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Eine Blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 4 Fotografieren mit Spiegelreflexkameras und Zubehör

Hallo liebe Hobbyfotografen,

nachdem ich in meinen letzten Posts die Themen Handy und Kompaktkameras halbwegs ausführlich behandelt habe, mache ich mal einen großen Sprung auf die Digitale Spiegelreflexkamera, oder auch DSLR (engl. für single-lens reflex)

Ein Zwischending: Bridge-Kameras

Zwischen der Spiegelreflex und der Kompaktkamera ist eigentlich noch die Bridge-Kamera angesiedelt, aber die noch mal extra abzuhandeln, würde zu Dopplungen führen. Man kann grob sagen, dass die Bridge größer als die Kompakte ist, sie hat mehr Funktionen, man braucht kein weiteres Zubehör und sie bringt oft höhere Leistungen als die kleinen Kommpakten. Sie kosten in der Regel mehr als die kleinen, aber man ist mit ihnen z.B. auch nicht ganz so flexibel, wie mit den Spiegelreflexkameras. Und wer öfter auch mal bei schwierigen Lichtverhältnissen fotografieren möchte, stößt zumindest bei den Kompakten schnell an die Grenzen, da Einstellungen nötig werden, welche die kleineren oft nicht anbieten. Natürlich ist für die genügsameren auch die Bridge ok, aber die wird von den Herstellern inzwischen eher wie das Stiefkind behandelt und das Angebot dieser Modelle dünnt von Jahr zu Jahr aus.

Ein paar kurze Fakten zur Spiegelreflexkamera

Ihren Namen bekommt sie dadurch, dass sie tatsächlich mit Spiegelungen arbeitet. Grob gesagt wird das eigentliche Bild, das von außen durch ein Objektiv kommt auf einen Spiegel geworfen, der es dann wiederum auf eine Mattscheibe projiziert. Von dort wird das Bild dann auf den eigentlichen Sensor geworfen. Das macht es dem Fotografen möglich, schon vorher das Bild in seinem Original zu betrachten und ggf. noch etwas an seiner Position oder Schärfeneinstellung zu ändern. Wird der Auslöser gedrückt, klappt der eigentliche Spiegel um und projiziert das bild unmittelbar auf den Sensor.

Dieses Kamerasystem gibt es natürlich auch für analoge Kameras, aber diese sieht man eigentlich eher bei Oldschool-Profis und Künstlern. Der Nachteil liegt auf der Hand. Filme müssen verwendet werden, die verhältnismäßig wenige Bilder zur Verfügung stellen, auch hier können Materialfehler auftreten, und erst wenn man die Bilder hat entwickeln lassen weiß man, ob sie etwas geworden sind. Und wer nicht mehr den Sehrest für Bildbearbeitung hat, kann so natürlich nichts an seinen Bildern nachbearbeiten. Obwohl man von Liebhabern häufig hört, dass das den Reiz an der Sache ausmacht.

Megapixel und Display

Gleich vorweg, bei der Spiegelreflexkamera muss man sich nicht so vor den Megapixeln fürchten. Einerseits sind die eingebauten Bildsensoren meist deutlich größer als bei den Kompakten, und andererseits ist die technische Grenze für Megapixel bei den DSLR noch längst nicht erreicht. Für den, der also auf richtig große Bilder hofft oder der darauf angewiesen ist, Bildausschnitte deutlich zu vergrößern, ist eine Spiegelreflex eine gute Sache.
Auch die Displays sind um einiges größer, und man kann, ist der optische Zoom ausgereizt, auch ruhig mal ein bisschen den digitalen Zoom nutzen.

Einiges zu Technik und Zubehör

Die Tatsache, dass man für eine Spiegelreflexkamera einiges an Zubehör braucht, ist Vor –und Nachteil zugleich. Zubehör ist relativ teuer, aber macht die Kamera auch viel flexibler und vielseitig einsetzbar.

Was mit einer DSLR auf einen zukommt

1. Das Objektiv

Die DSLR wird oft nur einzeln, also als Body verkauft, der außer der grundlegenden Elektronik und Mechanik nichts enthält, also quasi nutzlos ist. Unverzichtbar ist daher als erstes das Objektiv, von denen es diverse Varianten gibt. Hier sollte man sich vor dem Kauf genau überlegen, was man am ehesten Fotografieren möchte. Natürlich sind die Objektive austauschbar, nicht wenige Fotografen haben zwei und mehr verschiedene.

Man kann es sich etwas leichter machen, wenn man ein Kit kauft, was auch immer mal wieder angeboten wird. Hier sind sowohl der Body als auch mindestens ein Objektiv enthalten. Diese sind meistens die erste Wahl für Einsteiger, weil sie für Portraits, Landschaften, Tiere, Gruppenaufnahmen und eventuell auch Architektur genutzt werden können. Manchmal sind in so einem Kit sogar zwei Objektive, wobei das zweite, meist ein Teleobjektiv, eher für Aufnahmen aus größerer Distanz konstruiert sind. Den Kauf sollte man sich aber genau überlegen, denn selbst bei den Einsteiger-DSLR kommt man hier unter 600 bis 700€ nicht aus dem Laden.

2. Filter

Es gibt diverse Arten von Filtern, von denen die meisten sogenannte Effektfilter und daher nicht zwingend notwendig sind. Diese Filter können aus Glas bestehen, aber auch Materialien wie Folie sind möglich, sie werden in der Regel vorn auf das Objektiv aufgeschraubt.
Unter ihnen finden wir Farbverlaufsfilter, die wie schon der Name sagt das komplette Bild in eine Farbe und ihre dazugehörigen Nuancen färben. Es gibt auch Effektfilter, die ein Bild komplett verfälschen, indem sie das Hauptmotiv beispielsweise vervielfachen, einen Prisma-Effekt verursachen, künstlich Flammen oder Sternchen ins Bild setzen, sinnvoll für alle, die es etwas verspielter mögen, aber selbst keine Möglichkeit haben, ihre Fotos selbst am PC zu bearbeiten.

CPL-Filter

Nützlich und nahezu zwingend, zumindest für Außenaufnahmen ist der Polarisationsfilter, am Häufigsten ein zirkularer Polarisationsfilter. Im Netz oder im Laden werden sie auch gern einfach CPL-Filter genannt. Dieser lohnt sich aus folgenden Gründen:

  • unerwünschte Lichtspiegelungen auf glatten, nicht metallischen Objekten wie beispielsweise Wasser oder Glas werden unterdrückt.
  • Das Grün von Blättern und Gräsern wird besser dargestellt, da die Reflexion des blauen Lichts vom Himmel herausgenommen wird. Das menschliche Auge nimmt diesen leichten Blaustich gar nicht wahr, betrachtet man das Foto aber im Nachhinein, oder macht man zwei Fotos zum Vergleich, fällt der Unterschied je nach Qualität des CPL-Filters deutlich ins Auge.
  • da auch unser Himmelsblau teils aus reflektiertem Licht besteht, wird auch das vom CPL-Filter blockiert. Der blaue Himmel erscheint in seiner Farbe kräftiger und weiße Wolken treten so deutlicher hervor.

UV-Filter

Ein kleiner aber eher unnötiger Verkaufsschlager ist der UV-Filter. Dieser soll das auf das Objektiv treffende Licht so weit zerstreuen, dass keine Reflexionen die Darstellung verderben. Man kann teilweise richtig Geld für so einen Filter lassen, tatsächlich sind sie aber heute nicht mehr nötig, da gerade die etwas besseren Objektive so verarbeitet sind, dass sie ganz allein mit UV-Licht klarkommen. Von vielen werden UV-Filter daher nur als Schutz für das eigentliche Objektiv genutzt, aber Achtung. Zu viel an UV-Filterung kann das Bild auch wieder verschlechtern.

3. Sonnenblende beziehungsweise Streulichtblende

Diese wird ebenfalls vorn auf das Objektiv aufgesetzt und bildet nach allen Seiten einen Schutz vor einfallendem Licht. Sie sind zumeist zylinder- oder tulpenförmig.
Man möchte eben bei aller Vorsicht doch einmal Bilder schießen, bei denen die Sonne von der Seite oder schräg von vorn einfällt, und durch diesen zusätzlichen Schutz vermeidet man, dass einem die Sonne unerwünschte Strahlen oder bunte Kreise aufs Foto wirft.
Klingt komisch, kann aber tatsächlich passieren.

4. Blitzgeräte

Das kann man als Einsteiger in der Regel erst mal weglassen. Die Kameras haben jeweils eingebaute Blitze, die eigentlich vorerst reichen. Externe Blitzgeräte lohnen sich, wenn man eine Lichtquelle braucht, die so weit entfernt steht, dass der interne Blitz das Bild nicht ausreichend ausleuchtet. Diese kann man je nach Ausführung des Gerätes und Gegebenheiten der Kamera über einen Kabel-, einen Funk- oder Infrarotauslöser betätigen. Auch Geräte, die direkt auf die Kamera aufgesteckt werden gibt es, im speziellen die Ringblitze, die sich bei Nahaufnahmen lohnen, ebenfalls aber auch für Nachtaufnahmen, da sie einen wesentlich größeren Lichtkegel erzeugen, als der standardmäßige punktförmige Blitz. Zusätzlich gibt es diese Blitze auch mit LEDs in verschiedenen Farben, aber wie gesagt, das sind Spielereien, die nicht nur in’s Geld gehen, sondern von denen man sich überlegen sollte, ob man sie überhaupt braucht.

Das war es erst mal zu den ganz grundlegenden Gegebenheiten, was Spiegelreflexkameras angeht. Nach oben gibt es da an Leistung, Preis und Ausstattung natürlich keine Grenzen.

Eure Nadine

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Es geht um Ihre Bedürfnisse – Arbeiten Sie mit an der Gestaltung von Alternativtexten im Internet

Mein Name ist Sarah Kitza. Ich schreibe derzeit an der TU Dortmund meine Masterarbeit zu der Thematik: Gestaltung von Alternativtexten für Bilder im Internet. In dem vorliegenden Fragebogen haben Sie die Möglichkeit an der Weitergestaltung und Verbesserung von Alternativtexten aktiv mitzuwirken. Den Fragebogen finden Sie unter diesem Link.

Ein alternativer Text kann einem Bild beigefügt werden. Dieser Text wird dann von Screenreadern anstelle des Bildes ausgegeben. Menschen mit Blindheit sind bisher auf die subjektiven Ansichten von Redakteuren angewiesen, da es noch keinen umfassenderen Leitfaden für die einheitliche Gestaltung von Alternativtexten gibt. In der aktuellen Praxis muss daher häufig festgestellt werden, dass Alternativtexte Bilder oft unzureichend beschreiben.

Ziel der Abschlussarbeit ist es, einen Leitfaden für die Erstellung von Alternativtexten zu entwickeln. Letztendlich soll dadurch die Qualität von Alternativtexten im Internet und damit auch die Barrierefreiheit verbessert werden. Die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer stehen im Mittelpunkt der Arbeit. Damit dieses Vorhaben sich in die Praxis umsetzen lässt, bin ich besonders auf Ihre Mithilfe angewiesen.

Bitte nehmen Sie sich etwa 30 Minuten Zeit, um den Fragebogen auszufüllen. Angesprochen sind alle Personen mit Blindheit, die mit Screenreader im Internet surfen. Der Fragebogen kann bis zum 13.10.2015 bearbeitet und zurückgesandt werden.

Bitte leiten Sie den Fragebogen auch an Personen in ihrem Bekanntenkreis weiter, die ebenfalls zu der Zielgruppe gehören. Desto mehr Personen an der Umfrage teilnehmen, umso aussagekräftiger werden die Ergebnisse sein.

Wenn Sie mehr über die Problematik erfahren möchten, klicken Sie diesen Link an.

Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

Sarah Kitza

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Interview mit einer Kinoblindgängerin: Teil 2

Barbara an der Kinokasse

Den ersten Teil des Interviews mit Barbara findet ihr hier.

Guckst du lieber Filme im Kino oder im Fernsehen bzw. auf DVD? Und hilft dir der Sound im Kino, dir die Handlung besser vorzustellen?

Wenn ich mir einen Film ausgesucht habe und mich zwischen Kino oder Fernsehen entscheiden müßte, würde immer das Kino gewinnen. Kino ist viel intensiver. Das liegt schon daran, daß nicht Miniaturfigürchen auf der Mattscheibe herumspringen, sondern sich alles in einer überlebensgroßen Welt abspielt und ich mittendrin sitze, jedenfalls stelle ich mir das so vor. Durch den Sound bin ich den Filmgeräuschen im Kino gnadenlos ausgeliefert und die gehen mir oft durch Mark und Bein. Da hilft bei gruseligen Szenen auch kein Ohren zuhalten. Ob das auch für das bessere Verstehen der Filmhandlung hilft, weiß ich nicht, auf jeden Fall kann ich mir die Szenen viel besser vorstellen.

Noch ein großer Vorteil des Kinos ist, daß man weder von lästigen Klingelgeräuschen des Telefons, der Haustür oder von schnurrenden Vierbeinern, die genau dann Futter oder Streicheleinheiten fordern, abgelenkt wird. Ich mag aber auch liebend gerne gemütliche Fernsehabende auf der heimatlichen Couch, alles zu seiner Zeit!

In welche Kinos gehst du gerne und warum?

Ich gehe mindestens einmal pro Woche ins Kino und habe mir von den ungefähr 130 Berliner Filmhäusern sechs zu meinen Stammkinos auserkoren. Das sind zwei Programmkinos, das Cineplex Spandau und der Zoopalast. Die anderen vier sind kleinere Kinos: Kant Kino, Delphi, Filmkunst 66 und das Cinema Paris. Alle sechs sind in den Stadtbezirken Spandau oder Charlottenburg und damit, sehr wichtig, für mich auch alleine gut zu erreichen.

Von Anfang an hat man sich in all diesen Kinos gleichermaßen aufmerksam und unheimlich freundlich um mich gekümmert. Ich werde zu meinem Platz geleitet, mit Getränken versorgt, nach der Vorstellung wieder abgeholt und bei Bedarf organisiert man mir ein Taxi. Ich werde also auf Händen getragen, was will ich mehr. Meistens habe ich Glück und der Film, den ich mir anschauen möchte läuft in einem der sechs Kinos. Bin ich in Begleitung unterwegs, erweitere ich gerne meinen Kinoradius und lerne etwas Neues kennen.

Wie reagieren Kinopersonal und andere Besucher, wenn sie dich mit einem Blindenstock im Kino sehen? Fühlst du dich akzeptiert? Bekommst du Hilfe? Entstehen vielleicht auch interessante Gespräche?

Das Kinopersonal hat anfangs professionell und diskret neugierig reagiert. Auf dem Weg zu meinem Sitzplatz versuche ich zu erklären, wie ich mir den Film zu Gemüte führe, ob mit oder ohne Hörfilmbeschreibung, und daß ich das Erlebte in meinem Blog kundtue. Inzwischen bin ich in all meinen Kinos fast so bekannt wie ein bunter Hund und der Stock ist etwas ganz Normales.

Bei den Kinobesuchern ist das ein bißchen anders. Manche fassen sich ein Herz und fragen einfach. Manchmal ergreife ich das Wort, wenn ich an der Kasse mitbekomme, wer noch in denselben Film geht. Dann habe ich gleich jemanden, bei dem ich mich unterhaken kann.

Einmal hat die Dame neben mir einige Male während des Films die Augen geschlossen, um sich in meine Lage hineinzuversetzen. Eine andere hat ganz spontan die Rolle der Souffleuse übernommen. Es ist auch schon vorgekommen, daß ich mit meinen Platznachbarn nach der Vorstellung auf ein Getränk eingekehrt bin. Jedes Mal erlebe ich etwas anderes und immer habe ich nicht nur an dem Film Riesenfreude.

Warum, glaubst du, gehen relativ wenig blinde Menschen mit Begleitung und noch weniger alleine ins Kino?

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob wirklich so wenig Blinde ins Kino gehen. Als im Februar während der Berlinale drei Filme mit einer live eingesprochenen Audiodeskription gezeigt wurden, war der Andrang gewaltig. Wenn man vor dem Kinobesuch nicht erst klären muß, ob und wenn ja, in welchem Kino ein Film mit Audiodeskription zu sehen ist, würden sich bestimmt noch mehr Blinde ins Kino begeben.

Alleine ins Kino zu gehen, ist, glaube ich, auch bei den Sehenden eher eine Ausnahme. Kino ist doch eigentlich ein Gemeinschaftsding. Ich gehe ganz gerne alleine und muß das auch, weil ich bei meinen häufigen Kinobesuchen oft auf die Schnelle niemanden finde, der Zeit und Lust hat, mich zu begleiten.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Reviews über die Filme zu schreiben, die du dir ansiehst?

Letzten Sommer wurde ich gefragt, ob ich mir die Premierenvorstellung des französischen Films „Monsieur Claude und seine Töchter“ mit der Hörfilmbeschreibung über die App von Greta anschauen und anschließend darüber für das Magazin „Gegenwart“ einen Kinoerlebnisbericht schreiben wolle. Da habe ich natürlich keine Sekunde gezögert. Das Schreiben fiel mir leichter als gedacht und Spaß hat’s auch noch gemacht.

Eine Schulfreundin meinte, mach doch einfach einen Blog, such dir ein Thema und schreibe! Das Thema für den Blog lag auf der Hand! Nämlich der sehenden Welt zu zeigen, daß und wie Blinde Spaß am Kino haben, und Sehende wie Blinde mit meiner Kinobegeisterung ein wenig anzustecken.

An welche Zielgruppe richtet sich dein Blog?

Grundsätzlich freue ich mich über jeden, der mich auf meiner Seite besucht. Wenn ich nicht gerade im Kino sitze oder über einem Text brüte, versuche ich, Kontakte zu Blindenverbänden und anderen Institutionen aufzunehmen, um meinen Blog publik zu machen und Kinoblindgänger zu finden.

Genau so wichtig ist es mir, mit der Filmbranche, also den Verleihern, den Filmproduzenten und den Produzenten von Hörfilmbeschreibungen zu sprechen. Da ist die Freude immer groß, wenn sich die Zielgruppe der barrierefreien Filmfassung einmal persönlich zu Wort meldet.

Ich wurde schon mehrfach von Blinden angesprochen, die gerne einen Blog starten würden, aber nicht wissen, wie, und Angst vor der technischen Herausforderung haben. Wie hast du deinen Blog erstellt und wie gehst du mit der visuellen Gestaltung um?

Die technische Herausforderung war für mich kein Problem, weil ich mir von vornherein professionelle Hilfe gesucht habe. Alleine hätte ich das niemals hinbekommen.

Mir war es sehr wichtig, daß die Seite optisch ansprechend gestaltet ist. Dem Webdesigner habe ich ganz genau erzählt, was ich machen möchte und wen ich ansprechen will, und dann hat er ein tolles Ergebnis abgeliefert, das bekomme ich immer wieder zu hören. Zu blöd, daß ich meine toll gemachte Seite nicht sehen kann.

Die Artikel schreibe ich natürlich selbst ohne jegliche Hilfe im Schweiße meines Angesichts. Mein Partner hat dann reichlich zu tun, die Texte von meinen schrecklichen Rechtschreibfehlern und falsch gesetzten Satzzeichen zu befreien, und stellt die Artikel mit einem Foto in den Blog. Ganz ehrlich, alleine könnte ich das nicht.

Was für Feedback hast du bis jetzt bekommen?

Ein knallharter Gradmesser bezüglich der sogenannten Reichweite meines Blogs ist die Statistik über die Likes der Facebookseite „Kinoblindgaenger“, die Zahl der erreichten Personen meiner Beiträge und die der Abonnenten der Seite. Beides geht sehr langsam, dafür stetig bergauf, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!

Am meisten freue ich mich über Nachrichten, daß Kinoblindgänger besonders dank der App von Greta jetzt wieder oder überhaupt Spaß am Kino haben, oder wenn ich erfahre, daß ganz allgemein meine Artikel Lust auf den ein oder anderen Film gemacht haben.

Nach den ersten Wochen meiner Bloggerei wurde ich von mehreren Seiten freundlich angestupst, mich in meinen Artikeln intensiver mit der Qualität der Hörfilmbeschreibungen zu befassen. Diese Anstupser kamen völlig zu Recht, davor hatte ich mich nämlich ein bißchen gedrückt.

Der Blog hat mir auch schon Türen geöffnet. Ich durfte mehrmals bei der Aufnahme von Hörfilmbeschreibungen in einem Tonstudio dabei sein, bei der Redaktion einer Audiodeskription Mäuschen spielen und einem Filmteam am Set einen Besuch abstatten. Ich war im BFW in Halle und darf Anfang September in Leipzig bei der Zentralen Blindenhörbücherei meinen Blog und Greta vorstellen. Und dann köcheln da noch so einige andere Projekte vor sich hin.

Ein besonders tolles Feedback habe ich von euch bekommen! Seitdem sind wir in Kontakt und so ist ja auch dieses Interview zustande gekommen. Mir hat das Beantworten eurer Fragen viel Spaß gemacht, das war einmal etwas ganz anderes, als über Filme zu schreiben. Ich hoffe, eure Leser bekommen keinen Schreck über die vielen Seiten? Jetzt werfe ich den Ball zurück und werde mir Fragen überlegen, die ich euch über euren Blog stelle.

In diesem Sinne verabschiedet sich die Blindgängerin!

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Interview mit einer Kinoblindgängerin: Teil 1

Barbara mit einem Fernseher im Hintergrund.

Hallo Barbara, schön dass du Lust und Zeit hast, mit uns über deinen Blog und Audiodeskription im Allgemeinen zu reden. Stell dich doch bitte kurz vor!

Seit Anfang des Jahres schreibe ich in meinem Blog, www.blindgaengerin.com, über meine Kinoerlebnisse. Wenn ich nicht als Blindgängerin unterwegs bin, heiße ich Barbara Fickert, bin 56 Jahre alt und lebe seit 32 Jahren glücklich in Berlin.

Als gebürtige Mannheimerin wurde ich dort in eine Sonderschule für Sehbehinderte eingeschult und habe anschließend das Abitur an einem Regelgymnasium in Heidelberg bestanden.

Nach dem Jurastudium in Heidelberg und Berlin, leider ohne erfolgreichen Abschluß, habe ich in Büros als Logistikerin gearbeitet.

Vor 15 Jahren mußte ich – anfangs widerwillig – das Training mit dem weißen Langstock absolvieren, den ich inzwischen keine Minute mehr missen möchte. Wenn ich nicht ins Kino gehe, spiele ich akustische Gitarre und Percussion. Dazu versuche ich, mich durch Sport fit zu halten.

Wer mehr über mich wissen möchte, kann das in voller Länge auf meiner Seite unter „Über mich“ erfahren!

Inzwischen gibt es ja relativ viele Filme mit Audiodeskription, aber das ist ja eine relativ neue Entwicklung. Hast du auch früher schon gerne Filme geguckt und wenn ja, woher kommt dein Interesse für Film?

In meiner Familie wurde 1969 der erste Fernseher, ein Schwarz-Weiß-Gerät, angeschafft. Damals war ich 10 Jahre alt. Ich saß mit der Nasenspitze fast an der Mattscheibe und habe mit meinem kleinen Sehrest genauso begeistert in die Röhre geschaut wie der Rest der Familie. Ungefähr zur selben Zeit bin ich wahrscheinlich das erste Mal ins Kino gegangen. Die riesige helle Leinwand im Kontrast zu dem dunklen Kinosaal und die besondere Akustik haben mich sofort fasziniert und daran hat sich bis heute nichts geändert.

An Audiodeskription war damals lange noch nicht zu denken, das hat aber meiner Freude am Filmeschauen, wo auch immer, keinen Abbruch getan.

Hast du das Gefühl, dir entgehen viele Details oder ganze Handlungsverläufe, wenn du Filme ohne AD schaust?

Ja, und leider nicht nur das Gefühl, sondern die Gewißheit.

Seit ungefähr 15 Jahren kann ich auf der Leinwand und erst recht auf dem Fernsehbildschirm so gut wie gar nichts mehr erkennen.

Beim Fernsehen bin ich in den letzten Jahren einige Male mehr oder weniger zufällig in den Genuß von Hörfilmbeschreibungen gekommen. Bewußt einer Audiodeskription gelauscht habe ich das erste Mal vor knapp zwei Jahren im Kino, als bei der Premierenvorstellung des Filmes „Imagine“ auch die App von Greta und Starks ihre Premiere feierte.

Dieser Kinoabend, dank der App mit der Hörfilmbeschreibung in meinem Ohr, hat mir im wahrsten Sinne des Wortes die Augen darüber geöffnet, wieviel mir ohne Bildbeschreibung entgeht.

Unter den Kinofilmen, die ich mir in diesem Jahr ohne die App von Greta im Ohr, also ohne Hörfilmbeschreibung angeschaut habe, waren drei, bei denen ich mir das Eintrittsgeld hätte sparen können, das waren die Filme „Birdman“, Kingsman“ und „In meinem Kopf ein Universum“. Bei den übrigen mußte ich mehr oder weniger große Verständnislücken in Kauf nehmen.

Ganz schwierig wird es bei Filmen mit Dialogen in einer Fremdsprache, die ich nicht beherrsche, also alle außer Französisch und ein bißchen Englisch. Wie z.B. auf Chinesisch, Russisch, Arabisch usw.

Das kommt immer häufiger vor und soll der Filmhandlung wohl zu mehr Authentizität verhelfen.

Im Kino bleibe ich auch bei größeren Verständnislücken wach, zu Hause vorm Fernseher schlafe ich dann halt ein bißchen.

Was für Filme guckst du am Liebsten? Und ist die Tatsache, dass du blind bist, dafür mit ausschlaggebend? Z.B. lieber Filme mit mehr Dialog anstatt Action Thriller?

Dialoglastige Filme sind mir die liebsten. Ich denke, das wäre allerdings auch der Fall, wenn ich alles sehen könnte. Gerne schaue ich mir aber auch Actionfilme und Thriller an, gehe aber von vornherein davon aus, Abstriche beim Filmgenuß machen zu müssen.

Wie findest du es, wenn Sehende dir beschreiben, was sie sehen? Hilfreich, unterhaltsam oder eher störend?

Zu Hause vorm Fernseher sind wir inzwischen ein eingespieltes Team. Ich bekomme aber auch nur die wichtigsten Informationen zugeraunt, das hilft ungemein.

Wenn ich ohne eine Hörfilmbeschreibung im Ohr einen Film im Kino sehe, übernehmen entweder meine Begleiter oder, wenn ich alleine gehe, auch schon einmal mein(e) Platznachbar(in) im Kinosaal das hilfreiche Soufflieren.

Wir achten allerdings darauf, niemanden zu stören. Verena Bentele, die Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen und selbst blind, schreibt in ihrem Buch, daß ihr Zuflüsterer niemals lauter sein soll als der am nächsten knuspernde Popcornesser.

Uns ist das bislang immer gelungen, Popcornesser können ganz schön Krach machen!

Wie stehst du zu der Ansicht, dass AD nur eine gute Kompromisslösung ist, Blinde aber nie das gleiche Filmvergnügen wie Sehende haben können? Befürworter dieser Theorie sagen, dass in einem Bild viele Dinge gleichzeitig zu sehen sind, die Beschreibung in Worten aber immer linear sein muss.

Ob ich dasselbe Filmvergnügen wie die sehenden Zuschauer habe, kann ich schwer beurteilen, aber genau so viel Vergnügen bestimmt. Die Autoren der Bildbeschreibung müssen sich auf das Wesentliche beschränken, das kann also immer nur ein Kompromiß sein.

Ich verfolge viel intensiver die Dialoge, achte auf die Filmgeräusche, die Stimmen und ganz besonders wichtig für mich ist die Filmmusik. Das alles verschafft mir vielleicht ein anderes Filmvergnügen als den Sehenden, aber ein mindestens genau so großes!

Was macht eine gute AD für dich aus? Und was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Das kann ich so allgemein schwer beantworten.

Beispielsweise bei historischen Filmen möchte ich schon gerne wissen, wie die Menschen und deren Kleidung aussehen. Laufen die Leute herum wie jedermann, ist mir das ziemlich egal. Dann hänge ich lieber meinen Gedanken nach, die ich mir beim Hören der Filmmusik oder der Geräusche mache.

Oft reicht mir solch ein Filmgeräusch und mein Gehirn ruft glasklare und gestochen scharfe Bilder ab, die ich zu meinen sehenden Zeiten erhascht und abgespeichert habe.

Nervös werde ich allerdings, wenn ich bei den um mich Herumsitzenden Gefühlsregungen feststelle, die ich mir nicht erklären kann. Da muß die Hörfilmbeschreibung helfen. Dieser Balanceakt zwischen ausreichend Information und Überfrachtung mit Information macht für mich hauptsächlich eine gute Audiodeskription aus. Wenn dann auch noch die Stimmen der Sprecher klar, natürlich und angenehm in mein Ohr klingen, bin ich wunschlos glücklich.

Erzähl uns von deinen Erfahrungen mit der App GRETA: Wie funktioniert sie? Findest du sie gut bedienbar? Wie ist die Qualität der AD?

Seit der Premierenvorstellung im Dezember 2013 habe ich unzählige Hörfilmbeschreibungen über die App von Greta und Starks in mein Ohr bekommen. In der App gibt es nur fünf Menüpunkte, zwischen denen nicht einmal ich mich verirren kann.

Aber zuerst muß man sich die App kostenlos aus dem App Store bzw. Google Play auf sein Smartdevice (Smartphone, iPod Touch, Tablet usw.) herunterladen.

In der App gibt es den Menüpunkt „Filmauswahl“, wo alle Filme aufgeführt sind, für die eine Hörfilmbeschreibung über Greta zur Verfügung steht.

Um sich die Hörfilmbeschreibung auf sein Smartphone herunterzuladen, muß man den unter dem jeweiligen Filmtitel zu findenden Punkt „Download“ anklicken.

Das Herunterladen geht recht schnell. Sollte aber auf jeden Fall vor dem Kinobesuch in Ruhe zu Hause erledigt werden.

Wenn der gewünschte Film in der Liste „Meine Filme“ mit dem Punkt „Abspielen“ erscheint, ist alles in Ordnung, ansonsten neuer Versuch, neues Glück!

Im Kinosaal braucht man keine Internetverbindung und muß auch an kein WLAN andocken.

Man geht in den Punkt „Meine Filme“ und spätestens, wenn der Film beginnt, muß man die Hörfilmbeschreibung über den Menüpunkt „Abspielen“ in Gang setzen. Die Sekunden Wartezeit, bis die ersten Worte zu hören sind, werden mit einem Geräusch, so einer Art Herzklopfen, überbrückt, bis ein kurzer Signalton den Start der Hörfilmbeschreibung ankündigt.

Um das Synchronisieren der Audiodeskription mit dem Film muß man sich nicht kümmern, das geht automatisch und notfalls, beispielsweise bei einer Unterbrechung, gibt es einen Menüpunkt „Synchronisieren“. Das Synchronisieren erfolgt über das Mikrophon des Smartphones, man muß also in den Einstellungen des Gerätes der App den Zugriff auf das Mikrophon gestatten.

Greta hat mich bei all meinen Kinobesuchen kein einziges Mal im Stich gelassen und immer auf Anhieb funktioniert. Ich habe die Hörfilmbeschreibung meist in meinem rechten Ohr ganz für mich alleine und kann die Lautstärke den Filmgeräuschen anpassen.

Das Geniale an der App ist, daß ich die Hörfilmbeschreibung in den Kinosaal mitnehme, mich also für jedes x-beliebige Kino entscheiden kann.

Auf die Qualität der Audiodeskription hat Greta keinen Einfluß, weil sie nur das fertige Endprodukt zur Verfügung stellt.

Ganz wichtig ist es, immer die Updates der App herunterzuladen. Das habe ich vor kurzem versäumt und in meinem rechten Ohr herrschte gähnende Stille.

Genauso wichtig ist es, regelmäßig die App zu schließen, damit die neu hinzugefügten Filmbeschreibungen auf der Liste „Vorschau“ bzw. „Filmauswahl“ erscheinen, die Liste also aktualisiert wird.

Für jede Art von Frage kann man den kostenlosen Support von Greta unter support@gretaundstarks.de kontaktieren. Dort freut man sich auch über Lob, Kritik oder weitere Anregungen.

Die App GRETA ist kostenlos für IOS und Android Geräte verfügbar, barrierefrei und sehr einfach zu bedienen. Also probiert sie ruhig einmal im Kino oder vorm heimischen Fernseher aus und wenn ihr möchtet schreibt hier ein Kommentar mit euren eigenen Erfahrungen.

Im zweiten Teil des Interviews erfahrt ihr mehr über den Blog Blindgängerin und Barbaras persönliche Erfahrungen mit Kinobesuchen.

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Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 3.2 die Megapixel-Lüge und Kauftipps für Kompaktkameras

Diesen und den vorangegangenen Post könnt ihr euch auch als Podcast anhören:

https://www.spreaker.com/user/8265506/die-kompakte-und-die-megapixel-luege?autoplay=1

Hallo an alle,

hier bin ich wieder mit Teil 2 über Kompaktkameras.

Ich bin in der letzten Zeit öfter gefragt worden, worauf man denn beim Kauf einer Kamera achten sollte. Sehr gute Frage, aus mehreren Gründen. Ich möchte vorweg schicken, dass man sich nie auf einen Hersteller verlassen sollte. Canon und Nikon sieht man derzeit sehr häufig bei Hobbyfotografen, auch, weil das Preis- Leistungsverhältnis recht gut ist, und die Bedienung der Geräte recht intuitiv funktioniert. Aber gerade diese beiden Firmen laufen sich regelmäßig gegenseitig den Rang ab, da ändern sich die Vorsprünge teils von Modell zu Modell.

Die Megapixel-Lüge

Seit einigen Jahren hält sich dieser Begriff in Fotografenkreisen hartnäckig. Viele Hersteller, sowohl von Kameras, als auch von Handys werben damit, wie viele Megapixel ihre Kameras bereits haben. Mehr als 20 oder 30 sind heute keine Seltenheit mehr. Allerdings gibt es hier ein Problem. Wo die Megapixel immer mehr werden, vergrößern sich die Bildsensoren leider nicht. Ich komme wieder auf mein Netzhaut-Beispiel zurück. Pixel sind die Kleinst-Bauteile auf dem Sensor, welche Licht aufnehmen und an den Bildprozessor in Form eines verstärkten Signals weitergeben. Werden die Pixel auf dem Sensor immer enger gesetzt, erreichen zu viele Signale den Prozessor, und die Pixel laufen über, wie man sagt. Das sorgt dafür, dass Bilder Belichtungsfehler aufweisen, egal, was wir einstellen und rumprobieren. Helle Bereiche des Bildes werden zu hell, dunkle bereiche – Fotografensprache – saufen ab, versinken also total im Dunkel, die Kamera kann nicht mehr richtig messen, die Bildqualität wird schlechter.

Eine ausreichende Zahl an Megapixeln benötigt also einen ausreichend großen Bildsensor.

Viele Megapixel sind aus folgenden Gründen überhaupt erst nötig.

  • Ich möchte ein von mir geschossenes Foto im Großformat ausdrucken, und damit meine ich alles über DinA4.
  • Ich möchte aus meinem Foto einen bestimmten Ausschnitt ranholen und ausschneiden, weil ich beispielsweise nicht nah genug an mein Wunschmotiv herangekommen bin.

Zum Vergleich: Möchte ich ein Foto in der Größe 10 X 15cm in guter Qualität ausdrucken, benötige ich sage und schreibe 2 Megapixel. Also passt auf, dass ihr nicht unnötig viel Geld für eine Kamera ausgebt, nur weil sie die meisten Megapixel hat, der Schuss kann leicht nach hinten losgehen.

Weitere Kauftipps

Bedienung:

Viele von den kleinen Kameras haben zumindest für die Programmautomatiken die Möglichkeit, mit einem Rädchen eingestellt zu werden. Wenn möglich, greift auf so ein Modell zurück. Oft sind das die Funktionen, die man am häufigsten nutzt.

Am Einfachsten wird es, wenn ihr euch für dieses Modell dann möglichst kleine Markierungspunkte kauft, einen davon auf das Programmrädchen am Rand klebt, und eins genau daneben auf die Kamera selbst. Klebt diese Punkte so, dass sie nebeneinander liegen, wenn ihr den Automatik-Modus eingestellt habt, den nutzt man erfahrungsgemäß am Häufigsten. Notiert euch gleich zu Anfang die Reihenfolge der Programme, wie oft ihr das Rädchen im oder gegen den Uhrzeigersinn drehen müsst, um welches zu erreichen. Irgendwann habt ihr es dann im Kopf, oder könnt bei Bedarf nachschauen.

Testberichte

Dass man sich auf die Beratung in den Fachmärkten nicht immer verlassen kann, muss ich ja keinem sagen. Idealerweise sollten die Berater dort fachkundig sein, aber einerseits ist das nicht immer so, andererseits darf man nicht vergessen, dass wir hier über Verkäufer sprechen, und oft spielen natürlich auch finanzielle Interessen beim Verkauf eine Rolle. Ich kann daher nur dazu raten, vor dem Kauf Testberichte zu lesen, am meisten empfiehlt sich da Chip Online. Natürlich gibt es auch bei Ebay und Amazon die Möglichkeit zu kaufen, und gerade Amazon kann oft mit Rezensionen zu den Geräten aufwarten, aber die sind mit Vorsicht zu genießen. Da gibt es die 5-Sterne-Rezensenten, die oftmals nicht wirklich Ahnung haben. Das lässt sich schon daran bemessen, dass kein Gerät wirklich ohne Abstriche zu bewerten sein kann, einen Nachteil gibt es immer. Und dann gibts auch die Nörgel-Rezensenten, die wirklich nur aufs Schimpfen aus sind, das bringt euch beides nicht weiter. Die Testberichte bei Chip enthalten zwar auch hier und da ein wenig Fachgeschwafel, sind aber in ihren Fazits sehr leicht verständlich und sie bewerten von der Bedienung über Bildqualität bis hin zum Preis- Leistungsverhältnis alles.

Bestellen oder kaufen gehen?

Generell würde ich vom Bestellen abraten. Gerade für uns ist es wichtig, dass wir die Kamera in der Hand halten, uns die Knöpfe ansehen und so abwägen können, ob das Gerät für uns überhaupt in Frage kommt. Das lässt sich bei einer Bestellung im Netz auch über Fotos von den entsprechenden Modellen nicht immer richtig ausmachen. Zweite Möglichkeit, wenn sich da größere Preisunterschiede ergeben ist, im Laden gucken, im Internet bestellen.

Um es also kurz auf den Punkt zu bringen. Wer ein bisschen mehr Vielfalt beim Fotografieren und den entsprechenden Funktionen haben möchte, der sollte sich vielleicht überlegen, ob er auf so eine kleine Kompaktkamera umsteigen möchte. Praktisch sind sie aus dem Grunde, weil sie sehr klein sind und noch weniger Platz wegnehmen als ein Handy, und da die Bilder auf eine SD-Karte gespeichert werden, bekomme ich sie auch leichter auf den PC, oder kann sie direkt ausdrucken lassen.

Solltet ihr zu dem Thema noch eine Frage haben, die hier offen geblieben ist, könnt ihr euch wieder gern an mich wenden.

Eure Nadine

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Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 3 fotografieren mit Kompaktkameras

Nachtaufnahme eines Baumes teilweise vom orangenen Licht einer Straßenlaterne beleuchtet.

Diesen und auch schon den nächsten post könnt ihr euch hier auch als Podcast anhören:

https://www.spreaker.com/user/8265506/die-kompakte-und-die-megapixel-luege?autoplay=1

Wieder ein Hallo an alle Fotografieinteressierten!

Nachdem ich mich in meinem letzten Artikel mit dem Thema Handy beschäftigt habe, soll es heute einen Schritt weiter gehen, und zwar zur Kompaktkamera, dem kleinstmöglichen Knipsgefährten.

Die Kompakte ist eher was für die, die im Fotografieren doch etwas flexibler sein oder werden möchten, da sie über Einstellungsmöglichkeiten verfügt, welche Handys nicht oder nur selten haben. Aber auch hier zeigen sich zum Handy oder Tablet auch Nachteile.

Nachteile

Bedienung

Als erstes haben die, die auf eine Sprachausgabe angewiesen sind diesen Luxus bei einer Kompakten nicht. Hier gilt es leider, sich die Funktionen zu merken, die man braucht und benutzen will.

Ein ähnliches Problem stellt sich für Menschen, die noch einen Sehrest haben. Um die Kompakten so klein wie möglich zu halten, leidet natürlich mit als erstes die Größe des Displays. Selbst für voll Sehende sind kleine Einzelheiten auf diesen kleinen Schirmen oft nicht richtig auszumachen. Für „Sehrestler“ heißt es also auch hier, nahezu blind fotografieren.

Dieses Kompaktprinzip bringt noch einen anderen unschönen Nebeneffekt, gerade für Blinde mit sich. Der Platzmangel am Gerät schlägt sich auch auf die Bedienelemente nieder. Möglichst wenig Knöpfe müssen her, und die sind dann oft auch noch mehrfach belegt, oder nützliche Funktionen sind tief in den Menüs vergraben. Dazu gibt es im nächsten Post einen kleinen Kauftipp.

Vorteile:

Einschärfen

Nicht jedes Handy bietet dieses kleine Feature. Auch wenn die Bedienung teils komplizierter ist, bringt die Kompakte den kleinen Vorteil mit, dass wir hören können, ob sie sich auf ein Motiv eingeschärft hat, was meist sehr zuverlässig ist. Dafür muss der Auslöser halb durchgedrückt werden, man spürt einen leichten Widerstand. Gibt die Kamera einen hellen Doppelpieps von sich, konnte sie das Motiv scharf stellen, und ihr könnt getrost abdrücken. Hat das nicht funktioniert, gibt sie einen einfachen Pieps von sich.

Automatiken

a) Automatik-Modus

Jede Kamera, bei der kleinsten angefangen, hat einen Automatik-Modus. Dieser eignet sich besonders für Schnappschüsse, wenn man keine Zeit hat, groß an seinen Einstellungen herumzubasteln. Heutzutage funktionieren die Kameras in diesem Modus recht zuverlässig. Wie Handys und Tablets auch, messen die Kameras die Umgebungsbedingungen, und stellen die nötigen Werte darauf ein. Damit holt man zwar oft nicht das Maximum aus seinem Motiv heraus, was Licht oder Farben angeht, aber es reicht locker, wenn man für den Umgang mit dem Gerät erst mal ein wenig Routine bekommen möchte.

b) Programmautomatiken / Szenenwahl

Hier kommt der erste klare Unterschied zum Handy. Man hat die Möglichkeit, seine Kamera von vornherein schon ein wenig auf die Umgebung anzupassen. Fotografiere ich Natur, Pflanzen, Tiere, Mache ich Portraitaufnahmen, möchte ich einen Sonnenuntergang fotografieren oder sogar eine Nachtaufnahme oder Nahaufnahme von kleinen Objekten machen? Gebe ich der Kamera eben diese Szenarien bereits vor, kann ich Messfehlern vorbeugen, und die Kamera tut das ihrige, um sich richtig auf die Beleuchtung, die ungefähre Entfernung des Motivs und damit auch der Farbqualität anzupassen. Die Einstellung eines solchen Programms macht die Kamera auch schneller, da sie weniger selbst ermitteln muss. Leider kommt es bei einigen Kameramodellen vor, dass der reine Automatikmodus das Auslösen Bremst.

Objektiv

a) Besser zielen

Ein Vorteil, den ich in meiner Anfangszeit sehr zu schätzen gelernt habe. Gerade für uns Blinde eignet sich eine Kompakte allein schon, weil sie über ein kleines Objektiv verfügt. Das eignet sich hervorragend, um das genaue Zielen zu üben. Schaltet man die Kamera ein, öffnet sich die Verblendung über dem Objektiv, und es fährt ein Stück aus. Hier kann ich gerade als blinder Fotograf sehr schön meine Finger an der Seite anlegen, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wohin ich ziele. Bei einem Handy habe ich, wenn ich nicht aufpasse bei so etwas auch schnell mal einnen meiner Finger auf dem Bild, was manchmal mehr als ärgerlich ist, wenn uns das ein ansonsten sehr schönes Bild verdirbt. Dieses Hilfsmittel sollte man anfänglich auch wirklich hemmungslos nutzen.

b) Schutz der Linse

Wie oben schon gesagt, noch ein kleiner Vorteil des Objektivs. Wir müssen uns nicht gar zu viele Sorgen machen, wenn wir das gute Stück mal eben irgendwo hinlegen, in die Tasche oder den Rucksack, oder ganz männlich, in die hintere Hosentasche stecken. Wird die Kamera ausgemacht, fährt das Objektiv automatisch wieder ein, und eine kleine Verblendung schließt sich über der Linse. Das befreit uns natürlich trotzdem nicht davon, das gute Stück hin und wieder zu reinigen, aber wir müssen uns keine übermäßigen Sorgen machen, der Linse durch Unachtsamkeit gleich Schaden zuzufügen.

Aufhellblitz, Hilfslicht, Iso-Wert.

Hä? Was ist das denn? So hab ich am Anfang dagestanden, bis ich durch Herumprobieren die Vorteile dieser Funktionen herausbekommen habe.

a) Aufhellblitz

Den bieten inzwischen die meisten Kompaktkameras. Der Aufhellblitz ist für die Kamera, wenn man ihn nicht bewusst einsetzt, eigentlich nur eine technische Hilfe. Wenn ihr in dämmrigen oder dunklen Szenarien fotografieren wollt, bietet er sich auf jeden Fall an.

Der Ablauf ist folgender: Ihr visiert ein Motiv im Dunkeln an und drückt den Auslöser durch. Der Aufhellblitz, wenn in den Einstellungen aktiviert, blitzt dann einige Male vor, und bietet der Kamera so die Möglichkeit, die Umgebungsverhältnisse zu messen. So bestimmt das Gerät, wie lang der Hauptblitz anhalten soll. Ist die Kamera mit der Messung fertig, kommt es dann zur eigentlichen Auslösung, mit der vorher berechneten Blitzdauer

b) Hilfslicht

Das Hilfslicht ist ein beliebtes Mittel, wenn ich die Überbelichtung eines Motivs vermeiden möchte. Das Hilfslicht, wenn eure Kompakte über eins verfügt, beginnt bereits zu leuchten, wenn ihr den auslöser halb durchdrückt. Auf der einen Seite hilft es der Kamera ebenfalls, die Umgebung richtig zu messen und das Hauptmotiv ggf. einzuschärfen, es ist aber auch eine Belichtungsmöglichkeit, wenn man auf den Blitz verzichten und eine möglichst natürliche Lichtatmosphäre haben möchte.

Natürlich kann es euch trotzdem passieren, dass dem Gerät das Hilfslicht nicht reicht, und der eigentliche Blitz sich trotzdem zuschaltet. Man sollte sich aber auch aus einem anderen Grund genau überlegen, ob man diese Funktion nutzt. Leider haben viele Hersteller das Problem noch nicht ausgeräumt, dass die Hilfslichter oft leichte Farbstiche haben, also leicht ins grünliche, bläuliche oder sogar rötliche gehen. Möchte man ein möglichst natürliches Hilfslicht haben, wird man bei den Kompakten schwer fündig und muss leider tiefer in die Tasche greifen. Ich selbst nutze das Hilfslicht eigentlich nie, da gibt es andere Möglichkeiten, um in der Dämmerung oder bei Nacht gut belichtete Bilder zu machen.

Iso-Wert

Eigentlich möchte ich demnächst dem kapitel Belichtung einen extra Artikel zuordnen, aber da nicht nur Nutzer der Kompakten, sondern auch der eine oder andere Handyfotograf über das Wort Iso gestolpert sein dürften, schneide ich es hier kurz an. Der Iso-Wert steht ganz einfach für die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Stellt euch den Bildsensor einer Kamera – egal welchen Typs – wie die Netzhaut im Auge vor. Dort werden Informationen wie Licht und Farben hingeleitet. Ich habe nun mit meiner Kamera die Möglichkeit, diese Lichtempfindlichkeit einzustellen.

Früher, als man noch analog fotografiert hat, wurde das über verschiedene Fotofilme geregelt. Man kaufte sich also seinen Film, auf dem dann die Iso-Werte standen wie z.B. 200, 400, 600, etc. Natürlich war da der Nachteil, dass man mit solchen Filmen dann wirklich nur unter den Lichtbedingungen fotografieren konnte, die der Film selbst vorgab. Heute im digitalen Zeitalter haben wir das Problem nicht mehr.

Wollt ihr also dem Blitz die Arbeit erleichtern, oder ihn vielleicht sogar ganz unnötig machen, könnt ihr euch bei Kompakter und Handy der Iso-Werte bedienen.

Als Richtlinie gilt etwa.

Tageslicht: Iso 80 – 200

Dämmerung: Iso 200 – 600

Nacht ab Iso 800

Macht euch keinen Kopf, dass ihr komplett die falschen Werte nehmt, die Kameras bieten die Iso-Werte so oder so nur in größeren Schritten an. Und wer sich gar nicht herantraut, der kann, wie oben schon gesagt, auch auf die Programme zurückgreifen, aber ein ausprobieren lohnt sich allemal, man kann, setzt man nicht das Blitzlicht ein, sehr schöne Stimmungen einfangen, auch wenn es ringsum wenig Licht hat.

Das sind grob zusammengefasst die Vor –und Nachteile von Kompaktkameras. Im nächsten Post rede ich erst einmal über die „Megapixel-Lüge“ und gebe euch ein paar Tipps zum Kauf vom Kompaktkameras.

Bis dahin

Eure Nadine

Foto von Nadine Alexander-Meißinger

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