Archiv des Autors: karsten

Ich zünde eine Kerze an

von Katrin Dinges

Ich zünde schweigend eine Kerze an.
Ihre kleine Flamme wärmt mich heute Nacht.
Streift meine Hände, steigt in Kreisspiralen himmelan.
Duftend, knisternd hat sie mir die Stille mitgebracht.

Wohin reicht das Licht?
Bis wann? Vielleicht bis morgen?
Durchdringt sie Dunkelheit? Erhellt sie dein Gesicht?
Bist in der großen Stille du heut auch geborgen?

Nach dem Ausblasen bleibt der Rauch
der uns verrät: Hier brannte eben noch
das Licht, erfüllte uns mit seinem gold’nen Hauch.
Wir sehen’s nicht mehr und wir wissen’s doch.

So ist es mit den Worten, mit dem Schweigen:
Verklingen sie, ward wichtiges gesagt.
Zwischen den Zeichen sieh im Dichterreigen,
was eben noch der Sänger uns geklagt.

Erst wenn er schweigt, kann seine Rede reifen.
Erst wenn das Licht erloschen, lebt der Glanz noch fort.
zwischen den Lettern kann die Botschaft greifen.
Schweig still und lausche stetig fort.

Zwei Hände, die eine Kerzenflamme umfassen, nur von dieser beleuchtet

Bildbeschreibung von Oskar Schulz

Das querformatige Foto zeigt einen Tiefschwarzen Hintergrund, in dessen Mitte zwei Hände eine lila Stumpenkerze umschließen. Das Zentrum des Bildes ist von der Flamme dieser Kerze erleuchtet. Die Flamme selbst ist komplett weiß und nur am Docht und am äußeren Rand gelblich-rot. Der Schein der Kerze verliert sich komplett im Schwarz des Hintergrunds und erhellt somit nur die Innenseiten der beiden Hände, die wirken als wollten sie sie vor dem Erlöschen durch einen Windstoß bewahren. Das warme Orange, in das die Haut getaucht wird, lässt die Linien der Handflächen gut erkennen und die Seiten der Finger rötlich erglimmen. Von den Handrücken dagegen sind keine Details zu sehen, da sie sich im Schatten außerhalb der Lichtquelle befinden.

Zusammen bilden Hände und Kerze eine Herzform, da die Hände zu einem Oval geöffnet sind und sich dabei die Mittelfinger wie die untere Spitze eines  Herzens berühren, die Zeigefinger und Handballen jedoch nicht. Die Kerze ist durch ihre Zentrale Lage die mittige Spitze des Herzes.  Der Ring -und der kleine Finger sind nicht erkennbar, da das Bild durch die leichte Vogelperspektive der Aufnahme nur den Ausschnitt der Hand bis zur Mitte des Mittelfingers zeigt. Auffallend ist, dass das lila Kerzenwachs nur um den Docht herum leicht abgebrannt und somit etwas heller als der Rest der Kerze ist. Vermutlich wurde die Kerze erst kurz vor dem Entstehen des Bildes entzündet.

Der  Komplementärkontrast zwischen dem warmen  gelb-orange der erleuchteten Handinnenflächen sowie der weiß-gelben Flamme, und dem kalten lila der Kerze vermittelt einen  warmen Gesamteindruck, der sich wiederum stark vom schwarzen Hintergrund absetzt.

 

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Große Schau! Live-Präsentation blinder Fotografinnen in Berlin

Am 28. April findet im Kinosaal der Villa Oppenheim in Berlin eine Live-Präsentation von Bildern aus dem Fotosemminar für Blinde statt!

Die Fotografinnen Katrin Dinges, Silja Korn und Susanne Emmermann stellen ihre Bilder vor.

Einige Bilder werden dort zum ersten Mal gezeigt! Die Bilder werden auch akustisch dargestellt, die Bildbeschreibungen werden auch in Gebärdensprache übersetzt werden.

Ihr bekommt bei dieser Veranstaltung einen Eindruck davon, wie das überhaupt funktioniert, wenn Blinde fotografieren. Welche Bedeutung die Fotografie für sie hat, und was Sehende davon = von ihnen lernen können.

28.4. 18 Uhr http://www.villa-oppenheim-berlin.de

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Noch ein Video zum Fotoseminar für Blinde

Von Detlef Fluch und Johannes Franke, mit Anika Weichert und Susanne Emmermann. Es enthält auch eine Bildbeschreibung: https://vimeo.com/124835066.

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Silja und Sandra im Schloß Charlottenburg

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Noch ein Bild aus unserem Fotoseminar für Blinde im Schloß Charlottenburg. Von Silja:

Eine Fotografin mit Sonnenbrille, eine zweite die ihr beim Fotografieren über die Schulter schaut

Beschrieben von Katrin Heidorn

Ein Doppel- bis fünffach-Portrait im Spiegel. Nicht sehr viel Licht. Ein Querformat mit zwei Hauptpersonen in der Mitte des Bildes. Die Fotografin hält die Kamera mit beiden Händen auf einen Spiegel. Sie hat nackenlange, rötliche Haare mit Pony in der Stirn und trägt eine schwarze ovale Sonnenbrille. Sie hält die kleine Kamera vor sich, so dass wir ihren Mund nicht sehen. Ganz dicht neben ihr über ihre Schulter links im Bild schaut eine zweite Frau mit kurzen Haaren und dunklem Pony aufmerksam auf das Display der Kamera. Sie trägt eine Art Trainigsjacke mit blauem und weissem Streifen quer an der Schulter. Die Fotografin trägt einen Schwarzen Pullover mit grauem Muster. Im Vordergrund läuft ein undeutlicher heller Strich quer über den Spiegel. Die Fotografin  hat die Waage nicht ganz erwischt und er läuft etwa um zehn Grad nach links gekippt.

Das gilt auch für die Gemälde, die wir hinter den beiden Frauen an einer Wand hängen sehen. Die Wand ist mit rot-gold gemustertem Stoff bezogen und die Gemälde haben leuchtend goldene Rahmen. Es sind drei Hochformate. Portraits wichtiger Personen aus dem achtzehnten Jahrhundert, schätze ich. Das Bild in der Mitte ist etwas größer und zeigt einen stehenden Mann mit einem roten Mantel über dem ausgstreckten Arm. Er trägt Pluderhosen, ein enges Gewand und eine goldene Schärpe. Auf dem Gemälde links ein Mann, sitzend mit einem überbreiten Kragen aus weissem Pelz. Auf der rechten Seite das Gemälde einer Frau. Sitzend mit großem Dekolleté und rotem Mantel über dem grauen Kleid. Unter den Gemälden eine Wand mit halbhoher Holztäfelung. Davor zwei Stühle mit hoher Lehne, reich verziert. Links hinter den Frauen betrachten zwei Besucher mit Kopfhörern die Gemälde. Wir sehen die Hinterköpfe und die schwarze Jacke des Mannes links. Die Frau hat blonde, zusammengebundene Haare. Ganz rechts im Bild sehen wir noch den senkrechten Rand des Spiegels. Weil er am Rand eine geschiffene Facette hat, verzerrt er das Bild einer Besucherin, die nicht ganz im Bild ist. Wir sehen ihre gefalteten Hände und ein Stück leuchtend grüne Bluse mit grauer Jacke darüber. Ihr Gesicht ist zu sehen wie der abnehmende Mond am dritten Tag vor Neumond. Dann kommt noch ein Streifen Stofftapete und dann der schwarze Spiegelrahmen. Unten an der Ecke ist er leicht verschnörkelt geschnitzt. Wie übrigens auch der Rahmen des Frauenportraits. Die der Herren sind schlicht gold.

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Wasserträgerin von Silja

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Hier nochmal ein Foto von Silja aus der Villa Oppenheim:

Bronceplastik Wasserträgerin

Beschrieben von Katrin Heidorn

Wir sehen einen weissen Raum im Hochformat. Mitten im Bild die dunkelbraune Bronzestatue einer nackten Frau auf einem Sockel, ebenfalls aus Bronze. Wir sehen sie von vorn mit ganz leichter Drehung auf ihre linke Seite. Sie hält die Arme ausgebreitet, denn auf ihrem Rücken balanciert sie eine dünne, leicht gebogene Stange, an der an jedem Ende ein Wassereimer hängt. Die Eimer sehen altertümlich aus. Der Boden ist größer als die Öffnung. Sie haben zierliche gebogene Henkel. Die Frau steht leicht gebückt in den Knien, auf einer Art ovalem Stein. Beide Füße nah beieinander und auch die Knie sind geschlossen. Sie beugt sich nach vorn, weil sie einen der beiden Eimer seitlich an diesem Stein vorbei in unsichtbares Wasser taucht. Ihre rechte Hand hält dabei das schlaffe Seil des Eimers in der Mitte der Länge. Die linke Hand hält locker das andere Ende der Stange. Ihr Gesicht ist auf den Eimer gerichtet. Von hinten hängt ihr ein geflochtener Zopf im Bogen über die linke Schulter. Wir sehen ihre kleine rechte Brust spitz als Umriss vor dem weissen Hintergrund. Das Licht fällt von oben auf die glänzende Bronzeoberfläche, die entweder poliert oder lackiert sein muss. So sieht es aus, als wäre die Haut der Wasserträgerin nass und glänzend. Ihre Haltung hat eine graziöse Leichtigkeit. Unter dem Bronzesockel, auf dem sie steht und der zur Statue gehört, sehen wir am unteren Bildrand einen weissen quadratischen Sockel, auf dem die Statue im Raum steht. Rechts am Rand der schmal angeschnittene Arm eines Besuchers mit rot-weiss kariertem Hemd. So können wir die Höhe der Figur auf ungefähr einen Meter schätzen. Sie steht in Hüfthöhe des Besuchers. Rechts neben der geschwungenen Hüfte der Frau hängt hinten an der weissen Wand ein Foto von eben dieser Statue. Sie ist vor schwarzem Grund fotografiert. Das Foto hat ein graues Passepartout und einen schmalen schwarzen Rahmen. Die ganze Figur ist dort etwa so groß wie der Kopf der anderen. Wir sehen also die gleiche Figur zwei mal, und zwar im gleichen Blickwinkel, wie eine Wiederholung. Das irritiert und macht neugierig zugleich. Es gibt Siljas Foto etwas Verblüffendes.

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Zwei Artikel über die Ausstellung des Fotoseminars für Blinde

Hier hat Rolling Planet etwas über unsere Ausstellung geschrieben:

http://rollingplanet.net/2015/03/04/barrierefrei-fotografieren-fuer-blinde/

Und hier das Berliner Abendblatt:

http://www.abendblatt-berlin.de/2015/03/15/die-spezielle-sicht-der-dinge/

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