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Tina über unser Fotoseminar am 9. Mai 2015

Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als einem Monat für „Bilder für die Blinden“ und habe um mich mit dem Projekt vertraut zu machen einige Bildbeschreibungen und Erfahrungsberichte zu vergangenen Workshops und Veranstaltungen gelesen. Vor ein paar Tagen habe ich unsere Vorschläge wie man Bilder für blinde Menschen beschreiben kann für unseren englischen Blog „Photo Narrations for the blind and sighted“ übersetzt und durch die intensive Beschäftigung mit dem Text kann ich ihn inzwischen fast auswendig. Aber das ist natürlich nicht mit der Teilnahme an einem Fotoseminar zu vergleichen und daher freute ich mich, vergangenen Samstag endlich selbst dabei sein zu können.

Trotz Bahnstreik schafften wir es rechtzeitig in der Alice Salomon Hochschule in Berlin zu sein. Auf dem Korridor hingen die Bilder aus dem Seminar im letzten Jahr. Im Großformat eingerahmt hinter Glas erweckten sie Ehrfurcht in mir und ich hoffte, dass in diesem Jahr ähnlich qualitative Bilder entstünden.

Wir bildeten einen Stuhlkreis und stellten uns alle der Reihe nach vor. Rose und ich sind die beiden neuen blinden Fotografinnen, Katrin, Silja und Susanne waren auch schon im letzten Jahr dabei gewesen. Von den ungefähr zwanzig Studierenden die Karstens Modul gewählt haben, studieren fast alle soziale Arbeit.

Anschließend bekam jede Fotografin drei Studierende zugeteilt und die Teams hatten bis zur Mittagspause Zeit erste Fotos zu machen und sich untereinander kennen zu lernen. Mein Team bestehend aus Anja, Marit und Flo ist echt super und wir verstanden uns auf Anhieb, aber ich war mir etwas unsicher, wie wir das Fotografieren angehen sollten. Wir gingen erst einmal raus, da das Wetter so schön war. Als wir etwas ziellos über eine Wiese liefen, pflückte Marit eine Pusteblume und pustete die kleinen Fallschirmchen in die Luft. Und plötzlich hatten wir ein Fotomotiv: Ein Gesicht in der Nahaufnahme, wie es in eine Pusteblume bläst und die Blütenblätter davon segeln.

Die Umsetzung gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht, da die Fallschirmchen nur aus einem bestimmten Winkel und bei günstigen Lichtverhältnissen zu sehen sind. Büsche und Bäume eigneten sich schlecht als Hintergrund, da sie selbst zu detailliert strukturiert waren und die Schirmchen davor kaum zu sehen waren. Mit einer grauen Wand als Hintergrund klappte es etwas besser.

Dann hatten wir die Idee zwei Menschen zu fotografieren, die einen Strauß Pusteblumen zwischen sich halten und gleichzeitig pusten. In der Umsetzung funktioniert das Ganze allerdings nicht so richtig, da Flo eher pustete als Anja, die die Blütenblätter ins Gesicht bekam, wodurch wir alle lachen mussten. Und dann war auch schon die Mittagspause. Wahrscheinlich müssen wir uns für das nächste Seminar auf dem Tempelhofer Feld am 6. Juni etwas neues einfallen lassen, da uns die Pusteblumen ausgehen.

Nach der Mittagspause erzählte uns Karsten etwas über die verschiedenen Arten von Portraits, die das Thema dieses Seminars sind. Es gibt nicht nur die klassischen Portraits, wie wir sie standardmäßig beim Fotografen machen lassen. Im Grunde genommen sind alle Fotos auf denen Menschen im Mittelpunkt stehen Portraits. Ich wusste bis dahin auch nicht, dass die Lichtverhältnisse für Portraits in Räumen besser sind als draußen im Sonnenschein, da direktes Sonnenlicht die Linien in Gesichtern hervor hebt und sie hart aussehen lässt. Es gibt also noch jede Menge zu lernen und ich freue mich schon auf den nächsten Workshop.

Einige der entstandenen Bilder gibt’s demnächst mit Beschreibung.

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Große Schau! Live-Präsentation blinder Fotografinnen in Berlin

Am 28. April findet im Kinosaal der Villa Oppenheim in Berlin eine Live-Präsentation von Bildern aus dem Fotosemminar für Blinde statt!

Die Fotografinnen Katrin Dinges, Silja Korn und Susanne Emmermann stellen ihre Bilder vor.

Einige Bilder werden dort zum ersten Mal gezeigt! Die Bilder werden auch akustisch dargestellt, die Bildbeschreibungen werden auch in Gebärdensprache übersetzt werden.

Ihr bekommt bei dieser Veranstaltung einen Eindruck davon, wie das überhaupt funktioniert, wenn Blinde fotografieren. Welche Bedeutung die Fotografie für sie hat, und was Sehende davon = von ihnen lernen können.

28.4. 18 Uhr http://www.villa-oppenheim-berlin.de

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Silja und Sandra im Schloß Charlottenburg

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Noch ein Bild aus unserem Fotoseminar für Blinde im Schloß Charlottenburg. Von Silja:

Eine Fotografin mit Sonnenbrille, eine zweite die ihr beim Fotografieren über die Schulter schaut

Beschrieben von Katrin Heidorn

Ein Doppel- bis fünffach-Portrait im Spiegel. Nicht sehr viel Licht. Ein Querformat mit zwei Hauptpersonen in der Mitte des Bildes. Die Fotografin hält die Kamera mit beiden Händen auf einen Spiegel. Sie hat nackenlange, rötliche Haare mit Pony in der Stirn und trägt eine schwarze ovale Sonnenbrille. Sie hält die kleine Kamera vor sich, so dass wir ihren Mund nicht sehen. Ganz dicht neben ihr über ihre Schulter links im Bild schaut eine zweite Frau mit kurzen Haaren und dunklem Pony aufmerksam auf das Display der Kamera. Sie trägt eine Art Trainigsjacke mit blauem und weissem Streifen quer an der Schulter. Die Fotografin trägt einen Schwarzen Pullover mit grauem Muster. Im Vordergrund läuft ein undeutlicher heller Strich quer über den Spiegel. Die Fotografin  hat die Waage nicht ganz erwischt und er läuft etwa um zehn Grad nach links gekippt.

Das gilt auch für die Gemälde, die wir hinter den beiden Frauen an einer Wand hängen sehen. Die Wand ist mit rot-gold gemustertem Stoff bezogen und die Gemälde haben leuchtend goldene Rahmen. Es sind drei Hochformate. Portraits wichtiger Personen aus dem achtzehnten Jahrhundert, schätze ich. Das Bild in der Mitte ist etwas größer und zeigt einen stehenden Mann mit einem roten Mantel über dem ausgstreckten Arm. Er trägt Pluderhosen, ein enges Gewand und eine goldene Schärpe. Auf dem Gemälde links ein Mann, sitzend mit einem überbreiten Kragen aus weissem Pelz. Auf der rechten Seite das Gemälde einer Frau. Sitzend mit großem Dekolleté und rotem Mantel über dem grauen Kleid. Unter den Gemälden eine Wand mit halbhoher Holztäfelung. Davor zwei Stühle mit hoher Lehne, reich verziert. Links hinter den Frauen betrachten zwei Besucher mit Kopfhörern die Gemälde. Wir sehen die Hinterköpfe und die schwarze Jacke des Mannes links. Die Frau hat blonde, zusammengebundene Haare. Ganz rechts im Bild sehen wir noch den senkrechten Rand des Spiegels. Weil er am Rand eine geschiffene Facette hat, verzerrt er das Bild einer Besucherin, die nicht ganz im Bild ist. Wir sehen ihre gefalteten Hände und ein Stück leuchtend grüne Bluse mit grauer Jacke darüber. Ihr Gesicht ist zu sehen wie der abnehmende Mond am dritten Tag vor Neumond. Dann kommt noch ein Streifen Stofftapete und dann der schwarze Spiegelrahmen. Unten an der Ecke ist er leicht verschnörkelt geschnitzt. Wie übrigens auch der Rahmen des Frauenportraits. Die der Herren sind schlicht gold.

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Wasserträgerin von Silja

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Hier nochmal ein Foto von Silja aus der Villa Oppenheim:

Bronceplastik Wasserträgerin

Beschrieben von Katrin Heidorn

Wir sehen einen weissen Raum im Hochformat. Mitten im Bild die dunkelbraune Bronzestatue einer nackten Frau auf einem Sockel, ebenfalls aus Bronze. Wir sehen sie von vorn mit ganz leichter Drehung auf ihre linke Seite. Sie hält die Arme ausgebreitet, denn auf ihrem Rücken balanciert sie eine dünne, leicht gebogene Stange, an der an jedem Ende ein Wassereimer hängt. Die Eimer sehen altertümlich aus. Der Boden ist größer als die Öffnung. Sie haben zierliche gebogene Henkel. Die Frau steht leicht gebückt in den Knien, auf einer Art ovalem Stein. Beide Füße nah beieinander und auch die Knie sind geschlossen. Sie beugt sich nach vorn, weil sie einen der beiden Eimer seitlich an diesem Stein vorbei in unsichtbares Wasser taucht. Ihre rechte Hand hält dabei das schlaffe Seil des Eimers in der Mitte der Länge. Die linke Hand hält locker das andere Ende der Stange. Ihr Gesicht ist auf den Eimer gerichtet. Von hinten hängt ihr ein geflochtener Zopf im Bogen über die linke Schulter. Wir sehen ihre kleine rechte Brust spitz als Umriss vor dem weissen Hintergrund. Das Licht fällt von oben auf die glänzende Bronzeoberfläche, die entweder poliert oder lackiert sein muss. So sieht es aus, als wäre die Haut der Wasserträgerin nass und glänzend. Ihre Haltung hat eine graziöse Leichtigkeit. Unter dem Bronzesockel, auf dem sie steht und der zur Statue gehört, sehen wir am unteren Bildrand einen weissen quadratischen Sockel, auf dem die Statue im Raum steht. Rechts am Rand der schmal angeschnittene Arm eines Besuchers mit rot-weiss kariertem Hemd. So können wir die Höhe der Figur auf ungefähr einen Meter schätzen. Sie steht in Hüfthöhe des Besuchers. Rechts neben der geschwungenen Hüfte der Frau hängt hinten an der weissen Wand ein Foto von eben dieser Statue. Sie ist vor schwarzem Grund fotografiert. Das Foto hat ein graues Passepartout und einen schmalen schwarzen Rahmen. Die ganze Figur ist dort etwa so groß wie der Kopf der anderen. Wir sehen also die gleiche Figur zwei mal, und zwar im gleichen Blickwinkel, wie eine Wiederholung. Das irritiert und macht neugierig zugleich. Es gibt Siljas Foto etwas Verblüffendes.

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Zwei Artikel über die Ausstellung des Fotoseminars für Blinde

Hier hat Rolling Planet etwas über unsere Ausstellung geschrieben:

http://rollingplanet.net/2015/03/04/barrierefrei-fotografieren-fuer-blinde/

Und hier das Berliner Abendblatt:

http://www.abendblatt-berlin.de/2015/03/15/die-spezielle-sicht-der-dinge/

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Ausstellung des Fotoseminars für Blinde

An der Alice-Salomon-Hochschule Berlin (ASH) in Berlin-Hellersdorf, Alice-Salomon-Platz 5, gibt es gerade eine kleine Ausstellung mit Bildern, die in unserem Fotoseminar für Blinde entstanden sind. Zu den Bildern gibt es natürlich auch Bildbeschreibungen, die in Punkt- und Schwarzschrift ausgedruckt und beim Pförtner auszuleihen sind.

Hier die Mitteilung der Pressestelle der ASH:

Barrierefrei fotografieren
Bilder von Blinden in einer Ausstellung an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Berlin, den 27.02.2015. Die Ergebnisse des Projekts „Fotografieren mit Blinden“ werden noch bis 15. März 2015 vor dem Audimax der Alice Salomon Hochschule Berlin präsentiert. Blinde Fotograf/-innen machten sich gemeinsam mit Studierenden auf die Suche nach Motiven, die alle Sinne ansprechen.

Das Wahlmodul „Fotografieren mit Blinden“ wurde im Sommersemester 2014 angeboten und war als interdisziplinäres Seminar angelegt, in dem blinde Menschen fotografieren (lernen) konnten. Dabei wurden sie von Studierenden der Alice Salomon Hochschule Berlin begleitet und mit Bildbeschreibungen unterstützt.

Die Studierenden wurden im Vorfeld mit speziellen Übungen an ihre (Übersetzungs- und Führungs-)Aufgabe herangeführt. Gemeinsam erarbeiteten sich die Teams aus jeweils einem Studierenden und einer oder einem blinden Fotograf/-in eine Sprache, die alle Sinneseindrücke einbezog und einen Dialog über Bilder ermöglichte. In der ersten Phase wurden Objekte fotografiert, die die Blinden berühren konnten. Der taktile Bezugspunkt erleichterte die Kommunikation über das Bild. Mit der Zeit wurde dieser immer unwichtiger. Die Teams begaben sich auf die Straßen, lernten gemeinsam neue Plätze in Berlin kennen und setzten die Ideen und Vorstellungen der blinden Fotograf/-innen um.

Das Projekt ermöglichte für beide Seiten einen interessanten Austausch: Auch Blinde leben in einer Welt voller Bilder. Beim Fotografieren konnten sie ein eigenes Bild von der Umgebung machen, dieses immer wieder korrigieren und damit experimentieren. Die sprachliche Übersetzung der Studierenden ermöglichte Ihnen, Bilder als visuelle Vorstellung abzuspeichern, die die taktischen Erinnerungen ergänzen.
Die Studierenden lernten durch die sprachliche, beschreibende Auseinandersetzung mit der Umwelt, wie wenig selbstverständlich, bzw. eindeutig das ist, was man sieht. „Mit Blinden über Bilder zu sprechen, schärft den Blick enorm.“, so Karsten Hein, Dozent der ASH Berlin, Fotograf und Leiter des Projekts.

Die Ausstellung kann während der Semesterferien Mo-Fr, 7-20h vor dem Audimax der ASH Berlin besichtigt werden. Weitere Informationen und Bilder finden Sie unter
https://bildbeschreibungen.wordpress.com/2014/05/05/unser-erstes-fotoseminar-fur-blinde/

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