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Warum eigentlich 100 Meisterwerke?

Regelmäßigen Lesenden unseres Blogs ist sicher schon aufgefallen, dass wir im letzten Jahr angefangen haben 100 Meisterwerke zu beschreiben. Dank der fleißigen Studierenden der Alice-Salomon Hochschule Berlin, die sich in einem Seminar ausführlicher mit Bildbeschreibungen beschäftigen, und unserem Korrekturteam findet ihr inzwischen fast 60 Beschreibungen in der Kategorie 100 Meisterwerke. Diese bunt gemischte Sammlung enthält berühmte Gemälde, Grafiken und Fotografien in den verschiedensten Stilen und aus den unterschiedlichsten Kunstepochen. Die Reihenfolge ist willkürlich, da wir keine Hitliste erstellen wollen, die Verschiedenheit der Werke macht einen Vergleich unmöglich. Erstellt wurde die Auswahl gemeinsam von sehenden und blinden Künstlern, Kunstkritikern, Kunsthistorikern und interessierten Laien. 100 ist nur ein Anfangsziel und wir freuen uns über weitere Vorschläge.

Entstanden ist das Projekt aus einer Seminarrehe darüber, was eigentlich ein „gutes Bild“ ausmacht und wodurch ein Werk berühmt wird. Damit ein Werk für Sehende aus der täglichen Bilderflut herausstricht, muss es entweder aus einem wichtigen historischen oder kulturellen Kontext heraus entstanden sein oder die Aufmerksamkeit des Betrachtenden sofort auf sich ziehen. Letzteres kann zum Beispiel durch ein seltenes oder emotional berührendes Motiv, durch interessante Techniken oder durch ungewohnte Blickwinkel erreicht werden. Um solche Bilder handelt es sich bei unseren 100 Meisterwerken, von denen viele ikonisch sind und sozusagen zum visuellen Allgemeinwissen gehören. Auch ohne Wissen über Künstler und Entstehungsgeschichte, haben viele Betrachtende das Gefühl ein Foto oder Gemälde irgendwo schon einmal gesehen zu haben.

Auch wenn es inzwischen häufiger blindengerechte Museumsführungen und Audioguides gibt, fehlt vielen blinden und sehbehinderten Menschen dieses Allgemeinwissen der visuellen Kunst. Vielleicht macht der mangelnde Vergleich die Werke vieler blinder Künstler auch so einzigartig, aber wir wollen mit unseren 100 Meisterwerken versuchen diesen Nachteil auszugleichen und hoffentlich neues Interesse für bildende Kunst und Kunstgeschichte wecken.

Wir freuen uns wie immer über Kommentare, Rückfragen und vorschläge für weitere Meisterwerke

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100 Meisterwerke: 54. „Bibi Aisha“ von Jodi Bieber

Bibi Aisha

Das im Folgenden beschriebene Bild ist ein Porträt-Foto für das Time-Magazin. Es zeigt die 18-jährige Afghanin Bibi Aisha mit entstelltem Gesicht. Ihr Ehemann hatte ihr auf Anweisung eines Taliban-Gerichts Ohren und Nase abgeschnitten, nachdem sie aufgrund seiner Gewaltexzesse vor ihm geflohen war. Das Foto 2010 wurde von der südafrikanischen Fotografin Jodi Bieber aufgenommen und kurz darauf zum Pressefoto des Jahres gekürt. Jodi Bieber beschäftigt sich fotografisch vor allem mit Afrika, insbesondere mit Porträts von Kindern und Jugendlichen am Rand der Gesellschaft.

Bei diesem Farbfoto in hoher Qualität handelt es sich um das hochformatige Porträt eines jugendlichen Mädchens, dessen Nase abgetrennt wurde. Das Bild wurde leicht seitlich-frontal aufgenommen. Die junge Frau ist mit ihrer rechten Körperseite leicht der Kamera zugewandt. Ihr kompletter Kopf, Hals und Dekolleté sind abgebildet. Sie nimmt ca. 80 Prozent der Aufnahme ein. Der Rest besteht aus einem einheitlich, bräunlich-grau verschwommenen Hintergrund, der die junge Frau zusätzlich in den Fokus stellt. Der Hintergrund ist auf der linken Seite heller und verläuft übergangslos in ein dunkles Braun am rechten Bildrand. Kurz über ihrem Kopf befindet sich der obere Bildrand. Das rechte äußere Sechstel des Bildes, von ihr aus links gesehen, besteht nur aus Hintergrund.

Auf dem Kopf trägt sie ein Tuch, das an den Seiten herabhängt und ihre Schultern sowie die seitlich liegenden Haare halb bedeckt. Da die Aufnahme nur bis zum Beginn der Brust reicht, ist unklar wie lang das Tuch ist. Erkennbar ist jedoch, dass es aus einem festeren, blickdichten Material besteht. Es hat breite Längsstreifen in zwei verschiedenen, sich wiederholenden Lila-Tönen, die jeweils von einem hellen dünnen Streifen getrennt werden. Das Tuch bedeckt neben den Schultern auch die Oberarme der jungen Frau, lediglich in der Mitte der Brust ist ein Stück ihres Oberteils zu erkennen. Es ist in einem warmen, farbintensiven Rot gehalten, dass mit so vielen weiß-silbrigen Pailletten verziert ist, dass das Rot nur leicht durch schimmert.

Die junge Frau hat sehr dunkelbraunes, fast schwarzes, dickes Haar, das leicht lockig-gewellt und etwas länger als schulterlang ist. Es bedeckt ihre Ohren und einen Großteil der Stirn und fällt ihr in ihr ovales Gesicht. Sie trägt einen Seitenscheitel und hat einen leicht gebräunten Teint. Ihre ungeschminkte Haut weist einige Rötungen und Unreinheiten auf. Ihr Mund ist ganz leicht geöffnet. Zwischen den vollen Lippen sind ihre Zähne zu erahnen. Sie lächelt nicht, zieht die Mundwinkel aber auch nicht nach unten. Die dunkelbraunen Augen des Mädchens schauen nicht direkt in die Kamera, vermutlich blickt sie die Fotografin an. Der Blick wirkt eher neutral, doch ziemlich durchdringend. Ihre Augenbrauen sind leicht buschig und nicht gezupft. Von ihrer Nase, die sich fast in der Mitte des Bildes befindet, ist kaum vorhanden.

Beim Betrachten des Bildes fällt sofort auf, dass dieses ansonsten hübsche Mädchen keine Nasenlöcher und keine Nasenflügel hat. Die untere Hälfte ihrer Nase ist ein schwarzes Loch, umgeben von vernarbter leicht geröteter Haut. Die obere Hälfte ist unversehrt. Diese klaffende Wunde in einem ansonsten jugendlichen Gesicht ist schockierend. Man will die Verstümmelung eigentlich nicht sehen und muss trotzdem hinschauen. In dieser gnadenlosen Darstellung der brutalen Realität  besteht die Aussagekraft dieses Bildes.

Bildquelle: i.ytimg.com

Text: Stefanie Rode

 

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100 Meisterwerke: 52. „Alice Liddell as a Beggar Girl“ von Lewis Carroll

Alice als Betelmädchen

Lewis Carroll war ein britischer Schriftsteller des viktorianischen Zeitalters, Fotograf, Mathematiker und Diakon. Er ist unter anderem der Autor der berühmten Kinderbücher Alice im Wunderland“ und Alice hinter den Spiegeln“. Mit seinem Talent für Wortspiel, Logik und Fantasie schaffte er es, weite Leserkreise zu fesseln. Seine Werke werden als Nonsense-Literatur bezeichnet und sind bis heute populär und faszinieren sowohl Kinder als auch Erwachsene und Künstler. Bekannt wurde Carroll auch als Fotograf: Wie Julia Margaret Cameron betrieb er bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Fotografie als Kunst.

Das hochformatige Bild „Alice Liddell as a beggar girl” (dt. “Alice Liddell als Bettlermädchen“) wurde 1858 fotografiert. Es ist eine Schwarz-Weiß Fotografie eines etwa siebenjährigen Mädchens. Sie steht in einem weißen Lumpenkleid an einer Wand. Alice Liddell war auch die Inspiration für die Alice im Wunderland Bücher.

In der Bildmitte lehnt sich Alice an eine dunkle, fleckige Haus- oder Gartenwand an. Sie hat dunkle, glatte und schulterlange Haare mit einem kurzen Pony. Ihr Kopf ist leicht zu ihrer linken Schultergeneigt und ihre Augen blicken direkt in die Kamera. Ihre Haut ist glatt und hell. Die Augenbrauen sind von der Nase her buschig, werden aber in Richtung der Ohren lichter, bis sie nicht mehr zu erkennen sind. Die Ohren sind unter den Haaren verborgen. Die dunklen Augen sind weit offen und in der Iris beider Augen sind helle Spiegelungen zu sehen. Ihr Blick ist traurig und sorgenvoll. Die Nase ist schmal. Der Mund ist mit leicht nach unten zeigenden Mundwinkeln geschlossen. Die Wangen sind voll und rund.

Das Kleid des Mädchens ist weiß und zerlumpt. Am Kleidrand ist der Stoff ausgefranst und erinnert an einen alten Getreidesack. Es ist ärmellos und hat einige Löcher. Das Kleid ist ihr zu groß und der Rock ist in Hüfthöhe hochgebunden, so dass er ballonartige Falten wirft. Das Kleid reicht ihr etwas über die Knie. Der linke Träger ist herunter gerutscht, so dass die linke Schulter bis zur Brust freiliegt. Um ihren rechten Oberarm ist ein weißes Stoffstück des Kleides gewickelt. Ihren linken Arm stützt Alice mit der geballten Faust in die Hüfte. Der rechte Arm ist im rechten Winkel vor ihrem Bauch gebeugt. Die Hand befindet sich auf Bauchnabelhöhe und ist zu einer Bettelhand geöffnet. Alice trägt keine Schuhe. Der linke Fuß steht gerade ausgestreckt auf dem Abtreter. Der rechte Fuß stützt sich auf einen Busch Kapuzinerkresse, die in einem Beet zu ihren Füßen über eine begrenzende Holzkante wächst.

Alice steht an einer Wand oder Außenmauer. Diese Mauer nimmt nahezu das gesamte Bild ein. Die Wand hat hauptsächlich einen dunklen Farbton. An vielen Stellen ist die Farbe bereits abgeblättert. Darunter ist der helle Putz zu sehen. Die Oberfläche hat viele Einkerbungen, die vermutlich von den dahinterliegenden Fugen der vermauerten Steine stammen. Von der betrachtenden Position aus ist auf der linken Seite, etwa im ersten vertikalen Drittel des Bildes, eine Kante zu sehen, die die Wand in zwei Bereiche trennt.

An der schmalen Ecke ist im unteren horizontalen Drittel ein etwa drei Zentimeter breiter Absatz zu erkennen. Der Boden des rechten Wandteils ist nicht ersichtlich, da im unteren horizontalen Drittel des Bildes verschiedene Pflanzen in einem Beet zu sehen sind. Hauptsächlich wächst dort Kapuzinerkresse. Hinter dem linken Bein ist ein weiterer Strauch zu sehen. Das Beet wird horizontal von einem Holzstück begrenzt. Die Pflanzen wachsen teilweise darüber hinaus. Unterhalb des Beetes befindet sich ein Kies- oder Sandboden von etwa fünf Zentimeter Breite. Darunter ist eine Art Fußabtreter zu erkennen. Dieser reicht nahezu komplett über den untersten Teil des ersten horizontalen Bilddrittels. Der Fußabtreter hat im oberen Teil einen breiten dunklen Streifen. Der untere Bereich ist um einige Farbnuancen heller.

Bildquelle: wikimedia

Text: John Patzwaldt

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100 Meisterwerke: 50. Ohne Titel, undatiert, Schwarz-Weiß-Fotografie auf Barytpapier vonMiroslav Tichý

unbetiteltes Bild

Miroslav Tichý war ein tschechischer Fotograf und Maler. Seine Motive waren in erster Linie Frauen: Junge Mädchen beim Sonnenbaden oder im Park, ältere Frauen auf dem Markt und auf der Straße. So auch das hier beschriebene Bild.

Im Zentrum des hochformatigen Bildes befindet sich eine verschwommene schwarz-weiß Fotografie einer schlanken, jungen Frau. Die junge Frau bildet den Mittelpunkt der Fotografie. Sie ist mit einem dunklen Bikini bekleidet. Das Oberteil ist trägerlos. Sie steht mit der rechten Seite ihres Körpers an einem alten Zaun gelehnt, der von der rechten unteren Ecke der Fotografie in die obere Mitte verläuft und an einem Verschlag endet. Es handelt sich um einen Metallgitterzaun. Am rechten Bildrand ist eine fremde Hand erkennbar, die den Zaun umfasst. Der Zaun wirkt alt und wackelig.

Die junge Frau steht mit ihrem Körper frontal zur Kamera. Ihr linker Arm verläuft vor ihrem Körper und ist auf Höhe des Handgelenks auf dem Zaun abgelegt. In der linken Hand hält sie einen nicht genau definierbaren Gegenstand. Es könnte ein weißes Tuch sein, das über den Zaun hängt. Ihr rechter Arm ist von ihrem Körper verdeckt. Den Kopf hat die junge Frau leicht in Richtung der linken Schulter geneigt. Sie trägt lange braune Haare, die ihr über die Schulter reichen und vorn im Bereich des Brustkorbs enden. Ihre Haare sind offen und am Haaransatz leicht nach links gescheitelt.

Aufgrund der Unschärfe der Fotografie lassen sich die Feinheiten ihres Gesichts nicht gut erkennen. Zu sehen ist jedoch eindeutig, dass die junge Frau mit leicht geöffnetem Mund lächelt. Des Weiteren sind durch leichte Schatten ihre ausgeprägten Wangenknochen und eine waagerechte Vertiefung zwischen Unterlippe und Kinn zu erkennen.

Ihr rechtes Bein hat die junge Frau leicht angewinkelt, das Gewicht lagert auf dem linken Bein. Ob sie Schuhe trägt ist ebenfalls nicht zu erkennen. Sie steht auf einer Wiese. Der Hintergrund ist sehr dunkel. Es könnte sich um eine Art Verschlag handeln, vor dem sie posiert. Die vordere linke Ecke der Fotografie ist weiß und wirkt überbelichtet.

Die Fotografie ist, wie das Gesamtwerk auch, ein Hochformat und wurde auf ein Stück vergilbten Karton aufgeklebt. Es handelt sich um eine Art Passepartout. Der Rahmen ist im Gegensatz zum Foto farbig. Es handelt sich um ein helles Braun. Das Stück Karton wirkt schmuddelig, als hätte der Künstler es gerade auf dem Boden gefunden. Es befinden sich Flecken darauf und die obere Schicht der rechten, unteren Ecke ist abgerissen. Den Rahmen selbst hat der Künstler mit schwarzen und grünen Linien verziert. Er hat quasi auf den Rahmen drei weitere Rahmen gezeichnet: Einen grünen und einen schwarzen dicht an der Fotografie und einen weiteren schwarzen Rahmen am äußeren Rand des Kartons.

Bildquelle: viceland-assets-cdn.vice.com

Text: Antje Köhn

 

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100 Meisterwerke: 42. „Le Baiser de l’Hotel de Ville“ von Robert Doisneau

Kuss vor dem Rathaus

Bei dem Bild handelt es sich um eine Fotografie von Robert Doisneau mit den Titel „Le Baiser de l´Hotel de Ville“ (dt. „Der Kuss am Rathaus“. Das schwarz-weiß Foto ist 1950 vor dem Pariser Rathaus entstanden und wurde im Querformat fotografiert. Doisneau war bekannt für seine Straßenfotografie.

Im Vordergrund sitzt ein Mann mit dem Rücken zum Fotografen in einem Kaffee. Man sieht seine Schulter und fast komplett seinen Hinterkopf und das rechte Ohr. Sein Körper ist nur zur Hälfte zu sehen. Der Mann sitzt im Bild links und ist etwas verschwommen. Er hat vermutlich dunkelblonde leicht gewellte Haare, trägt eine helle Jacke und einen dunklen Schal. Vor ihm sieht man ansatzweise einen runden, silbernen Tisch und daneben in der Mitte des Vordergrundes, steht ein Stuhl. Die dunkle Lehne des Stuhls ist bis zur Hälfte zu sehen. Sie besteht aus dunklen Holzlatten. Rechts im Vordergrund sieht man ein Stück vom Gehweg und einen Bordstein. Am rechten Rand des Bildes steht ein verschwommener und daher nicht erkennbarer Gegenstand.

Im Mittelgrund des Bildes, hinter dem Stuhl, stehen eine Frau und ein Mann auf dem Gehweg und küssen sich. Beide sind schätzungsweise zwischen 20 und 25 Jahre alt. Der Mann dreht sich zur Kamera. Sein rechter Arm umfasst die Frau, seine Hand liegt auf ihrer rechten Schulter. Er hat dunkles, etwas zerzaustes Haar und ist mit einer dunklen Jacke, unter der ein helles, vermutlich seidenes Tuch hervor schaut, bekleidet. Die Jacke ist etwas länger und reicht ihm etwa bis zur Hälfte der Oberschenkel. Seine Beine und Schuhe sind durch den Stuhl im Vordergrund verdeckt. Der Mann hat helle Haut und ist groß und schlank. Es scheint als hätte er leicht abstehende Ohren. Da er die Frau küsst, erkennt man nur die linke Gesichtshälfte. Er scheint die Augen geschlossen zu haben.

Die Frau ist im rechten Seitenprofil zu sehen. Auch sie hat dunkle, lockige, schulterlange Haare. Das rechte Ohr ist bis zur Hälfte mit Haaren bedeckt. Sie trägt eine offene, dunkle, bis zur Hüfte reichende Strickjacke, unter der ein schmaler, heller Streifen ihrer Bluse zu sehen ist, dazu einen dunklen, ungemusterten Faltenrock. Schuhe und Länge des Rockes kann man durch den davor stehenden Stuhl und den Tisch nicht erkennen. Am rechten Arm hat sie entweder eine Uhr oder ein Armband. Die Frau lehnt sich in den um ihre Schulter gelegten Arm des Mannes. Die Haltung der Frau wirkt offen und unbeschwert. Ähnlich wie bei dem Mann sieht man ihr Gesicht seitlich, bei ihr nur die rechte Seite. Sie hat ebenfalls die Augen geschlossen. Auch sie hat eine helle Hautfarbe, ist aber schätzungsweise einen halben Kopf kleiner.

Auf dem Gehweg befinden sich weitere Personen, die alle in Bewegung zu sein scheinen. Auf gleicher Höhe mit dem Paar läuft eine Frau mit dunklen, lockigen Haaren. Ihre Vorderseite und ihr Gesicht sind halb zu sehen. Die Frau trägt einen langen, hellen Mantel und ein helles Tuch. Dazu trägt sie dunkle Lederhandschuhe und in der linken Hand hält sie eine Lederhandtasche, von der nur ein schmaler Streifen zu sehen ist. Hinter der eben beschriebenen Frau sieht man  einen dunkel bekleideten Mann in schneller Bewegung. Er kommt der Frau entgegen, wodurch nur seine Seitenansicht zu sehen ist und ist sehr unscharf abgebildet.

Auf der Straße hinter dem Gehweg fahren zwei dunkle Autos. Es sind Autos aus den Vierziger- oder Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Beide Autos fahren von links nach rechts im Bild. Vom vorderen Auto sieht man die Vorderlichter und ein Stück von der Motorhaube. Beim  hinteren Auto sind das Heck des Autos, der Hinterreifen und die hintere Fensterscheibe erkennbar.

Links im Bild, hinter dem Paar läuft ein Mann mit einer dunklen Baskenmütze, einer dunklen Brille und einem grauen Jackett, das ihm bis zur Hüfte reicht. Er bewegt sich in die gleiche Richtung wie das Paar. Direkt hinter dem Mann ist ein Teil einer verzierten Säule, wohl einer Laterne zu sehen. Rechts von der Mitte des Bildes, vor dem Paar laufend, ist noch ein Stück von einem weiteren Mann mit breitkrämpigem Hut und einem hellen langen Mantel mit Schulterklappen erkennbar.

Der Hintergrund ist hell und etwas verschwommen. Links steht ein altes, großes Haus. Es nimmt die Hälfte des Hintergrundes ein und hat eine reich verzierte Fassade. An der Uhr in der oberen Mitte der Fassade, ist zu erkennen, dass es sich um ein Rathaus handelt. Es ist eine analoge Uhr, ähnlich der in einem Kirchturm. Der Hintergrund ist zu verschwommen um die Uhrzeit ablesen zu können.

Rechts im Hintergrund, neben dem Rathaus sind einige spitze Dächer zu sehen. Rechts am Rand scheinen in weiter Ferne noch mehr Häuser zu stehen. Dies ist aber kaum zu erkennen, da die Belichtung nach hinten immer heller wird, wodurch dieser Bildausschnitt verschwommen und nebelig wirkt. Vor dem Rathaus scheint ein großer Platz zu sein, wodurch die Häuser auf der rechten Seite so weiter hinten stehen.Vor den Häusern sind einige Bäume ohne Blätter zu erahnen.

Dem Betrachtenden springt sofort das sich küssende Paar ins Auge. Es wirkt in der geschäftigen Umgebung besonders unbeschwert. Alle anderen Passanten scheinen beschäftigt und konzentriert, so als wären sie auf dem Weg zur Arbeit oder müssten dringend etwas erledigen. Die Szene ist ein ganz normaler Tag in der Stadt. Nur das küssende Paar verharrt in einer ausgeglichenen Stimmung. Bis auf den Fotografen scheint auch niemand von ihnen Notiz zu nehmen. Der Kuss wirkt sehr leidenschaftlich und demonstrativ. Es ist ihnen egal, ob sie beobachtet werden.

Bildquelle: Kate’s Corner

Text: Lydia Jander

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100 Meisterwerke: 41. „Days after the Sign of B, C & W“ von Sophie Calle

Days after the Sign of B, C & W

„Days After the Sign of B, C & W“  (dt. „Tage nach dem Zeichen von B, C & W“ ist eine Farbfotografie der Französischen Künstlerin Sophie Calle aus dem Jahre 1998. Das Foto ist Teil eines Projekts, in dem die Künstlerin tageweise in andere Rollen schlüpfte; für dieses Foto in die Rolle der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot. Calle parodiert mit dem Foto die große Tierliebe Bardots.

Das annähernd quadratische Foto ist vom Fußende eines Bettes aufgenommen und zeigt eine am Kopfende des Bettes an die Wand angelehnte vermutlich weibliche Person. Ihr Oberkörper ist aufrecht an die Wand gelehnt, und nimmt das Zentrum der oberen Bildhälfte ein. Ihr Unterkörper ist von einer weißen Bettdecke mit blauen Tupfen bedeckt. Die Beine hat sie unter der Decke leicht angewinkelt. Auf der Decke sind verschiedene ausgestopfte Tiere drapiert.

Die Person lächelt direkt in die Kamera. Sie hat sehr hellblonde, leicht gewellte, dabei aber auftoupierte Haare, die ihr etwas über die unbedeckten Schultern reichen. Schätzungsweise ist sie zwischen 30 und 40 Jahre alt.  Sie hat ein zartes ovales Gesicht, eine schmale Nase, weit auseinander stehende, geschminkte Augen, sowie kräftige Augenbrauen. Ihren Mund zieht sie zu einem Lächeln, links und rechts der Mundwinkel zeichnen sich Grübchen ab. Der Mund bleibt dabei geschlossen. Und obwohl sie lächelt, hat ihr Blick dennoch etwas traurig-melancholisches. Der Gesichtsausdruck wirkt insgesamt gestellt und ein bisschen gequält. An ihrem schlanken Körper trägt sie ein enganliegendes, etwas altmodisch-wirkendes Oberteil mit sehr schmalen weißen Trägern. Es ist aus hellblauer Charmeuse und hat einen Balconette-Ausschnitt. In der Mitte ziert eine rosafarbene Schleife das Dekolleté.

Am vorderen Bildrand ist mittig ein unscharf abgebildetes Eichhörnchen zu sehen. Zwischen dem Eichhörnchen und der Person liegt eine orange getigerte Katze, die auf der linken Seite liegt und die Beine streckt. Dahinter liegen zwei kleine graue Tiere, vermutlich handelt es sich um Mäuse. Am linken Bildrand im Vordergrund ruhen der Kopf eines Rehs und der eines dunklen Ochsen. Ihre restlichen Körper befinden sich außerhalb des Bildausschnittes. Zwischen dem Kopf des Ochsen und der Person sitzt ein, im Verhältnis zu den beiden sehr kleiner Hahn mit schwarz-gelben Federn. Die Tiere wirken allesamt sehr leblos. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um ausgestopfte Tiere handelt.

Am rechten Bildrand sind von vorne nach hinten auf der Bettdecke zu sehen: der Vorderkörper eines kleinen, weißen Spitzes, dahinter eine Eule mit graumeliertem Gefieder. Fast an der rückwärtigen Wand am Kopfende zwei Greifvögel, die beide ein schwarz-hellbraun geflecktes Gefieder tragen, ein Uhu und ein Falke, die in unterschiedliche Richtung gewand sind. Hinter dem Rücken der Person liegt ein Fuchs. Der Oberkörper der Frau verdeckt den Großteils des Fuchses, sein Schweif ist neben ihrer (von vorn betrachtet) linken Schulter, sein Kopf neben ihrer rechten Schulter.

Die Person hat ihren linken Arm quer vor ihrem Körper ihrem Oberkörper auf der Decke liegen. Die rechte Hand hält im angewinkelten Arm eine Schleiereule. An der blassrosa Wand hinter dem Kopfende des Bettes sitzen fünf unterschiedlich große und unterschiedlich farbige Schmetterlinge, drei links und zwei rechts von ihr.

Bildquelle: Pinterest

Text: Jolin Hölzel

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