von Stephan:
Noch ein Bild vom Seminar auf dem Tempelhofer Feld
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Fotoseminar auf dem Tempelhofer Feld
In diesem Semester wird unser Seminar von Stephan Wilke beobachtet. Hier ein erster Eindruck. Sehr toll, wirklich. Danke, Stephan!
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Über die Entstehung der Pusteblumen-Bilder
Gruppe Tina Paulick, Marit-Inga Zimmermann, Anja Stellfeld, Florian Lindt
Nachdem sich rasch die Gruppen gebildet haben, fand ein erstes Kennenlernen beim Spaziergang in der Gruppe statt. In anfänglichen Diskussionen wurde sich unter Anderen darüber ausgetauscht, wie die Fotografin Schärfen und Unschärfen sowie Geschehnisse und Vorder – und Hintergründe wahrnimmt. Für die Gruppe waren dies wichtige Informationen, um die Art und Weise für die „Anweisungen beim Fotografieren“ einschätzen zu können.
Während des Spaziergangs im Park kamen bereits erste Ideen für Fotomotive auf. Die auf der Wiese wachsenden Pusteblumen luden ein, gepflückt und angepustet zu werden. Dies führte uns dazu, die spielerischen Portraits aufzunehmen. Die Rollen in der Gruppe haben sich ohne gegenseitiges absprechen im Prozess automatisch verteilt. Marit als Fotomodell konnte die Anweisungen von Anja, wie und wo sie sich positionieren sollte, gut annehmen und umsetzen. Florian hat Tina dabei unterstützt, das Motiv zentriert im Bild einzufangen. Die gemeinsame Kommunikation in der Gruppe war ausgeglichen, ruhig und entspannt.
Bei der Aufnahme des ersten Bildes kamen erste Schwierigkeiten wie Helligkeit, Lichteinfall, Schatten, unebenes Gelände und das Gewicht der Kamera auf. Mit diesen Schwierigkeiten konnte aber durch gemeinsame Unterstützung gut umgegangen werden, für die Aufnahme der zweiten Fotografie wurde deshalb ein leichteres Gelände mit Schatten ausgewählt.
Die Zusammenarbeit in der Vierergruppe hat für den Erstversuch bereits gut funktioniert. Für die nächsten Male könnte es von Vorteil sein eine kleinere und kompaktere Kamera zu haben, da so die Kamera ruhiger in der Hand gehalten werden kann. Es wäre ebenfalls spannend, die Rollen in der Gruppe nochmals anders aufzuteilen und zu sehen, was sich für weitere Vor- und Nachteile daraus ergeben könnten.
Bild 1: Portrait von Marit mit Pusteblume
Bild 2: Anja und Flo mit Pusteblumenstraß
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Bericht zum Fotoseminar am 9. Mai von Katrin Dinges
An diesem schönen, sommerlich warmen Maitag haben wir unseren ersten Workshop des zweiten Fotoseminars für blinde und sehbehinderte Fotografinnen abgehalten. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bildeten wir kleine Gruppen von jeweils einer Fotografin und drei oder vier Studierenden der ASH. Meine Gruppe setzte sich an einen Tisch im Hof und da das Thema unseres Seminars Portraits lautet, haben wir nach einer weiteren kleinen Vorstellungsrunde beschlossen, dass ich erst mal die Gesichter fotografieren werde.
Wir haben es so gemacht, dass jeweils eine Studentin/ein Student sich als Modell zur Verfügung gestellt hat und eine/r andere/r sie oder ihn beschrieben und mir beim Fotografieren geholfen hat. so konnte ich schon einmal einen etwas genaueren Eindruck von den einzelnen „Models“ bekommen.
Danach wurde mir die Umgebung ein bisschen beschrieben und uns fiel vor allem die Hälfte eines gestreiften Autoreifens auf, der vor einem Baum auf dem Boden lag. Die einzelnen Gruppenmitglieder haben sich auf den Reifen gesetzt und ich habe sie dort erneut portraitiert. Auch den Baum habe ich noch mal einzeln fotografiert, denn ich liebe Bäume und die Beschreibung von den verschiedenen Farbschattierungen fand ich sehr interessant. Besonders überrascht hat es mich, als jemand meinte, die Blätter seien gelb und ich erwiderte, also seien sie sicher schon etwas welk. Mir wurde widersprochen und gesagt, es sei ein sehr kräftiges, schönes Gelb, die Blätter machten einen gesunden Eindruck.
Dabei ist mir aufgefallen, wie stark bestimmte Vorstellungen in meinem Kopf mit Farben in bestimmten Zusammenhängen verkoppelt sind, weil mir nie jemand etwas Gegenteiliges beschrieben hat. Im Gespräch kamen wir auch darauf, dass ich mir keine visuelle Vorstellung von Personen bzw. deren Gesichtern machen kann, weil ich früher Gesichter nie gesehen habe, obwohl ich Menschen an ihrer Statur unterscheiden konnte, besonders, wenn sie Kleidung trugen, die einen starken Kontrast zum jeweiligen Hintergrund darstellten. Ein Teilnehmer machte den Vorschlag, ich könnte doch die einzelnen Gesichter einmal abtasten.
Das haben wir dann auch gemacht und ich hatte den Eindruck, dass es für alle Beteiligten sehr interessant war. Für mich war es etwas ganz Besonderes, denn ich werde nur selten gefragt, ob ich ein Gesicht abtasten möchte. Da das Gesicht etwas sehr persönliches und irgendwie auch Intimes ist, frage ich normalerweise nicht von selbst danach. Denn ich habe das Gefühl, dass es für jemanden, den ich nicht gut kenne, eine Grenzüberschreitung darstellt. Die Leute würden wohl kaum ablehnen, aber es schüfe eine Nähe, die manchen vielleicht unangenehm wäre. Bei Freunden oder Menschen, die mir nahe stehen, ergibt es sich irgendwann ganz von selbst, dass wir uns zwanglos berühren und dabei ertaste ich natürlich auch die Gesichter. Aber dass mir Menschen das gezielt von sich aus anbieten, die mich kaum kennen, finde ich ungewöhnlich und das hat mich sehr gefreut. Vor allem habe ich normalerweise ja nicht gleich eine ganze Gruppe von Leuten vor mir, die sich bereit erklären, sich auf diese weise berühren zu lassen.
Wir haben es wieder reihum gemacht, wobei ich diesmal meine Kamera an die Gruppe übergeben habe, denn ich kann ja schlecht gleichzeitig Fotos machen und tasten; in diesem Fall hätte man das Erlebnis auch nicht für andere sichtbar abbilden können. Im Gespräch danach ging es unter anderem auch darum, dass ich die Gesichter sehr behutsam berührt habe, also sensibler bin als andere Leute. Ich denke, das liegt daran, dass ich eben einerseits einen Ersatz für mein kaum noch vorhandenes Augenlicht gebraucht habe, wodurch sich der Tastsinn nach und nach von selbst stärker herausgebildet hat oder einen höheren Stellenwert für mich bekommen musste. Andererseits könnte ein Grund dafür auch sein, dass das Gesicht eine der schmerzempfindlichsten Regionen des Körpers ist und ich den anderen durch eine sanfte Berührung ein angenehmes Gefühl bei der Erfahrung verschaffen sowie ihnen auch mit Respekt begegnen wollte.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich relativ viel mit Pflanzen arbeite und dabei gelernt habe, Lebewesen vorsichtig zu berühren. Bei Pflanzen bricht man schnell einen Zweig ab oder zerdrückt eine Blüte, wenn man nicht äußerst behutsam vorgeht. Da ich auch ansonsten viel mit den Händen arbeite, habe ich mir denke ich mir, ohne es wirklich bewusst wahrgenommen zu haben, eine starke Sensibilisierung und Bedachtsamkeit erarbeitet. Im übertragenen sinne trampele ich diesbezüglich eher ungern und mag ganz leise, sachte Schritte am liebsten.
Wenn man irgendein Kunstwerk wie eine kleine Statue oder eine filigrane Bastelei betastet, ist es auch sinnvoll, sehr langsam und vorsichtig zu Werke zu gehen, da ja auch noch andere Menschen dieses Werk bewundern oder erfühlen wollen. Dasselbe gilt für Braillebücher: Wenn man zu stark drückt, nutzen sich die Punkte zu schnell ab und andere können sie später schlechter lesen. Wenn man schon bei einem Gegenstand vorsichtig sein muss, ist man es natürlich auch und vor allem bei Lebewesen. Außerdem ist es auch für die eigenen Hände angenehmer, wenn man sanft tastet. Ich finde, man bekommt dabei mehr Details mit, als wenn man fahrig, hastig oder mit viel Druck ans Tasten heran geht.
Wenn ich selbst berührt werde, mag ich sanfte Annäherung auch lieber als kräftiges Grapschen. Daher gehe ich davon aus, dass dies für andere genauso angenehm ist und gehe entsprechend mit ihnen um. Aber der Tastsinn sitzt nicht nur in den Händen. Darin ist er vielleicht am stärksten ausgeprägt. Aber auch Arme, Schultern, Rücken, Beine und Füße haben ihr jeweils spezifisches Tastempfinden.
An diesem Tag war es zum Beispiel recht windig und natürlich spüre ich den Wind außer im Gesicht auch in meinem Haar, das er wehen lässt, an meinen Armen, an denen er entlang streicht und in meinem Nacken. Gleiches gilt für die Sonne, die warm auf mich herunter geschienen hat. Sie mag ich am liebsten im Rücken. Deshalb war es besonders schön für mich, dass ich beim Fotografieren fast die ganze Zeit mit dem Rücken zu ihr sitzen konnte. Auf dem Weg in den hof habe ich die unterschiedliche Bodenstruktur nicht nur mit meinem Stock, also über die Hand, sondern auch durch die Sohlen meiner Schuhe wahrgenommen. Oder wenn mich jemand an der Schulter, am knie oder im Rücken berührt, spüre ich das natürlich auch. Das Gesicht hat eine besonders feine Tastsensorik, wie wir bei unserem Tastexperiment festgestellt haben.
Ich fand es ganz besonders schön, dass zu den Stimmen nun auch Gesichter für mich erfahrbar werden konnten. Auch die Art, das Haar zu tragen, sich zu kleiden oder dazusitzen, war genauso individuell wie die Gesichter. Das Gespräch, die Fragen und die Offenheit der einzelnen Gruppenmitglieder, die Beschreibungen beim Fotografieren und die Hinweise, die ich zum Halten der Kamera bekommen habe, fand ich richtig gut.
Beispielsweise habe ich an diesem Nachmittag gemerkt, dass ich die Kamera bei Portraits meistens erst mal zu hoch halte, obwohl ich versucht habe, mich taktil an der jeweiligen Person zu orientieren; und dass es auch für sehende Menschen schwierig sein kann, den richtigen Abstand oder die passende Perspektive für ein Portraitfoto herauszufinden. Außerdem musste ich daran erinnert werden, dass ein Foto mit Gegenlicht zu dunkel werden könnte und dass es daher besser ist, wenn der Portraitierte in die Sonne schaut. Das ist natürlich für die Person, von der das Foto gemacht werden soll, eher unangenehm und in manchen Fällen haben wir damit experimentiert, wie es aussieht, wenn man sich die Hand zur Beschattung über die Augen hält.
Wieder in der Aula der ASH, bekamen wir noch einige Infos von Karsten zum Thema Portraitfotografie. Ich war etwas bestürzt, als er meinte, Profis würden meist nur drinnen fotografieren und das Sonnenlicht mache die Linien in Gesichtern stärker, was ein Gesicht härter wirken lasse. Wir hatten fast ausschließlich in der Sonne fotografiert. Aber er meinte später, es sei ja nicht grundsätzlich falsch, es trotzdem zu tun, nur weil Leute, die das professionell machten, sich auf bestimmte Standards geeinigt hätten.
Schade, dass ich nicht dran gedacht habe, auch ein paar Fotos im schatten zu machen bzw. dass dazu keine Zeit mehr war. Aber ich hoffe, dass ich bei einem der nächsten Fotoworkshops noch die Gelegenheit dazu bekommen werde.
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Sara
Beschreibung von Esther:
Geknipst wurde das Foto von Katrin im Innenhof der Alice-Salomon-Hochschule Berlin. Dort ist es überwiegend schattig und nur ein paar Sonnenstrahlen kämpfen sich erfolgreich durch die Blätter eines in der Mitte des Hofes stehenden Baumes. Der Baum trägt grüne Blätter und sein Stamm ist noch nicht besonders dick gewachsen. Im Hintergrund des Bildes sieht man die großen, bis zum Boden reichenden, grau gerahmten Fenster die das Erdgeschoss der Hochschule umgeben. Vor den Fenstern sieht man vier schwarze Eimer, welche bemalt und grün bepflanzt wurden.
Auf dem Foto befindet sich Sara in der unteren rechten Hälfte des Bildes. Links neben ihr liegt ein zum sitzen umfunktionierter großer Autoreifen. Was man in dem Bild nicht sehen kann, Sara sitzt auf einem solchen Autoreifen. Verdeckt von Sara’s Kopf, erkennt man im nahen Hintergrund drei weitere „Sitzreifen“.
Sara trägt eine hellblaue Bluse mit Kragen, die im Tageslicht schon fast weiß erscheint und bis auf einen Knopf ganz oben am Kragen komplett zugeknöpft ist.. Sie hat braune Haare mit blonden Strähnen, welche zu den Spitzen hin immer heller und dichter werden. Ihr Zopf liegt über ihre rechte Schulter. Sara’s Kopf ist leicht nach rechts gedreht, so dass man trotz direktem Blick in die Kamera nur ihr linkes, mit einer weißen Perle geschmücktes Ohr erkennen kann. Ihre blauen mit Wimperntusche geschminkten Augen strahlen ein Gefühl von Freude aus. Sara lächelt, dabei entstehen Grübchen an ihren Mundwinkeln und ihre leicht rosa geschminkten Wangen heben sich etwas an.
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Katrin betastet Alex‘ Gesicht
Beschreibung von Sara
Es ist der 9.5.2015 zur Mittagszeit. Wir sehen eine Hausfassade in Berlin Hellersdorf, genauer der Innenhof der Alice Salomon Hochschule. Die Kamera ist wohl ungefähr auf Hüfthöhe gehalten und blickt in einem leichten 30° – Winkel nach oben.
Die Wände, die zum Großteil aus rechteckigen Fenstern bestehen, umschließen den Innenhof in der Form eines Trapez. Sonne scheint in den Hof, wirft Schatten an Stellen, wo Gegenstände sich lagern. Traktorreifen, die in der Mitte des Hofes verteilt sind. Durch ihre Öffnungen sind bunte Seile gespannt, bei dem einen Reifen sind es grüne, bei dem anderen gelbe und pinke. Neben dem Effekt der Kunst bieten sie eine Sitzfläche. Erkennbar ist auch ein Stuhl, den jemand wohl an einem besonderen Element des Hofes platziert hat – einem Baum, der durch seine Farbe und im Gegensatz zu der großflächigen Beton- und Steinfläche, natürlichen Beschaffenheit, eine frohe lebendige Atmosphäre zu schaffen vermag. Der Stamm des Baumes, wir konnten seine Art nicht identifizieren, hat vielleicht einen Durchmesser von 20 cm. Abgehend vom Stamm werden die Äste getragen mit hellgrünen Blättern, durch die das Licht scheint und die Blätter deshalb durchsichtig werden lässt. Der Baum könnte die Hauptattraktion des Fotos sein – ist er aber nicht. Im Vordergrund des Bildes finden sich zwei Frauen wieder, man sieht vom Oberkörper aufwärts beide Damen. Die linke, Katrin, schätzungsweise in ihren 40-er Jahren, von beiden trägt einen dunkelblauen Zipper, ein himmelblaues Shirt darunter gibt dem Bild im Gesamten noch eine kräftige Farbe und man kann die Bänder des Brustbeutels noch gut erkennen. Hängeohrringe mit einer Perle am unteren Ende zieren ihr Ohr. Das mittelbraune schulterlange Haar trägt sie offen. In ihrem Gesicht funkelt die Neugier und Faszination an dem Moment, den sie grade erlebt. Es ist der Eindruck von etwas bisher unberührten. Denn mit ihren Händen betastet sie das Gesicht von Alex, Anfang 20 Jahre, ist mittlerweile an den Ohren angekommen oder vielleicht genauer den goldenen Ohrringen. Alex hat blondes geflochtenes Haar, das ihr schulterlang über selbige hängt. Von ihrem Gesicht kann man nicht allzu viel erkennen außer ihren Augenbrauen, da Katrins Hand das Gesicht verdeckt. Alex trägt eine dunkelblaue Jacke, mit goldenem Reißverschluss und offen, ein graues Shirt darunter.
Weshalb sich diese Szene abzeichnet? Katrin betastet Alex‘ Gesicht, um dessen Beschaffenheit zu erkennen und Alex somit ein konkretes Gesicht zuschreiben zu können – und es bereitet ihr sichtlich Freude.
(Aus unserem Fotoseminar im Mai. Wir beschäftigen uns in diesem Semester mit Portraitfotografie. Die Wahrnehmung unseres Gegenübers.)
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