Archiv des Autors: karsten

Der Wolf und der Kranich von Mary

Detail einer Bronzeskulptur
Das im Folgenden beschriebene Bild ist an einem schönen Samstag bei einem Spaziergang durch den Treptower Park entstanden. Beim Schlendern und experimentieren mit der Kamera haben wir eine Skulptur entdeckt und versucht sie aus verschiedenen Perspektiven aufzunehmen. Auf dem so entstandenen Foto wurde die Skulptur von hinten aus der Froschperspektive fotografiert.
Den Hintergrund bildet das saftig grüne Blätterdach eines großen Baumes. Punktuell lassen die Blätter den hellen sonnenerstrahlten Himmel durchblitzen. Die rechte Bildhälfte wird von einem dünnen, braunen Ast durchzogen. Der Hintergrund ist im Gegensatz zum Vordergrund, der Skulptur, unscharf.
Die Skulptur ist nicht in ihrer Gänze dargestellt, sondern wird vom oberen und unteren Bildrand abgeschnitten, sodass man nur erahnen kann was sie darstellt.
Das obere linke Drittel wird von einem bauchigen Bronze-Element dominiert, von dem zwei dünne Stiele parallel zum unteren Bildrand verlaufen und abgeschnitten werden. Diese beiden Stiele werden von ebenfalls bronzefarbenen Pfoten umschlungen. Eine Pfote ist am oberen Ende des linken Stieles und berührt schon fast den bauchigen Teil, die andere ist etwas nach unten versetzt und hat bereits Grünspan angesetzt. Insgesamt ist die Oberflächenstruktur der Skulptur eher uneben und unregelmäßig und weist noch an mehreren Stellen grün bis rote Verfärbungen an. So auch auf der Mittellinie des bauchigen Teils im oberen Drittel. Hinter den Pfoten, zwischen den Stielen ist ebenfalls ein bauchiges Element zu sehen. Dies schein an den Seiten feucht zu sein, deutlich durch die glänzende Optik, welche auch am rechten Stiel unterhalb der Pfote zu sehen ist.
Das Foto zeigt einen Ausschnitt einer bronzefarbenen Tierplastik dar, die einen Wolf und einen Kranich darstellt. der Wolf sitzt vor dem stehenden Kranich und umklammert dessen Beine. Der Schnabel des Kranichs ragt weit in den Mund des Wolfes hinein und spritzt Wasser. Diese Skulptur bezieht sich auf eine Fabel, die wir angehängt haben.

Der Wolf und der Kranich:
Ein Wolf hatte ein Schaf erbeutet und verschlang es so gierig, dass ihm ein Knochen im Rachen stecken blieb.
In seiner Not setzte er demjenigen eine große Belohnung aus, der ihn von dieser Beschwerde befreien würde.
Der Kranich kam als Helfer herbei; glücklich gelang ihm die Kur, und er forderte nun die wohlverdiente Belohnung.
»Wie?« höhnte der Wolf, »du Unverschämter! Ist es dir nicht Belohnung genug, dass du deinen Kopf aus dem Rachen eines Wolfes wieder herausbrachtest? Gehe heim, und verdanke es meiner Milde, dass du noch lebest!«
Hilf gern in der Not, erwarte aber keinen Dank von einem Bösewichte, sondern sei zufrieden, wenn er dich nicht beschädigt.

Bild und Text entstanden im Fotoseminar für Blinde; Bildbeschreibung Anne und Verena, Fotografin Mary

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Portrait von Karsten von Silja Korn

Ein Mann sitzend vor einer Straßenkulisse

Das Bild im Querformat wurde an einem bewölkten Tag in Berlin, Oranienburger Straße, im „Café Orange“ aufgenommen. Im Hintergrund ist der untere Bereich einer Häuserfassade zu sehen. Die Außenfassade ist recht schmutzig, die Fensterläden heruntergekommen. Die Häuser beinhalten einen Mix aus Backsteinbau und den klassischen 60er Jahre Bau. Farblich ist das Gelb des linken Hauses bereits sehr verblasst und das Grau des rechten, direkt angrenzenden Hauses wirkt eher ausladend. Unten am Boden anliegend sind einige vergitterte Kellerfenster und mittig eine große Einfahrt, welche mit Pfosten den Bürgersteig von der Straße abgrenzt. Über dem Tor ist eine alte Steinfigur, die jedoch leider kaum erkennbar ist. Man könnte annehmen, dass es sich dabei um eine Steinplastik handelt, die eine Büste darstellt. Die Farbe an dem Tor ist abgesplittert, das Weiß vergraut. Parallel zum Tor verläuft rechts entlang des linken, zartgelblichen Hauses eine Regenrinne, die hinter dem vorstehenden Baum verschwindet. Vor dem Haus verlaufen parallel zum 1. Stock Straßenbahnkabel. In die vor den Häusern befindliche Straße eingelassen, sind die dazugehörigen Gleise.
Mittig, links im Bild, direkt vor der Häuserfassade läuft gerade ein Paar vorbei. Sie ist bei ihm untergehakt. Beide tragen Jeans und braune Schuhe, sie haben dunkle Haare. Er trägt eine helle Jacke und in der linken Hand eine weiße Tüte. Sie wiederum eine schwarze Jacke, ein helles Tuch und eine beige Tasche über ihrer rechten Schulter. Diese Hand hat sie in der Jackentasche versteckt. Der zweite Pfosten vom Haus aus gesehen steht im Gegensatz zu den anderen schief. Während der Gehweg mit großen Pflastersteinen sehr ebenerdig ist, besteht die Einfahrt aus kleinen Kopfsteinen, die wie ein Mosaik wirken.
Die Erle vor dem Haus erleuchtet in einem satten Grün an diesem ansonsten tristen Sommertag.

Der eigentliche Fokus des Bildes liegt in einem strahlenden Lächeln. Ein Lächeln, das ansteckt, die Stimmung hebt und dabei so völlig befreiend wirkt. Den sonst grau-dunkelhaarigen Mann verjüngt es um einiges. Auch die sonst schwarze Kleidung lässt dabei die Ausstrahlung keineswegs introvertiert erscheinen. Die im T-Shirtkragen lässig hängende Sonnenbrille, die trotz Pullover und Jacke immer noch an Sommer erinnert, spiegelt ein Stückchen Himmel. Mit der rechten Hand in der Jackentasche, sitzt er ganz leicht zu seiner linken Seite gedreht, mit dem Kopf fast im Profil und der linken Hand ans Kinn fassend. Herzlich lachend, zeigen sich sogar einige Lachfältchen ums Auge. Er sitzt in einem Rattanstuhl vor dem Café, umgeben von vielen leeren Plätzen. Auf dem Stuhl hinter ihm hängt sogar noch eine orangefarbene Decke über der Lehne, falls es den Gästen zu kalt wird. Vorne links im Bild stehen pinkfarbene Blumen. Sie leuchten mit dem Lächeln des Mannes um die Wette.

Die vorbeilaufenden Frauen rechts im Hintergrund wirken so unwichtig, so nebensächlich. Auch wenn das junge Mädchen verträumt an ihrem Zopf spielt und die Restauranttafel zu lesen scheint. Auch ein Mann im Jeanshemd direkt hinter der lachenden Person wirkt nur wie eine Figur, die die Straße beobachtet.

Viele fragen sich wie es zu so einem Lächeln kommen kann. Man betrachtet das Bild und muss einfach mitlachen. Es ist durch Silja entstanden. Sie selbst ist blind, aber fotografiert für ihr Leben gern. Karsten wurde diesen Tages zu Ihrer „Muse“, wenngleich er an dem Tag auch nicht so recht mitspielen mochte. Sie versuchte ihm Anweisungen zu geben, die er zu befolgen hatte, aber anstelle dessen entstand dieses Bild in seiner absoluten Natürlichkeit.

Foto: Silja
Bildbeschreibung: Katharina und Valentina

Bild und Text entstanden bei unserem Fotoseminar für Blinde.

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Villa Oppenheim von Katrin Dinges

STATUS: SCHON BESCHRIEBEN Das Eingangsportal der Villa Oppenheim Bildbeschreibung von Fränz

Wir stehen auf dem Vorplatz der Villa Oppenheim in Charlottenburg. Hinter uns erstreckt sich der zur Villa gehörende Park mit seinen saftig-grünen Wiesen und hohen Bäumen. Der Vorplatz besteht aus kleinen Pflastersteinen, durch die der eine oder andere Grashalm lugt. Man kann sie mit der Spitze des Tastlangstocks gut spüren, aber auch leicht dazwischen hängen bleiben. Der Eingang zur Villa liegt einen Meter höher als dieser Vorplatz. Vor der etwa einen Meter hohen, roten Mauer, die bis zur Eingangsebene reicht, steht eine weiße Sitzbank. Die weiße Farbe hebt sich schön von den roten Backsteinen der Mauer ab. Dieser Kontrast zieht sich durch das gesamte Bild. Hinter der Bank erkennt man ein quadratisches, grünes Schild, auf dem in der Mitte weiße Strichmännchen abgebildet sind. Aus den oberen Ecken des Schildes zeigen zwei Pfeile Richtung Mitte. Auf der Mauerkrone ist ein eisernes Geländer befestigt. Dessen Stäbe haben jeweils ungefähr zehn Zentimeter Abstand. Hinter diesem Geländer erstreckt sich der Eingangsbereich. Hier fallen als erstes die vier großen, weißen Säulen ins Auge, die einen Balkon oberhalb des Eingangs tragen. Die beiden Mittleren Säulen sind rund, die äußeren quadratisch. Rechts und links von diesen Säulen erkennt man jeweils einen Teil eines Fensters mit weißem Rahmen und einen Teil der roten Fassade der Villa. Außerdem erahnt man die Treppen, die zum Eingangsbereich führen. Vor kurzem sind wir erst die Treppenstufen hinauf gegangen, um unsere Führerin zu begrüßen und nach der Taschenabgabe wieder hinunter, um im Angesicht der Fassade die ersten historischen Informationen über das Gebäude und Gelände zu erhalten. Zwischen den beiden mittleren Säulen befindet sich die Eingangstür, die vom Boden bis zur Decke reicht. Es ist eine doppelte Falttür mit weißem Rahmen und großen Fenstern. Durch die geöffnete linke Seite der Tür und die Fenster erkennt man im Inneren des Gebäudes eine große runde Schirmlampe. auf beiden Seiten neben der Tür sind große Fenster. Auch diese haben weiße Rahmen und sind unten in zwei lange hohe und oben in fast quadratische Fenster eingeteilt. Von der Decke dieses Foyers hängt links und rechts vor den beiden Fenstern jeweils eine runde weiße Lampe herunter. Auf dem Balkon darüber befinden sich als Verlängerung der Säulen weiße, quadratische Blöcke. Zwischen diesen erstreckt sich ein eisernes, verschnörkeltes Geländer, das an Jugendstil erinnert. Dahinter sowie rechts und links daneben erkennt man noch einen kleinen Teil der für Berlin typischen roten Backsteinfassade. Auf der Höhe des Balkons ist außerdem noch ein kleiner Teil von drei Fenstern zu sehen. Auch diese haben einen weißen Rahmen. Rechts und links vom Balkon ist ebenfalls je ein Fenster zu sehen. Dieses liegt jedoch ein wenig tiefer, so dass man auch den oberen Teil des Fensters erkennen kann. Der obere Teil der beiden Fenster ist abgerundet. Beim Betrachten des Bildes fällt sofort der Kontrast zwischen den weißen Säulen, den weißen Fenstern und der weißen Bank auf der einen und der roten Backsteinfassade sowie der roten Mauer auf der anderen Seite ins Auge. Beide Farben heben sich deutlich von der grünen Umgebung des Parks ab. Auch die Säulen haben gegensätzliche formen: Außen quadratisch und innen rund. Andererseits gibt es sowohl auf der Eingangsebene als auch auf dem Balkon darüber ein ähnliches geländer, die fensterformen sind auf beiden Ebenen ähnlich und es befinden sich auf beiden Stockwerken Teile der quadratischen Säulen. Auch sind die unterschiedlich geformten Säulen symmetrisch angeordnet. Diese wiederholung einzelner architektonischer Details oder spiegelbildliche Anordnung vermitteln durchaus den Eindruck eines harmonischen Ganzen. Der Fotografin prägt sich dieser Eindruck auch aus der Umgebung ein: Einerseits ist da der akustische Kontrast zwischen der vielbefahrenen, lauten Straße an der U-Bahn-Station Sophie-Charlote-Platz und der überraschenden Ruhe auf dem weitläufigen Gelände einerseits und andererseits die Harmonie, die dieses altehrwürdige Haus zwischen Bäumen und Sträuchern dieses geschichtsträchtigen Ortes. Insgesamt haben wir hier also einen Kontrast, der den Eindruck von Eintöinigkeit vermeidet und ein harmonisches Ganzes, dass den zu starken Bruch der Widersprüche abmildert. Während der Führung erfahren wir etwas über die harmonischen Anfänge und späteren dramatischen Umbrüche der Geschichte des Hauses und der darin enthaltenen Sammlung. Bedenkt man diese Umstände, kommt man zu dem Schluss, dass die Architektur des Gebäudes seine bewegte Geschichte sehr treffend wiederspiegelt. BILD UND TEXT ENTSTANDEN IM RAHMEN UNSERES FOTOSEMINARS FÜR BLINDE.

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Orientalischer Garten

Ein steinerner Hof von einem arabisch aussehenden Säulengang aus gesehen
Auf dem Weg durch die Gärten der Welt gelangen wir in den orientalischen
Garten. Der gesamte Garten ist von einer Mauer umringt und würde man
von oben drauf schauen, sähe man ein Quadrat, welches von vier lang
gezogenen Springbrunnen, welche auf einen Pavillon in der Mitte des
Gartens zulaufen, getrennt wird.
Das Foto ist entstanden, als die Fotografin links vom Eingang unter einem
Säulengang Zuflucht vor dem Lärm gesucht hat. Sie steht
also unter diesem Säulengang und blickt den Gang entlang. Man erkennt
eine der Ecken des großen Quadrates. Da die Sonne nicht komplett in
den Säulengang hinein scheint und dieser somit im Schatten liegt, ist
die linke Bildhälfte etwas dunkler als die Rechte. Am linken Bildrand
erkennt man die Mauer, die den ganzen Garten umfasst. Die obere Hälfte
der Mauer ist beige, während die untere Hälfte mit blauen, weißen und
orangefarbenen Mosaiksteinen, welche zu blumenartigen Mustern
zusammengefügt sind, verziert ist. Die beiden Hälften werden von einer
hellbraunen steinernen Bordüre, in die Muster gemeißelt wurden,
getrennt. Auch der Boden unter dem Säulengang ist mit größeren blauen
und weißen Mosaiksteinen belegt. Am Ende des Ganges erkennt man einen
kleinen Trinkbrunnen, auch dieser ist mit blauen und weißen Steinen
verziert. Um den Brunnen herum erstreckt sich nach oben ein hellbrauner
steinerner Schrein, welcher an die Bordüre an der Mauer erinnert. Die
Decke besteht aus Holzdielen, sie wirkt aufgrund der Schatten allerdings
fast schwarz.
Das Foto wird in der Mitte von den Säulen, die mit Bögen verbunden
sind, getrennt. Zu sehen sind sechs Bögen, wobei die erste Säule nicht
komplett abgebildet ist. Die Säulen sind identisch: sie sind mit
blauen und weißen Steinchen versehen, welche schachbrettartig
angeordnet sind. Da die Sonne auf die Säulen scheint, setzen sie sich
heller vom dunkleren inneren des Ganges ab. Den Übergang zwischen
Säule und hellbraunen Bögen bildet ein sandsteinerner Absatz. Dieser
ist mit einem Muster, welches an
Eulenaugen und -schnäbel erinnert, verziert. Insgesamt erinnern die Säulen, der Übergang und der Anfang der Bögen an ein Totem, da die drei Teile, ähnlich wie bei einem Totempfahl, verschieden und aufeinander gebaut sind.
Die rechte Bildhälfte ist hell undnd klar erkennbar. Außerhalb des
Säulenganges ist der Boden mit grauen, vom Regen und der Sonne
verfärbten Steinplatten belegt. Im Hintergrund verläuft die Mauer
weiter um den Garten herum. Den eigentlichen Garten mit den gut
duftenden Blumen sieht man leider nicht. An der Mauer lehnt eine braune
Sitzbank, die sich farblich schön von den blauen und weißen Steinchen
an der Mauer absetzt. Über die Mauer ragen Äste mit saftig-grünen
Blättern, durch welche der hellblaue Himmel durchblickt, empor.
Dadurch, dass der Garten von einer Mauer umgeben ist, hat man das Gefühl, ganz für sich in diesem schönen Garten zu sein, begleitet nur vom plätschernden Geräusch der Springbrunnen.
Foto von Katrin Dinges,
Bildbeschreibung von Fränz Reuter
Beides entstanden in unserem Fotoseminar für Blinde

Dank an die Gärten der Welt!

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Konzert im Dunklen – Livemitschnitt

Hier endlich ein Livemitschnitt des ersten Konzerts im Dunklen mit der „Planung“ in der Galerie Bernau. Die Planung sind Alexandra Reinshagen, Claudia Fierke und Sabine Ercklentz:

 

 

 

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Dem Trubel der Großstadt für eine Moment entfliehen

Der Idee, folgende Innenhöfe aufzunehmen, führte die Fotografin zu einem Ort ihrer Kindheit. Dort angelangt, entwickelte sich der Gedanke, eine Serie aufzunehmen. Die Auswahl umfasst fünf Bilder, die von Ruhe und Idylle in der Großstadt erzählen.

Die Aufnahmen entstanden Mitte Mai in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte.

Blick aus dem Dunkel eines Tunnels

 

 

Mitten im Lärm der Großstadt stehend – eine Straßenbahn im Rücken, brausender Autoverkehr, klingelnde Fahrräder, Menschenstimmen und Touritrubel um einen herum – fällt der Blick durch eine dunkle, langgezogene Toreinfahrt hinein in einen begrünten Hof.

Sogleich lädt die erblickte Szenerie dazu ein, in die üppige und menschenleere Natur des Hofes einzutauchen.

Zuerst betreten wir einen viereckigen, sterilen Durchgang: Glatte Decke und Betonboden sowie gekachelte Wände verweisen auf Architektur jüngeren Datums. Er endet vor einem Weg mit Rechtsbiegung, die den Blick auf den Rest vom Hof verwehrt. An diesem Punkt möchte man einmal tief einatmen und innehalten.

Befreit von der Unruhe, bietet sich nun eine neue und warme Atmosphäre zum Eintauchen an. Auf dem schmalen, gepflasterten Weg beginnt die Reise…

 

Eine grüne Tafel, die auf einem Spielplatz steht

 

Wir tauchen an einem verlassenen Spielplatz wieder auf. Der Platz ist sonnig, aber es steht dort auchein Baum, der seine schweren, belaubten Äste tief hängen lässt und Schatten spendet. Im Vordergrund sieht man eine bekritzelte Tafel. Sie steht frei vor einer Wand und wird von massivem Holz eingefasst und gehalten. Auf ihrer Fläche zeichnet die Sonne ein spitzes, aufrechtes Dreieck.

Die Situation strahlt Ruhe aus, wie man sie von der sonntäglichen Mittagspause kennt. Das vermitteln auch die anderen, in der Nähe stehenden, einsamen Spielgeräte, die auf die Rückkehr der Kinder zu warten scheinen.

So lange warten wir nicht sondern lassen uns weitertreiben…

Ein vergittertes Fenster, mit gemalten Fensterläden in einer mit Blumen bemalten Wand

 

und stoßen kurz darauf auf die Backsteinfassade eines kleinen Gartenhäuschens.

Die Backsteinmauer ist alt und von Wind und Wetter gezeichnet. In vergangenen Tagen einmal bunt bemalt worden, ist die Farbe nicht mehr kräftig und strahlend, sondern bereits von der Sonne ausgeblichen. Um das alte Holzfenster herum sind zwei braune Fensterläden aufgemalt, jeweils verziert mit einem roten, blau umrahmten Herzen. Sie heben die Tristesse des Fensters, mit seiner abbröckelnden Farbe und dem verrosteten Gitter, etwas auf.

Die Mauer schmückt eine gemalte Rosenhecke. Ihre großen, offenen rosa Rosenblüten und die vielen Verzweigungen, an denen kleine schmale grüne Blätter hängen, reichen vom Boden bis unter das Dach. Lässt man seinen Blick nicht durch die Verzierungen ablenken, entdeckt man den bröckelnden Mörtel zwischen den Steinen. Es scheint so, als halte die Rosenranke die Wand und gebe dem vernachlässigten Häuschen ein wenig Zuneigung.

Dieser Ort erinnert uns an ein Märchen und wir folgen wie Hänsel und Gretel dem Pfad weiter…

Eine Mohnblume

und kommen von den gemalten Rosen zum leuchtenden Mohn.

Die strahlend rote Blüte hebt sich klar vom verschwommenen, grünen Hintergrund ab. Es ist eine große Blüte von 15 cm Durchmesser. Sie ist fast vollständig geöffnet und man erkennt große schwarze Flecken in der Mitte. Die Sonne scheint seitlich auf die Blüte, wodurch ein eingeklapptes Blütenblatt einen Schatten auf den Stempel wirft. Die Blütenblätter wirken dünn und leicht wie knittrige Seide.

Der Mohn strahlt Wärme,Kraft und Ruhe aus. Er erinnert an Frühlingswiesen mit dem Surren und Zirpen der Bienen und Insekten. Der Duft nach Frühling liegt in der Luft und man spürt einen leichten Windhauch und auch die wärmenden Sonnenstrahlen auf dem Gesicht.

Wir verlassen den Mohn und sind fast…

Blick aus einem Tunnel auf eine belebte Straße

zurück im Trubel!

Am Ende unseres Besuchs „Der Insel der Ruhe“ kommen wir zurück an den dunklen, kalten Übergang. Der Wind in den Blättern der Bäume dringt noch leise ans Ohr. Das Vogelgezwitscher wird ruhiger. Während wir hindurch gehen, werden die eigenen Schritte von den gekachelten Wänden zurückgeworfen und lauter. Stimmengewirr und das Lachen von Kindern, die am Tor zur Straße stehenbleiben, sind undeutlich zu hören. Alles vermischt sich miteinander: Motorengeräusche von Autos und Bussen und das Klappern eines vorbeifahrenden Fahrrades. Beim Auftauchen auf der Straße sind wir wieder zurück in der Hektik und dem Trubel der Großstadt.

Bilder von Susanne, Text von Anika und Katja

Entstanden bei unserem Fotoseminar für Blinde

 

 

 

 

 

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