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An einem der ersten schönen Maitage von Katrin Dinges

STATUS: NOCH ZU BESCHREIBEN

An einem der ersten schönen Maitage gingen wir mit dem
Fotoseminar am Spreeufer spazieren. Dort trafen wir auf eine
majestätische alte Trauerweide. Ich liebe alte Bäume und so habe ich
es genossen, diesen alten Riesen zu betasten. Wenn ich meine Hand auf
die Rinde eines solchen Stammes lege, empfinde ich immer etwas von der
urtümlichen Kraft, die in diesem Pflanzenwesen von der Erde in den
Himmel strömt. Das hat etwas Energisches, Kraft strotzendes an sich,
das jedes Mal, wenn ich so einen alten Baum treffe, auf mich
überzugehen scheint. Oft habe ich das Gefühl, solch einen Baum schon
ewig zu kennen.

Auf diesem Foto habe ich meine Hand beim Tasten abgelichtet. Das ist
etwas, was ich immer wieder tue, weil der Tastsinn mein erster und
wichtigster Zugang zu meiner Umgebung ist. Aber der Tastsinn erstreckt
sich nicht, wie viele glauben, einzig auf die Hände. Die Hände haben
zwar eine besonders stark ausgebildete Tastwahrnehmung, aber sie sind
bei weitem nicht die einzigen Stellen, über die wir Tasteindrücke
wahrnehmen. Die Assistentin, die mit mir das Foto ausgewählt hat,
sagte mir, man könnte darauf gut sehen, dass die Sonne an diesem Tag
geschienen hat. Gerade jetzt in den letzten Wochen habe ich wieder
einmal besonders intensiv die Kraft der wärmenden Strahlen in meinem
Gesicht gespürt. Dieses helle, strahlende, wunderschöne Licht, das den
ganzen Tag draußen zu sehen ist und alles zum Leuchten bringt, ist ein
unendlicher Quell der Freude für mich. Trotz meiner
Blendempfindlichkeit schaue ich ab und zu bewusst direkt in die Sonne,
um ihre wohltuende Kraft nach dem langen, dunklen Winter in mich
aufzunehmen. Ich kann es zwar nur wenige Sekunden am Stück aushalten,
aber diese Sekunden empfinde ich als großes Geschenk. Oder mit bloßen
Füßen tanzen! Auch eine unschätzbare Wohltat. Natürlich hatte ich an
diesem Tag Schuhe an. Aber ich bevorzuge solche mit eher dünnen
Sohlen, durch die man möglichst viel Kontakt zum Boden hat. Der
schlammige Uferweg fühlt sich ganz anders an als beispielsweise die
geteerte Straße dorthin. Oder Gras ist noch einmal ein ganz anderes
Gefühl unter den Sohlen. Oder der Wind, den ich in meinem Gesicht,
meinem Haar, im Rücken, an den Armen und Beinen spüre.

Wir sind durch eine kleine Oase, iein winziges Stück Natur in einer
großen Stadt, gelaufen. Diese alte Trauerweide hat es mir richtig
angetan und so sind an diesem Tag unzählige Aufnahmen von ihr
entstanden. Ich habe mich an ihren Stamm gelehnt und ihre aufstrebende
Kraft und tiefe Verwurzelung direkt an meiner Wirbelsäule
entlangstreichen spüren. Ich habe mit ihren langen Blättern gespielt
und wir haben das Licht in unzähligen Schattierungen auf ihren
Blättern eingefangen. Ich hoffe, dass ich noch ein Bild finden werde,
wo das besonders stark zur Geltung kommt, denn ich möchte diese
Farbnuancen gern einmal so genau wie möglich beschrieben bekommen.

Farben sind etwas, das ich nie wirklich wahrnehmen konnte, da ich von
Geburt an farbenblind bin. Aber natürlich habe ich auch Dinge gehört
wie: „Kirschen sind rot.“ Oder: „Die Wiese ist grün.“ Seit meiner
Farbberatung vor inzwischen vier oder fünf Jahren fasziniert mich das
Thema allerdings und ich lerne stetig mehr darüber. Natürlich habe ich
meine Schwierigkeiten, mir unter bestimmten Farbschattierungen etwas
vorzustellen oder zu verstehen, worin genau die Unterschiede liegen
könnten. Aber das ist ein ganz anderes Thema und auch ein weites Feld.
An diesem Maitag habe ich vor allem die haptischen Erfahrungen
genossen, wie hier in dem Foto ja auch ein klein wenig zu sehen ist.
1030 Hand auf trauerweide an der Spree

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Über das Fotografieren, von Katrin Dinges

Bei mir selbst ist das Fotografieren seit meinem ersten Fotoprojekt
2012 eine Brücke zwischen Sehen und Nicht-sehen. Im Nachhinein wird
mir bewusst, dass die Dinge, die ich berühre, wie z.B. die Skulpturen
in der Villa Oppenheim oder im treptower Park die blüten der rosen,
auch irgendwie ein visuelles Bild in meinem Kopf erzeugen. Beim
Durchlesen der Beschreibungen kommen immer wieder Erinnerungen hoch
oder ich meine, mir von dem beschriebenen wirklich eine bildliche
Vorstellung machen zu können. Als Kind und Jugendliche hatte ich noch
einen Sehrest und konnte z.B. kontraste erkennen oder auch mit dem
betrachten von Fotos etwas anfangen. Deshalb war es zuerst eine
besonders schmerzliche Erkenntnis für mich, dass ich das, was ich
ablichte, weder vorher als Fotovorschau durch die Kameralinse, noch
nachher als Ergebnis sehen kann. Das hatte ich mir vor dem Projekt
nicht klar gemacht. Jetzt bin ich dankbar dafür, dass ich trotzdem
weitergemacht und mich mit diesem Schmerz auseinander gesetzt habe.
Dadurch habe ich Zugang zu einer Flut von visuellen erinnerungen
gefunden, die ich vergessen zu haben glaubte. So bin ich jetzt
beispielsweise in der Lage, mir von einem detailliert beschriebenen
Vogel, einem Boot oder Sonnenuntergang wirklich innerlich etwas
vorstellen und bewusst die mischung aus Freude und Schmerz aushalten
zu können. Zu meinem größten Erstaunen bemerkte ich in den letzten
monaten allmählich meinen geringen Sehrest wieder, der zwar wirklich
nur noch sehr gering ist, aber trotzdem vorhanden. Es beschränkt sich
auf eine Wahrnehmung von Hell und dunkel sowie – ich kann es nicht
anders ausdrücken – verschwommenen schlieren. Dies ist mir erst seit
einigen wenigen Jahren bewusst und seit einigen monaten fällt es mir
wieder verstärkt auf; so stark, dass es manchmal meine Konzentration
stört. Beispielsweise war es einmal beim Tango tanzen so stark, dass
ich aus dem Takt kam. Oder ich tanzte in einer anderen Situation beim
freien Improvisieren auf etwas helles zu und merkte schließlich, dass
es die weiße Wand war, obwohl ich eigentlich gedacht hatte, es müsse
ein brennender Scheinwerfer sein. Während ich durch die vielen
Diskussionen über visuelle Themen mehr über das Sehen lernte und mich
an vieles erinnerte sowie auf der anderen Seite Dinge vermitteln
konnte, wie ich sie wahrnehme, eine Verwischung der Grenze von Sehen
und Nichtsehen wahrzunehmen glaubte, habe ich selbst nicht mehr ganz
einzuordnen vermocht, wo in meiner eigenen Wahrnehmung die Grenze
zwischen meiner eigenen haptisch-euphaktorisch-auditiven und der
beschreibend-visuellen Fremdwahrnehmung verläuft.

Ich erlebe dies einerseits als Bereicherung, andererseits ist es
teilweise auch ein bisschen verwirrend. Ich empfinde es als lohnend,
diese Thematik weiter auszuloten.

Vor kurzem empfahl ich einer russischen freundin, die ebenfalls blind
ist, den Bildbeschreibungsblog. Ihre Eltern beschrieben ihr meine
Bilder – nur meine freundin kann Deutsch – und sagten ihr, wenn sie es
nicht gewusst hätten, hätten sie es nie gedacht, dass die Fotografin
blind ist. Eigentlich ist das ein großes Kompliment, aber da ich die
fotos mit hilfe von sehenden Menschen gemacht habe, fühle ich mich
damit nicht so ganz wohl. Da wird es sicher noch den einen oder
anderen Kommentar meinerseits brauchen, um das etwas zu relativieren.
Ich müsste mal die Fotos von meinem ersten projekt heraussuchen und
einzelnes einscannen, um es hier einstellen zu können; denn das sind
einerseits analoge und keine digitalen Fotos und andererseits habe ich
da noch mehr „zufällig“ und ohne sehende hilfe fotografiert. Auch das
ist eine interessante sache gewesen, aber ich glaube, heute würde ich
das nicht mehr so machen, weil es einerseits zu viele schlechte Fotos
erzeugt und ich mich andererseits auch an die sehende hilfe gewöhnt
habe, die es mir ermöglicht, präziser vorauszuwählen und leichter zu
vermitteln, was ich zeigen möchte. Trotzdem wähle ich natürlich aus,
was ich fotografieren möchte. Momentan habe ich ein Projekt ins Leben
gerufen, bei dem ich Hände in den unterschiedlichsten Kontexten
fotografiere. Einerseits weil ich denke, dass sie sonst nicht so sehr
Ziel von Fotografen/innen sind und andererseits, weil mir als blindem
Menschen von anderen Personen meist als allererstes die hände
entgegenkommen. Parallel dazu versuche ich, Dinge, die ich schön
finde, in diese hände zu legen, um sie im Bild festhalten zu können
und um diesen händen eine haptische wahrnehmung zu vermitteln, die
beide seiten als sehr sinnlich und bereichernd erleben. Beispielsweise
gibt es für mich kaum etwas schöneres, als einen kunstvoll geformten
Gegenstand, eine filigrane Blüte, das Kunstwerk der natur oder die
rissige Rinde eines dicken alten Baumstammes zu berühren. Oder eben
die hände von Menschen, die für mich mindestens so viel von einer
Persönlichkeit verraten, wie das gesicht, das ich wesentlich seltener
berühren darf. Ich frage nie selbst danach, da ich es als
Grenzüberschreitung empfinde; denn ein Gesicht ist etwas sehr
Persönliches, das man nicht einfach so berühren darf, wenn man eine
Person noch nicht besonders gut kennt. Jedenfalls empfinde ich so.
Wenn ich fragte, würde wohl kaum jemand direkt ablehnen, aber ich
finde, so etwas muss sich von selbst ergeben, wenn es nicht für beide
beteiligten unangenehm werden und sie in Verlegenheit bringen soll.
Wenn es jemand von selbst anbietet oder es sich in einer Freundschaft
oder einer sonstigen zusammenarbeit spontan ergibt, empfinde ich das
als unschätzbaren vertrauensbeweis. Beispielsweise ist es in meiner
neuen tanzgruppe ganz zwanglos in der Improvisation möglich, einander
zu berühren – auch die Gesichter. Hier ist es einfach etwas scheinbar
Selbstverständliches und ich habe schon von mehreren
Mittänzern/-tänzerinnen die Rückmeldung bekommen, dass sie das
ebenfalls als etwas besonderes, Schönes, Einmaliges empfinden. Jemand
sagte mir sogar, es habe früher schon Begegnungen mit blinden Menschen
gegeben und daher habe die Person gewusst, dass ich wohl eher selten
Gesichter berühre, habe mir aber die möglichkeit geben wollen, sie
über das gesicht kennenlernen zu können, weil das im Alltag das erste
sei, was man wahrnehme. für diese mittanzende person sei es aber auch
eine egoistische Handlung gewesen, weil sie sich selbst gern berühren
ließe. Einmal habe ich mich mit einem Freund über die Aussagen von
Händen unterhalten und er witzelte, ich sei also eine Handleserin.
Natürlich lese ich aus den händen keine zukunft – das zu behaupten
würde ich mir niemals anmaßen -, aber ich entnehme ihnen durch mein
intensiv geschultes Tastvermögen vermutlich mehr Informationen, als
das sehende Menschen tun würden. Was ich extrem schade finde, ist,
dass man euphaktorische Eindrücke weder adäquat beschreiben noch wie
einen visuellen eindruck im Foto festhalten und anderen zugänglich
machen kann. Dies ist aber auch von Seiten von sehenden Menschen oft
schwierig, also mir eine bestimmte visuelle Erfahrung zugänglich zu
machen, die ich nie selbst erlebt habe und die so abstrakt ist, dass
ich dazu keinen Zugang bekomme. Andererseits scheine ich auch durch
meine detaillierten Nachfragen das genauere hinsehen zu schulen. Oft
bekomme ich bei Beschreibungen die rückmeldung, jemand habe etwas nur
durch meine Nachfragen wahrgenommen, der visuelle Eindruck wäre ihr
entgangen, wenn sie das Bild betrachtet hätte, ohne es mir beschreiben
zu müssen. Beispielsweise konnte man beim Foto einer Straßenbahn durch
Türen und jFenster in die Bahn schauen und durch die Fenster auf der
anderen Seite menschen sehen, die auf der anderen seite der Tram und
Straße entlangliefen. Sie waren sehr verschwommen, aber doch deutlich
zu sehen. Das hätte meine Beschreiberin nach ihren eigenen Worten ohne
die Aufgabe der Beschreibung gar nicht wahrgenommen. Andererseits
sagte mir eine Dame, die sich seit einigen monaten regelmäßig mit mir
zum gemeinsamen Lesen von Texten und persönlichem Austausch trifft,
sie würde sich wieder mehr auf das Fühlen konzentrieren, seit sie mir
häufig begegne und immer mehr über meine Art der Wahrnehmung erfahre.

So ergänzen sich sehr unterschiedliche Wahrnehmungsweisen und fließen
ineinander über, verschmelzen zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung von
sinnlichen Sinnes-Eindrücken. Ich empfinde diesen Prozess der
gegenseitigen Annäherung und des Perspektivwechsels als besonders
bereichernd bei dieser Arbeit, ob nun im seminar beim Fotografieren,
beim Tanzen oder bei anderen, ähnlichen projekten.

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Rettender Fischer

Katrin schreibt dazu:

Meine Hände gleiten langsam und behutsam über die kleine
Bronzeskulptur. Das Material fühlt sich kühl an. Soweit ich weiß, wird
es auch bei Tastmodellen im Freien verwendet. Ich erinnere mich an ein
klatschnasses Modell der Innenstadt von Bayreuth. Daher suggeriert es
für mich eine leichte Feuchtigkeit. Erst später wird mir klar, dass es
einen Mann darstellt, der eine Frau offensichtlich aus dem Wasser
rettet oder das zumindest dies der/dem betrachteter/in vermittelt
werden soll. Ich nehme zunächst vor allem den Mann wahr, in dessen
Armen eine Frau liegt. Wäre ihr Kopf nicht so weit zurückgeneigt und
hingen ihre Gliedmaßen nicht so schlaff herab, würde man denken, dass
sie schlafend dargestellt ist. Im Nachhinein ist klar, dass sie
ohnmächtig sein soll und von dem Mann in sicherheit getragen wird.
Mich beeindrucken die starken Details, von den fein dargestellten
Haaren über die gesichter und die Kleidung bis hin zu den Fingern und
Zehen. Bei einer solchen Tasterfahrung herrscht immer eine fast
feierliche, versonnene Stimmung. Ich empfinde stets Ehrfurcht vor
der/dem und Bewunderung für die/den Künstler/in. Selbst bin ich
handwerklich ziemlich unbegabt, sicher auch mangels Übung. Ich arbeite
gern mit den Händen, was ja auch hier mit eine Rolle spielt. Sie sind
gut zum tasten geschult. Aber etwas Schöpferisches damit zu gestalten,
fällt mir eher schwer, sieht man jetzt einmal vom Tipen auf der
Tastatur ab, bei dem auch der eine oder andere kreative Text dabei
heraus kommt. Deshalb bin ich immer sehr erstaunt darüber, was andere
Menschen aus Ton, Holz oder hier eben Bronze Künstlerisches schaffen
können.

Warum hier ausgerechnet ein „rettender Fischer“ dargestellt wurde,
entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Wurde selbst einmal etwas
ähnliches erlebt oder beobachtet? Als was empfand man sich: Als den
Rettenden oder die ohnmächtige, die gerettet werden musste?

Bronzeskulpur eines Seenotretters, der seine Gerettete auf Händen trägt

(c) Villa Oppenheim

Bild von Katrin, Beschreibung von Sandra

Das vertikal fotografierte Bild zeigt eine Skulptur der Sammlung der Villa Oppenheim. Die Skulptur trägt die Titel „Fischer“ und „gerettet“, ist ca. 45cm groß und auf einem weißen, schmalen und etwa einem Meter hohen quaderförmigen Podest platziert. Das Podest ist nicht in seiner ganzen Größe zu sehen; es nimmt etwas mehr als das untere Drittel des Bildes ein. Die Skulptur selbst befindet sich direkt im Zentrum des Bildes. In ihrem tiefen, dunklen und glänzendem Braun, hebt sie sich in starkem Kontrast zur weißen Wand und zum weißen Podest ab.
Die Skulptur zeigt einen schreitenden Mann, der eine leblos daliegende Frau in seinen Armen hält. Er trägt einen Helm und Stiefel. Seine Jacke ist an den Ärmeln hochgekrempelt. Der Stoff der Jacke wirft an Ärmeln und Vorderseite Falten. Nach oben zum Hals hin ist die Jacke geöffnet; ein kleiner Bereich seines Brustkorbs ist zu sehen. Das Gesicht des Mannes liegt im Schatten seines Helmes und ist deshalb eher schemenhaft zu erkennen. Er trägt einen Vollbart. Gesichtsfalten die das Gesicht älter wirken lassen, sind zu erahnen. Sein linkes Bein ist angewinkelt nach vorne gestellt und trägt auf dem Oberschenkel die Hüfte der Frau. Die Frau liegt mit ihrem Oberkörper im rechten Arm des Mannes. Seine Hand greift unter ihrer Achsel zum rechten Rippenbogen der Frau hindurch; ihr Arm hängt leblos herunter. Sein linker Arm ist gestreckt und greift von oben ihr rechtes, angewinkeltes Bein oberhalb der Kniekehle. Hier treffen sich die Hände der beiden Personen: Ihre nach oben geöffnete Hand liegt abgelegt auf ihrem Oberschenkel und berührt mit den Fingern den Handrücken oberhalb seines Daumens. Ihr linkes Bein fällt über das angewinkelte Bein des Mannes. Beide Füße zeigen mit ihren Fußspitzen leblos Richtung Boden. Die Frau hat sehr langes, feinsträhniges Haar welches einen Bogen wirft, da es mit seinen Haarspitzen – für die Betrachter_innen nicht sichtbar – irgendwo zwischen Oberkörper und Arm zu klemmen scheint. Ihr Brustkorb ist zu den Betrachter_innen gewandt. Ihr knielanges Kleid oder Hemd wirft Falten, wirkt nass und transparent. Ihre Brüste zeichnen sich dadurch deutlich ab. Ihr junges Gesicht mit seiner glatten Haut ist ebenso zu den Betrachter_innen des Bildes gewandt. Der hängende Kopf, die geschlossenen Augen und das ausdruckslose Gesicht, unterstreichen den leblos wirkenden Körper der Frau. Die detaillierte und filigrane Arbeit des Künstlers, wird auf diesem Bild schön wiedergegeben.

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Gewürzstand

viele Reihen von Gewürztüten auf einem Markttisch

Gewürzstand

Es duftet! Exotisch, würzig, fantastisch! Ich könnte hier stundenlang
stehen und schnuppern! Jede einzelne Tüte ist ein Paradies für Nase
und Finger: Mal kleine Kugeln, mal getrocknete Stückchen, mal fein
pulverisierter Inhalt. Jedes Tütchen hat einen Schnappverschluss, den
man aufziehen kann – und jedes mal wartet eine andere Überraschung für
die nase auf den neugierigen Schnüffler. Das Rumpeln und Kreischen
einer Straßenbahn im Hintergrund nehme ich nur wahr, wenn es die
Kommunikation stört. Ich habe den stand erst kurz zuvor entdeckt und
werde in den kommenden monaten immer wieder gern hierher zurück
kommen, um zu schnuppern, Neues zu entdecken und kleine I-Tüpfelchen
für meine nase und Küche oder kleine geschenke für Freunde und
Verwandte mit nach hause zu nehmen.

Wir befinden uns auf dem Hackeschen Markt. Das Foto wurde an einem
Gewürzstand geschossen. In der oberen Hälfte des Bildes sind
verschiedenste Gewürztüten wie auf den Tribünen eines Sportstadions
aufgereiht. Die „Tribüne“ ist in drei Teile gegliedert: Es sind drei
Kästen zu sehen, in denen sich die Gewürztüten befinden. Man sieht
allerdings nur den mittleren ganz, die beiden Kästen rechts und links
davon sind nur teilweise abgebildet. In allen drei kästen sind jeweils
vier Reihen zu erkennen, bei dem linken sieht man oberhalb auch noch
eine fünfte. Alle Tüten sind durchsichtig. Sie sind etwa 10 x 4 cm
groß und haben ein weißes Etikett, auf dem der Name des Gewürzes
steht, z.B. „Curry“. Die Etiketten kann man auch fühlen, aber leider
muss ich mir zum Lesen sehende hilfe holen. Mir selbst erscheint der
Stand eher chaotisch und unübersichtlich, nicht so schön geordnet, wie
er anscheinend auf das schauende Auge wirkt. Aber das liegt vielleicht
daran, dass ich mich nicht sattriechen und satttasten kann und
allmählich den überblick darüber verliere, was ich alles schon in der
hand gehabt habe und was ich jetzt wirklich mitnehmen möchte. In der
Tüte kann man die einzelnen Gewürze erkennen, wobei die Farbpalette
der Schattierungen von hellgrün über gelb, orange und dunkelrot bis
hin zu braun reicht. Genauso vielschichtig ist die palette der
Gerüche: Von süßlich zu herb, von exotisch-unbekanntem zu Vertrautem,
von einzeln abgepackten Gerüchen bis hin zu komplexen Mischungen. Es
sieht auf jeden Fall sehr bunt aus, es sind aber keine grellen Farben,
sie bleiben in Naturtönen. Genauso bunt ist die Welt der Gerüche und
Tasteindrücke, aber es wirkt genau wie für das sehende Auge nichts
überparfümiert und unnatürlich; hier wurde kein tee aromatisiert oder
mit künstlichen Zusatzstoffen gearbeitet, nichts reizt Nase, augen
oder finger. Höchstens die Ohren begehren ab und zu gegen das
Kreischen der Straßenbahnräder oder die Kakophonie aus Stimmen,
Geklapper und Schritten auf. Von den Kästen sieht man jeweils nur die
orangefarbene Kante. Die Kästen stehen auf einem Tisch, der von einem
weinroten Samttuch abgedeckt ist. Das tuch kann man auch schön fühlen.
es hängt über den Tischrand und verleiht dem ganzen Stand etwas
elegantes, Vornehmes, das die ansonsten vorherrschende
schlicht-natürliche Atmosphäre gekonnt abrundet. In der linken
Bildhälfte vor den aufgestapelten Gewürztüten befinden sich zwei
braune, geflochtene Körbe. In dem linken Korb liegen weitere
Gewürztüten. Der rechte Korb ist etwas kleiner als der linke und in
ihm liegen ganze Muskatnüsse, ebenfalls jeweils in kleine Plastiktüten
abgepackt. Zwischen diesen Tüten steckt ein kleiner Zettel mit der
Aufschrift „Muskatnüsse ganz“. Es gibt auch ganze Zimtstangen, wie mir
gesagt wurde. Aber ich kann in meiner Küche mit gemahlenem Gewürz
besser umgehen, weil ich keine geeignete Reibe habe, um ganze
gewürzstücke zu zerkleinern und sie schlecht wieder aus heißem,
gekochtem Essen herausfischen kann, wie das z.B. bei Lorbeerblättern,
Zitronengras, Vanilleschoten oder Zimtstangen nötig ist, die man nicht
mitessen kann. Die Körbe verleihen dem natürlichen Ambiente etwas
rustikales. Schön wäre noch gewesen, wenn die natürlichen
Inhaltsstoffe auch von natürlichen verpackungen umschlossen werden
würden, z.B. von kleinen Jutesäckchen mit Zugband o.ä. Unter dem Korb
mit den ganzen Muskatnüssen steht noch etwas, das man aber nicht
erkennen kann, weil es teilweise von den Tüten verdeckt ist. Am
rechten Bildrand liegen auf dem Samttuch fünf Gewürztüten, die ein
orangegelbes Gewürz enthalten. Daneben sind noch zwei oder drei Tüten
mit einem dunkelroten Gewürz zu sehen. Hinter den Körben und den frei
liegenden Tüten steigen die Reihen der „Tribüne“ empor, während davor
im linken unteren Bilddrittel die Samtdecke über den Tischrand fällt
oder besser im linken Bilddrittel ausschließlich zu sehen ist, während
weiter rechts andere Dinge das Tuch teilweise verdecken. Im rechten
vorderen Teil des Bildes sieht man einen großen Korb mit etwas
größeren Gewürztüten. Einige davon enthalten hellere, andere dunklere
Gewürze, z.B. helle und schwarze Sesamkerne. Drei Tüten mit dunkleren
Gewürzen sind an die vom Tisch herabhängende Decke gelehnt. Das Bild
ist insgesamt sehr bunt und der Stand ist voll gepackt, macht aber
durch die fein säuberlich aufgestapelten Gewürztüten trotz der Fülle
des Angebots doch einen recht geordneten Eindruck.

Während des Besuchs am stand haben wir uns mehr auf die haptischen und
euphaktorischen Eindrücke konzentriert. Meine Beschreiberinnen haben
mir vor allem die Informationen auf den tüten erklärt, nicht so sehr
eine Gesamtbeschreibung des standes geliefert. Durch die starke
geräuschkulisse und die Fülle des Angebots wirkte alles sehr chaotisch
auf mich, keineswegs so geordnet, wie es für das auge des Betrachters
erscheinen mag. Am Schluss suchten wir uns alle ein Gewürz aus, das
wir mit in unsere küchen nehmen wollten. Zufrieden, aber auch etwas
erschöpft von den vielen sinnlichen Eindrücken, verließen wir
schließlich den markt.

Foto von Katrin Dinges,

Bildbeschreibung von Fränz Reuter und Katrin Dinges

Beides entstanden in unserem Fotoseminar für Blinde

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Kanadischer Vorweihnachtshase von Maria

Maria schreibt, daß die Kaninchen bei ihnen in Kanada immer im Herbst kommen, und daß dort schon sieben Zentimeter Schnee liegen.

Garden with pine tree and greyish bunny at its foot.

Das Foto zeigt ein kleines weißes Kaninchen, das unter einem Baum sitzt. Bei dem Baum handelt es sich um einen ungewöhnlich geformten Nadelbaum. Anstatt kegelförmig nach oben spitz zuzulaufen, scheint dieser Baum eine laubbaumartige Baumkrone zu haben, die oben breiter ist als am Stamm. Auch der Stamm ist jedoch von dichtem Geäst bedeckt.
Hinter dem Baum befindet sich eine kahle Hecke und der Boden ist schneebedeckt. Nur rechts neben dem Baum ist eine kleine Stelle fast frei vom Schnee und darauf sitzt zusammengekauert das Kaninchen. Es ist weiß mit braunen Flecken und hat damit die gleiche Farbgebung wie der nicht komplett zugeschneite Teil der Wiese.

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Frauenstatue von Silja

Hier noch ein Foto von Silja aus den Gärten der Welt. Dank an die Gärten der Welt noch einmal!

Eine weibliche Statue aus weißem Stein

Beschreibung von…

Auf dem hochformatigen Bild ist zentral eine helle Frauenstatue antiken Stils vor einer gelblichen Wand zu sehen. Die Statue scheint aus weißem bis hellgrauem Stein zu sein und teilt das Bild vertikal etwa in drei gleich breite Teile. Die Figur ist nackt und an eine Säule gelehnt. Ihr linkes Bein ist angewinkelt, der linke Fuß ruht auf dem Säulensockel, ihre linke Hand stützt sich in Hüfthöhe auf eine Art Stoffknäuel auf der Säule. Das rechte Bein ist ganz durchgestreckt, der Fuß ist nicht mehr auf dem Foto zu sehen. Möglicherweise ist sie eine Badende und stützt sich auf ein Handtuch. Mit dem Oberkörper wendet sich die Figur leicht nach links, blickt jedoch nach rechts zu Boden. Den rechten Arm hält sie locker angewinkelt vor dem Oberkörper und berührt mit der Hand leicht ihre linke Schulter. Ihr Haar hat sie in aufwendigen Zöpfen hochgebunden, darin trägt sie eine Art Diadem.

Das Bild ist in unserem Fotoseminar für Blinde in den Gärten der Welt entstanden. Dank noch einmal an die Gärten der Welt!

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