Braille beherrschen und einige der Texte ziemlich lang sind, möchten wir auch Audioversionen auf ausleihbaren MP3-Playern bereitstellen.

Um dies möglich zu machen, suchen wir jetzt sehr kurzfristig noch Freiwillige, die einen oder mehrere Texte für uns auflesen. Professionelle Sprecherausbildung oder Vorkenntnisse sind nicht nötig. Alles was ihr braucht ist ein Handy oder Cmputer mit Aufnahmesoftware. Durchschnittliche MP3-Qualität ist völlig ausziehend.

Bei Interesse schreibt uns an picdesc@gmail.com

Und bitte weitersagen!

Vielen Dank

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Aus Zwei mach Eins – Katrins Gedanken zur Schattenserie

An diesem wunderschönen letzten Oktobertag wanderten wir in den kleinen Park in der Nähe der ASH. Ich wollte das schöne Wetter unbedingt nutzen, um ein paar Herbstbilder zu machen. Ich liebe diese Jahreszeit und hatte noch gar keine Fotos davon. Von Sommer, Frühling und Winter jede Menge, aber nicht vom Herbst.

Wir hatten überlegt, etwas mit Blättern zu fotografieren und das Spiel von Licht und Schatten im Bild festzuhalten. Wie wir schließlich auf die Idee mit den Doppelschatten gekommen sind, weiß ich nicht mehr, aber dieses Phänomen hat mich fasziniert: Ein Schatten mit einem Kopf, vier Armen und vier Beinen. Eine Art Fabelwesen also, wenn man den Ursprung des Schattens nicht kennt. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich an Schatten durchaus auch visuelle Erinnerungen habe. Das fasziniert mich besonders an der Fotografie: Wie durch die Beschäftigung mit visuellen Zusammenhängen bei mir Erinnerungen zurück kommen, die längst unter anderen Erlebnissen verschüttet gewesen sind und auf die ich sonst eigentlich nur im Traum oder bei Imaginationsreisen zurückgreifen kann, weil sie sich in einer tiefen Schicht meines Unterbewusstseins befinden.

Ich atmete diesen ganz speziellen Herbstduft nach verrottendem Laub, feuchter Erde und Abschied ein, spürte die sonne auf meiner Haut und fühlte mich wohl in dieser kreativen Gruppe, die immer neue Schattenkonstellationen ausprobiert hat. Anschließend gingen wir zu einem Stein und fotografierten die Hände von zwei Frauen im Laub, mit Laub bedeckt und die Gesichter der beiden in der Sonne. Besonders gefallen hat mir die Situation, in der wir alle unsere Hände ineinander verschränkt und sie dann fotografiert haben. Das hat ein schönes Gefühl von Verbundenheit in mir ausgelöst. Eine Teilnehmerin meinte in ihrer Bildbeschreibung, wir seien ein neu zusammengewürfeltes Team und hätten uns erst finden müssen. Seltsamerweise hatte ich gar nicht diesen Eindruck. Für mich hat es vom ersten Moment an eine gute Zusammenarbeit gegeben und die Ideen der einzelnen Gruppenmitglieder haben sich schnell zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Klar haben wir sehr unterschiedliche Situationen ausprobiert, aber genau das fand ich spannend und schön an dieser Arbeit, denn jede hat sich kreativ in die Gruppe eingebracht, so dass wir am Schluss wirklich schöne und interessante Fotos gemacht hatten.

Für mich stellte sich während der Arbeit an den Schattenfotos die Frage, was das eigentlich bedeutet – ein Schatten. Eigentlich ist die Antwort ja klar: Die Sonne fällt in einem bestimmten Winkel auf eine Person oder einen Gegenstand, der bei entsprechendem Licht einen dunklen Kontrast auf den Boden daneben wirft. Diesen Kontrast kann man auch als stark sehbehinderter Mensch gut erkennen. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen großen und einen kleinen Schatten, die nebeneinander auf einen Sandweg fallen und dabei leicht zittern, weil die beiden Gestalten langsam nebeneinander her gehen.

Aber was bedeuten diese schatten für uns? Sind sie ein abbild unserer Selbst? Wenn ja, was verstehen wir darunter, unter diesem Selbst? Oder welcher Teil des Ichs, des Egos, des selbst wird dort abgebildet, wiedergegeben, als dunkle Silhouette auf den Boden gebannt? Wir sind angeblich das einzige Tier, das sich über solche Dinge Gedanken machen kann. Das sich darüber den Kopf zerbrechen kann. Noch so eine seltsame Formulierung. Warum hat man für etwas, das sich hinter der Schädeldecke abspielt, in Gedanken besteht, die man weder sehen noch fühlen kann, gesagt, jemand zerbreche sich den Kopf? Wegen der Kopfschmerzen, die das verursacht? Hat sich ein verzweifelter Faustus wirklich irgendwann sein Oberstübchen eingerannt, weil das Denken zum Wahnsinn ausuferte? Kann an Tiecks Geschichte über einen Mann, der seinen Schatten dem Teufel verkaufte und damit auch seine Seele und bei dem verzweifelten Versuch, beides zurückzugewinnen, den Verstand verlor, wirklich etwas dran sein? Warum bildet ein Schatten lediglich die Konturen einer Person, eines Gegenstandes ab und keine Details?

Man könnte hier auf das Höhlengleichnis Platons verweisen und anführen, dass dieser Schatten so ist wie unsere Wahrnehmung von der Wirklichkeit. Das gilt ja auch für die Fotografie: Sie zeigt lediglich einen sehr kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit und stößt schnell an ihre Grenzen. Wir mussten ja bei zwei Beschreibungen auch erklären, was sich „hinter den Kulissen“ abspielte, um zu vermitteln, wie das Foto zustande gekommen ist. Und wie vermittle ich beispielsweise diesen wunderbaren Herbstgeruch auf einem Foto? Susanne hatte ja bei einer ihrer Serien die Idee, dem Publikum kleine Geruchsproben anzubieten. Ich weiß von einer Frau, die einen „Tanz im Kräuterbeet“ aufgeführt und davor den Besuchern kleine Kräutersträußchen zu riechen gegeben hat.

Aber diesen Herbstgeruch kann man schlecht in eine Tüte packen und Menschen zu riechen geben. Ein gepresstes Blatt duftet nicht mehr. Oder diese wunderbare Wärme auf der haut, die die Sonne erzeugt und die jetzt im Herbst zu etwas Kostbarem geworden ist, weil sie die Selbstverständlichkeit des sommers verloren hat, kann man zwar auf dem Foto erahnen, aber nicht spüren. Wie stelle ich eine Berührung dar, ein Gefühl, das über das reine Tastempfinden hinaus geht? Das ist auf einem Foto sehr schwer umzusetzen. Aber genau diese Grenzbereiche faszinieren mich und waren vielleicht auch unbewusst ein Teilanstoß zur Idee für diese Fotoserie.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Die Planung feat. Alex – Konzert im Dunkeln mit blinden und sehenden Musikern

Konzert im Dunkeln

Wann? Do. 3.12. 2015, 20:00

Wo? Regenbogenfabrik Lausitzer Straße 22 10999 Berlin

Das Konzert im Dunklen ist ein Projekt, das die Filmmusikerin Claudia Fierke ursprünglich als Begleitprogramm der Aus­stellungsreihe „Die Schönheit der Blinden“ entwickelt hat.

DIE PLANUNG spielt in wechselnder Besetzung mit sehenden und blinden Musikern in abgedunkelten Räumen.

Das Regenbogenkino ist zum Heimathafen für diese sehr besondere Konzertreihe geworden. Alle paar Monate kehrt Die Planung von ihren Konzertreisen hierher zurück, um die unterdessen eingefangenen Klänge und neu entstandenen Stücke zu einem neuen Programm zusammenzufügen.

Es ist ein Rascheln und Zirpen und Sirren zwischen den Stücken. Experimenteller Pop? Jedenfalls schön. Mit schönen Melodien und schönen Texten von Claudia Fierke und Christiane Rösinger und Theodor W. Adorno. Klug und wehmütig und lustig.

Wussten Sie, dass man Adorno samstags am frühen Abend nicht stören durfte? Ja. Da hat er nämlich immer „Daktari“ geschaut. Das war eine Fernsehserie mit lauter zahmen Wildtieren. Die Serie spielte im Dschungel und nachts klangen die Geräusche unheimlich aus dem Dunkel. Im Dunkeln blüht unsere Vorstellungskraft.

Die Stücke der Planung dringen zu uns aus einem Dickicht aus sphärischen Klängen und Stimmen, die flüstern und brummen und kieksen. Und wir überlassen uns ihnen und lauschen und driften dahin.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Ausstellung „Die Schönheit der Blinden“ in der Brotfabrik Berlin

WAS // Ausstellungsprojekt und Portraits des Fotoseminars für Blinde

WO // BrotFabrik Gallery – Kunst ist Lebensmittel

Caligariplatz 1 // 13086 Berlin // Tel. +49 (0) 30 471 40 01 /1

ps@brotfabrik-berlin.de

WANN // 4. Dezember 2015 bis 17. Januar 2016, Eröffnung 4.12. 19 Uhr

Öffnungszeiten der Gallery // Täglich 16 bis 20 Uhr

WER // Karsten Hein, Katrin Dinges, Susanne Emmermann, Mary Hartwig, Rose Jokic, Silja Korn, Tina Paulick

EINLADUNG

Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 4. Dezember 2015 um 19 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
Begrüßung // Petra Schrock, BroffabrikGalerie
Einführung // Karsten Hein, Fotograf
Während der Ausstellungszeit werden 2 Porträtworkshops mit blinden Fotografinnen angeboten. Lassen Sie sich von einer blinden Fotografin porträtieren!

Die Termine werden auf http://www.brotfabrik-berlin.de bekannt gegeben.

Mit freundlicher unterstützung von //

Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, FB Kunst und Kultur, Stiftung der Saalesparkasse, Lotto, Rosa Luxemburg Stiftung, Autofocus Videowerkstatt.

Abbildungen: Karsten Hein, Stephan Wilke

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Eine Blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 5.2 Allgemeine Tipps zur Portraitfotografie

Die verschiedenen Einteilungsmöglichkeiten von Portraitfotografie die ich in meinem letzten Post vorgestellt habe, sehen jetzt natürlich nach einem riesigen Sortiment aus, das man quasi auswendig lernen muss, aber so extrem ist es wirklich nicht, und einige von euch machen einige von diesen Dingen schon intuitiv. Hier aber vielleicht noch mal ein paar kleine Tipps, die für schöne Portraitaufnahmen helfen.

1. Hintergrund

Wie schon erwähnt gibts sowohl die Möglichkeit, den Hintergrund mit einzubeziehen, als auch die, sich wirklich nur auf die Person zu konzentrieren. Wichtig ist aber auch beim Umgebungsportrait, dass in der Szenerie nicht zu viele andere Menschen zu sehen sind. Die eher klein dargestellte Hauptperson verschwindet damit fast, und das Auge des Betrachters wird all zu schnell umgelenkt. Für Umgebungsportraits eignen sich hervorragend Naturkulissen, Bauwerke oder auch Kunstwerke wie z.B. Statuen. Möchte ich doch eine belebtere Situation mit anderen Menschen, sollte mein Portraitobjekt größer als die umgebenden Menschen dargestellt sein.

2. Fokus

Der Fokus spielt nicht nur in den näheren Aufnahmen eine wichtige Rolle. Gerade bei Umgebungsportraits misslingt mir das Bild ganz zügig, wenn mein Hauptmotiv aus dem Fokus gerutscht ist, irgendwo am Bildrand oder in einer Ecke landet. Die Person soll der Blickfang im Bild sein, und das Auge findet so keinen Fixpunkt. Wenn der Betrachter weiß, wer die fotografierte Person ist, geht das noch. Schaut sich jemand das Foto an, ohne das Hauptmotiv zu kennen, ist er dann visuell mal schnell ratlos. Sind zu viele Dinge auf dem Foto zu sehen, sortiert das Gehirn nicht so recht nach relevanten und unrelevanten Bildkomponenten. Der Blick richtet sich von vornherein erst mal dorthin, wo man das Motiv bei einem Foto vermutet, genau mittig.

Am Besten kann man sich natürlich nach dem Gehör ausrichten, gerade für uns blinde eignet sich das. Wenn ihr eure Chancen erhöhen wollt, euer Motiv auch wirklich ins Zentrum zu bekommen, macht ruhig zum Anfang mehrere Aufnahmen und verrückt die Kamera immer ein kleines Stückchen.

3. Perspektive

Kleine Regel ist immer, der Fotograf wechselt die Perspektive, nicht der zu Portraitierende. Da kommt es sonst nämlich mal schnell zu eher angespannter Körperhaltung, und schon vermittelt uns das Bild auch eine eher unnatürliche Betrachtung. Lasst euer Motiv sich so hinsetzen oder hinstellen, wie es gerade möchte, so kann die Person eine entspannte Körperhaltung beibehalten, und das Foto wird ausdrucksstärker.

Wenn ihr ein wirklich natürliches Portrait haben wollt, achtet auch auf eure Körperhaltung. Wenn ihr Leute fotografiert, die gerade sitzen, macht es sich oft besser, ein Stück zurück und in die Hocke zu gehen.

4. Gesichtsausdruck

Ich habe da immer meinen Trick 17, der auch meistens funktioniert. während und nachdem sich mein Motiv gemütlich positioniert hat, unterhalte ich mich mit der Person, über alles mögliche, je nach dem, was sich gerade anbietet. Dann halte ich drauf, laufe herum, schieße weiter, und so kommen die natürlichsten Aufnahmen heraus. Wichtig bei solchen Aufnahmen ist, dass man wirklich mehrfach abdrücken sollte. Ein Gesichtsausdruck kann sich tatsächlich in ein paar Sekunden mehrfach ändern, und man bekommt oft erstaunliche Ergebnisse. Ich nutze dafür immer meine Serienbildfunktion. Die meisten Handys bieten diese Funktion auch, Kameras auf jeden Fall.

5. Anschnitt

Wenn man zum Beispiel eine Großaufnahme macht, wird auch oft mit Anschnitten nach oben hin gearbeitet, also dass ein Teil der Haare oder Stirn nicht oder nur teilweise zu sehen ist.
Das sollte man aber mit Vorsicht genießen, weil das ein Mittel ist, um beispielsweise bestimmte Gesichtspartien zu betonen, etwa Stirn und Augenpartie. Wenn man nicht aufpasst sieht es schnell mal … naja, versehentlich abgeschnitten aus, und das ist schade.

6. Was nun wie und wann verwenden?

Hier gibt es kein richtig und kein falsch. Das einzig wichtige ist, dass wir unser Portrait im Zentrum haben, und mit dem Hintergrund vorsichtig sind. Ansonsten kann ich eigentlich nur raten, hört auf euer Bauchgefühl. Schaut, was ihr über die entsprechende Person wisst, spürt nach, welche Stimmung sie gerade hat, welche Ausstrahlung, und wenn ihr dann vielleicht noch möchtet und dürft, könnt ihr auch ein bisschen auf Tuchfühlung gehen, damit ihr einen guten Überblick über Statur, Kleidung und Gesicht des Menschen habt, den ihr fotografieren wollt.

Lauft nicht mit ’nem Zirkel um euer Motiv herum, horcht einfach mal auf eure Intuition, probiert alle möglichen Varianten durch.

Am besten ist es, wenn ihr euch mal an ein und derselben Person versucht, damit ihr mal seht, was ihr mit den verschiedenen Einstellungen und sonstigen Möglichkeiten aus einem Menschen an Stimmungen und Wirkungsweisen herausholen könnt. Mir hat das damals jedenfalls wirklich Spaß gemacht.

Vielleicht konnte ich dem einen oder anderen ja ein paar Inspirationen mitgeben.

Frohes Fotografieren!

Eure Nadine

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges

Eine Blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 5 Einteilungsmöglichkeiten für Portraitfotografie

Hallo liebe Hobbyfotografen,

Nachdem ich in meinen letzten Posts die technischen Grundlagen grob umrissen habe, finde ich wird es jetzt einfach mal Zeit für ein paar praktische Grundlagen.

Da hier viele von den eingereichten Bildern Portraits sind, möchte ich mich hier mal der Portraitfotografie mit ihren verschiedenen Arten widmen. Grundsätzlich schimpft sich jede Aufnahme, auf dem  der Körper und das Gesicht eines Menschen ganz oder teilweise zu sehen ist Portrait. Eine Ausnahme bilden Fotos, bei denen der zu portraitierende komplett mit dem Rücken zur Kamera steht, dazu komme ich später.

Je nachdem, wie ich einen Menschen einfange, hat jede Technik ihre Auswirkungen auf den Betrachter.

Hier einmal die Varianten, nach denen man Portraits einteilt.

1. Einteilung nach Format

Bereits das Format des Portraits spielt eine Rolle.

a) Das Querformat eignet sich sehr schön,  wenn man ein sog. Umgebungsportrait schießen, Mensch und Umgebung also in Szene setzen möchte. Natürlich ist hier der Hintergrund wichtig, aber dieser sollte eher simpel gehalten werden. Zu viele andere Menschen und sonstiges buntes Treiben hinter dem Hauptmotiv macht das Bild eher unangenehm hektisch.

b) Das Hochformat betont den Menschen, sollte kaum  einen Hintergrund erkennen lassen, bzw einen unscharfen, damit sich die Betrachtung wirklich und nur auf das Portrait an sich bezieht, und nicht von einem überladenen Hintergrund abgelenkt wird. Diese Art Portrait nennt sich Nahportrait.

2. Einteilung nach Darstellungsgröße

Weiter lassen sich Portraits nach Darstellungsgröße einteilen, also wie weit ein Mensch von dem Fotografen entfernt ist, und was man von seinem Körper sehen kann.

a) Totalansicht

Mal sehr grob unterteilt reden wir als erstes von der Totalansicht. Im Extrem kann man einen Menschen auf größere Entfernung in einer Szene fotografieren, was sich z.B. als Darstellung von Emotionen wie Verlorenheit und Einsamkeit, aber auch Freiheit sehr gut eignet. Je weiter wir die Totale heranziehen, also je größer die Person wird, desto mehr verschwindet die Umgebung, und desto wichtiger wird auch der Mensch auf dem Bild.

Person vor einem Baum aus größerer Entfernung aufgenommen

In einer näheren Totalen eignet sich so etwas auch gut für Gruppenaufnahmen. Hier kommt es natürlich auf die Größe der Gruppe an, und es sollte auch noch ein wenig Hintergrund zu sehen sein.

Medium Close-up: Feierlich angezogenes Paar bis zur Mitte des Oberkörpers zu sehen.

Weitere Möglichkeiten sind neben der Totalen, die stets den Menschen im Kompletten darstellt:

  • b) American Shot oder auch Knieportrait
  • c) Medium Shot oder auch Hüftportrait
  • d) Medium Close-up oder auch Brustportrait: Die Figur wird ab der Mitte des Oberkörpers abgeschnitten. Da dies im groben der normalen Sehsituation entspricht, wirkt eine Aufnahme dieser Art gewohnt und familiär.
  • e) Shoulder Close-up auch Büsten- oder Schulterportrait: Hier werden Kopf und Schultern gezeigt
  • f) Close-up oder auch Großaufnahme: Der Kopf der Person wird gezeigt, oft auch mit einem Teil der Schultern.
  • g) Extreme Close-Up oder auch Cut-In oder Teilaufnahme: Hier wird nur ein einziges Detail der Person hervorgehoben, wie Mund, Augen oder Hände.
  • h) Italian Shot oder auch italienische Einstellung: eine besondere Art der Detailaufnahme, bei der nur die Augen des Menschen zu sehen sind.

Extreme close-up eines Fußes

3. Einteilung nach Kopfhaltung

Neben diesen Punkten kann man Portraits weiter auch nach der Kopfhaltung kategorisieren. hier handelt es sich um ein Stilmittel, das von Fotografen oft exzessiv ausgeschöpft wird, da man hier auf einfache Art und Weise sehr viel am Portrait und seiner Wirkung herumbasteln kann.

a) Frontalansicht: Diese Ansicht, bei dem das Gesicht frontal mit Blickrichtung auf den Fotografen dargestellt wird, nutzen Hobbyfotografen recht häufig, und sie erlebt durch die neue Mode der Selfis derzeit auch eine Widergeburt. Professionelle Portraitfotografen nutzen sie eher selten, da diese Fotos ganz allein auf den Gesichtsausdruck des Motivs angewiesen sind, und auch immer etwas gestellt und ein wenig steif wirken.

b) Viertelprofil: Das Gesicht der Person ist leicht aus dem Bild gedreht, oftmals geht der Blick trotzdem zum Betrachter und vermittelt einen nachdenklichen Ausdruck.
Diese Variante ist grundlegend beliebter, weil sie mehr Ausdruck und Lebendigkeit zeigt.

c) Halbprofil: Das Gesicht wird so weit aus der Kamera gedreht, dass das zweite Auge noch klar Erkennbar ist. Auch hier kann sich der Blick noch auf den Betrachter richten, öfter schweift er aber zur Seite, ein gutes Stück an der Kamera vorbei.

Close-up Halbseitenprofil einer Frau

d) Dreiviertelprofil: Das Gesicht dreht sich noch weiter Richtung Profil. Die Nase dominiert, das zweite Auge ist nur noch zum Teil zu sehen oder nur angedeutet. Auf diese Weise verdeutlicht man am besten das nachdenkliche beziehungsweise gedankenverlorene, einen Blick, der in die unbestimmte Ferne schweift.

e) Profilansicht: Das Gesicht zeigt sich hier im Profil, es ist also nur eine Hälfte des Gesichtes zu sehen. Da aber auch hier das Motiv eher statisch wirkt, und nur wenig Lebendiges herausgezogen werden kann, wird auch diese Ansicht eigentlich kaum noch genutzt.

f) Verlorenes Profil: Diese Ausrichtung nennt man auch Dreiviertelansicht von hinten. Hier werden meist nur noch die Konturen der Wange sichtbar.
Diese Einstellung vermittelt dem Betrachter, die Person quasi unbemerkt beobachten, ihr über die Schultern schauen zu können, was sehr reizvoll bis kokett wahrgenommen wird.

g) Rückenfigur: Hierbei wird die Person gerade von hinten fotografiert, das Gesicht ist also nicht mehr erkennbar, daher handelt es sich nicht mehr eigentlich um ein Portrait. Auf diese Weise aufgenommene Personen spielen in der Hinsicht eine Rolle, indem sie zwischen Betrachter und Szenerie eine Verbindung herstellen. Unser Blick richtet sich automatisch nach der Blickrichtung der eingefangenen Person, und der eigentliche Hintergrund wird somit extra betont. Ein Mittel, das auch gern in der Landschaftsfotografie genutzt wird, wie etwa eine Person, die auf ein Gewässer schaut oder einen Sonnenuntergang oder Bergpanorama betrachtet.

Rückenfigur vor Panorama

4. Einteilung nach Perspektive

a) Normalperspektive: Das ist die Perspektive, die gerade im Alltäglichen wohl am häufigsten anzutreffen ist. Die Person wird in Augenhöhe fotografiert, was für das Auge gewohnt ist, und damit auch sehr aufgelockert erscheint. Dies ist auch für Schnappschüsse die beliebteste Perspektive.

b) Untersicht: Die Person wird von schräg unten aufgenommen. Es entsteht der Eindruck von Macht, Übermacht, Bedrohlichkeit oder auch Distanziertheit des zu portraitierenden.

c) Aufsicht: Hier wird die Person von schräg oben fotografiert. Oft wirkt sie dadurch kleiner, unterwürfig, es kann aber auch so eine Art Beschützerinstinkt oder Fürsorge seitens des Beobachters entstehen.

close-up Anschnitt nach oben

5. Einteilung nach der Blickrichtung

Nun mag der eine oder andere denken: „Warum soll ich das auch noch berücksichtigen, wenn ich doch schon die Kopfhaltung berücksichtige.“ Tatsächlich kann ich bestimmte Aspekte aber sogar noch verstärken oder komplett verkehren, wenn ich zu einer bestimmten Kopfhaltung noch eine bestimmte Blickrichtung hinzufüge.

a) Abgewandter Blick: Die Person wirkt in Gedanken vertieft und ganz bei sich selbst. Der Betrachter kann sie also sozusagen ungestört beobachten.

b) Zugewandter Blick: Hier entsteht quasi ein direkter Blickkontakt zwischen der aufgenommenen Person und dem Betrachter. Es geht also nicht in erster Linie darum, was wohl in der Person vorgeht, sondern um das, was sie und ihr Blick in uns auslöst.

Wenn man noch etwas mehr Dynamik  in ein Portrait bringen möchte, kann man beim Fotografieren auch darauf achten, dass die Körperhaltung nicht mit der Kopfhaltung übereinstimmt. Der Körper kann beispielsweise im Profil fotografiert werden, während das Gesicht im Halbprofil eingefangen wird. Zusätzlich könnte man dann noch mit der  Blickrichtung der Augen oder der Neigung des Kopfes arbeiten.

Probiert einfach mal aus, was herauskommt, wenn ihr mehrere Elemente kombiniert, denn so kann man die Charakteristika einer Person sehr schön herausarbeiten

Das soll erst einmal für den Anfang reichen. In Teil zwei gebe ich noch ein paar allgemeine Tipps zur Portraitfotografie.

Bis dahin!

Eure Nadine

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Sonstiges