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Villa Oppenheim von Katrin Dinges

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN Das Eingangsportal der Villa Oppenheim Bildbeschreibung von Fränz

Wir stehen auf dem Vorplatz der Villa Oppenheim in Charlottenburg. Hinter uns erstreckt sich der zur Villa gehörende Park mit seinen saftig-grünen Wiesen und hohen Bäumen. Der Vorplatz besteht aus kleinen Pflastersteinen, durch die der eine oder andere Grashalm lugt. Man kann sie mit der Spitze des Tastlangstocks gut spüren, aber auch leicht dazwischen hängen bleiben. Der Eingang zur Villa liegt einen Meter höher als dieser Vorplatz. Vor der etwa einen Meter hohen, roten Mauer, die bis zur Eingangsebene reicht, steht eine weiße Sitzbank. Die weiße Farbe hebt sich schön von den roten Backsteinen der Mauer ab. Dieser Kontrast zieht sich durch das gesamte Bild. Hinter der Bank erkennt man ein quadratisches, grünes Schild, auf dem in der Mitte weiße Strichmännchen abgebildet sind. Aus den oberen Ecken des Schildes zeigen zwei Pfeile Richtung Mitte. Auf der Mauerkrone ist ein eisernes Geländer befestigt. Dessen Stäbe haben jeweils ungefähr zehn Zentimeter Abstand. Hinter diesem Geländer erstreckt sich der Eingangsbereich. Hier fallen als erstes die vier großen, weißen Säulen ins Auge, die einen Balkon oberhalb des Eingangs tragen. Die beiden Mittleren Säulen sind rund, die äußeren quadratisch. Rechts und links von diesen Säulen erkennt man jeweils einen Teil eines Fensters mit weißem Rahmen und einen Teil der roten Fassade der Villa. Außerdem erahnt man die Treppen, die zum Eingangsbereich führen. Vor kurzem sind wir erst die Treppenstufen hinauf gegangen, um unsere Führerin zu begrüßen und nach der Taschenabgabe wieder hinunter, um im Angesicht der Fassade die ersten historischen Informationen über das Gebäude und Gelände zu erhalten. Zwischen den beiden mittleren Säulen befindet sich die Eingangstür, die vom Boden bis zur Decke reicht. Es ist eine doppelte Falttür mit weißem Rahmen und großen Fenstern. Durch die geöffnete linke Seite der Tür und die Fenster erkennt man im Inneren des Gebäudes eine große runde Schirmlampe. auf beiden Seiten neben der Tür sind große Fenster. Auch diese haben weiße Rahmen und sind unten in zwei lange hohe und oben in fast quadratische Fenster eingeteilt. Von der Decke dieses Foyers hängt links und rechts vor den beiden Fenstern jeweils eine runde weiße Lampe herunter. Auf dem Balkon darüber befinden sich als Verlängerung der Säulen weiße, quadratische Blöcke. Zwischen diesen erstreckt sich ein eisernes, verschnörkeltes Geländer, das an Jugendstil erinnert. Dahinter sowie rechts und links daneben erkennt man noch einen kleinen Teil der für Berlin typischen roten Backsteinfassade. Auf der Höhe des Balkons ist außerdem noch ein kleiner Teil von drei Fenstern zu sehen. Auch diese haben einen weißen Rahmen. Rechts und links vom Balkon ist ebenfalls je ein Fenster zu sehen. Dieses liegt jedoch ein wenig tiefer, so dass man auch den oberen Teil des Fensters erkennen kann. Der obere Teil der beiden Fenster ist abgerundet. Beim Betrachten des Bildes fällt sofort der Kontrast zwischen den weißen Säulen, den weißen Fenstern und der weißen Bank auf der einen und der roten Backsteinfassade sowie der roten Mauer auf der anderen Seite ins Auge. Beide Farben heben sich deutlich von der grünen Umgebung des Parks ab. Auch die Säulen haben gegensätzliche formen: Außen quadratisch und innen rund. Andererseits gibt es sowohl auf der Eingangsebene als auch auf dem Balkon darüber ein ähnliches geländer, die fensterformen sind auf beiden Ebenen ähnlich und es befinden sich auf beiden Stockwerken Teile der quadratischen Säulen. Auch sind die unterschiedlich geformten Säulen symmetrisch angeordnet. Diese wiederholung einzelner architektonischer Details oder spiegelbildliche Anordnung vermitteln durchaus den Eindruck eines harmonischen Ganzen. Der Fotografin prägt sich dieser Eindruck auch aus der Umgebung ein: Einerseits ist da der akustische Kontrast zwischen der vielbefahrenen, lauten Straße an der U-Bahn-Station Sophie-Charlote-Platz und der überraschenden Ruhe auf dem weitläufigen Gelände einerseits und andererseits die Harmonie, die dieses altehrwürdige Haus zwischen Bäumen und Sträuchern dieses geschichtsträchtigen Ortes. Insgesamt haben wir hier also einen Kontrast, der den Eindruck von Eintöinigkeit vermeidet und ein harmonisches Ganzes, dass den zu starken Bruch der Widersprüche abmildert. Während der Führung erfahren wir etwas über die harmonischen Anfänge und späteren dramatischen Umbrüche der Geschichte des Hauses und der darin enthaltenen Sammlung. Bedenkt man diese Umstände, kommt man zu dem Schluss, dass die Architektur des Gebäudes seine bewegte Geschichte sehr treffend wiederspiegelt. BILD UND TEXT ENTSTANDEN IM RAHMEN UNSERES FOTOSEMINARS FÜR BLINDE.

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Orientalischer Garten

Ein steinerner Hof von einem arabisch aussehenden Säulengang aus gesehen
Auf dem Weg durch die Gärten der Welt gelangen wir in den orientalischen
Garten. Der gesamte Garten ist von einer Mauer umringt und würde man
von oben drauf schauen, sähe man ein Quadrat, welches von vier lang
gezogenen Springbrunnen, welche auf einen Pavillon in der Mitte des
Gartens zulaufen, getrennt wird.
Das Foto ist entstanden, als die Fotografin links vom Eingang unter einem
Säulengang Zuflucht vor dem Lärm gesucht hat. Sie steht
also unter diesem Säulengang und blickt den Gang entlang. Man erkennt
eine der Ecken des großen Quadrates. Da die Sonne nicht komplett in
den Säulengang hinein scheint und dieser somit im Schatten liegt, ist
die linke Bildhälfte etwas dunkler als die Rechte. Am linken Bildrand
erkennt man die Mauer, die den ganzen Garten umfasst. Die obere Hälfte
der Mauer ist beige, während die untere Hälfte mit blauen, weißen und
orangefarbenen Mosaiksteinen, welche zu blumenartigen Mustern
zusammengefügt sind, verziert ist. Die beiden Hälften werden von einer
hellbraunen steinernen Bordüre, in die Muster gemeißelt wurden,
getrennt. Auch der Boden unter dem Säulengang ist mit größeren blauen
und weißen Mosaiksteinen belegt. Am Ende des Ganges erkennt man einen
kleinen Trinkbrunnen, auch dieser ist mit blauen und weißen Steinen
verziert. Um den Brunnen herum erstreckt sich nach oben ein hellbrauner
steinerner Schrein, welcher an die Bordüre an der Mauer erinnert. Die
Decke besteht aus Holzdielen, sie wirkt aufgrund der Schatten allerdings
fast schwarz.
Das Foto wird in der Mitte von den Säulen, die mit Bögen verbunden
sind, getrennt. Zu sehen sind sechs Bögen, wobei die erste Säule nicht
komplett abgebildet ist. Die Säulen sind identisch: sie sind mit
blauen und weißen Steinchen versehen, welche schachbrettartig
angeordnet sind. Da die Sonne auf die Säulen scheint, setzen sie sich
heller vom dunkleren inneren des Ganges ab. Den Übergang zwischen
Säule und hellbraunen Bögen bildet ein sandsteinerner Absatz. Dieser
ist mit einem Muster, welches an
Eulenaugen und -schnäbel erinnert, verziert. Insgesamt erinnern die Säulen, der Übergang und der Anfang der Bögen an ein Totem, da die drei Teile, ähnlich wie bei einem Totempfahl, verschieden und aufeinander gebaut sind.
Die rechte Bildhälfte ist hell undnd klar erkennbar. Außerhalb des
Säulenganges ist der Boden mit grauen, vom Regen und der Sonne
verfärbten Steinplatten belegt. Im Hintergrund verläuft die Mauer
weiter um den Garten herum. Den eigentlichen Garten mit den gut
duftenden Blumen sieht man leider nicht. An der Mauer lehnt eine braune
Sitzbank, die sich farblich schön von den blauen und weißen Steinchen
an der Mauer absetzt. Über die Mauer ragen Äste mit saftig-grünen
Blättern, durch welche der hellblaue Himmel durchblickt, empor.
Dadurch, dass der Garten von einer Mauer umgeben ist, hat man das Gefühl, ganz für sich in diesem schönen Garten zu sein, begleitet nur vom plätschernden Geräusch der Springbrunnen.
Foto von Katrin Dinges,
Bildbeschreibung von Fränz Reuter
Beides entstanden in unserem Fotoseminar für Blinde

Dank an die Gärten der Welt!

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Dem Trubel der Großstadt für eine Moment entfliehen

Der Idee, folgende Innenhöfe aufzunehmen, führte die Fotografin zu einem Ort ihrer Kindheit. Dort angelangt, entwickelte sich der Gedanke, eine Serie aufzunehmen. Die Auswahl umfasst fünf Bilder, die von Ruhe und Idylle in der Großstadt erzählen.

Die Aufnahmen entstanden Mitte Mai in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte.

Blick aus dem Dunkel eines Tunnels

 

 

Mitten im Lärm der Großstadt stehend – eine Straßenbahn im Rücken, brausender Autoverkehr, klingelnde Fahrräder, Menschenstimmen und Touritrubel um einen herum – fällt der Blick durch eine dunkle, langgezogene Toreinfahrt hinein in einen begrünten Hof.

Sogleich lädt die erblickte Szenerie dazu ein, in die üppige und menschenleere Natur des Hofes einzutauchen.

Zuerst betreten wir einen viereckigen, sterilen Durchgang: Glatte Decke und Betonboden sowie gekachelte Wände verweisen auf Architektur jüngeren Datums. Er endet vor einem Weg mit Rechtsbiegung, die den Blick auf den Rest vom Hof verwehrt. An diesem Punkt möchte man einmal tief einatmen und innehalten.

Befreit von der Unruhe, bietet sich nun eine neue und warme Atmosphäre zum Eintauchen an. Auf dem schmalen, gepflasterten Weg beginnt die Reise…

 

Eine grüne Tafel, die auf einem Spielplatz steht

 

Wir tauchen an einem verlassenen Spielplatz wieder auf. Der Platz ist sonnig, aber es steht dort auchein Baum, der seine schweren, belaubten Äste tief hängen lässt und Schatten spendet. Im Vordergrund sieht man eine bekritzelte Tafel. Sie steht frei vor einer Wand und wird von massivem Holz eingefasst und gehalten. Auf ihrer Fläche zeichnet die Sonne ein spitzes, aufrechtes Dreieck.

Die Situation strahlt Ruhe aus, wie man sie von der sonntäglichen Mittagspause kennt. Das vermitteln auch die anderen, in der Nähe stehenden, einsamen Spielgeräte, die auf die Rückkehr der Kinder zu warten scheinen.

So lange warten wir nicht sondern lassen uns weitertreiben…

Ein vergittertes Fenster, mit gemalten Fensterläden in einer mit Blumen bemalten Wand

 

und stoßen kurz darauf auf die Backsteinfassade eines kleinen Gartenhäuschens.

Die Backsteinmauer ist alt und von Wind und Wetter gezeichnet. In vergangenen Tagen einmal bunt bemalt worden, ist die Farbe nicht mehr kräftig und strahlend, sondern bereits von der Sonne ausgeblichen. Um das alte Holzfenster herum sind zwei braune Fensterläden aufgemalt, jeweils verziert mit einem roten, blau umrahmten Herzen. Sie heben die Tristesse des Fensters, mit seiner abbröckelnden Farbe und dem verrosteten Gitter, etwas auf.

Die Mauer schmückt eine gemalte Rosenhecke. Ihre großen, offenen rosa Rosenblüten und die vielen Verzweigungen, an denen kleine schmale grüne Blätter hängen, reichen vom Boden bis unter das Dach. Lässt man seinen Blick nicht durch die Verzierungen ablenken, entdeckt man den bröckelnden Mörtel zwischen den Steinen. Es scheint so, als halte die Rosenranke die Wand und gebe dem vernachlässigten Häuschen ein wenig Zuneigung.

Dieser Ort erinnert uns an ein Märchen und wir folgen wie Hänsel und Gretel dem Pfad weiter…

Eine Mohnblume

und kommen von den gemalten Rosen zum leuchtenden Mohn.

Die strahlend rote Blüte hebt sich klar vom verschwommenen, grünen Hintergrund ab. Es ist eine große Blüte von 15 cm Durchmesser. Sie ist fast vollständig geöffnet und man erkennt große schwarze Flecken in der Mitte. Die Sonne scheint seitlich auf die Blüte, wodurch ein eingeklapptes Blütenblatt einen Schatten auf den Stempel wirft. Die Blütenblätter wirken dünn und leicht wie knittrige Seide.

Der Mohn strahlt Wärme,Kraft und Ruhe aus. Er erinnert an Frühlingswiesen mit dem Surren und Zirpen der Bienen und Insekten. Der Duft nach Frühling liegt in der Luft und man spürt einen leichten Windhauch und auch die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Gesicht.

Wir verlassen den Mohn und sind fast…

Blick aus einem Tunnel auf eine belebte Straße

zurück im Trubel!

Am Ende unseres Besuchs „Der Insel der Ruhe“ kommen wir zurück an den dunklen, kalten Übergang. Der Wind in den Blättern der Bäume dringt noch leise ans Ohr. Das Vogelgezwitscher wird ruhiger. Während wir hindurch gehen, werden die eigenen Schritte von den gekachelten Wänden zurückgeworfen und lauter. Stimmengewirr und das Lachen von Kindern, die am Tor zur Straße stehenbleiben, sind undeutlich zu hören. Alles vermischt sich miteinander: Motorengeräusche von Autos und Bussen und das Klappern eines vorbeifahrenden Fahrrades. Beim Auftauchen auf der Straße sind wir wieder zurück in der Hektik und dem Trubel der Großstadt.

Bilder von Susanne, Text von Anika und Katja

Entstanden bei unserem Fotoseminar für Blinde

 

 

 

 

 

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Unfreiwilliges Spiegelbild

Eine Steinskulptur

Beschreibung von Verena und Anne
An unserem ersten Termin des Seminar Fotografieren für Blinde, haben wir am Nachmittag einen Streifzug über den Antiquitäten Flohmarkt am Tiergarten gemacht. Dabei konnten wir einige kuriose Entdeckungen machen und unsere tolle Fotografin Mary hat gegen Ende der Tour unter anderem dieses schöne Foto geschossen. Das vorliegende Bild zeigt das Spiegelbild einer Skulptur die wir durch Zufall entdeckt haben.
All das was im weiteren Verlauf beschrieben wird, ist nicht die direkte Abbildung des/der Objekte, es handelt sich dabei um die Fotografie eines Spiegelbildes.
Im Hintergrund ist der Tisch des Flohmarkthändlers zu sehen, auf dem eine dunkelrote Samttischdecke liegt. Die Tischkante verläuft parallel zum oberen Bildrand, nur ansatzweise erkennt man, dass auf dem Tisch noch Gegenstände liegen. Diese sind jedoch sehr unscharf, lediglich etwas blau und grau ist zu erkennen.
Der linke Bildrand wird durch den schrägen Zierschliff des Spiegels geprägt. Durch den Facettenschliff zeigt das Bild eine doppelte, nebeneinander liegende Spiegelung der Gegenstände. Zum einen sieht man eine hellbraune, runde Rattan Box, die circa mit der waagerechten Bildmittellinie abschließt und oberhalb ein Stück der Rückenlehne eines rot-braunen Korbsessels. Insgesamt nimmt beides das linke Viertel des Bildes ein. Im Detail macht ein Drittel die Spiegelung des Facettenschliffs aus, dort sind die Box und der Sessel sehr unscharf dargestellt, weiter rechts folgt dann die schärfere Spiegelung bei der sich eine Flechte am oberen Rand der Rattanbox erkennen lässt.
Nun kommen wir zum Hauptmotiv des Fotos, dies zeigt eine Steinfigur, auf dem Rücken liegend mit Flügeln. Die Figur liegt auf der senkrechten Mittelachse des Bildes. Die Skulptur hat den Blick nach links oben aus dem Bild gerichtet, spitz zulaufende Ohren und die Zunge hängt aus dem Mund, dessen Mundwinkel nach unten zeigen. Die Beine sind angewinkelt und eine Hand befindet sich zwischen den Beinen, die Füße liegen aufeinander und die linke Hand fasst an das Gesäß. Zum rechten Bildrand hin ist ein Flügel zu sehen, der an den einer Fledermaus erinnert. Die Spitze des Flügels wird vom rechten Bildrand abgeschnitten, das Gesäß der Skulptur vom unteren Bildrand.
Die Skulptur liegt auf einem runden weißen Tisch, dahinter sind einige hellgrüne Linien zu erkennen die von rechts oben diagonal nach nicht ganz links unten verlaufen. Diese Linien gehören zu einem runden Sessel, der hinter dem Tisch mit der Skulptur steht und bilden eine starken Kontrast zu den sonst eher erdigen Farbtönen des Bildes. Das Highlight, im wahrsten Sinne des Wortes, bleibt allerdings die Skulptur, die fast komplett weiß und als einziges scharf dargestelltes Objekt zu erkennen ist.

 

Insgesamt ist das Bild recht klar, die Skulptur wirkt leidend, sodass das Bild bei längerer Betrachtung eher eine gedrückte Stimmung vermittelt, aber auf der anderen Seite wirkt es auch hoffnungsvoll, durch den Blick, den die Skulptur nach oben richtet…

 

(aus dem Fotoseminar mit Blinden)

 

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Fischreiher von Marianne

Ein Fischreiher auf einem Steg am Ufer eines Gewässers

 

Bildbeschreibung des Graureihers auf dem Spreekanal von Sandra

Auf dem vertikal fotografierten Bild ist ein – für Berlin Mitte – eher ungewöhnlicher „Besucher“ (es könnte auch eine Besucherin sein) abgelichtet, den mensch womöglich in die Kategorie „Wildes-Berlin“ einordnen würde. Ein Graureiher, umgangssprachlich auch Fischreiher genannt, scheint am Kupfergraben direkt bei der Schlossbrücke eine Pause einzulegen. Die kartografische Zuordnung ist auf dem Bild nicht rauszulesen; mir bietet sich die Möglichkeit der Benennung, da ich die Fotografin auf ihrer Fotoexkursion begleiten durfte.

Da der Graureiher der Eye-Catcher des Bildes ist und sich markant hervorhebt, beginne ich zuerst mit der Beschreibung des Bildhintergrunds. Im oberen Viertel des Fotos sind zwei Sandsäcke zu sehen; ein kleinerer im linken, oberen Bildeck und ein größerer der sich vom rechten Bildeck nach links bis über die Mitte des oberen Bildrands hinweg streckt. Den ursprünglich weißen Säcken ist ihre Verweildauer im Spreekanal bereits anzusehen: Sie sind fleckig überzogen mit moosgrünen Algen. Sie wirken ein bisschen wie aus dem Spreekanal herausragende Inseln, wovon die rechte obere Insel etwas Fjord ähnliches hat, indem vom rechten Bildrandeck ein Wasserbecken mit Flussendung nach links einläuft; der Sandsack scheint geöffnet zu sein. Auf der vertikalen Achse der Mitte des Bildes, ragt vom rechten Sandsack eine Art Leinengurtschlaufe aus dem Wasser. Eine solche dunkelgrüne Schlaufe ist auch am Sandsack oben links zu sehen; sie wiederum scheint optisch an der mit weißen Schaumflecken überzogenen Wasseroberfläche zu schwimmen. Beide Sandsäcke sind auch noch unter der Wasseroberfläche zu sehen, obgleich ihre grüne Tarnung im moosgrün wirkenden Wasser ihre Silhouetten verschwimmen lässt. Im Zentrum des Bildhintergrunds ist ein weiterer Sandsack sowohl über, als auch unter der Wasseroberfläche zu erkennen. Das Material über der Wasseroberfläche hebt sich in kontrastreichem Weiß zum restlichen Grün des Wassers deutlich ab. Auch hier sind Teile von Leinengurten zu erkennen sowie eine auf dem Sandsack liegende, kurze Holzlatte die ebenso aus dem Wasser herausragt. Zur linken Seite dieses Sandsacks, sowie zur linken eines weiteren, kleiner wirkenden Sandsacks im rechten unteren Bildeck, schließt sich eine Holzpalette an.

Zwischen fünf Uhr direkt am unteren Bildrand und neun Uhr direkt am linken Bildrand verläuft ein dreieckiger Ausschnitt dieser Palette. Zu erkennen sind fünf helle und durch den Bildrand begrenzt unterschiedlich lang wirkende Holzleisten, die über der Wasseroberfläche vom linken Bildeck schräg zur Mitte hin verlaufen. Die Verbindungsleiste ist braun-grün und zieht sich unter der Wasseroberfläche (von fünf zu neun Uhr). Die Leisten der unteren Palettenseite sind ebenso braun-grün und eher schattenhaft zu erkennen.

Jetzt zum eigentlichen „Star“ des Fotos: Der Graureiher durfte an die achtzig bis neunzig Zentimeter groß sein; er erstreckt sich mit seiner linken Körperseite – von Schnabel- bis Gefiederschwanzspitze – beinahe über die Diagonale des Bildes. Sein dolchartiger Pinzettenschnabel ist geschlossen und zeigt zwischen zehn und elf Uhr auf den Sandsack im linken Eck des Bildes. Die Wachshaut des Schnabels ist orange-gelb und wird zum schwarz-gelben Auge hin heller bis beinahe weiß. Da der Reiher von links oben fotografiert wurde, können die Betrachter_innen deutlich sehen wie sich die hier dunkelblau wirkenden, eigentlich aber schwarzen Schmuckfedern vom weißen Gefieder des Oberkopfs farblich abheben. Die Schmuckfedern verlaufen über dem Auge beginnend, schmaler zulaufend über den Kopf hinunter zum oberen Drittel seines Halses. An der Oberkopfmitte – zwischen den vom linken und rechten Auge ausgehenden dunklen Schmuckfedern – zeichnet das weiße Kopfgefieder eine federartige Form nach, die mit Federspitze zum Hals hinunter ausläuft. Der gestreckte Hals, der beinahe die Hälfte der gesamten Körperlänge auszumachen scheint, der erhobene Kopf und der fokussierende Blick lassen das Tier grazil, stolz und aufmerksam erscheinen. Das Gefieder seines Halses ist weiß und geht im Übergang zum Oberkörper in ein helles Grau über. Das Rückengefieder schimmert grau-blau und ist mit konturenstarken, dünnen weißen Federn durchzogen. Das schwarz-graue Gefieder der linken Schwinge erscheint weicher und flauschiger. Das grau-blaue Gefieder des Rückens wiederholt sich auch vereinzelt auf der Schwinge und hebt sich in Farbe und klarerer Kontur von diesem ab. Die großen und kräftig wirkenden Schwanzfedern die überlappend in einem Spitz zusammenlaufen, sind präzise zu erkennen. Das Blau-Grau der oberen Schwanzfedern, hebt sich von dem schwarz-grauen, darunter liegenden Gefieder ab. Am Übergang von Hals, Oberkörper und Schwinge ist ein schwarzer und weißer Gefiederfleck auszumachen, der beinahe wie ein Gefieder-Mal beschrieben werden kann.

Die gefiederlosen, dünnen und stelzigen Beine nehmen die Farbe des Schnabels wieder auf; obgleich in weniger Farbintensität, Leuchtkraft und mit zusätzlichem Grau. Sie befinden sich am unteren Bildrand, etwas rechts von der vertikalen Bildachsenmitte. Das linke Bein ist etwas angewinkelt, mit dem Fuß in der Luft. Aufgrund der Bildperspektive ist der leicht nach unten abgesenkte Fuß mit seinen Zehen, von der Rück- und Unterseite zu betrachten; Schwimmhaut und Krallen sind mehr zu erahnen als zu erkennen. Das andere Bein ist gestreckt; der Fuß scheint auf der ersten Leiste der Holzpalette am unteren Bildrand zu stehen. Dies kann jedoch nur vermutet werden, da der rechte Fuß nicht vom Bild erfasst ist.

Alles in allem ein kontrastreiches Foto – sowohl in seinen Farben, als auch in seinem „Inhalt“ oder „Thema“ (Stadt vs. Natur).

Foto und Bildbeschreibung entstanden in unserem Fotoseminar für Blinde

Hier noch ein PS von Sandra: Marianne und ich unterhielten uns über die Bildbeschreibung. Dabei wurde deutlich wie unterschiedlich (in ihrer Bedeutsamkeit für die jeweiligen  Betrachter_innen) Bildinhalte aufgenommen werden. Während es mir bei dem Foto des Graureihers wichtig erschien auch den Hintergrund präziser zu beschreiben, hätte dieser für Marianne durchaus knapper ausfallen können da er auf sie weniger relevant wirkte. Für mich war er wiederum bedeutsam, da sich durch den farblichen Kontrast – entstehend durch den dunklen Hintergrund – das Tier noch mehr in den Fokus des Bildes stellte. Zudem wirkten die Bildinhalte auf mich beinahe Widersprüchlich, so dass dies für mich festzuhalten bzw. mitzuteilen war: Die moosgrünen Sandsäcke und die Holzpalette standen für mich in starkem Kontrast zu dem sauberen, schönen und grazilen Anblick des Tieres.

Ein Kommentar

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