Schlagwort-Archive: Fotoseminar für Blinde

Streifenmensch im Blindversuch von Zorana Lalic

Portrait mit überbelichteten Streifen

Dieses Foto entstand bei einem Fotografieworkshop für Blinde und Sehende in Hamburg im Rahmen der Filmvorführung von „Shot in the Dark“. Zorana ist sehend und ließ sich für dieses Bild die Augen verbinden.

Das Foto ist im Querformat aufgenommen. Im oberen Teil ist das Bild etwa zu 45 % mit schwarzem Hintergrund ausgefüllt. Im restlichen Teil ist das Gesicht der gleichen Person dreimal im Halbprofil zu sehen. Die Gesichter bilden eine Art Dreieck und nur im Mittleren sind Gesichtszüge ansatzweise erkennbar. Während der Belichtungszeit von 8 Sekunden wurde die Kamera horizontal hin – und her bewegt, wodurch farbige Querstreifen entstanden: ein streifen ist rötlich, ein andere sehr gleißend weiß und dünn und ein dritter beige, durch die Farbe der Jacke, die die Person trägt.

Das Foto war ein Experiment und Zorana wusste vorher nicht, wie das Bild aussehen würde.

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Im Blindflug Fotografieren

Füße und Hosenbeine in Bewegung auf Betonboden.

Menschen unterwegs

 

Michaela Hegenbarth arbeitet als Fotografin im Altonaer Museum in Hamburg. Als sie von dem Fotografieworkshop für Blinde im Rahmen der Filmvorführung von „Shot in the Dark“ hörte, wollte sie wissen warum und wie blinde fotografieren. Und welchen Sinn es hat, wenn man das Foto danach nicht sehen kann. Also versuchte sie sich mit Verdunklungsbrille im blind Fotografieren.

Ich habe während des Workshops gemerkt wie schwierig es ist,  nur mit den Ohren zu fotografieren, oder auf Licht und Schatten zu achten mit der Verdunklungsbrille.

Einen Kontakt aufzubauen war nicht so leicht, da ich bemerkte wie sensibel Nichtsehende sind, ich war doch etwas unsicher, da der Blickkontakt fehlte. An Kontaktschwierigkeiten meinerseits liegt es nicht, ich gehe ohne Scheu auf Menschen zu.

 

 

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Eine Mausenase Erzählt von Susanne Emmermann

Orangen, Apfel und Anis auf Holztisch

Der untere Teil des ersten Bildes deiser Serie zeigt einen dunklen, hölzernen Gartentisch. Stellen Sie sich vor, dass eine kleine Maus von dieser Position aus Ihre Nase gen Himmel richtet, um den interessanten Geruchen zu folgen. Es offenbart sich für sie ein hochst reizvolles und geschmackvolles Bild. Vorsichtig den Hintergrund absuchend, ragen dort auf der linken Seite ein saftiger roter Apfel und mittig und rechts davon zwei Orangen empor.

Der Blick richtet sich unweigerlich, dem Duft folgend, auf die Bildmitte, in welcher sich das Geruchszentrum befindet. Der getrocknete Anis prasentiert sich wie ein Meer, das nahezu das gesamte Bild bedeckt. Eine Woge aus unebenen und holzigen Sternen kommt uber den Tisch direkt auf die Kamera zu. Der intensive Anisgeruch wird formlich von einer steifen Brise in die Nase getragen und lässt die Geschmacksknospen tanzen.

Draufsicht einer Orange und Zimtstangen

Zaghaft tastet sich die Maus auf das Sternanismeer hinauf und sieht von der Vogelperspektive auf ein weiteres, bisher verborgenes Bild. Eine Orange und drei Zimtstangen. Das zentrale Element der zweiten Fotografie ist die Orange, die zum Teil
geschält und leicht geöffnet ist. Vom rechten Bildrand ausgehend nimmt diese zwei Drittel des Bildes ein. Durch die Draufsicht schaut die Maus in das Zentrum der Orange hinein. Die einzelnen Stücken scheinen vom Mittelpunkt ausgehend auseinanderzufallen, ähnlich einer sich öffnenden Seerosenblüte. Die verbliebene äußere Schale hält die Struktr zusammen. Auf allen sichtbaren Orangenstücken ist die weiße, faserige Außenhaut zu erkennen.

Von der Orange ausgehend rinnt eine schmale Spur Fruchtsaft über den Tisch zum unteren Bildrand. Das Licht des Himmels spiegelt sich darin wider. Der austretende Saft und das noch pralle, feste Fruchtfleisch lassen darauf schließen, dass es sich um eine sehr frische und fruchtige Orange handelt.

Gleich links daneben liegen braune, naturbelassene Zimtstangen. Aufgrund des Fotoformats sind sie am Bildrand abgeschnitten. Auch die Zimtstangen sehen sehr frisch und naturlich aus. Sie ähneln kubanischen, selbst gewickelten Zigarren. Eine wohlige Duftwolke aus Zimt dringt in die Nase und lasst die Gesamtanordnung aller sich auf dem Bild befindlichen Elemente noch asthetischer wirken.

halbierter Apfel

Die Maus genießt den Moment, als sie unverhofft aus den Gedanken gerissen wird, da ein Windstoß etwas vom Tisch herunter geweht hat. Neugierig folgt sie dem Gerausch. Sie sieht, dass der Apfel, der im ersten Bild im Hintergrund lag, heruntergefallen ist. Neugierig folgt sie ihm nach unten.

Er ist nicht mehr als Ganzes vorhanden, sondern mittig des Kerngehauses auseinandergebrochen. Die Schale schlägt an manchen Stellen kleine Wellen und auch das Fruchtfleisch ergibt keine gerade Oberflache. Es ist auf dem Bild nur eine Hälfte des Apfels zusehen. Durch diese naturlich wirkende Teilung tritt Saft aus dem weiß glanzendem Fruchtfleisch heraus. Der Saft ist vor allem in den Kuhlen des Gehauses deutlich erkennbar, in denen jeweils ein Samenkern liegt. Die Maus tapst mit ihren Pfoten in eine kleine Pfütze aus Fruchtwasser
und schüttelt sie aus.

Die Schale des Apfels ist rot gesprenkelt, jedoch tritt diese auf dem Bild eher in den Hintergrund und wird nur an ein paar wenigen kleinen Stellen am unteren und oberen Rand des Bildes sichtbar. Der frisch aufgebrochene Apfel wirkt keineswegs mehlig. Genau durch diesen großen Genussfaktor, kommt das Gefühl auf, es sei ein saftiger und knackiger Apfel. Die Vorstellung, dass der Apfel leicht süßlich frisch schmeckt und beim Hineinbeißen etwas spritzt, lädt gleich zum Verzehr ein.

 

 

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Ein Tag am Strand von Susanne Emmermann

Roter Fußnagel am Strand

Es handelt sich bei diesem Bild um einen Tag am Strand. In der unteren Halfte des Bildes ist ein heller Sandstrand zuerkennen und in der oberen Halfte der blaue Himmel mit einigen Wolkenformationen. Der schmale Begrenzungsstreifen von Himmel und Erde, das Wasser, ist dunkelblau.

Die Kameraperspektive lässt erahnen, dass die Kamera auf den Boden zwischen den Beinen der Person gelegt wurde. Der Sand sticht wie eine kleine hugelige Sandlandschaft hervor, die sich bis zur Mitte des Bildes erstreckt. Dadurch wirkt es so, als wäre das Wasser in weiter Ferne. Der Sand wird von der Sonne angestrahlt. Er sieht weich und von der Sonne erwarmt aus. Er ladt zum gemutlichen darauf sitzen oder liegen ein.

In der linken unteren Ecke im Bild sind ein Teil eines linken Unterschenkels sowie ein Fuß mit einem roten Fußnagel vom großen Zeh zu erkennen. Die Sohle ist nicht zu sehen, wird aber wie der Unterschenkel von der Sonne angestrahlt. An vereinzelten Stellen klebt Sand an der Haut, so dass man den Eindruck gewinnt es sei heiß und der Sand bleibt dadurch an der Haut hängen oder die Person war zuvor schon mit den Beinen im Wasser. Das Bild drückt einen Moment der Ruhe, Wärme sowie pure Entspannung aus. Es lädt zum Träumen und Loslassen ein

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Sinnesbilder von Susanne Emmermann

Unser Leben ist von optischen Eindrucken gepragt. Das ging mir nicht anders und so nahm ich viel weniger mit meinen anderen Sinnen wahr. Durch meine zunehmende Erblindung war ich dazu gezwungen mehr zu horen, zu riechen und zu fuhlen. Das eroffnete mir eine Welt, die ich in der Dimension bisher nicht gespurt hatte. Mit meinen Bildern mochte ich auf diese Sinne aufmerksam machen.

Lassen Sie sich ein auf den wurzigen Geruch des Sternanis, den Duft der Orange und schmecken Sie den saftigen Apfel. Traumen Sie ein wenig vom Sommer und spuren Sie mit dem Strandbild die Sonne und lassen sich von dem beerigen Eisbecher verfuhren, dessen Duft selbst mich uberraschte.

Susanne Emmermann
Januar 2017

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Bild #6699 von Silja J

Lichtgebilde mit Frau im Hintergrund

Es lässt vermuten, dass das Bild mit dem Arbeitstitel #6699 eine photographische Aufnahme ist. Das Bild ist im Hochformat und zudem in Schwarz-Weiß abgelichtet. Der erste ungenaue Blick auf das Bild verfängt sich in den sehr hellen, in die vertikale Länge gezogenen kreisförmigen Gebilden, die in dünnen Linien, die zerfransten  Haarsträhnen ähneln das Bild dominieren. Gleichwertig dazu und ebenso auffällig zeigen sich die im unteren Drittel des Bildes angesiedelten drei sehr hellen blumenartigen Gebilde. Höchstwahrscheinlich wurden diese Gebilde mit einer langen Belichtungszeit und einer kleinen, per Hand zu bewegenden Lichtquelle realisiert. Es wirkt wie eine schnell ausgeführte Zeichnung, bei der die zeichnende Person an eine sommerliche Blumenwiese dachte, auf der ein von der Wärme angezogener auf- und absteigender Mückenschwarm tänzelt.

Bei genauerer Betrachtung verdeutlichen sich in dem zuvor wenig beachteten Hintergrund die Konturen einer Person. Aufgrund des ersten Eindrucks, der Kleidung und der Frisur, die die Person trägt, würde wohl die Mehrzahl der betrachtenden Personen diesen Menschen in die Kategorie „Frau“ einordnen. Mit Sicherheit lässt sich das aber als außenstehende Person so nicht bestimmen.

Der Oberkörper ist bis etwa zur Unterbrust zu sehen und positioniert sich eher links im unteren Teil des Bildes, so dass die rechte Schulter der Person am Schlüsselbeinansatz abgeschnitten ist. Die zuvor erwähnte Kleidung ist ein helles, mit dunklen Sternchen bedrucktes Oberteil mit Turtleneck-Kragen. Durch die linksseitige Positionierung des Oberkörpers ist folglich auch der Kopf der Person in der linken Bildhälfte zu finden. Das Gesicht blickt aus dieser Position ganz leicht nach oben und in einem 30 Grad Winkel zum frontal sichtbaren Oberkörper in die rechte Bildhälfte, in Richtung der betrachtenden Person.

Die Haare der Person sind glatt und in etwa Kinnlang, wobei vorne ein Pony geschnitten ist, und erinnern an einen Pagen-Schnitt. Die Augen und der Mund sind geschlossen, die Nase wirkt als würde sie in der Luft einen wundersamen, schönen Duft wahrnehmen. Das gesamte Gesicht wirkt sehr wohlig entspannt und genießend, verbindet sich so in Gänze mit dem Vordergrund und untermalt die Vorstellung von Sommer, Wiese und Wärme.

 

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