Bürgermeisterstr. 4, 16321 Bernau bei Berlin, Tel: (0 33 38) 80 68, Mail:galerie@best-bernau.de Di. – Fr. 10 – 18 h, Sa. 10 – 16 h, feiertags geschlossen, www.galerie-bernau.de
Einladung zur Vernissage
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Seeadler
Status: Schon beschrieben
Dieses Bild eines alten Seeadlers stammt von Jörg Stemmler. Jörg macht die Öffentlichkeitsarbeit im BFW Halle und ist zugleich Naturfotograf. Sein Spezialgebiet sind Vögel, mit deren Bildern er schon mehrere Kalender für das BFW gestaltet hat.
Wir werden hier nach und nach die Bilder aus den Kalendern posten, um sie beschreiben zu lassen, damit besonders Jörgs blinde Kollegen und die Rehabilitanden des BFW wissen, was darauf zu sehen ist.
Beschreibung von Katrin Heidorn:
Mal etwas Neues auf dieser Seite: ein Tier. Eigentlich komisch, weil es ja bisher viel um Zwischenmenschliches ging und Tiere ja immer so schön in ihrer eigenen Welt leben.
Aber gerade dadurch sind sie natürlich für Blinde schwer wahrzunehmen.
Dieses Bild hat mich spontan angeregt. Das hat bestimmt damit zu tun, dass dieser Adler dermassen unadlerisch daherkommt, dass es eine reine Freude ist.
Ein tolles Bild, Gratulation an den Fotografen. Ein Querformat in wunderschönem matschbraun, gestochen scharf. Der Adler gross im Bild. Aber nicht etwa in der Luft. Nein, er marschiert!
Durch den eisigen Schneematsch. Mit Todesverachtung und grimmigem Blick. Ich mag sonst die Vermenschlichung von Tieren nicht besonders, aber hier drängt sie sich auf.
Er streckt den Kopf nach vorn und hat die Flügel etwas gelüpft, als wolle er sich mit breiten Schultern gegen den Wind stemmen. Das Foto ist so scharf, dass man jede einzelne der
graubraunen Federn erkennen kann. Am Kopf sind sie heller als unten am Körper und an den gefiederten Beinen, die in gelben Füßen mit beeindruckenden Krallen enden. Der Adler läuft von rechts nach links und streckt den rechten Fuss entschlossen vor. Das Wasser spritzt von seinen Füssen. Die Federn haben einen ganz feinen grauen Rand ringsum, weshalb sie sie sich schön voneinander abheben.
An den Beinen und besonders in der Mitte am Bauch sind sie dramatisch vom Wind zerzaust. Der gelbe gebogene Schnabel und das Auge mit dem gelben Ring darin lassen ihn tatsächlich sehr grimmig aussehen. Halt so wie wir, wenn das Wetter schlecht ist. Direkt über dem linken Auge, das man sieht, hängt eine feine bräunliche Feder, die wie eine gerunzelte Augenbraue aussieht.
Im Hintergrund sieht man unscharf etwas von einer bräunlichen Wiese mit ein wenig Schnee darauf. Zu Füssen des Adlers etwas gefrorenes Wasser, Sicher wird er demnächst abheben, die Bodenverhältnisse sind eher unakzeptabel. Aber warum überhaupt „der“ Adler, denn wahrscheinlich ist es die Adlerin, wie auch übrigens das Wappentier. Denn bei den Adlern sind die Weibchen stets größer als die Männchen und ein schönes Beispiel für die Pracht und Stärke der weiblichen Natur.
Eingeordnet unter schon beschrieben
Mönchsgeier und Fuchs
Noch ein Bild von Jörg Stemmler. Er hat es hinzugefügt, weil so ein Bild mehr erzählt
als ein einzelner Vogel. Bei dem Streit ging es um das Futter, das ausgelegt war, um die Vögel anzulocken.
Bildbeschreibung Oskar Schulze
Majestetisch und angsteinflößend zugleich steht der Mönchsgeier, einer der größten Geier der Welt, vor einem kleinen Fuchs. Dieser befindet sich rechts unten in der Ecke des Fotos, das von dem Naturfotografen Jörg Stemmler aufgenommen wurde. Mit angelegten Ohren und halb geöffnetem Maul guckt der Fuchs zu dem mindestens doppelt so großen Geier auf, der sich, einen halben Meter von ihm entfernt in der Mitte des Fotos vor ihm aufgebaut hat.
Die gewaltigen Flügel, die ein Viertel des gesamten Bildes einnehmen, ausgestreckt und den langen lila-schwarzen Hakenschnabel leicht geöffnet, fokussiert er mit seinen kugelrunden, abgesehen von der hellbraunen Iris pechschwarzen Augen, den Fuchs. Dieser Hat an Beinen, Rücken und Kopf, braunes und am restlichen Körper schneeweißes Fell. Das Gefieder des Mönchgeiers hingegen ist einfarbig dunkelbraun und schimmert leicht in der Sonne, die von rechts in das Bild hinein scheint.
Des Weiteren sieht man die flauschig wirkenden, weißen Federn unter dem Schwanz des Geiers, da das Foto aus einer leichten Froschperspektive aufgenommen wurde. Seine Beine und die Krallen sind hinter einem dichten Federkleid verborgen. Auch die gesamte linke Seite des Geiers bleibt für den Betrachter verdeckt, Markant ist der überwiegend kahle, für Geier typische Kopf. Zudem ist der Kopf im Vergleich zum Körper recht klein und deutlich heller als das restliche Gesicht.
Durch diese Begegnung zwischen Fuchs und Geier, die beide zu einem Kampf bereit scheinen, wird die Friedlichkeit der Umgeung nebensächlich. Denn die grüne Wiese, die von vereinzelten gelben Blumen auf der rechten Seite des Bildes geziert wird, schaut saftig grün und somit recht idyllisch aus. Da der Hintergrund des Bildes verschwommen ist, lässt sich allerdings nicht erkennen, ob sich dort ein Teich oder eine kahle Fläche ohne Gras befindet.
Eingeordnet unter noch zu beschreiben
Ankündigung: Die Schönheit der Blinden ab 20. September in Bernau
Ihr Lieben,
unsere Ausstellung „Die Schönheit der Blinden“ wird im September 2013 in der Galerie Bernau bei Berlin zu sehen sein:
21. September bis 2. November | AUSSTELLUNG
GALERIE BERNAU
Bürgermeisterstraße 4
Tel.: (0 33 38) 80 68 Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr
Sonnabend: 10 bis 16 Uhr
An gesetzlichen Feiertagen in der Regel geschlossen.GALERIE BERNAUDie im Stadtkern gelegene GALERIE BERNAU lädt seit 1989 ein, zeitgenössische Bildende Kunst ganz verschiedener Künstler und Genres zu entdecken. Vielfältige ausstellungsbegleitende Veranstaltungen unterstützen die behutsame Verknüpfung der Bildenden Kunst mit anderen Künsten zu einem ästhetischen Gesamterlebnis — sommers im Refugium des Innenhofes, winters in den Ausstellungsräumen. Dazu gehören auch Puppentheatervorstellungen für Familien am Sonntagvormittag und kunstpädagogische Angebote.
Ihr hoher ästhetischer Anspruch und ihr lebhaftes Engagement in der Ausstellungstätigkeit bringen der GALERIE BERNAU den Ruf einer „verdienstvollen Galerie“ sowie regionale und überregionale Beachtung ein. Jährlich besuchen über 10.000 Kunstinteressierte die Räume der Galerie und genießen das einzigartige Ambiente der Galerie mit Galeriehof und Atelier.
Doch die Gründung der GALERIE BERNAU gestaltete sich schwierig und zeitaufwendig. 15 Jahre kämpften 16 Berufskünstler des Kreises Bernau um die Schaffung einer eigenständigen Galerie. Am 6. September 1989 war es endlich soweit: Die GALERIE BERNAU wurde eröffnet. Sie ist die letzte Galerie, die in der DDR ins Leben befördert wurde. Mit der politischen Wende im November 1989, wechselten auch die Trägerschaften der Galerie turbulent bis der Förderkreis Bildende Kunst Bernau e. V. im Juli 1992 die freie Trägerschaft der Galerie übernahm.
Seit Januar 2013 ist die BeSt Bernauer Stadtmarketing GmbH Träger der GALERIE BERNAU und der Förderkreis Bildende Kunst Bernau e. V. bleibt weiterhin Initiator und Förderer des Jahresausstellungsprojektes.
Eingeordnet unter Sonstiges
Tough Rucker
Dieses Bild hat uns der Dokumentarfilmer und Lyriker Rainer Komers gleich zusammen mit seiner Bildbeschreibung geschickt. Einer experimentellen Bildbeschreibung. Ich poste sie gleich zusammen mit einem ersten Kommentar von Katrin. Was meint ihr dazu?
Also erst das Bild:
Und dann Rainers Beschreibung:
tough rucker
die zeiger der antiken straßenuhr
mit ihren römischen zahlen
zeigen auf 17 uhr 26
die sonne steht tief
figuren und artefakte
werfen längere schatten
auf die rissigen bürgersteige
an der straßenkreuzung im hintergrund
verdeckt von einer fußgängerampel
steht schwarz gekleidet eine frau
befragt von einer fernsehkamera
zwei weiße und ein schwarzer im
gespräch dazwischen ein roter brief
kasten am schild mit der aufschrift „zone“
lehnt angeschlossen ein blaues damenfahrrad
am rechten bildrand angeschnitten die hand mit dem handy
ganz ohr bekleidet mit schwarzem blouson bedruckt mit
einem tigermotiv in grau und in farbe mit rucksack
läuft eine männliche person von der wir nicht
wissen mit wem und was sie spricht doch
nun zu CARLOS ARREDONDO der
zentralfigur in der komposition
mit der blutverschmierten
usa-flagge zwischen
seinen händen
getrockntes blut an einem grauen BOSTON MARATHON sweater
lenkt deinen blick auf ein entschlossenes gesicht umrahmt
von gelocktem schwarzglanzhaar sein kinn umflort
von einem sorgsam gestutzten kinnbart die
lippen leicht geöffnet als wollten sie
gleich anheben zu sagen ich
bin ein friedensaktivist
der seine söhne
im irakkrieg
verloren
hat
und der
jetzt nachdem
die bomben am ziel
ihr uraltes werk verrichtet
haben menschen in not beistand
geleistet hat als BOSTON HERO feiert
das internet ihn mit gelbem jacket überm arm
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Vorschläge zu Bildbeschreibungen für blinde Menschen
Ihr Lieben,
jetzt gibt es unseren Blog ja schon eine ganze Weile und wir dachten uns, vielleicht ist es einmal an der Zeit, sich auch wieder etwas mit den Grundlagen zu beschäftigen. Dazu gehört die Frage, wie Ihr euch eigentlich eine Bildbeschreibung wünscht.
Hier ist dazu ein Text von Erich Schmid:
Vorschläge zu Bildbeschreibungen für blinde Menschen
Vorbemerkungen:
1- Es gibt verschiedene Grade des Blindseins, vom Fehlen jedes optischen Eindrucks bis zur mehr oder weniger starken Sehbehinderung. Weiters gibt es eine unterschiedlich lange Zeitspanne, seit die Sehbehinderung/Blindheit besteht, sie kann wenige Monate lang sein oder bis zur Geburt reichen. In diesen beiden Dimensionen von Zeit und Intensität sind die Erfahrungen des blinden oder sehbehinderten Menschen mit optischen Eindrücken entstanden. Die/Der Bildbeschreibende sollte sich jedoch deswegen nicht zu viele Gedanken machen, denn der Blog bietet ja die Möglichkeit zur Rückfrage. Angaben über Perspektive und Farben dürfen und sollen gemacht werden, obwohl sich von Geburt an vollständig blinde Menschen damit nicht leicht tun.
2- Bei der Beschreibung von Fotos oder Gemälden ist zu bedenken: Das Foto oder Gemälde ist nicht das, was es zeigt, sondern ein Medium, das seine eigene Ästhetik hat und seine eigene Sprache spricht. Ein Foto, das vom selben Standort aus fünf Sekunden nach dem ersten Foto aufgenommen worden ist, kann unter Umständen einen ganz anderen Eindruck von der Szene wiedergeben.
Das dreistufige Verfahren zur Bildbeschreibung:
Ich bin von Geburt an vollständig blind. In Vorlesungen an der künstlerischen Volkshochschule oder im Rahmen der Ausbildung von BlindenpädagogInnen kommt immer wieder das Gespräch auf Vorstellungen von blinden Menschen und auch darauf, wie etwas beschrieben werden soll. Im Laufe der Zeit habe ich für mich einen Vorschlag für ein dreistufiges Verfahren entwickelt, wobei mir bewusst ist, dass damit ein Foto oder ein Gemälde auch nicht vollständig beschrieben werden kann. Die Stufen weisen lediglich darauf hin, was ich als blinder Mensch am nötigsten brauche.
1. Angaben zum Bild: soviel sich leicht herausfinden lässt – Wer hat es angefertigt? Wer hat den Auftrag dazu gegeben? Wann ist es entstanden? Wie groß ist es? In welcher Technik ist das Gemälde angefertigt worden?
2. Ikonografisch/ikonologische Beschreibung: Was ist zu sehen? Was ist oben, was unten? In welcher Ecke ist was? Lässt sich eine Bildkomposition erkennen? Welcher Gewänder, Gegenstände, Bauwerke usw. sind zu erkennen?
3. Der Eindruck auf die Beschreibende / den Beschreibenden: Hier ist sehr behutsam vorzugehen, damit die Interpretation nicht die Deutung durch die Leserin / den Leser überlagert. Es sollte immer möglich sein, die Atmosphäre und häufig auch die Tages- und Jahreszeit zu erkennen. – Verweise auf Internetseiten oder andere Quellen sollen gegeben werden.
PS Bitte lest auch den ersten Kommentar, den es jetzt schon gibt. Und: was würdet Ihr sagen?
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