Archiv des Autors: Tina Franziska Paulick

Einladung zur Fotoausstellung sightSEEING II

Flyer zur AusstellungWo: im FOTOFORUM BRAUNAU, Stadttorturm, 5280 Braunau am Inn

Wer: KünstlerInnen: Carla Degenhardt, Katharina Fröschl-Roßboth und Franz Ramgraber

Wann: Eröffnung: Fr, 14. Oktober 2016, 19 Uhr

Dauer: 15.10.–13.11.2016

Öffnungszeiten: Fr 16–19 Uhr, Sa+So 14–18 Uhr

Auch die KünstlerInnen der zweiten Ausstellung zum Thema Sehen beschäftigen sich in erster Linie mit Wahrnehmungsfragen sowie mit dem Verhältnis von Realität und Fiktion. Was wir als Bilder sehen, ist vor allem Resultat von Denkprozessen, Wissen sowie subjektiven Erfahrungen und Gefühlen. „Das Sehen ist also als inneres Sehen ein Verstehen, das uns immer begleitet und ohne das wir nicht sein können. Aus diesem Grunde verstehen auch Blinde zu gut, was Sehen heißt. Sehen heißt Denken“(Norman Schultz).

In der zweiten Ausstellung geht es vor allem darum, Unsichtbares (das, was man „in sich sieht“) zu visualisieren. Das geschieht zum einen in Form von filmischen und fotografischen, von Texten begleiteten Darstellungen von physisch Blinden bzw. von Räumen, in denen sie sich aufhalten. Deren ganz andere „Sichtweisen“ fügen dem allgemeinen Verständnis von Sehen neue Wahrnehmungsaspekte hinzu. Abstrakte Bildresultate, wie in den Cyanotypien von Franz Ramgraber, der Leuchtkasten-Arbeit von Katharina Fröschl-Roßboth sowie den Videos von Carla Degenhardt, erweitern durch ihren assoziativen Charakter die Grenzen des Sehens und eröffnen neue Aspekte von Visualität.

Carla Degenhardt, aus: blind taste, Videoperformance mit Erich Schmid, 15 Min., 2003, Wien, Katharina Fröschl-Roßboth, aus: Einblicke – Elfie Dallinger und Dietmar Janoschek, Juni 2014, C-Print, 80 x 80 cm Franz Ramgraber, Before The Flood # I, 2015, Cyanotypie auf Aquarellpapier, ca. 110 x 200 cm

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Vorwort, Petra Noll:

Credits v.l.n.r.:

 

 

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100 Meisterwerke: 37.“Der Knabe mit der Roten Weste“ von Paul Cézanne

Der Knabe in der Roten Weste

Paul Cézanne  war ein französischer Maler der zu den Wegbereitern der klassischen Moderne in der Kunst zählt. „Der Knabe mit der roten Weste“ ist eines seiner berühmtesten Gemälde. Zum einen weil er das erste Mal ein Berufsmodell, einen jungen Italiener namens Michelangelo di  Rosa, porträtierte und zum anderen weil das Gemälde später zwischen 2008-2012 in einen Kunstraub verwickelt war. Das Gemälde ist eines von insgesamt sechs Werken einer Serie wobei vier davon Ölgemälde sind und die anderen zwei Aquarelle, all diese Gemälde porträtieren den Jungen.

Das gestohlene Ölgemälde, das sich nun wieder in der ursprünglichen Sammlung E.G Bührle in Zürich befindet, zeigt das Porträt eines jungen Mannes in Frontalansicht. Er sitzt jedoch zu seiner linken Seite gedreht auf einem unerkenntlichen Gegenstand und stützt sich mit dem linken Ellbogen auf einer Ablage, eventuell einem Tisch, ab, dies ist  jedoch nicht klar zu erkennen. Sein Alter ist schwer zu schätzen, er könnte um die zwanzig sein.

Allgemein ist der Hintergrund flächig und undeutlich gemalt, der Junge hingegen ist mit genauen Umrissen dargestellt. Auf der linken  Seite im Hintergrund lässt sich ein grünbrauner Vorhang erahnen, der das Bild auf dieser Seite abschließt. Mittig auf der Höhe des Kopfes des Jungen zieht sich ein dunkelbrauner Balken durch den Hintergrund. Die Flächen darüber und darunter sind hellblau und grün getupft und könnten ein Fenster andeuten.

Der Junge stützt sich mit dem Ellbogen auf die Ablage, wobei sein Kopf in seiner Hand ruht. Der rechte Arm, der sehr lang wirkt, hängt schlaff herunter, fast mittig im Bild, und liegt auf seinen Knien. Seine Haltung sieht leicht gelangweilt aus, als würde er auf etwas oder jemanden warten. Seine dunkelbraunen Haare sind etwa schulterlang und zu einem Zopf gebunden, der ihm gerade auf dem Rücken liegt. Sie sind mittig gescheitelt und hinter das Ohr gestrichen. Er hat blasse, helle Haut und ein zierliches Gesicht. Im Vergleich dazu erscheint sein sichtbares rechtes Ohr sehr groß. Seine dunklen Augen schauen geradeaus ins Leere.

Die Kleidung des Jungen ist elegant: Er trägt ein weißes, langärmliges Hemd mit einer geschlossenen Weste darüber und eine blauen Hose. Vorderteil und Kragen der Weste sind leuchtend Rot, der Rücken ist aus beigefarbenem Stoff. Dazu trägt er ein blaues Halstuch. Da dieses nur durch blaue Farbflächen angedeutet ist, lässt sich nicht erkennen wie es gebunden ist. Sein Körper ist auf dem Gemälde nur bis zu den Oberschenkeln zu sehen. Quer über seinen Knien liegt eine braune Decke oder ein großes Stück brauner Karton. Neben dem Jungen auf der Ablage liegt ein Stück weißes Papier. Vielleicht will er etwas schreiben und sieht daher nachdenklich oder fast schon gelangweilt aus. Allgemein dominieren in dem Ölgemälde die Farben blau, grün und rot, die zusammen eine sehr stimmige Komposition ergeben und dem Bild zu einer warmen  Atmosphäre verhelfen.

Bildquelle: billerantik.de

Text: Clara Hoffmann

 

 

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100 Meisterwerke: 36. „Papst Innozenz X“ von Francis Bacon

Innozenz X

Das Portrait von Papst Innozenz X wurde zwischen 1950 und 1965 von dem irischen Maler Francis Bacon angefertigt und zeigt einen schreienden, bleichen Papst, weshalb es auch als „Der Schrei des Papstes“ bekannt ist. Es ist ca. 1,20 m breit und 1,40 m hoch. Das Gemälde ist Teil einer Serie von verfremdeten Papst Portraits. Als Vorlage für dieses dient ein realistisches Portrait von Diego Velázquez aus dem 17. Jahrhundert. In Bacons Version erinnert nahezu ausschließlich die Grundhaltung des Papstes an das Original.

Das Gemälde wirkt im ersten Moment sehr unheimlich und düster, geradezu Angst einflößend. Es ist kein Hintergrund auszumachen. Nur der Papst, der von grellen Schlingen oder Stangen auf seinem Stuhl gefesselt zu sein scheint, ist zu sehen. Zusätzlich krallt er sich an den Armlehnen fest. Er sitzt aufrecht, aber sehr in den Stuhl gezwungen. Die Arme sind über die Armlehnen der Länge nach ausgestreckt und die Beine sind unter dem Gewand fast nicht zu sehen. Die vergoldeten Elemente des Stuhls, scheinen auf Holz gearbeitet zu sein, wahrscheinlich sind es nur Beschläge. Die gebogenen, gelb-grellen Schlingen scheinen den Papst an den Füßen festzuhalten. Auch zu den Handgelenken hin führen diagonal zwei zarte, gelbe Schlingen.

Der Papst trägt eine zylinderförmige, violette Kappe und einen Umhang in der gleichen Farbe. Die Kappe ist kleiner als sein Kopf und sitzt wie eine Art Fez darauf. Der Umhang wirft leichte Falten. Direkt unter dem Kinn des Papstes erkennt man den weißen Kragen seines Hemdes. Er trägt keinen Schmuck. Besonders hervor stechen allerdings seine violette Kappe und der bauchlange Umhang. Darunter trägt er ein langes, weißes Gewand mit langen Ärmeln. Es ist nicht genau zu erkennen, wie lang das Gewand ist, aber vermutlich reicht es bis zu den Knöcheln.

Das blasse Gesicht wirkt durch den Schrei schmerzverzerrt, beinahe, als müsste er alles Leid der Welt aushalten und als wolle er davon befreit werden. Der Mund ist weit aufgerissen und beide Zahnreihen sind sichtbar. Die Zunge ist in der Dunkelheit nicht zu sehen. Das ovale Gesicht, mit der grauen Haut und den Schatten, sowie die lange, hakenförmige Nase deuten darauf hin, dass der Papst deutlich über Fünfzig sein muss, vermutlich älter.

Weder vom Papst noch von dem Stuhl sind klare Konturen auszumachen. Alles wirkt verzerrt, als würde es sich auflösen. Über dem gesamten Gemälde liegt eine Art verzerrter Filter, so als wäre es eine transparente Holzmaserung. Die hellbraune Leinwand scheint durch die kräftigen parallelen Pinselstriche in schwarz und blaugrau, die vor allem den Hintergrund, aber teilweise auch die Figur vertikal durchziehen. Der Maler hat noch eine Art weißen Nebel über das Bild gelegt.  Es scheint, als wäre der Papst von verzerrten Geistergestalten, die ihn heimsuchen, umzingelt. Man kann keine einzelne Gestalt oder Gliedmaßen erkennen. Es handelt sich eher um in die Länge gezogene Schatten. Einige dieser Schatten sind schwarz-blau und scheinen von den Füßen her in den Papst hinein zu fahren.

Bildquelle: Ibiblio.org

Text: Max Scheller

 

 

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100 Meisterwerke: 35. „Bocksay – Ter“ von André Kertész

Bocksay – Ter

Das Original der Fotographie  „Bocksay – Ter“ von André Kertész entstand 1914 im trockenen Gelatineverfahren in Verbindung mit Silbernitrat. Die späteren Abzüge wurden einfach nachgedruckt, bzw. kopiert. Das Bild hat die Maße 18,9 x 24,6 cm und ist damit fast Quadratisch.

Das Foto zeigt von der rechten Seite bis etwas über die Bildmitte ragend, ein großes Haus mit einem Krüppelwalmdach mit Tonziegeln. Der Blick der betrachtenden Person fällt genau auf die verputzte Giebelseite mit den zwei sehr niedrig sitzenden Sprossenfenstern. Auf diese Hauswand ist eine starke und helle Lichtquelle gerichtet, die von schräg rechts und oben zu kommen scheint. Der Rest des Bildes ist eher düster.

Nahe der Hauswand, ebenso von der rechten Seite komment geht eine vermutlich männliche Person mit leicht nach vorne geneigtem Kopf und Körper. Die Person trägt einen langen dunklen Mantel, einen Melonen-Hut, eine dunkle Hose und dunkle Schuhe. Der satt schwarze Schatten der Person, wird durch die starke Lichtquelle vor ihr an die Hauswand geworfen, wodurch es wirkt als verschmelzen beide miteinander.  Die Ränder des Schattens sind scharf gezeichnet. Auf den ersten Blick wirkt es, als ständen dort zwei schwarz umrissene Personen in der selben Pose hintereinander.

Ein weiterer Schatten reicht von der linken Hausecke aus, mit einer trennscharfen Schattenkante in die linke, leicht nach oben gehende Linie im Bild. Die Hausecke unten hat einen Kantenstein.  Etwa in Kopfhöhe, an der linken Seite der Wand, befindet sich ein Schild. Ein weiteres Schild befindet sich am oberen Ende der Hauswand, direkt unter der linken Traufe des Krüppelwalms auf der Giebelseite.

Im unteren Drittel des Bildes ist sehr deutlich eine Bordsteinkante aus handbearbeiteten Steinen zu sehen. Sie beginnt in der rechten unteren Bildecke und zieht sich wie der Schatten der Hausecke leicht nach oben links. Etwa bei einem Meter Überstand über die Hausecke hinweg, macht der Bordstein einen Knick und verläuft ab da parallel zur linken, nicht sichtbaren Hauswand in die Tiefe des Bildes. Die Straße ist ebenfalls mit Steinen gepflastert, der Gehweg vermutlich aus Sand oder Schotter. Ein beträchtlicher Teil des Sands oder des Schotters verteilt sich aber auch auf der Straße. Die hell erleuchtete Hauswand ist von unten her dreckig, vielleicht sogar feucht oder nass.

In der linken oberen Hälfte des Bildes zeichnen sich nur schemenhafte Gegenstände ab. So kann man die Konturen des Schornsteins, von anderen Gebäuden und eines Baumes sehen. Das Bild wirkt insgesamt sehr düster, sogar ein wenig gruselig und geisterhaft.

Bildquelle: Artnet.com

Text: Jolin Hölzel

 

 

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100 Meisterwerke: 34. „Susanna im Bade“ von Jacopo Tintoretto

Susanna im Bade

Das Bild „Susanna im Bade“ ist ein Gemälde des Venezianischen Malers Jacopo Tintoretto aus den Jahren 1555-56. Es ist im Querformat in der Größe 146cm x 193,5 Zentimeter mit Ölfarben auf Leinwand gemalt und heute im Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien. „Susanna im Bade“ gilt als Tintorettos  berühmtestes Werk.

Auf dem Bild ist de Ausschnitt eine Gartens zu sehen in dem eine nackte Frau an einem Wasserbecken von zwei alten Männern beobachtet wird. Die völlig unbekleidete Frau sitzt im Vordergrund am rechten Bildrand. Ihr Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt und sie umfasst mit beiden Armen ihr rechtes Bein, das sie angewinkelt auf dem Boden aufgestellt hat. Die Frau sitzt seitlich, leicht dem Betrachtenden zugewandt. Ihr linkes Bein ist bis zur Wade in das Wasserbecken getaucht. Unter der Wasseroberfläche ist noch ihre Wade zu erkennen, der Fuß allerdings nicht mehr. Das Becken ist aus Stein und rechteckig, wie tief und lang es ist, ist nicht erkennbar.

In Susannas Rücken ist der Teil eines Baumstammes zu sehen,  der in seinem Wuchs der Linie ihres gebeugten Rückens folgt, also schräg wächst. Hinter dem Baumstamm, am rechten Bildrand,  leicht über ihrem Kopf sind Holunderblüten abgebildet. Auf einem Ast des Holunderbusches sitzt eine Elster. Der Badebereich wird durch ein dichtes Rosenspalier mit hellrosa Blüten begrenzt. Es beginnt im äußeren linken Bildrand und steht gegenüber der Badenden.

Auf dem Boden an dem Spalier lehnt, der Frau zugewandt, ein Spiegel, in den die Frau versunken blickt. Der Spiegel ist rechteckig und hochkant. Er hat einen schmalen, vielleicht vergoldeten Holzrahmen und ist von der Größe her eher ein Spiegel, der Gesicht und Büste abbildet. Kein Ganzkörperspiegel. Von der Spiegelung ist nicht viel zu sehen, nur ein wenig Spitzentuch, das direkt davor liegt.

Susanna hat blonde, leicht ins rötlich gehende Haare und eine aufwendige Flechtfrisur mit vielen, eng am Kopf anliegenden Zöpfen. An ihrem Ohr hängt ein Perlenohrring mit einer traubengroßen Perle und an beiden Handgelenken trägt sie goldene Armreifen, die mit Perlen oder Steinen besetzt sind. Sie wirkt sehr jung; hat ein jugendliches und faltenfreies Gesicht mit großen Augen und einer geraden schmalen Nase. Der Mund ist schmal, der Gesichtsausdruck eher ruhig und konzentriert.

Die Figur der Frau ist leicht rundlich und weich, sie hat eine sehr helle, makellose Haut. Es zeichnen sich keine Knochen ab. Der Bauch ist fest und die Brüste, soweit sie nicht von ihren Armen verdeckt sind, eher klein. Ein weißes Tuch mit Spitze und Fransen ist um ihr rechtes Bein geschlungen. Es liegt über ihrem Oberschenkel, das eine Ende kommt auf der dem Betrachtenden zugewandten Seite auf dem Boden zwischen ihren Beinen zum Liegen, verschwindet dann auf der dem Betrachtenden abgewandten Seite und kommt in der Mitte ihres Unterschenkels wieder zum Vorschein. Über ihrem Schienbein liegt noch ein Zipfel des Tuchs, der größte sichtbare Teil des Tuches liegt hinter ihrem rechten bein auf dem Boden und berührt fast den an der Hecke lehnenden Spiegel. Es könnte aus Seide sein, jedenfalls ist es ein leichter Stoff, der sich in viele Falten legt und bauscht.

Vor ihr und um den Spiegel herum liegen ein Kamm, eine Perlenkette, zwei Ringe, eine Hut- oder Kleidernadel und stehend, fast am Beckenrand  befindet sich noch ein gläsernes Gefäß mit Deckel, ähnlich einer Zuckerdose, dessen Inhalt nicht zu erkennen ist. Hinter ihr liegt ein rotes, reich mit goldfarbenen Borten verziertes Kleid, es schaut nur ein Teil des Kleides hervor, eventuell der Arm und Halsauschnitt. Es wirkt nicht wie ordentlich zusammen gefaltet, sondern eher wie ausgezogen und fallen gelassen. Die Frau wird von der Sonne beschienen und ist in der ansonsten eher dunkel gehaltenen Badeszene leuchtend hell gemalt und sticht dadurch besonders hervor. Dieser Hell-Dunkel Effekt wird auch Chiaroscuro- Effekt genannt.

Hinter der Rosenhecke verstecken sich zwei alte Männer, die die Frau beobachten. Einer, mit Glatze und weißem Vollbart, liegt im Bildvordergrund hinter der Hecke und schaut von vorne auf die Badende, der Kopf ragt mit der hell glänzenden Glatze dem Betrachtenden entgegen. Sein Blick ist auf das Wasser des Beckens gerichtet. Der andere mit weißem Kopf- und Barthaar steht in der hinteren Bildmitte am Ende der Hecke, nur leicht von dieser verborgen, im Halbprofil dem Betrachtenden zugewandt. Er hält sich an der Hecke fest um besser dahinter hervorschauen zu können. Beide Männer tragen rote Gewänder, es ist viel gewickelter Stoff zu erkennen, vielleicht handelt es sich um eine Art Mantel. Die Frau scheint nichts von der Anwesenheit der Beiden zu bemerken.

Außerhalb der Badeszene ist im Bildhintergrund eine parkähnliche Landschaft zu erkennen: Bäume, Säulen und ein kleiner Teich mit Enten sind in der Mitte des Hintergrundes zu sehen. Im linken Bildhintergrund steht ein Hirsch und noch weiter hinten sind ganz leicht gezeichnete Gebäude mit großen Steinstatuen an der Fassade erkennbar.

Das Bildmotiv stellt eine Szene aus der Bibel dar. Die Badende ist die Ehefrau eines reichen Mannes und wird von den beiden Alten in ihrem Garten beim Baden überrascht. Sie verlangen von ihr, dass sie sich ihnen hingibt. Über ihre Weigerung erbost, klagen sie sie des Ehebruchs an. Sie wird zum Tode verurteilt, in letzter Sekunde aber durch den Propheten Daniel errettet, der mit einer Einzelbefragung der beiden Alten aufdeckt, dass der Ehebruch nur erfunden war. Diese Geschichte hat Einfluss auf die Rechtsprechung und die getrennte Befragung von Zeugen genommen.

Das Thema wird in den verschiedensten Kunstformen bearbeitet.

Bildquelle: Google Arts Project

Text: Astrid Pruß

 

 

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100 Meisterwerke: 33. „Der Kuss am Times Square“ von Alfred Eisenstaedt

Kissing the war goodbye

Das Bild ist eine schwarz-weiß Fotografie im Hochformat. Umgangssprachlich wird es „Der Kuss am Times Square“ genannt, Alfred Eisenstaedt gab ihm ursprünglich allerdings den Titel „V-J Day in Times Square“, wobei „V.J. für Victory over Japan“ steht. Es entstand am 14. August 1945, am Tag der bedingungslosen Kapitulation Japans im zweiten Weltkrieg und wurde am 21. August 1945 als Titelbild des LIVE – Magazins veröffentlicht.

Das Foto zeigt einen Straßenausschnitt in dessen Vordergrund ein sich küssendes Paar zu sehen ist. Das Paar füllt das Bild zu drei Vierteln aus und befindet sich nicht ganz mittig sondern leicht nach links gerückt. Es besteht aus einem Mann in einem schwarzen, oder sehr dunklen, Matrosenanzug und einer Frau in weißem Kleid und Mantel. Auch ihre Schuhe und Strümpfe, die aus Seide oder Nylon sind und hinten eine Naht haben, sind weiß. Es handelt sich um eine Krankenschwesteruniform. Das der Mann einen Matrosenanzug trägt ist an einem kleinen Stück des klassischen, weiß- gestreiften Matrosenkragens, drei weiße Streifen auf dunklem Grund,  und dem Matrosenhut zu erkennen. Dieser gleicht eher einer Kappe. Er ist rund, aus festem weißen Stoff genäht und hat einen hochstehenden Rand von ungefähr 5 cm.

Der Mann steht dem Betrachtenden zugewandt und wird größtenteils von der Frau verdeckt, die ihm in einer Drehbewegung des Oberkörpers seitlich zugewandt steht. Die Beine der Frau stehen fasst parallel zu denen des Mannes. Ihr linkes Bein ist gerade durchgedrückt und ihr rechtes leicht angewinkelt, die Fußspitze aufgesetzt. Der linke Arm ist nach hinten und unten angewinkelt und ihre Hand kommt auf ihrem Oberschenkel zum Liegen. Ihre Finger sind leicht gekrümmt, als wollten sie ihren Mantel vom nach oben rutschen abhalten. Der Daumen ist gestreckt. Ihren rechten Arm hält die Frau stark nach oben angewinkelt vor ihrem Oberkörper, die Hand liegt auf dem Brustkorb des Mannes.

Der Mann ist größer als die Frau und hält sie mit seinem rechten Arm an der Hüfte, seine Hand ist in greifender Haltung, sie an sich heran ziehend.  Seinen linken Arm hat er um den Kopf der Frau geschlungen, ihn nach hinten biegend, wodurch sie sich nach hinten ins Hohlkreuz neigt. Ihr Kopf liegt in der Beuge seines stark angewinkelten Armes. Seine Hand hält nicht den Kopf, sie ist nach hinten angewinkelt in einer lockeren Faust gehalten. Der Hinterkopf der Frau verläuft fast parallel zur Straße, ihr Gesicht parallel zum Himmel. Der Mann steht gebeugt über der Frau, sein Gesicht fast quer zu dem ihren und sie küssend.

Die sich küssenden Münder sind nicht sichtbar, Nase und Arm des Mannes verdecken das Gesicht der Frau fast komplett. Von seinem Gesicht ist nur die rechte Hälfte sichtbar und wenig erkennbar. Er hat eine große Nase, einen Haaransatz mit leichten Geheimratsecken und keinen Bart. Der Matrosenhut sitzt weit nach hinten geschoben auf seinem dunkelbraun bis schwarzen, glatten Haar. Sein rechtes Ohr ist zu sehen. Die Frau hat dunkelblondes Haar und eine geflochtene Frisur, von der allerdings durch den Arm und die Hand des Mannes nicht viel zu sehen ist. Am Hinterkopf trägt sie eine Art weißen Kamm ins Haar gesteckt.

Der Hintergrund des Bildes wird nach hinten immer unschärfer. Es sind viele Menschen auf der Straße: links hinter dem Paar sind zwei weitere Matrosen, rechts davon eine Gruppe von drei Frauen zu sehen. Die Personen, die in Richtung Kamera sehen, lächeln oder lachen. Auf der geteerten Straße liegen weiße Papierschnipsel, manche nur so groß wie Konfetti, andere größer, wie zerrissenes Papier. Rechts und links säumen mehrgeschossige Häuser mit Geschäften die Straße. An einem davon ist eine große, ausladende Markise wie bei einem Hotel oder einem Theater befestigt.

Der Ausschnitt ist so gewählt, dass man nicht erkennen kann, wie hoch die Häuser sind. Sie sind im dritten oder vierten Stock abgeschnitten. Auf der rechten Seite steht ein eingeschossiges Haus mit dem Schriftzug „BOND“ in Großschrift und Blockbuchstaben.  Ganz hinten ist unscharf ein schmales, einzeln stehendes Haus abgebildet. Dieses Haus ist vermutlich höher als fünf Stockwerke, man kann auch keine Stockwerke mehr erkennen, die dahinter liegenden Häuser sind aber deutlich niedriger. An diesem Haus gabelt sich die Straße auf der sich die beschriebene Szene abspielt nach links und rechts.

Das Foto ist laut dem Fotografen Alfred Eisenstaed ein Schnappschuss der die spontane Freude über den Sieg über Japan ausdrückt. Es hat ihn berühmt gemacht und gilt in den USA als ein Symbol für den Frieden. Am 14. August lassen sich jedes Jahr Paare in genau dieser Pose fotografieren.

Bildquelle: flavim.com

Text: Astrid Pruß

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