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Orientalischer Garten

Ein steinerner Hof von einem arabisch aussehenden Säulengang aus gesehen
Auf dem Weg durch die Gärten der Welt gelangen wir in den orientalischen
Garten. Der gesamte Garten ist von einer Mauer umringt und würde man
von oben drauf schauen, sähe man ein Quadrat, welches von vier lang
gezogenen Springbrunnen, welche auf einen Pavillon in der Mitte des
Gartens zulaufen, getrennt wird.
Das Foto ist entstanden, als die Fotografin links vom Eingang unter einem
Säulengang Zuflucht vor dem Lärm gesucht hat. Sie steht
also unter diesem Säulengang und blickt den Gang entlang. Man erkennt
eine der Ecken des großen Quadrates. Da die Sonne nicht komplett in
den Säulengang hinein scheint und dieser somit im Schatten liegt, ist
die linke Bildhälfte etwas dunkler als die Rechte. Am linken Bildrand
erkennt man die Mauer, die den ganzen Garten umfasst. Die obere Hälfte
der Mauer ist beige, während die untere Hälfte mit blauen, weißen und
orangefarbenen Mosaiksteinen, welche zu blumenartigen Mustern
zusammengefügt sind, verziert ist. Die beiden Hälften werden von einer
hellbraunen steinernen Bordüre, in die Muster gemeißelt wurden,
getrennt. Auch der Boden unter dem Säulengang ist mit größeren blauen
und weißen Mosaiksteinen belegt. Am Ende des Ganges erkennt man einen
kleinen Trinkbrunnen, auch dieser ist mit blauen und weißen Steinen
verziert. Um den Brunnen herum erstreckt sich nach oben ein hellbrauner
steinerner Schrein, welcher an die Bordüre an der Mauer erinnert. Die
Decke besteht aus Holzdielen, sie wirkt aufgrund der Schatten allerdings
fast schwarz.
Das Foto wird in der Mitte von den Säulen, die mit Bögen verbunden
sind, getrennt. Zu sehen sind sechs Bögen, wobei die erste Säule nicht
komplett abgebildet ist. Die Säulen sind identisch: sie sind mit
blauen und weißen Steinchen versehen, welche schachbrettartig
angeordnet sind. Da die Sonne auf die Säulen scheint, setzen sie sich
heller vom dunkleren inneren des Ganges ab. Den Übergang zwischen
Säule und hellbraunen Bögen bildet ein sandsteinerner Absatz. Dieser
ist mit einem Muster, welches an
Eulenaugen und -schnäbel erinnert, verziert. Insgesamt erinnern die Säulen, der Übergang und der Anfang der Bögen an ein Totem, da die drei Teile, ähnlich wie bei einem Totempfahl, verschieden und aufeinander gebaut sind.
Die rechte Bildhälfte ist hell undnd klar erkennbar. Außerhalb des
Säulenganges ist der Boden mit grauen, vom Regen und der Sonne
verfärbten Steinplatten belegt. Im Hintergrund verläuft die Mauer
weiter um den Garten herum. Den eigentlichen Garten mit den gut
duftenden Blumen sieht man leider nicht. An der Mauer lehnt eine braune
Sitzbank, die sich farblich schön von den blauen und weißen Steinchen
an der Mauer absetzt. Über die Mauer ragen Äste mit saftig-grünen
Blättern, durch welche der hellblaue Himmel durchblickt, empor.
Dadurch, dass der Garten von einer Mauer umgeben ist, hat man das Gefühl, ganz für sich in diesem schönen Garten zu sein, begleitet nur vom plätschernden Geräusch der Springbrunnen.
Foto von Katrin Dinges,
Bildbeschreibung von Fränz Reuter
Beides entstanden in unserem Fotoseminar für Blinde

Dank an die Gärten der Welt!

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Dem Trubel der Großstadt für eine Moment entfliehen

Der Idee, folgende Innenhöfe aufzunehmen, führte die Fotografin zu einem Ort ihrer Kindheit. Dort angelangt, entwickelte sich der Gedanke, eine Serie aufzunehmen. Die Auswahl umfasst fünf Bilder, die von Ruhe und Idylle in der Großstadt erzählen.

Die Aufnahmen entstanden Mitte Mai in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte.

Blick aus dem Dunkel eines Tunnels

 

 

Mitten im Lärm der Großstadt stehend – eine Straßenbahn im Rücken, brausender Autoverkehr, klingelnde Fahrräder, Menschenstimmen und Touritrubel um einen herum – fällt der Blick durch eine dunkle, langgezogene Toreinfahrt hinein in einen begrünten Hof.

Sogleich lädt die erblickte Szenerie dazu ein, in die üppige und menschenleere Natur des Hofes einzutauchen.

Zuerst betreten wir einen viereckigen, sterilen Durchgang: Glatte Decke und Betonboden sowie gekachelte Wände verweisen auf Architektur jüngeren Datums. Er endet vor einem Weg mit Rechtsbiegung, die den Blick auf den Rest vom Hof verwehrt. An diesem Punkt möchte man einmal tief einatmen und innehalten.

Befreit von der Unruhe, bietet sich nun eine neue und warme Atmosphäre zum Eintauchen an. Auf dem schmalen, gepflasterten Weg beginnt die Reise…

 

Eine grüne Tafel, die auf einem Spielplatz steht

 

Wir tauchen an einem verlassenen Spielplatz wieder auf. Der Platz ist sonnig, aber es steht dort auchein Baum, der seine schweren, belaubten Äste tief hängen lässt und Schatten spendet. Im Vordergrund sieht man eine bekritzelte Tafel. Sie steht frei vor einer Wand und wird von massivem Holz eingefasst und gehalten. Auf ihrer Fläche zeichnet die Sonne ein spitzes, aufrechtes Dreieck.

Die Situation strahlt Ruhe aus, wie man sie von der sonntäglichen Mittagspause kennt. Das vermitteln auch die anderen, in der Nähe stehenden, einsamen Spielgeräte, die auf die Rückkehr der Kinder zu warten scheinen.

So lange warten wir nicht sondern lassen uns weitertreiben…

Ein vergittertes Fenster, mit gemalten Fensterläden in einer mit Blumen bemalten Wand

 

und stoßen kurz darauf auf die Backsteinfassade eines kleinen Gartenhäuschens.

Die Backsteinmauer ist alt und von Wind und Wetter gezeichnet. In vergangenen Tagen einmal bunt bemalt worden, ist die Farbe nicht mehr kräftig und strahlend, sondern bereits von der Sonne ausgeblichen. Um das alte Holzfenster herum sind zwei braune Fensterläden aufgemalt, jeweils verziert mit einem roten, blau umrahmten Herzen. Sie heben die Tristesse des Fensters, mit seiner abbröckelnden Farbe und dem verrosteten Gitter, etwas auf.

Die Mauer schmückt eine gemalte Rosenhecke. Ihre großen, offenen rosa Rosenblüten und die vielen Verzweigungen, an denen kleine schmale grüne Blätter hängen, reichen vom Boden bis unter das Dach. Lässt man seinen Blick nicht durch die Verzierungen ablenken, entdeckt man den bröckelnden Mörtel zwischen den Steinen. Es scheint so, als halte die Rosenranke die Wand und gebe dem vernachlässigten Häuschen ein wenig Zuneigung.

Dieser Ort erinnert uns an ein Märchen und wir folgen wie Hänsel und Gretel dem Pfad weiter…

Eine Mohnblume

und kommen von den gemalten Rosen zum leuchtenden Mohn.

Die strahlend rote Blüte hebt sich klar vom verschwommenen, grünen Hintergrund ab. Es ist eine große Blüte von 15 cm Durchmesser. Sie ist fast vollständig geöffnet und man erkennt große schwarze Flecken in der Mitte. Die Sonne scheint seitlich auf die Blüte, wodurch ein eingeklapptes Blütenblatt einen Schatten auf den Stempel wirft. Die Blütenblätter wirken dünn und leicht wie knittrige Seide.

Der Mohn strahlt Wärme,Kraft und Ruhe aus. Er erinnert an Frühlingswiesen mit dem Surren und Zirpen der Bienen und Insekten. Der Duft nach Frühling liegt in der Luft und man spürt einen leichten Windhauch und auch die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Gesicht.

Wir verlassen den Mohn und sind fast…

Blick aus einem Tunnel auf eine belebte Straße

zurück im Trubel!

Am Ende unseres Besuchs „Der Insel der Ruhe“ kommen wir zurück an den dunklen, kalten Übergang. Der Wind in den Blättern der Bäume dringt noch leise ans Ohr. Das Vogelgezwitscher wird ruhiger. Während wir hindurch gehen, werden die eigenen Schritte von den gekachelten Wänden zurückgeworfen und lauter. Stimmengewirr und das Lachen von Kindern, die am Tor zur Straße stehenbleiben, sind undeutlich zu hören. Alles vermischt sich miteinander: Motorengeräusche von Autos und Bussen und das Klappern eines vorbeifahrenden Fahrrades. Beim Auftauchen auf der Straße sind wir wieder zurück in der Hektik und dem Trubel der Großstadt.

Bilder von Susanne, Text von Anika und Katja

Entstanden bei unserem Fotoseminar für Blinde

 

 

 

 

 

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Unfreiwilliges Spiegelbild

Eine Steinskulptur

Beschreibung von Verena und Anne
An unserem ersten Termin des Seminar Fotografieren für Blinde, haben wir am Nachmittag einen Streifzug über den Antiquitäten Flohmarkt am Tiergarten gemacht. Dabei konnten wir einige kuriose Entdeckungen machen und unsere tolle Fotografin Mary hat gegen Ende der Tour unter anderem dieses schöne Foto geschossen. Das vorliegende Bild zeigt das Spiegelbild einer Skulptur die wir durch Zufall entdeckt haben.
All das was im weiteren Verlauf beschrieben wird, ist nicht die direkte Abbildung des/der Objekte, es handelt sich dabei um die Fotografie eines Spiegelbildes.
Im Hintergrund ist der Tisch des Flohmarkthändlers zu sehen, auf dem eine dunkelrote Samttischdecke liegt. Die Tischkante verläuft parallel zum oberen Bildrand, nur ansatzweise erkennt man, dass auf dem Tisch noch Gegenstände liegen. Diese sind jedoch sehr unscharf, lediglich etwas blau und grau ist zu erkennen.
Der linke Bildrand wird durch den schrägen Zierschliff des Spiegels geprägt. Durch den Facettenschliff zeigt das Bild eine doppelte, nebeneinander liegende Spiegelung der Gegenstände. Zum einen sieht man eine hellbraune, runde Rattan Box, die circa mit der waagerechten Bildmittellinie abschließt und oberhalb ein Stück der Rückenlehne eines rot-braunen Korbsessels. Insgesamt nimmt beides das linke Viertel des Bildes ein. Im Detail macht ein Drittel die Spiegelung des Facettenschliffs aus, dort sind die Box und der Sessel sehr unscharf dargestellt, weiter rechts folgt dann die schärfere Spiegelung bei der sich eine Flechte am oberen Rand der Rattanbox erkennen lässt.
Nun kommen wir zum Hauptmotiv des Fotos, dies zeigt eine Steinfigur, auf dem Rücken liegend mit Flügeln. Die Figur liegt auf der senkrechten Mittelachse des Bildes. Die Skulptur hat den Blick nach links oben aus dem Bild gerichtet, spitz zulaufende Ohren und die Zunge hängt aus dem Mund, dessen Mundwinkel nach unten zeigen. Die Beine sind angewinkelt und eine Hand befindet sich zwischen den Beinen, die Füße liegen aufeinander und die linke Hand fasst an das Gesäß. Zum rechten Bildrand hin ist ein Flügel zu sehen, der an den einer Fledermaus erinnert. Die Spitze des Flügels wird vom rechten Bildrand abgeschnitten, das Gesäß der Skulptur vom unteren Bildrand.
Die Skulptur liegt auf einem runden weißen Tisch, dahinter sind einige hellgrüne Linien zu erkennen die von rechts oben diagonal nach nicht ganz links unten verlaufen. Diese Linien gehören zu einem runden Sessel, der hinter dem Tisch mit der Skulptur steht und bilden eine starken Kontrast zu den sonst eher erdigen Farbtönen des Bildes. Das Highlight, im wahrsten Sinne des Wortes, bleibt allerdings die Skulptur, die fast komplett weiß und als einziges scharf dargestelltes Objekt zu erkennen ist.

 

Insgesamt ist das Bild recht klar, die Skulptur wirkt leidend, sodass das Bild bei längerer Betrachtung eher eine gedrückte Stimmung vermittelt, aber auf der anderen Seite wirkt es auch hoffnungsvoll, durch den Blick, den die Skulptur nach oben richtet…

 

(aus dem Fotoseminar mit Blinden)

 

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Fischreiher von Marianne

Ein Fischreiher auf einem Steg am Ufer eines Gewässers

 

Bildbeschreibung des Graureihers auf dem Spreekanal von Sandra

Auf dem vertikal fotografierten Bild ist ein – für Berlin Mitte – eher ungewöhnlicher „Besucher“ (es könnte auch eine Besucherin sein) abgelichtet, den mensch womöglich in die Kategorie „Wildes-Berlin“ einordnen würde. Ein Graureiher, umgangssprachlich auch Fischreiher genannt, scheint am Kupfergraben direkt bei der Schlossbrücke eine Pause einzulegen. Die kartografische Zuordnung ist auf dem Bild nicht rauszulesen; mir bietet sich die Möglichkeit der Benennung, da ich die Fotografin auf ihrer Fotoexkursion begleiten durfte.

Da der Graureiher der Eye-Catcher des Bildes ist und sich markant hervorhebt, beginne ich zuerst mit der Beschreibung des Bildhintergrunds. Im oberen Viertel des Fotos sind zwei Sandsäcke zu sehen; ein kleinerer im linken, oberen Bildeck und ein größerer der sich vom rechten Bildeck nach links bis über die Mitte des oberen Bildrands hinweg streckt. Den ursprünglich weißen Säcken ist ihre Verweildauer im Spreekanal bereits anzusehen: Sie sind fleckig überzogen mit moosgrünen Algen. Sie wirken ein bisschen wie aus dem Spreekanal herausragende Inseln, wovon die rechte obere Insel etwas Fjord ähnliches hat, indem vom rechten Bildrandeck ein Wasserbecken mit Flussendung nach links einläuft; der Sandsack scheint geöffnet zu sein. Auf der vertikalen Achse der Mitte des Bildes, ragt vom rechten Sandsack eine Art Leinengurtschlaufe aus dem Wasser. Eine solche dunkelgrüne Schlaufe ist auch am Sandsack oben links zu sehen; sie wiederum scheint optisch an der mit weißen Schaumflecken überzogenen Wasseroberfläche zu schwimmen. Beide Sandsäcke sind auch noch unter der Wasseroberfläche zu sehen, obgleich ihre grüne Tarnung im moosgrün wirkenden Wasser ihre Silhouetten verschwimmen lässt. Im Zentrum des Bildhintergrunds ist ein weiterer Sandsack sowohl über, als auch unter der Wasseroberfläche zu erkennen. Das Material über der Wasseroberfläche hebt sich in kontrastreichem Weiß zum restlichen Grün des Wassers deutlich ab. Auch hier sind Teile von Leinengurten zu erkennen sowie eine auf dem Sandsack liegende, kurze Holzlatte die ebenso aus dem Wasser herausragt. Zur linken Seite dieses Sandsacks, sowie zur linken eines weiteren, kleiner wirkenden Sandsacks im rechten unteren Bildeck, schließt sich eine Holzpalette an.

Zwischen fünf Uhr direkt am unteren Bildrand und neun Uhr direkt am linken Bildrand verläuft ein dreieckiger Ausschnitt dieser Palette. Zu erkennen sind fünf helle und durch den Bildrand begrenzt unterschiedlich lang wirkende Holzleisten, die über der Wasseroberfläche vom linken Bildeck schräg zur Mitte hin verlaufen. Die Verbindungsleiste ist braun-grün und zieht sich unter der Wasseroberfläche (von fünf zu neun Uhr). Die Leisten der unteren Palettenseite sind ebenso braun-grün und eher schattenhaft zu erkennen.

Jetzt zum eigentlichen „Star“ des Fotos: Der Graureiher durfte an die achtzig bis neunzig Zentimeter groß sein; er erstreckt sich mit seiner linken Körperseite – von Schnabel- bis Gefiederschwanzspitze – beinahe über die Diagonale des Bildes. Sein dolchartiger Pinzettenschnabel ist geschlossen und zeigt zwischen zehn und elf Uhr auf den Sandsack im linken Eck des Bildes. Die Wachshaut des Schnabels ist orange-gelb und wird zum schwarz-gelben Auge hin heller bis beinahe weiß. Da der Reiher von links oben fotografiert wurde, können die Betrachter_innen deutlich sehen wie sich die hier dunkelblau wirkenden, eigentlich aber schwarzen Schmuckfedern vom weißen Gefieder des Oberkopfs farblich abheben. Die Schmuckfedern verlaufen über dem Auge beginnend, schmaler zulaufend über den Kopf hinunter zum oberen Drittel seines Halses. An der Oberkopfmitte – zwischen den vom linken und rechten Auge ausgehenden dunklen Schmuckfedern – zeichnet das weiße Kopfgefieder eine federartige Form nach, die mit Federspitze zum Hals hinunter ausläuft. Der gestreckte Hals, der beinahe die Hälfte der gesamten Körperlänge auszumachen scheint, der erhobene Kopf und der fokussierende Blick lassen das Tier grazil, stolz und aufmerksam erscheinen. Das Gefieder seines Halses ist weiß und geht im Übergang zum Oberkörper in ein helles Grau über. Das Rückengefieder schimmert grau-blau und ist mit konturenstarken, dünnen weißen Federn durchzogen. Das schwarz-graue Gefieder der linken Schwinge erscheint weicher und flauschiger. Das grau-blaue Gefieder des Rückens wiederholt sich auch vereinzelt auf der Schwinge und hebt sich in Farbe und klarerer Kontur von diesem ab. Die großen und kräftig wirkenden Schwanzfedern die überlappend in einem Spitz zusammenlaufen, sind präzise zu erkennen. Das Blau-Grau der oberen Schwanzfedern, hebt sich von dem schwarz-grauen, darunter liegenden Gefieder ab. Am Übergang von Hals, Oberkörper und Schwinge ist ein schwarzer und weißer Gefiederfleck auszumachen, der beinahe wie ein Gefieder-Mal beschrieben werden kann.

Die gefiederlosen, dünnen und stelzigen Beine nehmen die Farbe des Schnabels wieder auf; obgleich in weniger Farbintensität, Leuchtkraft und mit zusätzlichem Grau. Sie befinden sich am unteren Bildrand, etwas rechts von der vertikalen Bildachsenmitte. Das linke Bein ist etwas angewinkelt, mit dem Fuß in der Luft. Aufgrund der Bildperspektive ist der leicht nach unten abgesenkte Fuß mit seinen Zehen, von der Rück- und Unterseite zu betrachten; Schwimmhaut und Krallen sind mehr zu erahnen als zu erkennen. Das andere Bein ist gestreckt; der Fuß scheint auf der ersten Leiste der Holzpalette am unteren Bildrand zu stehen. Dies kann jedoch nur vermutet werden, da der rechte Fuß nicht vom Bild erfasst ist.

Alles in allem ein kontrastreiches Foto – sowohl in seinen Farben, als auch in seinem „Inhalt“ oder „Thema“ (Stadt vs. Natur).

Foto und Bildbeschreibung entstanden in unserem Fotoseminar für Blinde

Hier noch ein PS von Sandra: Marianne und ich unterhielten uns über die Bildbeschreibung. Dabei wurde deutlich wie unterschiedlich (in ihrer Bedeutsamkeit für die jeweiligen  Betrachter_innen) Bildinhalte aufgenommen werden. Während es mir bei dem Foto des Graureihers wichtig erschien auch den Hintergrund präziser zu beschreiben, hätte dieser für Marianne durchaus knapper ausfallen können da er auf sie weniger relevant wirkte. Für mich war er wiederum bedeutsam, da sich durch den farblichen Kontrast – entstehend durch den dunklen Hintergrund – das Tier noch mehr in den Fokus des Bildes stellte. Zudem wirkten die Bildinhalte auf mich beinahe Widersprüchlich, so dass dies für mich festzuhalten bzw. mitzuteilen war: Die moosgrünen Sandsäcke und die Holzpalette standen für mich in starkem Kontrast zu dem sauberen, schönen und grazilen Anblick des Tieres.

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Strand bei Swinemünde

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Susanne schreibt:

„Könnt ihr mir bitte einige Bilder von unserem Ausflug an die Ostsee beschreiben?
Hier ist das erste:
Das Strandbild muss am Strand von Swinemünde auf dem Weg zur Mole entstanden sein. Da war es so, dass ich immer sehr auf den Strand achten musste. Ich mag so gleichmäßige Spuren. Das war der Strandjeep. Allerdings denke ich, ich wollte eher Wasser und Strand aufnehmen. Möglicherweise  war die Sonne schön oder das Wasser hatte die blaugrüne Färbung die ich liebe :-)“
Ich habe Susanne gefragt, wie sie es schafft, den Horizont so waagerecht zu fotografieren. Das schaffe ich oft nicht. Sie hat geantwortet:
„Das mit dem geraden Horizont finde ich gut. Ich halte das I-Phone parallel zu meinem Standpunkt. Das hat scheinbar geklappt ;-= Oder besser so gerade wie ich schauen würde, ohne den Kopf zur Seite zu halten.“
Der blaue Himmel, darunter das blaue Meer, darunter der gelbe Strand, von Autospuren zerfurcht

 

liebe Susanne,

da es mir das Meer schon immer angetan hat und ich sehr lang nicht da war, hier die Beschreibung deines Strandfotos:

Also zunächst auch mein Kompliment für den Horizont. Bis auf ca. 0,5 Grad komplett parallel, besser krieg ich das als Sehende selten hin. Das Foto ist ein Querformat, das obere Viertel füllt der Himmel, das Viertel darunter füllt das Meer und die untere Hälfte zeigt den weißgelblichen Sand. Ungefähr bei einem Drittel des Horizonts auf der rechten Seite sieht man sehr klein aber deutlich den Umriss eines Schiffes. Links daneben noch zwei kleine scharze Flecken, die wohl kleinere Schiffe sind. Über den türkisblauen Himmel zieht eine aufgelockerte Reihe Wolken mit einem schönen graden Abschluss nach unten, der durch einige waagerecht verwehte Wolkenstreifen unterstrichen wird. Die Wolken heben sich reinweiß sehr schön räumlich vom Himmel ab. Das Meer ist insgesamt ruhig und hat aus dieser Perspektive eine eher dunkelblau-grüne Farbe. Vorn auf dem Meer brechen sich gerade zwei bis drei sehr niedrige Wellen und bilden dabei das typische Gittermuster der Meeresgischt, die sich schnell auflöst, wenn die Welle auf dem Sand ausläuft. Manchmal schäumt sie auch so stark, daß sie kleine Schaumklümpchen auf dem Sand hinterlässt. Man sieht einige wenige ganz vorn am Rand des Wassers. Dann folgt in Richtung der Betrachterin der beigefarbene Streifen festen, feuchten Sandes. Im Vordergrund dann schließlich das ganze dramatische Geschehen der Reifenspuren. Es gibt mehrere, vor allem in der rechten Hälfte des Bildes. Links laufen nur zwei parallele Spuren aus dem Bild. Die Spuren von rechts laufen in einem schrägen Winkel auf das Meer zu. Sie überlagern sich teilweise und häufen dabei kleine Wände aus Sand auf, der von den Reifen verdrängt wurde. Sie haben ein bißchen die Form von Krokodilen. Es ist aber ein freundliches, harmonisches Bild. Die gleißende Sonne läßt Wolken und Sand kräftig weißlich strahlen. Es transportiert schön die Stimmung an einem heiteren Ostseetag.  Man spürt den leichten Wind und schaut direkt in die Weite des Horizonts.

Katrin Heidorn

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Durch die Dünen

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN

Noch ein Urlaubsbild von Susanne. Sie schreibt dazu wunderschön:

Übrigens ist eins meiner Favoriten das Bild, das ich durch den Dünenübergang zum Strand gemacht habe. Es war für meine Schwester und mich das Grösste, wenn wir nach langer Autofahrt an der See ankamen – und mein Vater fuhr immer erst an den Strand für uns-, durch so einen Übergang liefen und dann das Meer sahen. Das spüre ich heute noch körperlich, wenn ich an der See bin oder wenn ich auch nur daran denke ;-=

Ein Durchgang durch die Dünen

Bildbeschreibung von Katrin Heidorn:

Liebe Susanne,
ich wollte schon lang dein schönes Erinnerungsbild beschreiben, komme aber erst jetzt dazu.
Ich habe selbst in meiner Kindheit oft die Ferien am Meer verbracht und kann die Freude verstehen.
Das Foto ist einfach und harmonisch aufgebaut. In der Mitte, leicht nach links verschoben, sehen wir den typischen Bohlenweg aus quergelegten Holzleisten, wie sie in regelmäßigen Abständen durch die Dünen gelegt werden, um den empfindlichen sandigen Untergrund zu schützen. Links und rechts davon der sandige, mit trockenen Blättern
bedeckte Waldboden. Der Weg führt durch einen grünen, sonnendurchfluteten Dünenwald. Ein Laubwald aus dünnen Bäumen, die es trotzdem schaffen, sich über den schmalen Weg zu lehnen und ihre Kronen zusammen zu stecken. So wird der Weg fast zu einem Hohlweg. Rechts vorn auf den Weg fallen einige beinah kreisrunde Sonnenflecken wie locker gestreut.
Das zeigt uns, dass die Sonne recht hoch steht. Also Mittagszeit. An der Ostsee, wo wir wohl sind, eine gute Zeit für den Strand!
Der Bohlenweg sieht aus der Fotoperspektive ziemlich abschüssig aus. Das kann aber eine raffinierte Täuschung sein. Wahrscheinlich steigt er eher an, um dann hinter dem Wald in den offenen Dünen wieder abzusteigen. Jedenfalls gibt es keine Stufen an denen wir es sehen könnten. Er führt direkt ins gleissende Sonnenlicht. Da das Foto den lindgrünen Wald so gut belichtet, ist die Öffnung des Weges hoffnungslos überbelichtet. Streng genommen wissen wir nur deshalb, dass es zum Strand geht, weil du, Susanne, es uns mit der Überschrift verraten hast. Oder wenn wir uns die Mühe machen, das Blechschild zu entziffern, das im Vordergrund rechts neben dem Weg steht. Da steht nämlich alles Wichtige drauf, was man zu einem ordentlichen deutschen Strandaufenthalt wissen muss: Strandabschnitt, textil, keine Hunde, nächstes WC 50m nach rechts, Kurtaxenpflicht und noch einiges mehr. Darüber noch ein kleines Schild, das uns ermahnt, nur diese schönen Holzwege zu benutzen, weil die Dünen Hochwasserschutz bilden. Zuwiderhandlung kostet sogar Bußgeld! Damit es niemand aus Versehen macht, ist weiter vorn links und rechts vom Weg in Kniehöhe ein Draht gespannt.
Wir sind also voll informiert. Dabei ist das Foto so super, weil es eben nichts verrät, aber sofort dazu führt, das ich das Geräusch des Windes und der Brandung höre. Gerade weil der Wald das Meer noch versteckt, ist die Vorfreude umso größer. Das ist ungefähr die Stelle, wo ich als Kind wohl angefangen hätte, loszurennen, um schneller am Wasser zu sein.

Katrin

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