Archiv der Kategorie: Sonstiges

„Seh-Reise“ – Der Inklusive Fotowettbewerb

In diesem Jahr bietet die „Woche des Sehens“ allen Hobby- und Amateurfotografen die Möglichkeit, sich auf eine besondere „Seh-Reise“ zu begeben. Wie lassen sich die Themen Blindheit, Sehbehinderung und Sehen nicht nur bildlich, sondern vor allem auch kreativ und ansprechend umsetzen? Das ist die Aufgabe, die der diesjährige Fotowettbewerb allen Teilnehmern stellt.

Den kompletten Ausschreibungstext mit Teilnahmebedingungen findet ihr unter

http://www.woche-des-sehens.de/fotowettbewerb/

 

 

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Kunst begreifen – Diesen Samstag in der Villa Oppenheim, Berlin

 

Am Samstag, dem 18. Juni findet um 11:30 Uhr eine Tastführung durch die Kunstsammlung Charlottenburg zu Skulpturen und Gemälden von Frauen aus dem 19. und 20. Jahrhundert in der Villa Oppenheim in Berlin statt. In einer Führung mit der blinden Kunsthistorikerin Anja Winter machen sie Bekanntschaft mit ausschließlich weiblichen Skulpturen aus Holz, Bronze und Marmor. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt! Des Weiteren wurde in Zusammenarbeit mit dem ABSV „Die Näherin“ (Edmund Harburg , 1886) mit Experten ausgearbeitet, sodass das einstige Ölgemälde der Ausstellung nun als dreidimensionales Tastbild wahrgenommen werden kann. Die Materialvielfalt lässt auch Blinde und sehbehinderte Besuchende in das Geschehen eintauchen!

Gäste, die bereits an Tastführungen in der Villa Oppenheim teilgenommen haben und Besuchende, denen die Kunst dieses Museums bislang noch unbekannt ist, sind gleichermaßen willkommen!

Details:

Wann: Samstag 18. 6. 11:30 Uhr

Dauer: ca. 1,5 Stunden

Ort: Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55 / Otto-Grüneberg-Weg, 14059 Berlin

Kosten: Führung 5,00 Euro, Eintritt frei, Begleitperson frei Leitung und Anmeldung: Anja Winter, Tel.: 030 76 76 99 09 (auch AB), E-Mail: tastkunst@gmx.net

Fahrverbindung: Bus 109, 309, M45; U-Bahn U2 bis „Sophie-Charlotte-Platz“ oder U7 bis „Richard-Wagner-Platz“

Weitere Führungen: Samstag, 17. September

Wir freuen uns über Erfahrungsberichte und Eindrücke an picdesc@gmail.com

 

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Die Schönheit der Blinden auf dem Katholikentag in Leipzig

Kleiderpuppe mit langem schwarz-weißen Kleid. Im Hintergrund großformatige Fotos der Ausstellung

Besucht uns auf dem 100. Katholikentag in Leipzig vom 24.-28. Mai im Begegnungszentrum im 1. UG der Kongresshalle am Zoo, Pfaffendorfer Str. 31, im Raum „Expo“. Zu sehen und zu fühlen gibt es unsere Ausstellung „Die Schönheit der Blinden“ bestehend aus einer Kleiderkollektion für Damen und Herren mit Punktschrifttexten sowie Bilder von der Modenschau mit Blinden Models und Zuschauern. An unserem Stand habt ihr auch die Gelegenheit die Leipziger Kunststickerin Antje Kunze zu treffen. Dank Antje sieht die Punktschrift nicht nur schön aus, sie ist auch lesbar. Kleidung und Texte wurden von den Models selbst gewählt. Wir freuen uns auf euch! Anfassen ausdrücklich erwünscht.

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Ergebnisse einer Studie zu Alternativtexten im Internet

Im Rahmen der Recherche für ihre Masterarbeit an der TU Dortmund besuchte Sarah Kitza letztes Jahr einige unserer Workshops. Sie half uns nicht nur beim fotografieren, auswählen und beschreiben der Bilder, sondern befragte auch unsere blinden und sehbehinderten Seminarteilnehmenden sowie die Lesenden unseres Blogs zum Thema Alternativtexte im Internet.

Danke an alle über 200 Teilnehmenden an der Online-Umfrage und herzlichen Glückwunsch an Sarah zur Veröffentlichung der Masterarbeit. Wir hoffen, dass möglichst viele Webseitenprogrammierer und Journalisten, aber auch Hobby-Blogger die Studie lesen und versuchen die Empfehlungen umzusetzen. Nur so können das Internet and visuelle Darstellungen im Allgemeinen barriereärmer werden.

Hier der Link zu einer Einleitung zur Studie von Jan Hellbusch mit dem Direktlink zum kompletten Text der Masterarbeit.

 

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Workshops zur Geschichte der Fotografie: 1 Was ist ein gutes Bild?

In unserer Workshop Serie über Fotogeschichte und Ästhetik laden wir Fotografierende und Kunsthistoriker_Innen ein uns anhand von Beispielen zu erzählen was für sie ein „gutes“ Foto ausmacht

Letzten Samstag hatten wir Petra Schröck von der Brotfabrik Galerie in Berlin zu gast und im Gespräch mit ihr, Studierenden der Alice Salomon Hochschule und unseren blinden Fotografierenden tauschten wir uns über von Petra ausgewählte berühmte Fotografien und Methoden der Bildbeschreibung für blinde und sehbehinderte Kunstinteressenten aus.

Was macht ein gutes Bild aus?

Subjektive Entscheidung

Ob ein Bild „gut“ ist hängt hauptsächlich vom subjektiven Empfinden des einzelnen Betrachtenden ab. Experten und Laien gleichermaßen sagen, sie erkennen ein „gutes“ Bild, wenn sie es sehen. Das mag arrogant klingen, aber es handelt sich letztendlich um eine individuelle Ansicht.

Trotzdem gibt es weltberühmte Werke, die viele Menschen zumindest flüchtig kennen. Ein „gutes“ Bild hat Wiedererkennungswert und löst im Betrachtenden Gefühle oder Erinnerungen aus. Es ist nicht unbedingt ästhetisch „schön“; man denke zum Beispiel an ikonische Bilder von Konzentrationslagern, Katastrophengebieten oder Kriegsopfern in denen weder die Landschaften noch die Menschen dem allgemeingültigen Schönheitsideal entsprechen. Diese Bilder können in Menschen Schock, Ärger und Trauer auslösen.

Widererkennungswert

Angesichts der gegenwärtigen Bilderflut im Allgemeinen sind aber weder Schockierende noch ästhetisch ansprechende visuelle Eindrücke genug, um dauerhaft im Gedächtnis des Betrachtenden zu bleiben. Als Bilder noch gemalt wurden und vor dem Zeitalter der Digitalen Fotografie, war ein Bild schon aufgrund seiner Seltenheit und der aufwändigeren Herstellung bemerkenswert.  Im Zeitalter von Flicker und Instagram scrollen wir gedankenverloren durch Bilder und bleiben selten länger als den Bruchteil einer Sekunde bei einem Motiv.

Assoziation mit Erinnerungen oder Gefühlen

Sonnenuntergänge sind ein typisches Beispiel für etwas ästhetisch Erhabenes, das in den meisten Fällen den Betrachtenden trotzdem wenig berührt. Letztendlich gleicht ein Sonnenuntergang ob fotografiert oder gemalt dem anderen. Natürlich ist ein blutroter, lila oder orangefarbener Himmel oberflächlich „schön“, aber abgesehen vom Fotogrefierenden der oder die besondere Erinnerungen an den Ort oder die Zeit der Entstehung des Fotos hat, ist er beliebig austauschbar. Naturschauspiel wie Sonnenuntergänge sind schwer abbildbar weil sie nicht nur auf Visuellen Eindrücken beruhen. Luft, Stimmung und Geräusche können sich verändern. Ein Bild das diese anderen Sinneswahrnehmungen darstellt wäre interessant. Hier liegen potentiell die Stärken von blinden und sehbehinderten Fotografierenden, die für andere Wahrnehmungen als offensichtliche visuelle Ersteindrücke besser sensibilisiert sind. 

Das heißt nicht, dass man keine Sonnenuntergänge fotografieren sollte, immerhin wurden sie zum Klischee, weil sie zu den am häufigsten fotografierten Motiven gehören, aber ein wirklich „gutes“ Foto löst auch Empfindungen in anderen Personen aus. Es zeigt einen Moment an einem Ort wie er wirklich gewesen ist oder von der Künstlerin empfunden wurde. Richtig präsentiert zum Beispiel im Großformat in einem ansonsten leeren Raum kann ein Sonnenuntergang sehr wirkungsvoll sein.

Kunstwerk, Fotografierender und Betrachtender

Ein Foto zeigt nicht nur das abgebildete Motiv sondern verrät auch direkt oder indirekt etwas über den Künstler. In erster Linie muss dem oder der Fotografierenden selbst das Bild gefallen und wenn er oder sie dann noch mehr Menschen findet, denen es gefällt, dann ist es ein Erfolg. Manche Künstler wollen mit ihren Bildern den Betrachtenden ihre eigenen Emotionen und Erinnerungen vermitteln, andere wollen „Realität“ und „Wirklichkeit“ abbilden oder die Betrachtenden verwirren oder zum Nachdenken anregen.

Letztendlich ist jedoch die Absicht der Künstlerin für Betrachtende oft wenig relevant. Das Kunstwerk entwickelt ein „Eigenleben“ unabhängig von Person und Intention des “Schaffenden“. Biografische und zeitgeschichtliche Zusatzinformationen eröffnen oft Zugänge zu weiteren Interpretationsmöglichkeiten, aber sie sind für den Widererkennungswert und das Gefallen oder Nicht-Gefallen eines Werkes ehr wenig entscheidend. Das gleiche Bild kann verschiedene, manchmal sogar gegensätzliche Reaktionen in Betrachtenden auslösen.

Wie werden Kunstwerke berühmt?

Objektivere Kriterien

Trotz all dieser subjektiven Auswahlkriterien git es auch objektivere Merkmale, die ein „gutes“ oder zumindest berühmtes Werk ausmachen. Experten beurteilen Komposition und Linienführung, Licht, Farben, Atmosphäre und technische Umsetzung. Für Petra persönlich ist die technisch perfekte Umsetzung eher weniger vorrangig. Man braucht keine teure Ausrüstung um gute Bilder zu machen. Wichtig ist ein Auge oder Gefühl für den Moment zu haben und ihn festzuhalten.

Technisch perfekt vs. Schnappschuss

Technisch perfekte Bilder können kalt und leer wirken, während zufällige Schnappschüsse einzigartige Gesten und Momente festhalten können. Details, die unbeabsichtigt ins Bild geraten sind, können ein Foto gerade besonders machen. Kein Moment ist perfekt und daher muss die Abbildung auch nicht perfekt sein. Die Freude zufällig einen Vogel im Flug auf einem Bild festzuhalten kann einen Schnappschuss einzigartig machen. Einige Fotografierende warten lange auf den richtigen Moment, während andere schaffen gezielt eine Umgebung in der sie dann ein Bild suchen.

Besonders in der Kunstfotografie ist das faszinierende nicht das vom Fotografierenden beabsichtigte Thema des Bildes, sondern Details die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. Auf der anderen Seite können Bilder in denen zu viel passiert, die Wahrnehmung zu sehr überfluten.  Es kann nicht schaden, die allgemeinen Regeln des „ästhetischen“ Fotografierens zu kennen, aber man muss sie nicht immer befolgen.

Zufall und Kanonisierung in der Kunstszene

Das ein Bild ikonische Berühmtheit erlangt ist oft schlicht und einfach Zufall. Ein anerkannter Kunstkritiker entdeckt eine Künstlerin und vermarktet und fördert sie entsprechend. Ein Foto geht in den Medien um die Welt, weil es in einem historischen Moment an einem relevanten Ort geschossen wurde und die Stimmung der Menschen widerspiegelt. Oder eine Style wird als neu und innovativ angesehen. Bilder die schon berühmt sind werden von mehr Menschen gesehen und als Norm des „Berühmt-Seins“ akzeptiert. Menschen hinterfragen unter Umständen gar nicht so genau, ob sie das Bild „gut“ findet. Die „Fachleute“ haben es ausgewählt und ab sofort gehört es zur Allgemeinbildung. Die Berühmtheit wird durch die Medien und Kunstgeschichtsschreibenden weiter gefestigt.

Wie mache ich ein „gutes“ Foto?

Da es keine eindeutige Definition eines „guten“ Fotos gibt, kann es auch keine Schritt für Schritt Anleitung geben wie man es macht. Einige „Klassiker“ der Fotografie zu kennen ist gut für die Allgemeinbildung und kann auch bei der persönlichen Weiterentwicklung als Fotografierender helfen. Schlichtes Nachstellen ist natürlich nicht besonders originell aber man kann sich an Beispielen orientieren, mit ihnen arbeiten und sie verändern.

Hier eine kurze Zusammenfassung von Merkmalen, die ein „gelungenes“ Foto ausmachen können. Berühmte Bilder erfüllen oft mehrere dieser Kriterien. Die List ist aber keinesfalls vollständig.

  • Es gefällt dem Fotografierenden.
  • Es berührt andere Menschen emotional und bleibt in ihrer Erinnerung.
  • Es stellt einen historischen Ort, ein wichtiges Ereignis oder eine Stimmung dar.
  • Es wird von der Öffentlichkeit als ästhetisch ansprechend und originell empfunden.
  • Es vermittelt mehr als nur eine rein visuelles Abbild.
  • Es ist ein Schnappschuss einer interessanten Zufallsszene.
  • Es gefällt Kritikern und Kunsthistorikern und wird dementsprechend vermarktet.
  • Es gibt eine Hintergrundgeschichte zum Foto selbst, dem motiv oder über den Künstler.
  • Technik und Stil sind innovativ oder kontrovers.
  • Technische Umsetzung, Komposition, Linien –und Farbführung, Licht und Atmosphäre sind wirkungsvoll.
  • Es wird wirkungsvoll inszeniert zum Beispiel in einer Ausstellung.

Im zweiten Teil zum Seminar wird es mehr um die Live-Bildbeschriebung der von Petra mitgebrachten „Meisterwerke“ gehen.

 

 

 

 

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Richtlinien für Bildbeschreibungen II

Aus gegebenem Anlass hier noch einmal der Vorschlag der blinden Kunsthistorikerin Anja Winter für ein Schema für Bildbeschreibungen :

Bildbeschreibung für Blinde

I. Fakten

1. Maler

2. Titel & Genre

3. Format & Maße

4. Technik

5. Entstehungszeit

II. Beschreibung

1. Aufbau (Vorder-, Mittel-, Hintergrund)

2. Hauptmotiv (evtl. auch nur Teil), das sofort ins Auge springt

3. Farben

III. Eindruck, Stimmung

möglichst genau wiedergeben, aber Achtung: keine Interpretation!

IV. Hintergrund 

(soweit zum Verständnis erforderlich!)

1. biografische Daten des Malers (und ggbfs. Auftraggebers)

2. Stil & Epoche

3. kunsthistorische Besonderheiten

4. historischer, religiöser Hintergrund 

© tastkunst 06.2012

Vergleicht es bitte mit den Vorschlägen des blinden Kunsthistorikers Erich Schmid.

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