Archiv des Autors: Tina Franziska Paulick

„Shot in the Dark“ „Untitled“, 2009 von Bruce Hall

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Zwei Jungen unter Wasser

Beschreibung 1:

Die obere Hälfte des vertikal angeordneten Bildes ist blau. Von einem stark gesättigten Tiefblau nach und nach verlaufend in ein helleres, weniger gesättigtes Blau in der Mitte des Bildes. In der unteren Bildhälfte herrschen wärmere Farbtöne vor. Überwiegend hautfarbene Nuancen, aber auch gelbe verwischte Flächen und vereinzelte rote Akzente. Vertikal ziehen sich unregelmäßig geformte und immer wieder durchbrochene weiße schmale Flächen durchs Bild, die hellsten Bildanteile in der Komposition. Sie teilen das Bild vertikal in ein kleineres rechtes Bilddrittel und eine größere linke Bildseite. Sie teilen auch, wie eine Spiegelachse, zwei Kindergesichter, die nebeneinander im unteren Bilddrittel zu sehen sind. Im Gesicht in der linken Bildhälfte ist deutlich ein Auge auszumachen, das die Betrachter*in anzublicken scheint. Am linken Bildrand, nahperspektivisch, drei gespreizte Finger und ein Daumen einer übergroß wirkenden rechten Hand. Die Finger sowie Teile der Gesichter verfließen in ihrer Form, weil das Bild durch Wasser hindurch aufgenommen ist.

Beschreibung 2:

Eine farbige Unterwasserfotografie im Hochformat. Der obere Teil des Bildes ist bestimmt vom Ultramarin des sich in der Wasseroberfläche spiegelnden Himmels. Ein Wellenberg zieht sich vertikal durch die ganze rechte Bildhälfte. Das Blau des Wassers wird zur Mitte des

Bildes hin heller. Am oberen rechten Bildrand ist eine große stehende Luftblase zu sehen. Kleine Luftbläschen schweben links und rechts vom Wellenberg.

Im unteren Drittel der Fotografie starrt das weit aufgerissene braune linke Auge eines Jungen direkt in die Kamera. Der Rest des Gesichtes ist verwischt. Das linke Ohr ist auch zu erkennen und genauso wie der Rest des Gesichtes mit schwarzem Haaransatz durch das bewegte Wasser konturlos. Die rechte Gesichtshälfte ist vollkommen verschwommen und das rechte Auge scheint geschlossen zu sein. Insgesamt macht die rechte Gesichtshälfte einen entspannten Eindruck.

Vom Gesicht selbst tritt nur die Augenpartie mit Nasen- und Haaransatz deutlich hervor, die mittig über dem unteren Bildrand schwebt. Zum unteren Bildrand hin verschwimmen Hals und Schultern des Jungen zu einer hautfarbenen Fläche. Zum rechten Bildrand hin wird diese amorphe hautfarbene Fläche vom Weiß der Luftblasen und gelblich orangenen Farbblasen durchbrochen. Links am Bildrand ragen vier übergroße Fingerkuppen der rechten Hand des Jungen. Sie nehmen über die Hälfte des linken Bildrandes ein.

Beschreibung 3:

Unter Wasser. Mit einem aufgerissenen Auge reißt sich ein Junge aus seinem verschwommenen Gesicht heraus. Seine tief ins Bild tauchende Hand scheint nach dem Blick eines Außen zu greifen. Die Bewegung der Hand löst eine Welle aus, die ihm die andere Gesichtshälfte ins

Verschwommene zieht und ihn das andere Auge schließen lässt. In der unteren Hälfte des Bildes spielen bunte Farbreflexe der Sonne mit dem Wasser, ein Haufen zitterndes Blattgold.

Copyright: Bruce Hall, 2009, Originalmaße: 90 X 67 cm

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ausstellung "Shot in the Dark", schon beschrieben

„Shot in the Dark“: „Electric Man“ von Pete Eckert

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Ein grünlich beleuchteter Mann vor dunklem Hintergrund

Beschreibung 1:

Auf braunem Grund steht neben einem stoffbezogenen Stuhl eine Gestalt mit Füßen eines Menschen, herabhängenden Armen und oberhalb des Oberkörpers einer dunklen von gelbem, weißem und blauem Licht umrahmten Fläche. Rechts gesättigtes Moosgrün eines Stuhls. Im linken oberen Bildviertel ein mittelgroßer Fleck aus primärroten Lichtschlieren. In der Mitte des Bildes ist die abstrakte Gestalt in ein langgezogenes, vertikales, gelbleuchtendes Oval gesetzt. Sie ist überzogen von weißen, gelben und roten, teilweise spiralförmigen und gezackten Linien. Vereinzelte weiße, gelbe und rote Lichtbögen sind um sie herum angeordnet.

Beschreibung 2:

Ein Blick in einen Raum mit einem Holzboden. Kreisende, spiralförmige Linien in gelb, weiß und rot bringen einen menschlichen Körper hervor. Auch die farbigen Ausmalungen des Kopfes lassen eine stehende Person erkennen. Unterbrochen das grelle Kreisen von nackten Füßen auf rotbraunen Dielen, die ihm einen fleischlichen Sockel geben. Die ganze Figur vor einem gelben Farbgrund, durchzogen von weißen Zeichenspuren.

Das Ende der Hosenbeine, das Ende der Ärmel des Oberteils eines Judoanzuges, die Hände, von denen Blitze ausgehen, sind zu erkennen. Die Arme hängen locker am Körper herunter. Rechts von der Figur ein alter Sessel mit einer grünen Rückenlehne, seine linke Lehne im Licht, seine rechte Seite im Dunkeln. Der Sessel mit seinem grünen Sitzpolster ist nach vorne gedreht, als wäre die Figur gerade von ihm aufgestanden. Unter einer der hölzernen Lehnen ein gedrechselter Fuß im Hellen.

Von Kopf bis Armhöhe der Figur brechen Lichtlinien aus dem Körper aus, zwischen Hüfte und Knie leuchtet etwas aus dem Dunkeln auf. Rechts eine weiße Wand oder ein Wandvorsprung, als wäre eine Tür geöffnet, die den Blick auf die Figur freigibt.

Das Gelb des Hintergrundes der Figur, nach oben hin in Streifen aufgelöst, verleiht der Umgebung etwas Rauchiges, etwas zugleich Irdisches und Auratisches. Das Weiß hingegen behält eine präzise Zeichenhaftigkeit,wie elektrische Ströme, die die ganze Figur durchziehen, während rechts von der Figur die Farben und Linien ins Konturlose verwischen. Links hingegen hat die Figur Halt, begrenzt eine scharfe Kontur die Figur vor dem dunklen Hintergrund.

Beschreibung 3:

Mittig im Hintergrund steht eine Figur, deren Körper und Kopf aus lauter gelben, weißen und roten Lichtlinien besteht. Rechts von ihr befindet sich ein mit grünem Stoff bezogener Sessel. Lediglich an ihren nackten Füßen erkennt die Betrachter*in diese Lichtgestalt als reale Person.

Die Lichtlinien grenzen die linke Körperseite vom dunklen Hintergrund ab. Die rechte Körperseite hebt sich dagegen vom Fuß bis zum Ärmelansatz nicht scharf vom gelblich leuchtenden Grund ab. Der Electric Man und die linke Hälfte des Sessels stehen in einem gelblich leuchtenden Lichtkegel. Sein linkes Bein etwas nach hinten versetzt wird durch eine vertikale weißliche Linie gekennzeichnet, dagegen wird sein rechtes Bein durch spiralförmige gelbliche Linien angedeutet. Erkannt werden auch der Saum seiner Hose und die beiden Ränder der Ärmel. Auch die Hände sind mit Lichtlinien nachgezeichnet. Der Kopf wird von vertikal gebogenen Linien in rot, weiß und violett angedeutet. Auf der bildrechten Seite verlassen sie den Kopf als gelbliche und rötliche Schlieren.

Die Lichtgestalt steht nach hinten versetzt mittig auf einem rötlichbraunen Parkettboden, der einen großen Teil des Vordergrundes der Fotografie einnimmt. Rechts wird das Foto von einer weißlichen Wand begrenzt, die fast bis zum oberen Bildrand reicht. Der Raum liegt hauptsächlich im Dunkeln.

Copyright: Pete Eckert, Originalmaße: 90 x 67cm

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ausstellung "Shot in the Dark", Lightpainting, schon beschrieben

Telefongespräche von Willi Heinsohn

Telefonierende Männer auf einer Treppe

SONY DSC

Dieses Bild enstand im Rahmen eines Fotoworkshops für Blinde und Sehende in Hamburg. Willi ist ein Sehender Teilnehmer.

Eigentlich ist dieses ausgewählte Bild zum Thema der Ausstellung „Shot in the Dark“ nicht für mich charakteristisch. Ich finde es aber deshalb interessant und habe es eingeschickt, weil es eine bestimmte Situation in der Hamburger Zentralbibliothek widergibt, die charakteristisch für das Treiben in einer großen Einrichtung ist.

Der erste Mann in dem Foto verharrt beim Telefonieren auf einer Stufe in dem Treppenaufgang und nimmt sich etwas Ruhe für das Gespräch, während der andere Mann beim Telefonieren die rastlos die Treppen hinuntereilt. Ich denke, diese Gegensätze werden im Foto sehr deutlich gezeigt. Zum Ersten durch die im Foto  aufgenommene Unschärfe dieser heruntereilenden Person und zusätzlich durch die scharf fotografierte, stehende Person im Treppenaufgang.

Für mich sind die ausgestellten Bilder zu „Shot in the Dark“ so faszinierend gewesen, dass ich gerne an dem Workshop teilgenommen habe. Gerne wollte ich auch einmal ausprobieren, wie Fotos mithilfe von Lightpainting gemacht werden. Leider ist der Workshop zeitlich zu kurz angelegt gewesen und durch die hohe Teilnehmerzahl ist der Workshopcharakter gesprengt worden. Man hat kaum die Chance gehabt, etwas sinnvoll auszuprobieren. Ich habe dennoch viele Anregungen erhalten, besonders auch durch den Dokumentarfilm, den ich am nächsten Abend sehen konnte.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter schon beschrieben

Streifenmensch im Blindversuch von Zorana Lalic

Portrait mit überbelichteten Streifen

Dieses Foto entstand bei einem Fotografieworkshop für Blinde und Sehende in Hamburg im Rahmen der Filmvorführung von „Shot in the Dark“. Zorana ist sehend und ließ sich für dieses Bild die Augen verbinden.

Das Foto ist im Querformat aufgenommen. Im oberen Teil ist das Bild etwa zu 45 % mit schwarzem Hintergrund ausgefüllt. Im restlichen Teil ist das Gesicht der gleichen Person dreimal im Halbprofil zu sehen. Die Gesichter bilden eine Art Dreieck und nur im Mittleren sind Gesichtszüge ansatzweise erkennbar. Während der Belichtungszeit von 8 Sekunden wurde die Kamera horizontal hin – und her bewegt, wodurch farbige Querstreifen entstanden: ein streifen ist rötlich, ein andere sehr gleißend weiß und dünn und ein dritter beige, durch die Farbe der Jacke, die die Person trägt.

Das Foto war ein Experiment und Zorana wusste vorher nicht, wie das Bild aussehen würde.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Lightpainting, schon beschrieben

„Shot in the Dark“: „Track Man“ von Pete Eckert

Dieses Bild wurde im Rahmen einer Ausstellung zur Filmpremiere des Dokumentarfilms „Shot in the Dark“ in der Brotfabrik Berlin gezeigt. Der Text stammt aus dem großartigen Audio Guide zur Ausstellung.

Ein Mann an Bahngleisen in schwarz-weiß

 

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie. Ein sonniger Tag. Eine Bahntrasse führt an einem kastenförmigen Backsteinhaus und einer Fabrikanlage vorbei, gesäumt von Telegrafenmasten. Mitten auf den Gleisen steht ein Mann aus hellem Licht. Er trägt einen Hut und Turnschuhe. Den rechten Arm hat er leicht zur Seite ausgestreckt, die Hand wie tastend, seine Linke ruht auf seinem Hüftknochen. Das Gesicht wird von den Lichtlinien nur angedeutet. Arme und Beine sind dünn und knochig, wie ein Skelett. Der Bauch ist durchsichtig. Wie durch ein Fenster erscheinen hinter ihm die Gleise. Sie führen in die Ferne. Ein Selbstporträt von Pete Eckert, es handelt sich um eine Doppelbelichtung.

Copyright: Pete Eckert, Originalmaße: 100 x 100cm

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ausstellung "Shot in the Dark", Lightpainting, schon beschrieben

Das Erste Mal Blind Fotografieren von Ninja Junge

Lichtschein an der Decke und Bücherregal

Ninja über ihre Erfahrungen beim Fotoworkshop für Blinde und Sehende in Hamburg:

Hallo, Mein Name ist Ninja Junge. Ich bin blind und habe beim Workshop zum ersten Mal bewusst eine Kamera in den Händen gehalten. Ich hatte gar keine Erfahrung mit Fotografieren.

Ich habe den Film „Shut in the Dark“ gesehen und bin in diesem Zusammenhang auf den Workshop aufmerksam geworden. Ich dachte mir: „Das klingt spannend, so etwas habe ich noch nie gemacht, das möchte ich mal ausprobieren. Mal sehen was dabei herauskommt wenn man blind fotografiert!“

Ich habe mit einer sehenden ehemaligen Lehrerin von mir zusammengearbeitet. Da ich noch hell und dunkel unterscheiden kann habe ich mir Dinge ausgesucht die für mich greifbar waren: Zum Beispiel eine Helle Lichtquelle oder Buchrücken, die sich einfach nur schön anfühlten.

Ich wollte nur ein Helles Licht fotografieren aber was sonnst unbeabsichtigt noch mit auf die Aufnahme gekommen ist finde ich sehr spannend. Ich denke schon, dass ich jetzt doch öfter Fotos machen werde.  Der Workshop hat mir sehr viel Spaß gemacht!!

 

 

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter noch zu beschreiben