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100 Meisterwerke: 37.“Der Knabe mit der Roten Weste“ von Paul Cézanne

Der Knabe in der Roten Weste

Paul Cézanne  war ein französischer Maler der zu den Wegbereitern der klassischen Moderne in der Kunst zählt. „Der Knabe mit der roten Weste“ ist eines seiner berühmtesten Gemälde. Zum einen weil er das erste Mal ein Berufsmodell, einen jungen Italiener namens Michelangelo di  Rosa, porträtierte und zum anderen weil das Gemälde später zwischen 2008-2012 in einen Kunstraub verwickelt war. Das Gemälde ist eines von insgesamt sechs Werken einer Serie wobei vier davon Ölgemälde sind und die anderen zwei Aquarelle, all diese Gemälde porträtieren den Jungen.

Das gestohlene Ölgemälde, das sich nun wieder in der ursprünglichen Sammlung E.G Bührle in Zürich befindet, zeigt das Porträt eines jungen Mannes in Frontalansicht. Er sitzt jedoch zu seiner linken Seite gedreht auf einem unerkenntlichen Gegenstand und stützt sich mit dem linken Ellbogen auf einer Ablage, eventuell einem Tisch, ab, dies ist  jedoch nicht klar zu erkennen. Sein Alter ist schwer zu schätzen, er könnte um die zwanzig sein.

Allgemein ist der Hintergrund flächig und undeutlich gemalt, der Junge hingegen ist mit genauen Umrissen dargestellt. Auf der linken  Seite im Hintergrund lässt sich ein grünbrauner Vorhang erahnen, der das Bild auf dieser Seite abschließt. Mittig auf der Höhe des Kopfes des Jungen zieht sich ein dunkelbrauner Balken durch den Hintergrund. Die Flächen darüber und darunter sind hellblau und grün getupft und könnten ein Fenster andeuten.

Der Junge stützt sich mit dem Ellbogen auf die Ablage, wobei sein Kopf in seiner Hand ruht. Der rechte Arm, der sehr lang wirkt, hängt schlaff herunter, fast mittig im Bild, und liegt auf seinen Knien. Seine Haltung sieht leicht gelangweilt aus, als würde er auf etwas oder jemanden warten. Seine dunkelbraunen Haare sind etwa schulterlang und zu einem Zopf gebunden, der ihm gerade auf dem Rücken liegt. Sie sind mittig gescheitelt und hinter das Ohr gestrichen. Er hat blasse, helle Haut und ein zierliches Gesicht. Im Vergleich dazu erscheint sein sichtbares rechtes Ohr sehr groß. Seine dunklen Augen schauen geradeaus ins Leere.

Die Kleidung des Jungen ist elegant: Er trägt ein weißes, langärmliges Hemd mit einer geschlossenen Weste darüber und eine blauen Hose. Vorderteil und Kragen der Weste sind leuchtend Rot, der Rücken ist aus beigefarbenem Stoff. Dazu trägt er ein blaues Halstuch. Da dieses nur durch blaue Farbflächen angedeutet ist, lässt sich nicht erkennen wie es gebunden ist. Sein Körper ist auf dem Gemälde nur bis zu den Oberschenkeln zu sehen. Quer über seinen Knien liegt eine braune Decke oder ein großes Stück brauner Karton. Neben dem Jungen auf der Ablage liegt ein Stück weißes Papier. Vielleicht will er etwas schreiben und sieht daher nachdenklich oder fast schon gelangweilt aus. Allgemein dominieren in dem Ölgemälde die Farben blau, grün und rot, die zusammen eine sehr stimmige Komposition ergeben und dem Bild zu einer warmen  Atmosphäre verhelfen.

Bildquelle: billerantik.de

Text: Clara Hoffmann

 

 

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100 Meisterwerke: 36. „Papst Innozenz X“ von Francis Bacon

Innozenz X

Das Portrait von Papst Innozenz X wurde zwischen 1950 und 1965 von dem irischen Maler Francis Bacon angefertigt und zeigt einen schreienden, bleichen Papst, weshalb es auch als „Der Schrei des Papstes“ bekannt ist. Es ist ca. 1,20 m breit und 1,40 m hoch. Das Gemälde ist Teil einer Serie von verfremdeten Papst Portraits. Als Vorlage für dieses dient ein realistisches Portrait von Diego Velázquez aus dem 17. Jahrhundert. In Bacons Version erinnert nahezu ausschließlich die Grundhaltung des Papstes an das Original.

Das Gemälde wirkt im ersten Moment sehr unheimlich und düster, geradezu Angst einflößend. Es ist kein Hintergrund auszumachen. Nur der Papst, der von grellen Schlingen oder Stangen auf seinem Stuhl gefesselt zu sein scheint, ist zu sehen. Zusätzlich krallt er sich an den Armlehnen fest. Er sitzt aufrecht, aber sehr in den Stuhl gezwungen. Die Arme sind über die Armlehnen der Länge nach ausgestreckt und die Beine sind unter dem Gewand fast nicht zu sehen. Die vergoldeten Elemente des Stuhls, scheinen auf Holz gearbeitet zu sein, wahrscheinlich sind es nur Beschläge. Die gebogenen, gelb-grellen Schlingen scheinen den Papst an den Füßen festzuhalten. Auch zu den Handgelenken hin führen diagonal zwei zarte, gelbe Schlingen.

Der Papst trägt eine zylinderförmige, violette Kappe und einen Umhang in der gleichen Farbe. Die Kappe ist kleiner als sein Kopf und sitzt wie eine Art Fez darauf. Der Umhang wirft leichte Falten. Direkt unter dem Kinn des Papstes erkennt man den weißen Kragen seines Hemdes. Er trägt keinen Schmuck. Besonders hervor stechen allerdings seine violette Kappe und der bauchlange Umhang. Darunter trägt er ein langes, weißes Gewand mit langen Ärmeln. Es ist nicht genau zu erkennen, wie lang das Gewand ist, aber vermutlich reicht es bis zu den Knöcheln.

Das blasse Gesicht wirkt durch den Schrei schmerzverzerrt, beinahe, als müsste er alles Leid der Welt aushalten und als wolle er davon befreit werden. Der Mund ist weit aufgerissen und beide Zahnreihen sind sichtbar. Die Zunge ist in der Dunkelheit nicht zu sehen. Das ovale Gesicht, mit der grauen Haut und den Schatten, sowie die lange, hakenförmige Nase deuten darauf hin, dass der Papst deutlich über Fünfzig sein muss, vermutlich älter.

Weder vom Papst noch von dem Stuhl sind klare Konturen auszumachen. Alles wirkt verzerrt, als würde es sich auflösen. Über dem gesamten Gemälde liegt eine Art verzerrter Filter, so als wäre es eine transparente Holzmaserung. Die hellbraune Leinwand scheint durch die kräftigen parallelen Pinselstriche in schwarz und blaugrau, die vor allem den Hintergrund, aber teilweise auch die Figur vertikal durchziehen. Der Maler hat noch eine Art weißen Nebel über das Bild gelegt.  Es scheint, als wäre der Papst von verzerrten Geistergestalten, die ihn heimsuchen, umzingelt. Man kann keine einzelne Gestalt oder Gliedmaßen erkennen. Es handelt sich eher um in die Länge gezogene Schatten. Einige dieser Schatten sind schwarz-blau und scheinen von den Füßen her in den Papst hinein zu fahren.

Bildquelle: Ibiblio.org

Text: Max Scheller

 

 

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100 Meisterwerke: 35. „Bocksay – Ter“ von André Kertész

Bocksay – Ter

Das Original der Fotographie  „Bocksay – Ter“ von André Kertész entstand 1914 im trockenen Gelatineverfahren in Verbindung mit Silbernitrat. Die späteren Abzüge wurden einfach nachgedruckt, bzw. kopiert. Das Bild hat die Maße 18,9 x 24,6 cm und ist damit fast Quadratisch.

Das Foto zeigt von der rechten Seite bis etwas über die Bildmitte ragend, ein großes Haus mit einem Krüppelwalmdach mit Tonziegeln. Der Blick der betrachtenden Person fällt genau auf die verputzte Giebelseite mit den zwei sehr niedrig sitzenden Sprossenfenstern. Auf diese Hauswand ist eine starke und helle Lichtquelle gerichtet, die von schräg rechts und oben zu kommen scheint. Der Rest des Bildes ist eher düster.

Nahe der Hauswand, ebenso von der rechten Seite komment geht eine vermutlich männliche Person mit leicht nach vorne geneigtem Kopf und Körper. Die Person trägt einen langen dunklen Mantel, einen Melonen-Hut, eine dunkle Hose und dunkle Schuhe. Der satt schwarze Schatten der Person, wird durch die starke Lichtquelle vor ihr an die Hauswand geworfen, wodurch es wirkt als verschmelzen beide miteinander.  Die Ränder des Schattens sind scharf gezeichnet. Auf den ersten Blick wirkt es, als ständen dort zwei schwarz umrissene Personen in der selben Pose hintereinander.

Ein weiterer Schatten reicht von der linken Hausecke aus, mit einer trennscharfen Schattenkante in die linke, leicht nach oben gehende Linie im Bild. Die Hausecke unten hat einen Kantenstein.  Etwa in Kopfhöhe, an der linken Seite der Wand, befindet sich ein Schild. Ein weiteres Schild befindet sich am oberen Ende der Hauswand, direkt unter der linken Traufe des Krüppelwalms auf der Giebelseite.

Im unteren Drittel des Bildes ist sehr deutlich eine Bordsteinkante aus handbearbeiteten Steinen zu sehen. Sie beginnt in der rechten unteren Bildecke und zieht sich wie der Schatten der Hausecke leicht nach oben links. Etwa bei einem Meter Überstand über die Hausecke hinweg, macht der Bordstein einen Knick und verläuft ab da parallel zur linken, nicht sichtbaren Hauswand in die Tiefe des Bildes. Die Straße ist ebenfalls mit Steinen gepflastert, der Gehweg vermutlich aus Sand oder Schotter. Ein beträchtlicher Teil des Sands oder des Schotters verteilt sich aber auch auf der Straße. Die hell erleuchtete Hauswand ist von unten her dreckig, vielleicht sogar feucht oder nass.

In der linken oberen Hälfte des Bildes zeichnen sich nur schemenhafte Gegenstände ab. So kann man die Konturen des Schornsteins, von anderen Gebäuden und eines Baumes sehen. Das Bild wirkt insgesamt sehr düster, sogar ein wenig gruselig und geisterhaft.

Bildquelle: Artnet.com

Text: Jolin Hölzel

 

 

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100 Meisterwerke: 34. „Susanna im Bade“ von Jacopo Tintoretto

Susanna im Bade

Das Bild „Susanna im Bade“ ist ein Gemälde des Venezianischen Malers Jacopo Tintoretto aus den Jahren 1555-56. Es ist im Querformat in der Größe 146cm x 193,5 Zentimeter mit Ölfarben auf Leinwand gemalt und heute im Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien. „Susanna im Bade“ gilt als Tintorettos  berühmtestes Werk.

Auf dem Bild ist de Ausschnitt eine Gartens zu sehen in dem eine nackte Frau an einem Wasserbecken von zwei alten Männern beobachtet wird. Die völlig unbekleidete Frau sitzt im Vordergrund am rechten Bildrand. Ihr Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt und sie umfasst mit beiden Armen ihr rechtes Bein, das sie angewinkelt auf dem Boden aufgestellt hat. Die Frau sitzt seitlich, leicht dem Betrachtenden zugewandt. Ihr linkes Bein ist bis zur Wade in das Wasserbecken getaucht. Unter der Wasseroberfläche ist noch ihre Wade zu erkennen, der Fuß allerdings nicht mehr. Das Becken ist aus Stein und rechteckig, wie tief und lang es ist, ist nicht erkennbar.

In Susannas Rücken ist der Teil eines Baumstammes zu sehen,  der in seinem Wuchs der Linie ihres gebeugten Rückens folgt, also schräg wächst. Hinter dem Baumstamm, am rechten Bildrand,  leicht über ihrem Kopf sind Holunderblüten abgebildet. Auf einem Ast des Holunderbusches sitzt eine Elster. Der Badebereich wird durch ein dichtes Rosenspalier mit hellrosa Blüten begrenzt. Es beginnt im äußeren linken Bildrand und steht gegenüber der Badenden.

Auf dem Boden an dem Spalier lehnt, der Frau zugewandt, ein Spiegel, in den die Frau versunken blickt. Der Spiegel ist rechteckig und hochkant. Er hat einen schmalen, vielleicht vergoldeten Holzrahmen und ist von der Größe her eher ein Spiegel, der Gesicht und Büste abbildet. Kein Ganzkörperspiegel. Von der Spiegelung ist nicht viel zu sehen, nur ein wenig Spitzentuch, das direkt davor liegt.

Susanna hat blonde, leicht ins rötlich gehende Haare und eine aufwendige Flechtfrisur mit vielen, eng am Kopf anliegenden Zöpfen. An ihrem Ohr hängt ein Perlenohrring mit einer traubengroßen Perle und an beiden Handgelenken trägt sie goldene Armreifen, die mit Perlen oder Steinen besetzt sind. Sie wirkt sehr jung; hat ein jugendliches und faltenfreies Gesicht mit großen Augen und einer geraden schmalen Nase. Der Mund ist schmal, der Gesichtsausdruck eher ruhig und konzentriert.

Die Figur der Frau ist leicht rundlich und weich, sie hat eine sehr helle, makellose Haut. Es zeichnen sich keine Knochen ab. Der Bauch ist fest und die Brüste, soweit sie nicht von ihren Armen verdeckt sind, eher klein. Ein weißes Tuch mit Spitze und Fransen ist um ihr rechtes Bein geschlungen. Es liegt über ihrem Oberschenkel, das eine Ende kommt auf der dem Betrachtenden zugewandten Seite auf dem Boden zwischen ihren Beinen zum Liegen, verschwindet dann auf der dem Betrachtenden abgewandten Seite und kommt in der Mitte ihres Unterschenkels wieder zum Vorschein. Über ihrem Schienbein liegt noch ein Zipfel des Tuchs, der größte sichtbare Teil des Tuches liegt hinter ihrem rechten bein auf dem Boden und berührt fast den an der Hecke lehnenden Spiegel. Es könnte aus Seide sein, jedenfalls ist es ein leichter Stoff, der sich in viele Falten legt und bauscht.

Vor ihr und um den Spiegel herum liegen ein Kamm, eine Perlenkette, zwei Ringe, eine Hut- oder Kleidernadel und stehend, fast am Beckenrand  befindet sich noch ein gläsernes Gefäß mit Deckel, ähnlich einer Zuckerdose, dessen Inhalt nicht zu erkennen ist. Hinter ihr liegt ein rotes, reich mit goldfarbenen Borten verziertes Kleid, es schaut nur ein Teil des Kleides hervor, eventuell der Arm und Halsauschnitt. Es wirkt nicht wie ordentlich zusammen gefaltet, sondern eher wie ausgezogen und fallen gelassen. Die Frau wird von der Sonne beschienen und ist in der ansonsten eher dunkel gehaltenen Badeszene leuchtend hell gemalt und sticht dadurch besonders hervor. Dieser Hell-Dunkel Effekt wird auch Chiaroscuro- Effekt genannt.

Hinter der Rosenhecke verstecken sich zwei alte Männer, die die Frau beobachten. Einer, mit Glatze und weißem Vollbart, liegt im Bildvordergrund hinter der Hecke und schaut von vorne auf die Badende, der Kopf ragt mit der hell glänzenden Glatze dem Betrachtenden entgegen. Sein Blick ist auf das Wasser des Beckens gerichtet. Der andere mit weißem Kopf- und Barthaar steht in der hinteren Bildmitte am Ende der Hecke, nur leicht von dieser verborgen, im Halbprofil dem Betrachtenden zugewandt. Er hält sich an der Hecke fest um besser dahinter hervorschauen zu können. Beide Männer tragen rote Gewänder, es ist viel gewickelter Stoff zu erkennen, vielleicht handelt es sich um eine Art Mantel. Die Frau scheint nichts von der Anwesenheit der Beiden zu bemerken.

Außerhalb der Badeszene ist im Bildhintergrund eine parkähnliche Landschaft zu erkennen: Bäume, Säulen und ein kleiner Teich mit Enten sind in der Mitte des Hintergrundes zu sehen. Im linken Bildhintergrund steht ein Hirsch und noch weiter hinten sind ganz leicht gezeichnete Gebäude mit großen Steinstatuen an der Fassade erkennbar.

Das Bildmotiv stellt eine Szene aus der Bibel dar. Die Badende ist die Ehefrau eines reichen Mannes und wird von den beiden Alten in ihrem Garten beim Baden überrascht. Sie verlangen von ihr, dass sie sich ihnen hingibt. Über ihre Weigerung erbost, klagen sie sie des Ehebruchs an. Sie wird zum Tode verurteilt, in letzter Sekunde aber durch den Propheten Daniel errettet, der mit einer Einzelbefragung der beiden Alten aufdeckt, dass der Ehebruch nur erfunden war. Diese Geschichte hat Einfluss auf die Rechtsprechung und die getrennte Befragung von Zeugen genommen.

Das Thema wird in den verschiedensten Kunstformen bearbeitet.

Bildquelle: Google Arts Project

Text: Astrid Pruß

 

 

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100 Meisterwerke: 32. „Sterbezimmer“ von Edward Munch

Sterbezimmer

Edvard Munch war ein norwegischer Maler und Grafiker des Symbolismus. Neben zahlreichen Gemälden fertigte er ebenfalls Grafiken und Zeichnungen an. Munch gilt als wegweisend in der expressionistischen Malerei der Moderne. In Deutschland und im übrigen Mitteleuropa genoss er früh den Ruf eines epochemachenden Neuschöpfers. Heute sind seine Werke weltweit berühmt.

Das Bild mit den Maßen 38 x 58,5 cm zeigt einen Raum, in dem sich sieben sitzende oder stehende Personen um ein Bett mit Beistelltisch gruppieren. Der Raum hat einen hellbraunen Holzfußboden, dessen Dielen vertikal verlaufen. Der Boden hat im unteren rechten Teil des Bildes einen Fleck, der als Umriss eines horizontal liegenden Kopfes interpretiert werden kann. Der Raum wird von zwei olivgrünen Wänden begrenzt. Von der linken Wand ist nur ein Bruchteil in der hinteren Ecke sichtbar. Dort befindet sich ein vertikal angebrachtes Holzbrett. An diesem Brett stützt sich ein Mann mit der rechten Hand ab, seine linke hat er in der Hosentasche. Er trägt einen blauen Pullover und eine Hose, bei der das linke Bein braun und das rechte grün ist. Der Kopf des Mannes ist in Richtung der Wand nach unten geneigt. Sein Gesicht ist nicht zu erkennen, da keine Details wie Augen oder Nase gezeichnet sind. Die Gesichtsfarbe des Mannes ist leicht rötlich. An der Wand, die von vorne nahezu in ganzer Breite sichtbar ist, hängt mittig über dem Bett ein Bild. Es hat einen Holzrahmen und hängt mit einer Schnur an einem Nagel und zeigt in wenigen schwarzen Strichen die Abbildung eines Mannes mit wollener Seefahrermütze und Bart.

Das hölzerne Einzelbett ist mit weißer Bettwäsche bezogen. Ein Teil davon hängt auf der rechten Seite herab. Das Kopfkissen liegt auf der Wandseite. Rechts des Bettes befindet sich ein Beistelltisch, auf dem zwei Fläschchen mit roter Flüssigkeit stehen sowie ein Glas mit einem Stab auf dem rechten vorderen Rand.

Rechts des Bettes sitzt eine Frau in einem blauen Kleid und weißer Kutte darüber auf einem Stuhl. Sie hat eine braune, halbdurchsichtige Decke mit roten Punkten auf dem Schoss. Ihr Gesicht ist nicht zu erkennen. Sie sitzt mit dem Stuhl Richtung Kopfkissen. Der Stuhl ist aus Holz und Rund geschwungen. Seine Lehne ist hoch und eine zweite Frau stützt sich mit der linken Hand daran ab. Diese Frau ist schlank und trägt ein langes, graublaues Kleid. Sie hat eine blasse Gesichtsfarbe. Ihre Haare sind schwarz und zu einem Dutt zusammengeknotet. Die rechte Hand hält sie mit der Innenfläche nach oben gerichtet auf Hüfthöhe.

Hinter der Frau im Stuhl und nahe am Beistelltisch, steht ein alter Mann mit einem grauen Vollbart. Sein Oberlippenbart verläuft spitz zur Seite. Der Kopf ist leicht geneigt und die Augen geschlossen. Mittig auf dem Kopf hat er eine Glatze, seine seitlichen Haare sind grau. Er trägt ein blaues Jackett und eine blaugraue Hose. Seine Hände sind vor der Brust wie zum Gebet gefaltet.

Am Fußende des Bettes steht ein Mann mit dem Gesicht zum Bett gewandt. Er hat braune Haare und helle Haut. Sein Kopf ist leicht gesenkt. Das Gesicht ist nicht erkennbar, da es Richtung Bett zeigt. Er trägt einen blauen Anzug mit weißem Kragen.

Fast Rücken an Rücken mit diesem Mann steht eine junge Frau, die in Richtung des Betrachtenden schaut. Sie hat lange, dunkle und mit einem Mittelscheitel zur Seite gekämmte Haare. Ihr Gesicht ist blass und traurig. Die blauen Augen haben tiefe Augenringe. Der Blick ist traurig und leer. Sie trägt ebenfalls ein dunkelblaues und schlichtes, langes Kleid. Das Kleid hat entweder ein Lochmuster oder gewollte Akzente über den ganzen Stoff verteilt. Es handelt sich um etwas tropfenförmige, nach unten zerlaufende, rötliche Farbtupfer.

Ganz im Vordergrund, vor der Frau mit den Augenringen sitzt eine weitere junge Frau in einem kleineren Holzstuhl. Ihre rot-braunen Haare sind zu einem langen Zopf geflochten. Sie sitzt gebeugt, hat den Blick nach unten gewandt und ihr Gesicht ist nicht erkennbar. Die Hände sind auf ihren Knien zum Gebet verschränkt. Ihr Kleid ist ebenfalls lang und blau.

Bildquelle: Wikimedia

Text: John Patzwaldt

 

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100 Meisterwerke: 31.“Le phénomène de l’extase“ von George Brassaï

Das Phänomen der Extase

George Brassaï (ursprünglich Gyula Halász) gab sich selber den Namen Brassaï was „der aus Brassó stammende“ bedeutet. Er wanderte 1924 von Ungarn nach Frankreich aus und fotografierte dort vorwiegend das Pariser Nachtleben. Er widmete sich somit vor allem der damals noch schwierigeren Fotografie bei Nacht und spielte in seinen Bildern mit Licht und Schatten. Auch auf dem hier beschriebenen Foto „Le phénomène de l’extase“ (dt. „Das Phänomen der Ekstase“) lässt sich das Spiel mit Licht und Schatten deutlich erkennen.

Es handelt sich um eine schwarz – weiß Fotografie aus dem Jahr 1933 und zeigt eine junge Frau um die Mitte bis Ende Zwanzig, die auf einem Bett liegt. Es ist im Querformat aufgenommen und die Frau befindet sich direkt im Mittelpunkt des Bildes.

Das Bett füllt fast das ganze Bild aus, nur auf der linken Seite ist die Bettkante zu erkennen. Das Kopfende des Bettes scheint aus Holz zu sein, ist jedoch aufgrund des unscharfen Hintergrundes nicht klar erkenntlich. Die Frau liegt auf dem Rücken. Ihr Kopf befindet sich auf der linken oberen Seite der Matratze und ihr Oberkörper verläuft quer durch das Bild bis zum rechten Bildrand. Das Bild ist von leicht oben aufgenommen, als würde der Fotograf mit ihr auf dem Bett sitzen und sich leicht über sie beugen um sie zu fotografieren. In der linken oberen Ecke befindet sich eine Lichtquelle, ob es sich um eine Lampe oder ein Fenster handelt ist nicht klar erkennbar. Das Licht scheint auf die obere Bettkante und auf das Gesicht der Frau

Auffällig sind die Haltung der Frau sowie ihr Gesichtsausdruck. Ihr Kopf ist leicht nach rechts geneigt und liegt auf ihrer rechten Schulter. Ihre Augen sind geschlossen und die Augenbrauen sind schmal, dunkel und in einem perfekten Bogen geformt. Ihr schmaler Mund ist leicht geöffnet so dass ihre oberen Zähne zu sehen sind. Ihre Zähne sind gerade, groß und stechen durch ihr strahlendes Weiß besonders hervor. Ihre etwa bis zur Schulter langen, dunklen Haare liegen auf dem Bett und fallen an der linken Bettkante hinunter. Obwohl sie im Bett liegt und ihre Augen geschlossen sind wirkt die Frau keineswegs als würde sie schlafen, sie sieht aus als würde sie sich vollkommen einem Genuss oder einer Fantasie hingeben und als wäre sie regelrecht in Ekstase.

Sie trägt ein dunkles, kurzärmliges Kleid, bei dem der Ärmel der linken Schulter verrutscht ist und ein weißer BH-Träger zum Vorschein kommt. Ihre Arme liegen eng an ihrem Körper. Ihr Körper ist jedoch nur bis ungefähr auf Höhe ihrer Hüften auf dem Bild zuerkennen und wird auf der rechten Seite auch immer dunkler. Nur das weiße, leicht zerschlissene Laken hebt sich von dem dunklen Körper ab.

Insgesamt wirkt das Foto auf mich sehr anziehend und erotisch. Es erweckt eine sinnliche und private Atmosphäre. Auch das Spiel mit Licht und Schatten ist Brassaï auf dem Foto sehr gut gelungen und verstärkt die mystische Stimmung auf dem Bild, da für den/die Betrachtenden nicht klar zu erkennen ist wieso die Frau auf dem Bett liegt und warum sie in Ekstase ist.

Bildquelle: Pinterest

Text: Clara Hoffmann

 

 

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