Eine blinde Kunstfotografin erzählt: Teil 2 Fotografieren mit dem Smartphone

In meinem ersten Post habe ich ja nun schon das eine oder andere über mich erzählt.
Ab jetzt soll es aber vornehmlich um die verschiedenen Kameratypen gehen, die wir so nutzen können, wo Vorteile, und wo die Nachteile liegen.

Hier also zuerst das, mit dem die meisten, und auch ich, anfangen und angefangen haben, das Handy, oder auch Tablet, das Prinzip ist das gleiche.

Vorteile:

Immer dabei

So gesehen ist das Handy unter bestimmten Voraussetzungen eine gelungene Einstiegsalternative. Diese Geräte sind heute inzwischen so gut, dass sich die Bildqualität locker mit der von kleinen und kompakten Kameras messen kann. In der Regel haben wir unsere Handys immer dabei und griffbereit für einen Schnappschuss. Sie übernehmen für uns das Denken, und erwarten keinerlei Fachwissen von uns. zumindest nicht bei den Motiven, die man als Einsteiger in der Regel fotografiert. Menschen, Tiere, Landschaften, vielleicht auch mal kleinere Objekte aus kurzer Entfernung. Wir können uns also voll aufs reine Fotografieren konzentrieren. Auf das Einschätzen unserer Umgebung, der Lichtverhältnisse und darauf, unser Motiv in den Fokus zu bekommen.

Einfache Bedienung

Ein weiterer Vorteil ist, dass die meisten Handykameras sich sehr gut auf ihre Umgebung einstellen können, sodass man als Nutzer nichts mehr machen muss. Aber Vorsicht, das gilt so nur für Tageslichtaufnahmen. Und einer der wichtigsten Vorteile, gerade für uns blinde und sehbehinderte Fotografen, wer ein Android oder IOS Handy hat, hat sogar eine Kamera mit Sprachausgabe und kann, sollte er doch was verstellen wollen genau prüfen, was er da wie eingestellt hat.

eine Dahlie von schräg unten fotografiert

Nachteile

Nachtaufnahmen

Die meisten Handykameras schwächeln ein wenig bei Dämmerung und im Dunkeln. So eine Nachtaufnahme hat definitiv etwas für sich, aber hier kommt die Crux mit den Automatiken.Man kann dem Handy überlassen, wann es den Blitz zuschaltet, was für jemanden, der gar keinen Restvisus mehr hat vermutlich am besten wäre, da wir die Lichtverhältnisse nicht abschätzen können. Oftmals neigt so ein Handy dann aber dazu, das Motiv überzubelichten. Das heißt, dass Farben zu hell werden, Linien zu scharf, bei einem Portrait kann die Haut fast weiß wirken,  und das Foto kann im Allgemeinen sehr flach werden.
Nicht viele Handys schaffen es, in der Dämmerung oder Nacht ein naturgetreues Foto zu schießen, was aber auch daran liegt, dass der eingebaute Blitz meist sehr hell ist. Beliebt sind solche Fotos gerade, weil das Hauptmotiv, im Idealfall, taghell abgelichtet ist, der Hintergrund ist aber nächtlich.

ein überbelichtetes, gelb wirkendes Gesicht

Bildstabilisierung

Viele Handys haben so einen Bildstabilisierer, der eigentlich gegen ein verwackeltes Bild helfen soll. Verwackelte Fotos sind verschwommen, flach, Farben sind meist schwer zuzuordnen, umrisse werden schwammig oder verschwinden. Die Stabilisierung von Handykameras reicht meistens nicht aus, um Wackler beim Fotografieren ausreichend auszugleichen. Natürlich hilft hier die ruhige Hand immer noch am Besten, also nicht ärgern, wenn der Schnappschuss verwackelt ist, und bei ruhigen Motiven einfach Zeit lassen, dann geht das auch so.

Zoom

Es gibt zwei Arten von Zoom; den optischen und den digitalen. Zum optischen in einem anderen Post mehr, aber die Handys verfügen nur über einen digitalen Zoom. Das heißt, dass ich mir mein Motiv nicht wirklich näher heranhole, das Handy nimmt nur einen Bildausschnitt, und vergrößert diesen. Meistens geht das nicht ohne Verlust der Bildqualität einher.

Ein verwackelter und unscharfer Skorpion.

Aber bei all diesem Pro und Kontra muss ich noch mal sagen, das Handy ist das perfekte Einstiegswerkzeug.

Allgemeine Tipps

Mal ein paar kleine Tipps, die einigen von euch sicher klar sind, aber manchmal auch so banal, dass man dann doch nicht dran denkt.

1. Linse sauber halten.

Und es stimmt, man denkt manchmal nicht dran. Wir telefonieren mit dem Handy, und legen schnell mal den Finger aufs Objektiv. Wir stecken das gute Stück in die Tasche, Finger auf dem Objektiv. Das geht halt doch sehr schnell. Und je nach dem kann bereits ein Fingerabdruck das Bild neblig oder trübe machen. Wenn man sein Handy zum Knipsen nutzt, sollte man immer ein Brillenputztuch dabei haben, das auch für optische Geräte geeignet ist. Egal ob Mikrofaser oder Einmal-Putztuch. Bitte nicht einfach mit irgendetwas drüberwischen, was dafür nicht geeignet ist, sonst bekommt die Linse schnell sog. Polierkratzer, und leidet auf Dauer darunter.

2. Nicht zoomen.

Wollt ihr ein Motiv näher haben, geht ran, wenn ihr könnt. Dann ist das Bild auch sauber. Zoomen lässt es schnell körnig wirken, wie oben schon beschrieben.

3. Knopf drücken

Wenn eure Handykamera einen physischen Auslöser, also einen Knopf am Gehäuse hat, nutzt den. Sobald man das Handy ausrichtet und einen Knopf auf dem Bildschirm erwischen muss, verwackelt das Bild schnell mal, weil man das Gerät dann mit einer Hand ausrichten und stillhalten muss. IPhone-Kameras lassen sich z.B. mit den Lautstärketasten auslösen.

4. Auf Lichtverhältnisse achten

Handys mögen Gegenlichtaufnahmen meistens nicht. Wollt ihr also tagsüber fotografieren, geht in den Schatten, oder fotografiert mit der Sonne im Rücken oder von schräg hinten, manchmal klappt es auch recht gut, wenn die Sonne von der Seite kommt. Die Mittagssonne ist da oft ein Problem, weil ihr Licht etwas hart und ziemlich hell ist, sie verdirbt uns damit bei Portraits zum Beispiel feine Gesichtslinien und andere kleine Details.
Früh am Tag, oder wenn es langsam auf den Sonnenuntergang zugeht, lassen sich bessere Aufnahmen machen. Das Licht wird dann etwas schwächer und wärmer, Konturen werden wieder deutlicher und feiner.

5. Aufpassen!

Und das gilt für jeden Kamera-Typ. Achtet immer drauf, nicht direkt in die Sonne zu fotografieren. Ihr kennt bestimmt dieses früher gern gemachte Experiment von Jungs, mit dem Ameisenhügel und der Lupe. Mit Sonne und zu Hilfenahme dieser bekommt man den Hügel leicht in Brand Gesteckt. Objektive bestehen oft aus mehreren Linsengruppen, und Linsen und Bildsensor von Handys nehmen dabei unter Umständen schweren Schaden, weil diese Linsen das Licht der Sonne extrem bündeln und verstärken.

6. Position der Linse

Und hier noch eins, was für uns als Blinde wichtig ist, zumindest hat es mir in den Anfangszeiten Probleme bereitet. Immer dran denken, dass sich die Linse der Kamera oft oben in einer Ecke oder am Rand versteckt, nicht in der Mitte. Man muss also wirklich mit der Linse zielen, nicht das Handy mittig draufhalten, sonst rutscht einem das Wunschmotiv schnell mal in eine Bildecke, wo man es gar nicht haben möchte.

Das sind nur einige Tipps, damit es nicht zu lang wird. Aber ausgeschöpft ist das Thema natürlich noch nicht.

Im Play- oder APP – Store gibt es natürlich auch noch diverse APPs zum Fotografieren und mit den vielfältigsten Effekten, aber das sprengt den Rahmen, und letztlich sollte jeder, wenn er denn möchte, dieses riesige Angebot selbst durchforsten und ausprobieren.

Wenn ihr zu Handykameras beziehungsweise Tablets noch Fragen habt, könnt ihr mir gern eine Nachricht über Facebook schicken, oder mich direkt per Mail anschreiben unter:
fotokunst@blind-click.de

Eure Nadine

Alle Bilder wurden von Nadine mit dem Handy gemacht. Skorpion und Gesicht dienen der Veranschaulichung unerwünschter Effekte.

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Träumend in der S-Bahn von Tina

Eine junge Frau schaut aus dem Fenster einer S-Bahn in dem sich ihr Gesicht spiegelt.

Portrait von Marit in der S-Bahn beschrieben von Flo

Die Fotografie zeigt ein Portrait von Marit, welche in der S-Bahn sitzt und mit verträumtem sowie leicht nachdenklichem Blick aus dem Fenster schaut. Der Oberkörper ist gerade zum Betrachter gerichtet und der Kopf nach links gedreht, wodurch ein seitliches Profil entsteht.

Sie nimmt ungefähr ein Drittel des Bildes ein und befindet sich auf der rechten Seite. Der rechte Bildrand schneidet ihre linke Schulter ab, die andere Schulter befindet sich ungefähr in der Mitte der Fotografie. Marit ist mit dem Körper zur Fotografin gerichtet, ihr Kopf ist seitlich nach Links gedreht wodurch ihr Seitenprofil deutlich sichtbar wird. Der untere Bildrand reicht bis knapp über Brusthöhe und vom schwarzen T-Shirt ist nur ein ungefähr 2 Zentimeter dicker, schwarzer Träger und schwarzer BH Träger ersichtlich.

Marit ist eine schlanke und junge Frau von ungefähr 25 Jahren. Ihre Haut an Oberarm, Schulter und Dekolletee wirkt auf der Fotografie sehr weich und eher hell. Der Hals und hintere Teil der Wange sind vom Schatten etwas abgedunkelt. Ihre Lippen, Wangen und Ohren sind leicht gerötet. Die dunkelbraunen Haare trägt Marit seitlich kurz und die längeren Haare sind über die Stirn von links nach rechts gekämmt.

Die linke Seite des Bildes zeigt einerseits das Fenster der S-Bahn, in welchem das Spiegelbild von Marit erkennbar ist. In der Spiegelung ist das vollständige Gesicht von Marit zu sehen. Andererseits ist auf der linken Seite des Bildes der Ausblick von der S-Bahn heraus erkennbar. Da die S-Bahn gerade in Fahrt zu sein scheint, ist dieser Teil des Bildes leicht verschwommen. Deutlich erkennbar sind jedoch Büsche, welche hellgrüne bis dunkelgrüne, volle Blätter tragen. Einige dieser Blätter wirken zudem heller, da sie von der von oben scheinenden Sonne beleuchtet und herausgehoben werden. Weiter ist hinter diesen Büschen ein Ziegeldach zu sehen, welches ebenfalls von der Sonne sehr hell leuchtet wird.

Beim genaueren und längeren Betrachten des Bildes ist noch eine weitere Person erkennbar. Sehr unauffällig und ganz klein im Hintergrund in der Mitte ganz am rechten Rand außen ist ein weiteres Gesicht erkennbar. Es zeigt eine weitere, weibliche Person welche in der S-Bahn sitzt. Von der ungefähr 50 Jährigen Frau mit kurzen Haaren ist nur sehr unscharf das Gesicht zu erkennen. Das Licht beleuchtet nur eine Seite ihres Gesichtes, die andere Hälfte ist durch den Schatten nicht zu sehen.

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Eile mit Weile… von Tina

Bildbeschreibung eines Portraits in einer Bahnhofskulisse von Anja

Junge Frau auf Bahnhofstreppe sitzend mit laufenden Menschen im Hintergrund.

Das Foto ist im Hochformat angelegt. Es zeigt ein Ganzkörperportrait einer jungen Frau (schätzungsweise Anfang 20), die den Blick nach unten gerichtet, auf einer Treppe sitzt. Es handelt sich augenscheinlich um eine sehr lange und steile Bahnhofstreppe mit 3 sichtbaren Absätzen, die rechts und links im Bild jeweils durch eine pastellgelbe, (und für viele Bahnhöfe typische) geflieste Wand begrenzt wird. An diesen Wänden sind dunkle Handläufe erkennbar, die sich von der Form her den Treppenabsätzen anpassen. Die einzelnen dunkelgrauen und schmutzig wirkenden Treppenstufen sind klar und deutlich zu erkennen. Als Stolperschutz am jeweils oberen Ende haben sie alle eine, mittlerweile sehr verblasste, weiße Kante.

Am oberen Ende der Treppe sieht der Betrachter ein Stück des Daches sowie eine Vielzahl der typischen blauen Beschilderungen und Anzeigentafeln mit weißer Schrift. Auf der vordersten ist sogar mit ein bisschen Fantasie noch die Aufschrift des Richtungsanzeigers der Ringbahn erkennbar.

Das Bildmotiv wurde fast zentriert aufgenommen, weist jedoch einen ganz leichten „Rechtsdrall“, also kleiner Schwenk zur rechten Seite auf. Der/die Fotograf_in befindet sich unmittelbar am Fuß der Treppe und richtet die Kamera nach oben hin zum Ende der Treppe aus. Das Ende ist erkennbar, macht jedoch durch die Perspektive einen weit entfernten Eindruck. Anscheinend handelt es sich bei dem Tag der Aufnahme um einen sonnigen Tag, denn oben auf dem Bahnsteig sind sehr helle Lichtverhältnisse auszumachen. Dieses Licht sorgt in dem Bild im oberen Drittel für harte Schattenspiele und Hell-Dunkel-Kontraste, die plötzlich und abrupt enden. Im unteren Teil des Fotos gibt es kaum noch Schattenspiele, da durch die künstliche und einheitliche Bahnhofsbeleuchtung alle Seiten ausgeleuchtet werden. Dies sorgt für gute, gleichmäßige Lichtverhältnisse, macht das Bild in meinen Augen jedoch auch ein wenig eintönig.

Im Fokus steht, wie oben bereits erwähnt, eine junge Frau mit glatten, mittellangen, dunkelblonden Haaren, die sie offen trägt. Auf ihrer linken Seite fallen die Haare nach vorne über die Schulter und auf der rechten Seite sind sie locker nach hinten gelegt. Sie sitzt, aus vertikaler Sicht, ziemlich genau in der Mitte am unteren Ende auf der Treppe, die Arme locker auf ihre Knie gelegt und lächelt direkt in die Kamera. Sie trägt ein dunkelgraues Shirt mit roter Aufschrift, kurze Shorts, von denen auf dem Bild jedoch nichts zu sehen ist, da die unbekleideten Beine im Vordergrund sind. Außerdem fallen dem Betrachter sehr schnell ihre dunkelroten Sneakers mit der weißen Sohle, der schwarze Riemen ihrer Tasche, der quer von der linken Schulter zu ihrer rechten Hüfte geht und eine vielzahl von schwarzen, feinen Armbändern am rechten Handgelenk, ins Auge.

Neben der porträtierten Person befinden sich noch weitere 6 Menschen auf diesem Bild. Hierbei handelt es sich um mindestens eine Frau und drei Männer, zwei Personen sind nicht eindeutig erkennbar, da sie entweder verdeckt sind oder bereits zu weit oben und sich somit im etwas überbelichteten Teil des Fotos befinden. Alle fünf befinden sich auf dem Weg nach oben zum Bahnsteig und sind demnach von hinten abgelichtet worden. Deutlich erkennbar ist in der linken Bildhälfte eine junge Frau im schwarzen Top und hellblauen Jeanspants, etwas weiter vor ihr befindet sich ein Mann mittleren Alters in einem roten Hemd mit beigefarbenen kurzen Hosen und einem etwa gleichfarbigen Rucksack. Im rechten Teil des Bildes sieht man neben den beiden Personen, die nicht mehr richtig identifiziert werden könnnen, ebenfalls einen Herren mittleren Alters. Er trägt ein helles, großflächig kariertes Hemd in Kombination mit einer Jeanshose mit auffälliger Waschung und hält in seiner rechten Hand eine 0,5l Wasserflasche. Nahezu auf gleicher Höhe befindet sich ein weiterer Mann, das Alter ist schwer zu schätzen – denke jedoch er ist etwas jünger. Er trägt ein Jeanshemd mit einer hellen langen Hose und hat über der Schulter ein Tasche quer gehängt.

Obwohl das Bild aufgrund der Lichtverhältnisse und der Bahnhofumgebung auf den ersten Blick etwas Schmuddeliges (die Treppen) und klinisches (geflieste Wände) an sich hat, würde ich die Stimmung des Bildes jedoch als sehr entspannt beschreiben. Alle abgelichteten Personen machen auf mich einen recht lockeren und ausgeglichenen Eindruck. Die Leute, die in Bewegung nach oben sind, gehen gemächlich und sind nicht in Eile und die Hauptperson sitzt ganz entspannt auf der Treppe und lächelt freundlich in die Kamera.

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Reise in die Kindheit, von Susanne

Eine lächelnde Frau vor Bäumen, vor ihr steigen Seifenblasen auf

Bildbeschreibung von Katja:

Schließe deine Augen und denke an längst Vergangenes. Vielleicht liegt deine Kinderzeit erst ein paar Jahre zurück oder bereits schon viele Jahrzehnte, möglicherweise ein halbes Jahrhundert und mehr. Sei es drum, besondere Erlebnisse und schöne Momente verblassen in der eigenen Erinnerung nie… .
Susanne, unsere Fotografin, verfolgt die Idee, Zehra, eine junge Frau, auf eine Reise in ihre Kindheit zu schicken. Dazu fallen uns verschiedenste Aktivitäten ein. Als besonders inspirierend und geeignet für das erste Foto, empfindet Susanne das „Spiel mit den Seifenblasen“ einzufangen.
Wir suchen uns einen grünen Platz in der Maisonne. Das Grün ist eine Hecke, bestehend aus mehreren dicht gewachsenen Bäumen und Sträuchern. Hinter dem Grünstreifen verbirgt sich ein mehrstöckiges Gebäude, welches für das angestrebte Foto idealerweise nur teilweise sichtbar bzw. erahnbar ist. Der grau- blaue Himmel ist nicht ganz zusehen. Am Rand sind Bürgersteig, Straße und parkende Autos wahrzunehmen. Zu erwähnen ist auch ein Passant, der anmuten lässt, bewusst aus dem Bild gehen zu wollen – letztlich nur mit halben Körper am Gesamtgeschehen des Porträts teilnimmt.
Wir testen verschiedene Perspektiven und wir entscheiden uns für eine schräge Aufnahme. Zehra, die blau gekleidet ist, positioniert sich vor dem nach Frühling anmutenden Hintergrund und wird von der Kamera in der unteren Hälfte des Bildes eingefangen. Um ihre Emotionen festzuhalten, konzentrieren wir uns auf Zehra`s Gesicht. Nach einigen spielerischen Versuchen mit den Seifenblasen, stand die Entscheidung fest, sie von außen in das Bild fliegen zu lassen. Der Tanz der Seifenblasen beginnt. Zehra`s streng nach hinten gebundenen dunklen Haare verschaffen ihrem Gesicht und ihrer Mimik Raum für ihre wahrhaftig empfundene Freude. Freude über die zahlreichen Seifenblasen, die über ihren Kopf hinaufsteigen, eine Seifenblase streift ihre Stirn, eine weitere befindet sich im Anflug von unten links durch das Gesamtgeschehen gleiten zu wollen. Aufgrund der Helligkeit des Tages, bietet sich der jungen Frau, in jeder einzelnen Seifenblase, ein prächtiges Farbenspiel. Um ihnen bei ihrem Streifzug durch die Lüfte folgen zu können, hebt Zehra leicht ihren Kopf. Sie blinzelt mit den Augen und lacht scheinbar unbefangen, so dass ihre Zähne sichtbar werden. Sie ist losgelöst von allem um sich herum, Nebensächliches tritt in den Hintergrund…alles was jetzt wichtig ist, obliegt dem Wiederbeleben positiv-emotionaler Erinnerungen aus Kindertagen.

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Tanzstunde

Hallo!
Hier kommt ein Foto aus meiner Tanzstunde. Es ist nicht direkt aus dem
Unterricht, weil ich mich natürlich nicht im Spiegel sehen kann. Aber
da das Selfie aus dem Schloss Charlottenburg so gut rüberkam, hab ich
gedacht, das ist vielleicht auch eine gute Idee für dieses Bild. Die
Geste, die ich mache, gehört zu einem Tanz, bei dem es darum geht,
etwas Imaginäres aus der Luft zu greifen und damit die Bewegungen
weiter zu gestalten. Im Hintergrund sieht man meine Tanzlehrerin Frau
Bender, die schon länger inkulsiven Tanzunterricht anbietet. Im Moment
ist sie gerade auf der Suche anch weiteren blinden Schülerinnen. Ich
tanze seit April bei ihr und kann sie sehr empfehlen. Sie hat sich
toll auf meine Blindheit und Schwerhörigkeit eingestellt und die
Stunden bei ihr sind wirklich etwas ganz Besonderes. Ihr Stil nennt
sich Tanztheater. Es geht darum, Bewegungen aus dem Alltag
künstlerisch in den Tanz einzubauen. Sie gibt ganz klare, kleine
Anweisungen, aber ansonsten ist man völlig frei in der Umsetzung, was
mir sehr gefällt. Wenn jemand Lust aufs Tanzen hat, einfach bei mir melden; ich geb gern
die Kontaktdaten weiter.

Eine Frau, die eine Tanzbewegung macht, vor einem Spiegel, in dem man auch die Fotografin dieses Bildes spiegelt.

Ein Gedicht von Katrin zu diesem Bild:

Ich tanze

Ich tanze mit den Füßen im Regenbogen

In den Wolken versinke ich fast.

Meine ausgestreckten Arme sind starke Pflanzen.

Meine Finger Sonnenstrahlen.

Meine Haare die Strahlen des Mondes.

Mein Atem der Wind und meine Augen die Sterne.

Ich tanze zu einer unhörbaren Melodie.

Zu einem Lied, das aus meinem tiefsten Innern kommt aus dem Urgrund der Erde, aus dem uralten, unendlich begrenzten All.

Ich tauche hinab durch die Luftschichten und versinke im Wasser der Meere.

Ich bin der Nebel der Wälder, der Raureif des Herbstes und der Schnee der kalten Tage.

Ich bin der Dampf, der zu den Wolken aufsteigt und als Regen wieder auf die Erde fällt.

Ich bin das Lebenselixier, der Stoff, aus dem alles gemacht ist.

Ohne mich könnte niemand leben.

Doch ich bin auch voller Widersprüche.

Voller Harmonie und Zwiespalt.

Voll Vielfalt der Seinszustände.

Ich bin gefroren, kalt oder warm,

bin Dampf in der Luft oder flüssig auf der Erde.

Durch alle Wasser laufe ich, auf allen Ländern bin ich zu Hause.

Ich flieg mit dem Wind, tanze mit den Wellen und wandle mit den Gezeiten.

Ich ströme durch Menschen und Tiere, durch Pflanzen und Steine und forme sie mit meinem immer gleichen, ewig wechselnden Wesen.

Nennt man mich Wasser, irrt man sich sehr.

Ich bin mehr als das und doch viel weniger.

Ich bin unsichtbar, kenne viele Formen.

Ich bin gefunden und verloren.

Ich lache und weine zugleich.

Ich bin die Mitte des Regenbogens,

im Zentrum zwischen zwei widersprüchlichen Polen.

Sie ziehen mich in beide Richtungen zugleich.

Magnetisch bin ich nicht, doch unendlich sinnlich.

Ich genieße jede Berührung,

jede Begegnung nehme ich als unschätzbares Geschenk dankbar an.

Ich tanze mit dem Wind und den Wellen,

streichle die Wesen der Welt mit meinem Federstab und gleiche aus, wo Ungleichgewicht herrscht.

Ich bin Mond und Sonne zugleich und alle Sterne, Tag und Nacht, zeitlos und im Augenblick schwebend.

Ich bin ein Wunder.

Und doch etwas so gewöhnliches, dass mich die meisten Wesen kaum bemerken, weil ich so selbstverständlich in ihnen verweile, dass ich schon zum Alltag gehöre.

Still setze ich meinen Weg fort,

lächle versonnen

und freue mich

über alles, was ich erlebe.

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Der stille Beobachter/ 1. Fototreffen mit Rose

Porträt einer braunhaarigen Frau mit Sonnenbrille

Erstens die Bildbeschreibung von Kerstin:

Das Foto wurde am 09.05.2015 an einem sonnigen Samstagnachmittag aufgenommen und ist ein „typisches“ Selfie im Hochformat. Die Fotografin ist Rose, welche auch den Bildmittelpunkt bildet. Ungefähr die obere Hälfte des Hintergrunds ist weiß, da der Himmel zu diesem Zeitpunkt von einer zarten Wolkendecke bedeckt war. Der Rest des Hintergrunds zeigt eine frische grüne Wiese.

Am Horizont entlang werden Himmel und Wiese von einer Reihe ockerfarbener Gebäude getrennt. Das Gebäude links im Bild wird größtenteils von einigen grünen Sträuchern verdeckt und auf dem Gebäude rechts im Bild sind bunte Graffiti oder große Werbeplakate mit Menschen zu erkennen.

Unterbrochen wird die Häuserreihe etwa mittig von Roses Kopf, welcher im Vordergrund des Bildes ist. Sie ist vom Kopf bis kurz über Brusthöhe abgebildet. Man sieht ihre Arme nicht, sondern nur ihre Schultern. Sie trägt ein weißes Shirt mit einem runden Ausschnitt und eine dünne Silberkette mit einem Anhänger, der wie ein Röhrchen aufgefädelt ist. Rose hat lange braune Haare, die offen sind aber alle auf ihrem Rücken entlang fallen. Man sieht die Haare also nur bis zu den Schultern. Ihr hängen auch keine Haare ins Gesicht, da sie im Foto auf der linken Seite einige Strähnen nach hinten gesteckt oder geflochten hat. Ihr Gesicht ist oval und sie grinst. Ihr Mund ist dabei leicht geöffnet und man kann ihre Zähne etwas sehen. Nicht zu sehen sind Roses Augen, da sie eine große rechteckige, schwarze Sonnenbrille trägt. Ihr Gesicht liegt eher im Schatten, jedoch sind ihre beiden Schultern und die oberen Haare am Scheitel hell von der Sonne erleuchtet.

Schaut man dann was sich rechts im Bild hinter Rose abspielt, sieht man einen weiteren Studierenden des Seminars. Er steht einige Meter hinter Rose und ist ungefähr von Bauchnabelhöhe bis zum Kopf abgebildet. Er trägt eine dunkle Jacke und hat braunes Haar. Man sieht von seinem Gesicht nur das linke zusammengekniffene Auge und ein Stück von seiner Stirn. Der Rest des Gesichts ist verdeckt von einer Videokamera die er mit beiden Händen fest umfasst. Er geriet wohl eher zufällig auf unser Selfie, während er den Seminartag dokumentierte und ist so unser „stiller Beobachter“. 🙂

Und jetzt haben wir zum ersten Mal den Fall, daß zwei Bildbeschreiberinnen das selbe Bild beschrieben haben. Ich finde das immer sehr interessant. Wo sind die Unterschiede? Hier also

zweitens die Bildbeschreibung von Serap:

Im Vordergrund auf dem Foto ist die Fotografin Rose zu sehen. Sie ragt über zwei Drittel des Bildes. Das Foto lässt sich in drei Abschnitte unterteilen. Im vorderen Teil ist Rose zu sehen, im zweiten Abschnitt hinter ihr, ist eine grüne Wiese und ein Gebäude in der Ferne zu sehen, zudem eine zweite etwas im Hintergrund stehende Person, die sie beim Selbstportrait von hinten filmt, im dritten Abschnitt, in den ein Teil ihres Kopfes ragt, ist der weißliche Himmel zu sehen, hell und teils bedeckt.
Rose ist bis zum Brustkorb in einem weißen Hemd mit rundem Ausschnitt zu sehen, trägt eine Sonnenbrille und lächelt, so dass man den Ansatz ihrer weißen Zähne sehen kann. Ihre braunen Haare, die von der Sonne schimmern, sind auf der linken Seite leicht nach hinten gebunden, die andere Seite der Haare hängt locker neben ihrem Ohr, fällt aber am Rücken herunter. Wenige Strähnen fallen ihr ins Dekolleté. Auch am linken oberen Kopfbereich hängen drei lockere Strähnen über den sonst glatt anliegenden Haaren. Sie trägt eine große schwarze Sonnenbrille, mit einer kleinen Applikation auf der linken oberen Sonnenbrillenseite. Über der Sonnenbrille ragt der Ansatz ihrer Augenbrauen etwas hervor. Um den Hals trägt sie eine silberne Kette, die direkt unter ihrem Hals endet und eine Betonung im mittleren Kettenbereich hat. Auf der Höhe der Kette ragen links und rechts ihre Schlüsselbeinknochen hervor, wobei der linke etwas mehr zu sehen ist, als der Rechte. Die Betrachter bekommen dadurch das Gefühl, dass sie ihre Arme leicht hebt und das Bild evtl. ein Selbstportrait sein kann.
Hinter ihr im Bild ist eine große grüne Wiese, vereinzelt mit Blumen. Rechts von ihr, etwa 2 Meter entfernt steht ein Mensch mit einer Kamera. Er filmt diese Fotoaufnahme und zielt mit der Kamera direkt in das Bild der Betrachtenden. Die Kamera, die er mit beiden Händen umschlingt und vor sein Gesicht hält, besteht aus einem großen Objektiv und einem darüber ragenden Mikrofon. Er trägt einen grauen Pullover und eine Umhängetasche um den Brustkorb ist sichtbar.
Beide scheinen auf der grünen Wiese zu stehen, der Kameramann hat weiter hinten hinter sich einen schmalen Weg der leicht nach oben geht. Hinter ihm, weiter in der Ferne, rechts vom Bild, ist ein schmaler Baum zu sehen. Noch weiter hinten, steht ein Gebäude. An dem Gebäude ist ein großes Werbebild befestigt.
Links von Rose, weit im Hintergrund, sind etwas verschwommen Büsche oder Bäume sichtbar, hinten diesen wiederum beginnen rötliche Gebäude.
Der Himmel, in den Roses oberer Kopfbereich ragt, scheint bedeckt. Die Sonnenstrahlen auf Roses Schultern aber, geben einen Hinweis darauf, dass Sonnenstrahlen trotz Wolkendecke am Himmel durchkommen.

Ein Kommentar

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