Archiv des Autors: karsten

Wie wirke ich auf diesem Foto?

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Hallo liebe Autoren, ich interessiere mich sehr für das Thema Bilder, speziell für Bilder von Personen und was ihre Körpersprache Haltung, ETZ. über sie aussagt. Ich wäre euch daher sehr dankbar, wenn ihr mir ein Bild von mir beschreiben könntet, da es schwierig ist, für die richtige Gelegenheit, dass richtige Bild von sich zu wählen. LG Jockl

Ein Junger Mann, der uns offen anlacht

Bildbeschreibung von Karsten:

Lieber Jockl,

du wirkst zunächst einmal sehr sympathisch. Ich würde dich auf dem Bild auf Anfang bis Mitte zwanzig schätzen. Du lachst sehr offen, fröhlich, gelöst unmittelbar den Betrachter an. Man sieht an der Stellung deiner Pupillen, daß du blind bist. Ich habe dennoch die Gewißheit, daß du in dem Moment dem Fotografen und d.h. jetzt mir voll zugewandt bist. Das Zustandekommen dieser Wirkung ist schwer zu beschreiben. Aber wenn man schon etwas mit Blinden zu tun gehabt hat, sieht man ihren Augen an, ob ihre Aufmerksamkeit direkt auf einen gerichtet ist oder ob ihre Gedanken abschweifen. Es ist eben nicht so, daß die Augen nur der Aufnahme von Licht dienen, sie sind – in Maßen – auch Ausdruck; Spiegel der Seele ist die gängige Redewendung dafür, aber du darfst dir nicht zuviel darunter vorstellen. So sehr viel mehr kann man an den Augen allein nicht ablesen.

Deiner Physiognomie sieht man an, daß du viel lachst. Du hast Lachfältchen und ausgeprägte Wangengrübchen. Ich würde also vermuten, daß du ein fröhlicher Mensch bist. Viel mehr würde ich jetzt allerdings nicht sagen wollen, denn das ist der Eindruck, den die ganz überwiegende Mehrzahl der Menschen auf dieser Art Fotos macht, d.h. nachdem einen der Fotograf gerade zum Lachen gebracht hat. Das Bild wirkt nämlich ein wenig unpersönlich. Dazu trägt sehr die gleichmäßige frontale Beleuchtung bei, die nahezu jeden Schatten aus deinem Gesicht tilgt. Der Schatten ist es, der die Geschichten erzählt.

Das Bild sieht insgesamt danach aus, als sei es in einem Fotostudio entstanden. Dafür spricht die Reflexion des Beleuchtungskörpers in deinen Augen, der glaub ich eine sogenannte Softbox ist, wie man sie typisch in Portraitstudios findet. Dafür spricht vor allem aber der Umstand, daß du bäuchlings auf dem Fußboden liegst. Das ist eine Pose, die ebenfalls typisch in solchen Studios ist, vor allem für Kinder und junge Frauen, sie hat was Neckisches. Für dich geht sie noch, würde ich sagen, du wirkst dadurch sehr jungenhaft. Die Fotografen mögen sowas. Es entspannt den Portraitierten, das erleichtert die Arbeit, es geht schnell und vermittelt eine irgendwie private Atmosphäre – wo liegt man sonst auf dem Fußboden? – die allerdings immer im Widerspruch zum wie gesagt etwas unpersönlichen Charakter der Aufnahme steht. Also kein Bewerbungsfoto, aber prima zum Verschenken für die Verwandten, der Klassiker;-)

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Verschneiter Berg zwischen Palmen

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Hallo,
Könntet ihr mir noch diese beiden Bilder beschreiben? Die Beschreibungen
sind so klasse! (Verwandte beschreiben immer so oberflächlich…)
Die Bilder kommen auch aus Florida und ich möchte einfach wissen, was man
darauf erkennen kann (Achterbahnen, Personen und sonstige Atraktionen).

Viele liebe Grüße
Luisa

Das Modell eines schneebedeckten Berges in einem Freizeitpark

Beschreibung von Bernhard:

Hallo Luisa! Na, langsam bin ich auch schon ein „alter Bekannter“, in der Hoffnung, dass die Bildbeschreibung sich nicht der der Verwandten annähert *zwinker*. Am ganz linken Bildrand ragt (neben einem der nur noch peripher erfasst ist) ein relativ dünner Baumstamm auf gesamter Bildhöhe, der im oberen Bereich einiges Grün zeigt, aber nicht allzu dichtes langblättriges. Die untere Bildabteilung ist bis zur Höhe von 20 Prozent (ich hab’s nachgemessen und umgerechnet) mit Menschen gefüllt, könnten ca. 180 sein, die sich da tummeln, fast alle stehend oder gehend. In Sommerkleidung, viele be-hütet, vereinzelt Eis in der Waffel schleckend. Eher jüngere Leut, von denen die zum Betrachter schauen, da dürften die meisten zwischen 13 und 40 sein. Quasi oberhalb (also von der einteilbaren Bildbetrachtung her gesehen) der bunten Menschenschar ist ein Grüngürtel zu sehen, der dann in Breit-U-Form etwa ein weiteres Fünftel des Bildes von unten her einnimmt. Darin eingebettet ist ein grau-weißer Berg, er schließt so ab, dass er -die Spitze – auf ca. 90 Prozent Bildhöhe endet (bei etwa 40 Prozent beginnend). Von der Breite her nimmt der Berg im Maximum rund zwei Drittel der Bildabteilung ein und ist einigermaßen mittig platziert. Er ist mehr oder weniger als Dreieck zu sehen, mit mehreren Felsvorsprüngen. Im Vordergrund sind noch, unaufdringlich, mehrere „Seile“, quer über die Bildbreite gespannt, mit etlichen darauf angebrachten ausgeschalteten Glühbirnen zu sehen. Außerdem separat noch ähnliches mit kleinen bunten (je einfarbigen) Stoffstücken bzw. „Fahnen“ dran. Der Himmel zeigt sich hellblau und wolkenlos. Liebe Grüße!

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Blick aus dem Fenster V

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Hallo, wie versprochen schicke ich Euch den Blick aus meinem Fenster.

Lieben Gruß, Beate

Blick in einen Hinterhof

Bildbeschreibung von Aljoscha:

Es ist ein Blick aus der Nische, weil das Blickfeld rechts und links von jeweils einer fensterlosen Wand eingeschränkt ist. Doch wenn man geradeheraus schaut, sieht man einen engen Hinterhof mit einer Ecke vorne links. Direkt gegenüber verläuft eine Linie, die die Hauswand mit den Zimmerfenstern zweiteilt. Es sind wohl zwei Gebäude, die an dieser Linie zusammenkommen. Zwar liegen die Fenster auf derselben Ebene und die Dachhöhe der beiden Häuser ist ebenfalls gleich, doch die Grautöne beider Wände unterscheiden sich ein bisschen.

Außerdem hat das Haus rechts von der Trennlinie Dreiflügelfenster mit dem breiten Rahmen. Die Fenster des Hauses links von der Trennlinie sind schmaler und die Sprossen des Türrahmens sind dünner.

Von der Trennlinie gehen jeweils zwei Gesimsabschnitte rechts und links ab. Witzigerweise verlaufen sie aber unterschiedlich hoch: das Gesims links ist unter dem obersten Stockwerk mit den kleinen Fenstern angebracht und das Gesims rechts, vielleicht ist es sogar ein kleiner Vorsprung, verläuft zwei Stockwerke tiefer.

Wahrscheinlich ist es ein Haus mit Erdgeschoß und vier Etagen darüber. Ich kann nur schätzen, aber ich würde sagen, dass das Fenster, von dem aus – vermutlich an einem schönen sonnigen Vormittag – das Foto geschossen worden ist, im dritten Obergeschoss liegt und nach Nord-Osten und Osten hinausgeht. Die Sonne fällt nämlich von rechts schräg in den Hinterhof ein, so dass die Wand mit den beiden Gesimsen im Schatten liegt, aber in deren Fensterscheiben die Fenster von gegenüber sich sonnenbeleuchtet spiegeln.

Das Gebäude links hat ein zum Hinterhof her leicht gewölbtes Treppenhaus mit den Fenstern, die jeweils an der Wendung zwischen dem unteren und oberen Treppenlauf angebracht sind und deswegen halbversetzt zu den Wohnungsfenstern sind. (Daran erkennt man die Treppenhäuser von außen.)

Und ganz oben auf dem Gebäude links liegt wohl ein ausgebautes Dachgeschoss. Eine Betonbrüstung mit einem kleinen Gittergeländer soll die Menschen auf der Dachterrasse vorm Stürzen schützen. Entlang dieser Schutzbrüstung stehen Pflanzen. Und schräg gegenüber stehen da oben zwei immergrüne winterfeste kieferartige Kübelpflanzen. Und darüber nur der Vormittagshimmel ohne eine einzige Wolke.

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Silja Korn: Näherungen (4 von 4)

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Ewa hat sich nochmal ein Bild von Siljas Website gepickt, um es ihr zu beschreiben:

Abstraktes Gemälde von Silja Korn

Ewa Maria Slaska:

Vorwort. Wie malt Silja ihre Bilder?

Ich bin bei der Ausstellung von Siljas Bildern gewesen. Bin beeindruckt, aber auch eingeschüchtert. Ich meine, man ist dabei sehr schnell geneigt, nicht daran zu glauben, was man sieht. Zu perfekt sind die Bilder. Man versucht sich damit zu trösten, dass es alles Zufallsprodukte sind. Aber nein, die Künstlerin lässt solche Interpretation nicht zu. Sie malt zwei, drei, vier ähnliche Bilder, manchmal sind sie gleich groß, manchmal groß und klein, und trotzdem sind Motiv und Farbenkomposition ähnlich. Man steht total verblufft und fragt sich, wie? Wie ist es überhaupt möglich? Eigentlich soll man all diese Fragen ablegen und die Bilder nur als Produkt eines künstlerischen Geistes betrachten. Es vergessen, dass die Malerin blind ist. Aber man kann es nicht. Zu steif sind unsere Gedankenwege, zu versteinert. Wir sehen Bilder einer blinden Malerin und wir können nicht umhin. Es ist halt so. Sie ist vielleicht gar selber schuld daran. Sie fordert uns heraus, immer wieder scheint sie, sich heimlich an unserem Staunen zu belustigen. Sie trickst uns aus. Auf ihrer Internetseite treibt sie auch ein Spiel in die umgekehrte Richtung. Sie zeigt dieselben Bilder verschieden umgedreht und es sind plötzlich andere Bilder.

Sicher, es sind dabei Bilder, bei denen man noch versteht, wie sie entstanden sind. Man sieht aufgeklebte Gegenstände oder Papierstreifen, sieht dick aufgetragenen Farben, die sich vor dem Hintergrund abheben. Man kann sich vorstellen, wie die Hand der blinden Malerin darüber streift und streichelt, um zu betasten, was sie hergestellt hatte. Die unebene Struktur dient als Wegweiser, leitet von der einen bis zu der nächsten Arbeitsphase. Aber es sind auch glatte Bilder dabei, die gerade damit stolzen, dass die Farben dünn und glatt aufgetragen sind, in systematischer Ordnung. Kein ungewollter Flecken zerstört die perfekte Harmonie der hellgrünen Rechtecke in drei Grünnuancen, keine Linie der fractalen horizontalen Algen weicht von den vorgegebenen strengen Mustern ab.

Wenn man für Silja die Bilder beschreibt, hilft es manchmal zu wissen, dass sie doch 12 Jahre lang gesehen hat. Dass sie weißt, was man meint, wenn man „rosa Baum“ schreibt oder „blauer Mond“. Aber wie hat sie jetzt, blind, diese fractale Strukturen gemalt? Auch wenn sie sie mal, was ich nicht glaube, irgendwo gesehen hat, es könnte ihr in keiner Weise bei dem Malen dieses Bildes helfen.

Es sind Fragen über Fragen. Ich weiß gar nicht, ob wir die Antworten kennen müssen, die Künstlerin muss sie uns nicht geben, aber sie wiederum muss sich damit abfinden, dass sie in uns entstehen.

Beschreibung. „Näherungen“. Senkrecht. Die schwarzen Baumstümpfe oder krumme Vogelgestalten befinden sich im Bild unten. Die zwei abstrakten Figuren in der Mitte sehen wie zwei gelbe Menschen aus, der linke mit dem Kopf eines Hahnes. Der rechte mit einem grünen Bein, der auf den schwarzen vogelartigen Baustämmen gelehnt, nach unten recht ragt. Zwischen dem Körper dieser Figur und deren Bein erscheint ein orangener Ziegenkopf mit ausgestreckter Zunge.

Die Zwei kämpfen. Sie stehen sich nah, ja, dies erklärt den Titel, aber es ist eine tödliche, würgende Nähe. Die Beine der kämpfenden Hahnen-Menschen sind stark in den Boden gestampft, ihre Köpfe kommen gegen große Anstrengung es nicht zu zulassen, aneinander. Darüber drei gelbe Fahnen, wie bei einem Rittertournier. Es kann aber sein, dass es fabelhafte fliegende Wesen sind, halb Vögel, halb Drachen, die sich nach unten stürzen in Erwartung einer baldigen blutigen Beute.

Die Farben des Bildes sind fröhlich, hell und grell, wie in einem Sonnen belichteten Sommer-Wundergarten, aber dies, was sie darstellen ist dunkel und bedrohlich.
Weiß Silja es, dass es einem Bange ist bei solcher Art der Näherung?

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Raffael: Madonna di Foligno

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So, liebe Bildbeschreiber,

schalten wir doch nochmal einen Gang hoch:-)

Anja schreibt: Hallo,

ich würde sehr gern die momentan in Dresden ausgestellten Gemälde der Sonderausstellung „Himmlischer Glanz“ beschreiben lassen. Es handelt sich um 2 Bilder von Raffael (Sixt. Madonna u. Madonna di Foligno) und um die Stuppacher Madonna von Grünewald. Fällt das in den Bereich eures Blogs?

Raffael: Madonna di Foligno

Das Bild stammt aus der englischen Wikipedia. Ebenso wie diese behelfsmäßige Beschreibung:

„The painting is a sacra conversazione, where holy figures seem to be in conversation and draw the audience into their discussion. Rather than sitting under a canopy, of the Umbrian or Florentine style, the Virgin is seated on clouds, embracing Jesus, while surrounded by angels. They look down upon Sigismonde de‘ Conti, kneeling in a red, fur lined cape. Conti is presented by St. Jerome on the right with his lion, appealing for the Virgin’s protection. On the left are the kneeling St. Francis of Assisi and St. John the Baptist, who is standing and wearing a tunic of skins. As St. John points to Jesus, he clearly looks out to us, pulling us in, while St. Francis points to us and looks at the Christ Child. Between the men is an angel, linking the saints of earth to the seraph host of heaven. Behind them are the towers of Foligno.“

Bildbeschreibung von Aljoscha:

Ich versuche hier das Bild „Madonna di Foligno“ zu beschreiben und dabei die kunsthistorischen Aspekte erstmal außer Acht zu lassen. Ich versuche nur das wiederzugeben, was ich sehe.

Eine Frau im prächtigen Gewand sitzt auf einem Wolkenthron. In ihrem linken Arm hält sie ein kleines, etwa drei Jahre altes Kind fest. Das Kind windet sich aus dieser Umklammerung heraus, es hat schon der Mutter den Rücken gekehrt und das linke Bein steht schon sicher auf einer Wolkenstufe des Throns, doch sein Kopf ist noch an die Schulter der Frau gelehnt und das rechte Beinchen stützt sich auf das Schoß der Mutter. Die Mutter hält das sich befreiende Kind mit zwei Fingern der rechten Hand an einem Leitband fest, das um das Kind gebunden ist, und schaut zärtlich auf seinen Nacken herab. Doch das Kind sieht ganz entschlossen nach unten.

Genau unter dem Wolkenthron mit Frau und Kind steht ein anderes Kind, ein etwas älteres. Es ist ganz nackt und im Gegensatz zum Kind oben hat es zwei kleine Flügelchen, die hinter seinen Schultern zu sehen sind. Dieses Kind hält in den beiden Händen eine längliche leere Tafel und schaut zu Mutter und Kind in den Himmel hoch.

Ebenso hier unten auf der Erde stehen rechts und links jeweils zwei Männer. Die beiden rechts schauen zum Wolkenthron empor. Der Mann im Vordergrund kniet, seine Hände sind wie beim Gebet gefaltet. Er scheint blind zu sein, oder er hält die Augen geschlossen, oder er kann die auf den Wolken Thronende nicht real sehen: Er schaut nämlich nicht genau zur Mutter mit dem Kind hoch, und nur die linke Hand des stehenden Mannes hinter ihm hält ihn zart am Nacken und gibt ihm die richtige Richtung an, wo der Kniende hinschauen soll. Dieser stehende zweite Mann ist kahlköpfig und hat einen buschigen grauen Bart. Er sieht die thronende Frau an und weist mit seiner rechten Hand auf die Gegend im Hintergrund hin: eine große Wiese mit einem Dorf und einem Kirchenturm. Rechts von den beiden Männern sieht man einen kleinen gehorsamen Löwen.

Links stehen auch zwei Männer, aber zwei ganz andere: nicht in prächtigen Gewändern, sondern in der Mönchskutte der eine und im Fell der andere. Auch hier kniet der Mann im Vordergrund, und der zweite hinter ihm steht. Der kniende Mann in der Mönchskutte wendet sich direkt an die beiden auf dem Himmelthron und zeigt mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand nach unten, auf die Erde oder sogar noch tiefer.

Der Mann im Fellgewand hinter ihm steht in einer genau umgekehrten Position: Er zeigt mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf die Frau und das Kind im Himmel, wendet sich aber mit dem strengen Gesichtsausdruck direkt an uns, die vor dem Bild stehenden Betrachter. Und jeder der beiden Männer hält ein Kreuz in seiner linken Hand.

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Raffael: Sixtinische Madonna

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Anja schreibt: ich würde sehr gern die momentan in Dresden ausgestellten Gemälde der Sonderausstellung „Himmlischer Glanz“ beschreiben lassen. Es handelt sich um 2 Bilder von Raffael (Sixt. Madonna u. Madonna di Foligno) und um die Stuppacher Madonna von Grünewald.

Hier wieder eine kurze Beschreibung aus der deutschen Wikipedia, auf der man vielleicht aufbauen kann:

„Das Altarbild stellt eine Sacra Conversazione dar: Die klassisch in Rot und Blau gewandete Madonna mit dem Jesuskind wird von Papst Sixtus II., der die Porträtzüge von Julius II. trägt und der Heiligen Barbara flankiert. (Die Gebeine dieser beiden Heiligen wurden in der Kirche San Sisto als Reliquien aufbewahrt.) Die drei Figuren sind im Dreieck angeordnet; zurückgeschlagene Vorhänge in den oberen Bildecken betonen die geometrische Komposition. Der Heilige, zu dessen Füßen die Tiara (Papstkrone) als Würdezeichen abgestellt ist, weist aus dem Bild hinaus, und die Madonna und das Kind blicken ernst in die gewiesene Richtung, während die Frau zur Rechten den Blick demütig niederschlägt. An seinem ursprünglichen Platz war das Bild an der Rückwand des Altars gegenüber einem großen Kruzifix angebracht; das Spiel der Figuren steht also im Bezug zum Kreuzestod Christi.

Der Blick des Betrachters wird von Links herein auf die linke Figur geführt. Danach wird durch die Bildkomposition der Blick im Bild gehalten. Die linke Figur blickt auf die Madonna mit Kind, der Blick des Betrachters wird im Weiteren auf die rechte Figur geleitet. Deren Blickrichtung weist auf die Engel am unteren Bildrand, die durch ihre Kopfhaltung wiederum zu Barbara führen. Von der anderen Seite wird der Blick des Betrachters mit dem Arm von Sixtus auf die Engel, von diesen zu Barbara und dann wiederum auf die Madonna gelenkt. Zusätzlich wird das Kind in der Hand durch den Gegenschwung des Schleiers aufgefangen. Dieser Kreis fängt den Blick des Betrachters immer wieder auf und lenkt ihn auf die Madonna.

Eine maltechnische Meisterleistung dieses Werkes birgt der Hintergrund – aus größerer Entfernung glaubt man, Wolken zu sehen, bei näherer Betrachtung sind es jedoch zahllose Engelsköpfe.“

Raffael: Sixtinische Madonna

Bildbeschreibung von Aljoscha:

Die oben angeführte Beschreibung trifft die Gesamtkomposition des Bildes und seine einzelnen Figuren schon sehr genau, denke ich. Doch da gibt es noch etwas, was über den objektiven Bericht hinausgeht. Ich hoffe, es ist okay, ihm noch einen persönlichen Eindruck anzufügen.

 

Das alles Überragende an diesem Bild ist der Gesichtsausdruck der Madonna. Viele kluge Menschen von Dostojewskij bis Martin Walser haben versucht, das Geheimnis dieses Blicks zu enträtseln und wiederzugeben. Und tatsächlich ist es nicht in einem Wort zu fassen.

Es ist auf jeden Fall das Gesicht einer sehr jungen Frau. Sie hat einen entspannten Gesichtsausdruck, man könnte glauben, sie würde sonst im Leben immer lächeln. Doch jetzt ist eine Unruhe zu spüren. Keine einzige Falte auf der glatten Stirn, und trotzdem hat man das Gefühl, dass die Stelle zwischen den beiden Augenbrauen sogleich nach oben gehen würde, wie bei den Menschen, die unerwartet den körperlichen Schmerz erleben oder plötzlich etwas sehr Unangenehmes erfahren oder zu sehen bekommen.

Einen solchen Gesichtsausdruck bekommt man nicht als Reaktion auf den Schmerz sondern als eine Vorahnung. Ein Polizeipsychologe würde vielleicht vom Zögern sprechen.

Doch die gesamte Körperbewegung ist vorschreitend, nach vorn gerichtet. Die Falten ihres Gewands und des Umhangs deuten darauf hin, dass die Madonna sich auf den Betrachter zu bewegt. Und dieser Widerspruch zwischen dem entschlossenen Gang und dem zaudernden Blick macht für mich dieses Bild und diese Frau lebendig.

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