„Selbstporträts I & II“ von Gerald Pirner

Meine Bilder sind ein Spiel mit Zitaten der verschiedensten Provenienz. Selbstportraits I und Selbstportrait II  spielen mit dem Verschwinden, spielen mit dem Auftauchen, spielen mit dem Begriff des Erscheinens.

Selbstportrait I

Selbstporträt I

Das „Selbstporträt I“ von Gerald Pirner ist ein Farbfoto im Hochformat. Das Bild wurde mit Langzeitbelichtung aufgenommen.

Der Hintergrund des Bildes, der am unteren Rand ungefähr ein Fünftel, am oberen ein Zehntel, links ein Fünftel und rechts ein Drittel zu sehen ist, ist komplett schwarz. In der Mitte ist ein Mann mit hellem, ungefähr kinnlangen, gelocktem Haar und einem dunklen Kapuzenpullover abgebildet. Am Kragen des Pullovers hängen zwei Kapuzenbänder herunter, die durch Bewegung während der Langzeitaufnahme, doppelt abgebildet sind.

Der Oberkörper ist etwa bis zum Bauchnabel zu sehen, das Gesicht ist vollständig abgebildet. Der vom Betrachter aus gesehen linke Arm, liegt am Körper des Mannes an, die Hand ist nicht mehr zu erkennen. Der rechte Arm befindet sich ab dem Schlüsselbeinansatz im Dunkeln und ist somit nicht zu sehen.

Das Porträt wird durch eine unbekannte Lichtquelle von unten bestrahlt. Besonders auffällig ist der Kopf, da er das am hellsten beleuchtete Objekt auf dem Bild ist. Das Gesicht ist nicht genau zu erkennen, da das Foto etwas unscharf und leicht verwackelt ist. Die abgebildete Person hat den Kopf leicht nach oben geneigt, der Mund ist etwas geöffnet und die Augen sind nach links oben gerichtet, sodass fast nur noch das Weiße des Auges sichtbar ist. Die rechte Gesichtshälfte befindet sich ab dem Ende der Wange im Dunkeln, sodass das Ohr und die Haare auf der rechten Seite des Kopfes nicht zu erkennen sind.

Auf dem unteren Teil des Pullovers befinden sich einige dünne Lichtstreifen, die das Bild dynamisch wirken lassen. Das ganze Bild wirkt eher Dunkel.

Text: Matti Jaiteh

Sebstportrait II

Selbstporträt II

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Lightpainting, schon beschrieben

„Shot in the Dark“: „Cathedral“ von Pete Eckert

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Innenraum einer Cathedrale in schwarz-qeiß

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie: Zwischen Altarraum und Kirchenbänken steht ein Pfarrer in weißem Umhang mit Blick auf die Gemeinde. Durch eine Mehrfachbelichtung ist er vielfach, aber nur schemenhaft zu sehen. Seine Gesten greifen ins Ungefähre. Durch sein Gewand schimmern die Menschen in der ersten Reihe hindurch. Jeder der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher blicken zum Pfarrer, manche neugierig, manche nachdenklich. Eine alte Frau schaut streng. Im Hintergrund unter einem Rundbogen ein buntes Fenster im Querschiff der Kirche.

Copyright: Pete Eckert Originalmaße 60 x 48 cm

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter schon beschrieben

„Portrait Tina“ von Gerald Pirner

Portrait Tina

Meine Bilder sind ein Spiel mit Zitaten der verschiedensten Provenienz. Portrait Tina zeigt eine junge Frau, die mit ihren gefalteten Händen sich gegen ihren eigenen Schatten zur Wehr zu setzen sucht, der hinter ihr zu sehen ist und der seinerseits mit seinen Händen bereits durch ihre Haare fährt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Lightpainting, noch zu beschreiben

100 Meisterwerke (67): Jackson Pollock, Number 33

Da ich von dem Bild keine gemeinfreie Darstellung im Internet gefunden habe, hier der Link:

https://bombmagazine.org/articles/1985/01/01/number-33/

Ein abstraktes Gemälde in Schwarz und Weiß. Auf einem hellgrauen Untergrund breitet sich ein schwarzes Gewirr aus Linien und Klecksen aus. Darüber legen sich weiße Schlieren einer zähflüssiger wirkenden Farbe. 

Das schwarze Liniennetz ist in der Bildmitte sehr dicht, so dass es eine Fläche ergibt, zu den Bildrändern hin dünnt es sich aus. Man erkennt die einzelnen dünnen und weniger dünnen Linien. Die Linien verlaufen kreuz und quer in alle Richtungen. Sie sind zumeist gerade, nicht gekrümmt, wie Farbspritzer. 

Darüber die weißen Linien sind hingegen geschwungen, manche bilden Schleifen, manche verlaufen fast parallel zueinander, auch sie von unterschiedlicher Stärke. Die Kleckse wirken wie Verdickungen. 

Wenn wir abstrakte Bilder beschreiben, merken wir, wie uns dafür die Worte fehlen. Unsere Sprache ist eminent gegenständlich. Aber auch gegenständliche Bilder, sogar Fotografien, haben einen malerischen Aspekt. Wie grob oder fein, scharf oder unscharf sie sind, wie ihre Farbigkeit beschaffen ist oder wie kontrastreich ihr Schwarzweiß ist, trägt zur Wirkung des Bildes bei. Den abgebildeten Gegenstand können wir bis ins Detail beschreiben, aber wenn wir es dabei belassen, behalten wir den blinden Lesern die Wirkung und damit wahrscheinlich die Bedeutung des Bildes vor.

In der Beschreibung oben habe ich versucht, Wörter zu vermeiden, die gegenständliche Assoziationen hervorrufen, Assoziationen von Gegenständen, die ja nicht im Bild sind. Daher habe ich mich auf die Materialität der Farben verlegt oder jedenfalls dessen, was ich davon auf der zweidimensionalen Abbildung sehe. Das erscheint mir in diesem Fall eine gute Lösung zu sein, da Jackson Pollock die Materialität des Bildes durch die sichtbaren Überlagerungen von Farben sichtbar unterschiedlicher Konsistenz selbst betont.

Worüber ich sonst schreiben kann, ist die Wirkung des Bildes auf mich. Dies jedoch in einer Sprache zu tun, die im Leser keine gegenständlichen Assoziationen hervorruft, ist kaum möglich. 

Es kann sein, dass Jackson Pollock es auch nicht wünschenswert gefunden hätte. Er hat dem Bild nur eine Nummer, keinen Titel gegeben, wissend, dass die Vorstellung des Betrachters sich daran wie an den sprichwörtlichen rettenden Strohhalm klammern würde. Er malte in einem Trance ähnlichen Zustand ohne Pinsel, indem er vornüber gebeugt die Farbe auf den am Boden liegenden Malgrund tropfte und spritzte. Es kann daher sein, dass er sich wünschte, dass der Betrachter das Bild auch sozusagen begriffslos betrachtet, ebenfalls wie in einer Trance. Reines Schauen. Dieses ist jedoch per definitionem nicht in Worte zu fassen.

Dies vorausgeschickt, versuche ich, dem blinden Leser meine Assoziationen zu beschreiben. Als Leser dieses Blogs wissen Sie, dass das, was ich sehe, ohnehin nicht identisch ist mit dem, was ein anderer in dem Bild sieht. Umso mehr aber bei einem abstrakten Bild. Linien und Kleckse, wie gesagt.    

Das erste, woran mich das schwarze Liniengewirr erinnerte, war ein Gestrüpp. Und da die dünnen Farbspritzer teilweise von den etwas stärkeren abzuzweigen scheinen, ein Dornengestrüpp. Dann fiel mir auf, dass es sich von der flächigen Mitte aus in alle vier Richtungen ausdünnt, wie eine Luftaufnahme einer Stadt mit Ausfallstraßen und Vororten, dachte ich.  

Die weißen Linien darüber sind viel weicher, wie organische Verzierungen, schwungvolle Ranken und Schlingen, die sich über die Stadt legen. Im linken Teil des Bildes bilden sie ahnungsweise eine Form – oben zwei Auswölbungen, links und rechts, in der Mitte eine Vertiefung, von den Auswölbungen aus zwei nach innen geschwungene, nach unten auf einander zulaufende Linien, die sich jedoch nicht berühren, da sie über den Bildrand hinausgehen, so dass die Form unten eine Öffnung behält. Die Form war tatsächlich das erste, was mir an dem Bild ins Auge fiel, das ungefähr Gegenständlichste eben, und schlagen Sie mich, aber mein erster Gedanke war: wie die schematische Darstellung eines Muttermunds. Ohje, und mit diesem Bild im Kopf lasse ich Sie nun zurück:-)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter 100 Meisterwerke

100 Meisterwerke: 66. „Der Kuss“ von Gustav Klimt

Der Kuss

Gustav Klimt‘s „Der Kuss“ ist ein Ölgemälde im Jugendstil auf einer Leinwand in der Größe 180cm x 180cm. Es entstand 1908/1909 in Klimt‘s „Goldener Periode“ und steht heute im Belvedere Museum in Wien.[1]  Der Hintergrund des Bildes ist in einem bräunlich-gräulichem Ton gehalten, der von ganz kleinen gelben Punkten durchsäht ist und an einigen Stellen dunklere Schattierungen aufweist.

Auf dem Bild ist ein umschlungenes Liebespaar auf einer Blumenwiese zu sehen. Die Blumenwiese beginnt auf der linken Seite des Bildes und verläuft schräg nach rechts oben, wo sie bei etwa drei viertel der Bildbreite abschließt und mit einer leichten Welle zum unteren Bildrand verläuft. Auf der linken Seite nimmt die Blumenwiese ungefähr ein Viertel der Gesamthöhe des Bildes ein und nach dem Abschluss der Steigung dann ein Drittel der Gesamthöhe. Die Blumenwiese besteht aus vielen blauen, gelben und lilafarbenen Blumen, wobei die lilafarbenen Blumen größer sind als die anderen. Bei ihnen könnte es sich um Tulpen handeln und bei den anderen um Stiefmütterchen, was durch die ungenaue Zeichnung allerdings nicht so leicht zu beurteilen ist. Vereinzelt sind auch rot-bräunliche Tupfer zu sehen.

Die verschiedenen Grüntöne der Stiele und Blätter dominieren die Blumenwiese auf der linken Seite. Mittig dominieren die Blüten, vor allem die lilafarbenen, die in diesem Bereich der Wiese nicht nur in geschlossener Form zu sehen sind, wie auf der linken Hälfte der Wiese, sondern hauptsächlich in offener Form mit einem gelben Blütenstempel und einem schwarzen Punkt darin. Die rechte Seite der Wiese ist übersäht von gelbgoldenen Schlieren, die aus dem Gewand des Liebespaares bzw. nur aus dem Teil der Frau herabfallen und sich in Form von ganz vielen kleinen gelbgoldenen Dreiecken an dünnen Schnüren über diesen Teil der Wiese legen.

Das Liebespaar steht bzw. hockt mittig im Bild auf der Blumenwiese. Links ist der Mann zu sehen, der dem Anschein nach steht. Sein Teil des Umhangs geht bis hinunter zur Wiese und bedeckt, vom Hals ab, seinen kompletten Körper, einschließlich der Füße. Er hat auf dem gelbgoldenen Untergrund diverse Rechtecke in verschiedenen Farben und Größen. Es handelt sich dabei um weiße Rechtecke mit schwarzer Umrandung, schwarze Rechtecke mit weißer Umrandung, graue, schwarze, weiße und braune Rechtecke mit und ohne Umrandung. Außerdem unterscheiden sie sich in ihrer Länge und Breite. Von kleinen schmalen Rechtecken bis hin zu großen breiten Rechtecken ist alles dabei. Hinzu kommen winzige Quadrate in den selben Farbmustern und ein paar ganz kleine weiße Kreise mit schwarzen oder grauen Punkten darin. Dabei liegen stets zwei oder drei dieser Kreise senkrecht übereinander.

Der Mann hält die Frau fest umschlungen mit beiden Händen um ihren Hals und Kopf. Von ihm sind fast ausschließlich sein langer breiter Hals und der Hinterkopf zu erkennen. Seine Haare bedecken die Ohren und reichen fast bis zum unteren Teil des Gesichts. Sie sind schwarz und gewellt mit ein paar grünen Blättern darauf. Bei näherem Hinsehen könnte es sich um einen Haarkranz handeln. Sein Gesicht ist kaum zu erkennen. Lediglich sein rechtes Profil ist angedeutet dargestellt. Sichtbar sind eine dunkle breite Augenbraue und eine relativ groß wirkende Nase. Die Wange wirkt eingezogen, so wirkt es trotz der nicht sichtbaren Lippen, als würde er die Frau auf die Wange küssen.

Der Kopf der frau liegt im rechten Winkel auf ihrem Hals auf, angelehnt auf ihre linke Schulter. Ihr rechter Arm greift um den Hals des Mannes, ihr linker Arm ist angewinkelt nach oben und umgreift mit der Hand die rechte Hand des Mannes. Der Mann berührt mit seiner rechten Hand die linke Wange der Frau und umgreift ihren Kopf mit der linken Hand, so dass seine Fingerspitzen neben ihrem linken Auge liegen. Durch seinen Kuss bedeckt er einen kleinen Teil der rechten Gesichtshälfte der Frau. Der Rest ihres Gesichts ist deutlich zu erkennen. Ihre Augen sind geschlossen. Es wirkt, als hätte sie leicht bläulichen Lidschatten aufgetragen. Es könnte aber auch sein, dass lediglich die Adern bläulich durch die dünne Haut durchschimmern, da die Frau viel blassere Haut hat als der Mann und ihre Nasenpartie auch leicht bläulich erscheint. Ansonsten hat sie eine gerade Nase, rote Wangen und geschlossene rote Lippen. Ihre Augenbrauen sind weder breit noch schmal. Sie sind bogenförmig und in einem dunkleren Braunton als ihr Haar. Dieses ist rotbraun und voluminös, allerdings in der Struktur schwer zu erkennen. Es sieht aus, als hätte sie einen durchgehend breiten Kranz um, der in der unteren Hälfte aus blauen und weißen Blüten mit kleinen grünen Blättern besteht und in der oberen Hälfte, gleich geformt, aus ihrem Haar, wobei in dem Haar vereinzelt auch die gleichen Blumen zu sehen sind.

Das Gewand der Frau ist verschmolzen mit dem Gewand des Mannes. Auf ihrer Hälfte sind jedoch weniger eckige Muster zu sehen, sondern mehr kreisförmige. Bis auf wenige kleine Quadrate im Oberarmbereich und winzige Fünfecke im Rumpfbereich, besteht der Hauptteil der Musterung aus verschiedenfarbigen Kreisen in unterschiedlichen Zusammenstellungen. Die Silhouette der Frau zeichnet sich trotz des einteilig wirkenden Gewandes ab. In diesem Bereich sind einzelne Kreise zu sehen, die mit einer dünnen blauen Umrandung den gelbgoldfarbigen Stoff umschließen und in ihrer Mitte einen braunen Punkt tragen. Des Weiteren sind vereinzelt weiße Kreise mit ebenfalls dünner blauer Umrandung zu sehen, die verschieden groß sind und mal einen kleinen grünen Punkt in sich tragen, mal einen größeren oder auch mal ausschließlich weiß sind. Am auffälligsten sind jedoch die insgesamt sieben bunten großen Kreise, die teilweise ganz, teilweise aber auch nur zum Teil abgebildet sind und aus vielen kleinen Kreisen bestehen. Bei zwei Kreisen überwiegt eindeutig der rote Farbton, bei den restlichen eher die blaue und grüne Farbe. Die einzelnen kleinen Kreise haben alle eine farbige Umrandung mit einem andersfarbigen Kern, wobei ungefähr die Hälfte der Kreise noch einen schwarzen Punkt in sich trägt. Die Farben Weiß, Gelb, Hellrot, Dunkelrot, Rosa, Lila, Grün und Blau wurden bei den Kreisen unterschiedlich kombiniert.

Der Teil des Gewandes der Frau, der nicht ihre Silhouette umgibt, sondern darüber hinausgeht, besteht ebenfalls aus runden Formen. In diesem Bereich sind es verschieden große Kreise, die mehrere Ringe in sich tragen, alle dünn gezeichnet, so dass die Kreise insgesamt einfarbig wirken, nämlich gelbgolden, in der Farbe des restlichen Gewandes. Die einzigen Farbakzente werden durch die zum Teil größeren und zum Teil kleineren Punkte im Inneren der Kreise gesetzt. Diese sind hauptsächlich rot, aber auch weiß und grau.

Im Gegensatz zum Mann, bei dem lediglich der Hals, der Kopf und die Hände nicht vom Gewand bedeckt sind, gibt es bei der Frau weitere sichtbare Hautpartien. Es handelt sich dabei um ihr linkes Schulterblatt, ein großer Teil des linken Ober- und Unterarms sowie ihre Unterschenkel und ihre Füße, die aus dem Gewand hervorgucken und durch ihre auf den Knien hockende Position, über den Rand der Blumenwiese hinausgehen.

Bildquelle: wikipedia.de

Text: Esther Khiveh

[1] https://www.wien.info/de/sightseeing/museen-ausstellungen/top/belvedere 23.04.2017 19:33

Ein Kommentar

Eingeordnet unter 100 Meisterwerke, schon beschrieben

„Portrait Nick“ von Gerald Pirner

Portrait Nick

Meine Bilder sind ein Spiel mit Zitaten der verschiedensten Provenienz.Porträt Nick nimmt eine Geste von Samuel Beckett auf, die der Erblindete einst auf einem Plakat gesehen hat, das Beckett bei den Proben zu Warten auf Godot  zeigt, fast auf dem Boden, der Regisseur, eine Geste seinen Schauspielern zeigend.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Lightpainting, noch zu beschreiben