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100 Meisterwerke: 40. „The Golden Years“ von Balthus

Die Goldenen Jahre

Das expressionistische Ölgemälde „The Golden Years“ (dt. „Die goldenen Jahre“) wurde 1945 von dem polnisch-französischen Maler Balthasar Klossowski de Rola angefertigt, der unter dem Künstlernamen Balthus arbeitete. Es hat die Maße 148 x 199 cm und ist im Querformat.

Im Zentrum des Bildes liegt eine junge, vermutlich weibliche Person in einem mit grünlichem Samtstoff bezogenen Chaiselounge, dessen Bezug bis zum Boden reicht und an der unteren Kante eine braune Stoffbordüre trägt. Der_Die Betrachtende schaut in einen kleinen Ausschnitt eines wohlhabend anmutenden Wohnzimmers, in dessen Mitte das massive Ruhemöbel quer zum Raum steht. Der löffelförmige Sesselrücken weist nach links, die Liegefläche nach rechts. Die Person hat ein Kissen aus hellerem Stoff im Rücken, wodurch sie sich in einer halb sitzenden, halb liegenden Position befindet. Ihr rechter Arm hängt über die Armlehne. Die Fingerspitzen berühren fast den Boden. In der linken Hand, die auf ihrem Bauch ruht, hält sie einen ovalen kleinen Spiegel. Es lässt vermuten, dass sie sich selbst im Spiegel betrachtet. Ob wirklich eine Spiegelung stattfindet, ist durch die verdeckende Haltung der Spiegelfläche nur zu erahnen. Ihr linkes Bein ist angewinkelt, sodass ihr linker Fuß am Ende der Liegefläche aufsitzt, das rechte Bein ist lang ausgestreckt. Der rechte Fuß berührt knapp den Fußboden. Die Füße stecken in weißen Hausschuhen, die den Großteil des Fußrückens unbedeckt lassen.

Die Person im ungefähren Alter von 18 – 25 Jahren, hat blondes, nackenlanges und gewelltes Haar, dass sie sich hinters Ohr gesteckt hat. Ihr Körper wirkt insgesamt noch sehr kindlich und weich in den Formen. Sie hat eine mädchenhafte Statur und trägt ein beiges Kleid, das am Oberkörper eng anliegt. Es ist unten etwas nach oben gerutscht, so dass ihre Oberschenkel größtenteils unbedeckt von Stoff sind. Ebenso ist der vordere Träger ihres Kleids heruntergerutscht, wodurch die rechte Schulter frei liegt. Um den Hals trägt sie eine schlichte, kurze Kette. Wenngleich ihr Kopf zum_zur Betrachtenden nach rechts gedreht zu sein scheint, blickt sie aus den Augenwinkeln in den Spiegel in ihrer linken Hand. Man sieht ihr Gesicht in einem leichten Seitenprofil, wobei ihre linke Gesichtshälfte etwas von Schatten bedeckt ist. Sie hat dünne lange gebogene Augenbrauen, weit auseinander stehende Augen, eine kleine Nase und einen markanten Mund. Sie trägt kein Make-Up, wodurch sie noch kindlicher wirkt.

Rechts hinter dem Sessel lodert Feuer in einem Kamin klassizistischer Bauart. Die linke Begrenzung des Kamins wirkt wie ein pfeilerartiges für Klassizismus typisches Bauelement, ein sogenannter Pilaster. Der gesamte Kaminumbau scheint aus hellem Sandstein zu bestehen und wirkt im Raum sehr massiv. Davor, mit dem Rücken zum Raum kniet eine vermutlich männliche Person in einer hellbeigen Hose und engem Pulli. Die linke Hand zeigt in Richtung des Kaminbodens. Mit dem nach oben gestreckten rechten Arm stützt die Person sich am Kaminsims ab. Das rechte Bein ist außerhalb des Bildausschnitts. Links daneben am Boden liegen ein paar Holzscheite. Am linken Rand des Kamins steht aufrecht eine Kaminzange, rechts davon eine kleine Bodenstatue, die an eine Sphinx erinnert.

Links im Vordergrund ist die Ecke eines filigranen, in einem dunklen Holz gearbeiteten Tisches zu sehen. Nur eines der Tischbeine ist im Bild. Fast an der Tischecke steht eine weiße Schüssel, die auch nur zur Hälfte im Bild ist. Im linken Bildhintergrund fällt von oben ein gelblicher schmaler Vorhang ins Bild, der fast zum Boden reicht und von der Lehne des Sessels etwas verdeckt wird

Bildquelle: wikiart.org

Text: Jolin Hölzel

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100 Meisterwerke: 38. „Betty“ von Gerhard Richter

Betty 1977

„Betty“ aus dem Jahre 1977, ist das erste von drei Portraits, das Gerhard Richter von seiner gleichnamigen Tochter anfertigte. Es ist im Querformat auf Öl gemalt und hat die Maße 30 x 40 Zentimeter.

Das Bild zeigt die Nahaufnahme einer vermutlich weiblichen, sehr jungen Person. Seine Tochter Betty. Der Bildausschnitt fokussiert den Kopf im Zentrum und endet an den Schultern, beziehungsweise am oberen Ende des Brustkorbs. Die Person befindet sich in einer liegenden Position, wobei der Oberkörper von Betty gerade auf dem Rücken platziert scheint. Der Mittelpunkt des oberen Brustkorbs findet sich in der oberen linken Bildecke. Die linke Schulter zeichnet sich in der linken unteren Bildecke ab, während die Spitze der rechten Schulter mittig am oberen Bildrand abgeschnitten wird. Es lässt außerdem vermuten, dass sie auf einem Tisch oder einer Holzplatte liegt, denn am unteren Ende des Bildes, sowie am rechten oberen Bildrand ist eine geradlinige feste Kante zu sehen. Die Farbe des Untergrunds ist beige-braun und zeigt eine deutliche Schattenbildung an der vorderen sichtbaren Kante.

Betty trägt einen rötlichen Pullover mit einem ungefähr einen zentimeterdicken dunkelblauen Rundhals-Ausschnitt. Des Weiteren sitzt der Pullover locker am Oberkörper und wirkt dabei ein bisschen zu groß.

Ihr ovaler Kopf ist deutlich nach vorne geneigt, so dass das Gesicht fast vollständig zu sehen ist. Lediglich das linke Ohr, sowie die Ausläufer der linken Gesichtshälfte zum seitlichen Haaransatz, sind nicht mehr zu sehen. Der Blick ihrer blauen Augen trifft punktgenau in die Augen der betrachtenden Person; ihr Blick wirkt dabei dennoch durchdringlich und in die Ferne gleitend. Das Gesicht hat eine zarte, kindliche Textur. Die Augenbrauen folgen einem weichen runden Bogen und formen sich symmetrisch auf der glatten hohen Stirn. Die Nase ist kurz, etwas rundlich und dabei genauso zart und kindlich wie der Rest ihres Gesichts. Ihr Mund ist ein wenig geöffnet, wodurch die vorderen oberen Schneidezähne etwas zu sehen sind. Ihre Lippen sind voll, sehr markant und in einem satten Rot. An der Oberlippe zeigt sich nur ein sehr kleiner abgerundeter, schwach u-förmiger Amorbogen. Das Philtrum, die Stelle zwischen Nase und Mund, ist deutlich durch zwei ausgeprägte Linien zu erkennen.

Deutlich ins Auge fällt auch ihr rechtes Ohr, welches nicht von ihren langen hellbraunen, fast glatten Haaren bedeckt ist. Das Kopfhaar wirkt nach Hinten zu einem lockeren Zopf gebunden, wobei sie mit ihrem Kopf auf einem Großteil ihres Haares liegt. Ein paar der langen Strähnen fallen vorne über die Kante nach Unten. Ein leichter linksseitiger Seitenscheitel ist auch zu sehen.

Bilquelle: gerhard-richter.com

Text: Jolin Hölzel

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100 Meisterwerke: 37.“Der Knabe mit der Roten Weste“ von Paul Cézanne

Der Knabe in der Roten Weste

Paul Cézanne  war ein französischer Maler der zu den Wegbereitern der klassischen Moderne in der Kunst zählt. „Der Knabe mit der roten Weste“ ist eines seiner berühmtesten Gemälde. Zum einen weil er das erste Mal ein Berufsmodell, einen jungen Italiener namens Michelangelo di  Rosa, porträtierte und zum anderen weil das Gemälde später zwischen 2008-2012 in einen Kunstraub verwickelt war. Das Gemälde ist eines von insgesamt sechs Werken einer Serie wobei vier davon Ölgemälde sind und die anderen zwei Aquarelle, all diese Gemälde porträtieren den Jungen.

Das gestohlene Ölgemälde, das sich nun wieder in der ursprünglichen Sammlung E.G Bührle in Zürich befindet, zeigt das Porträt eines jungen Mannes in Frontalansicht. Er sitzt jedoch zu seiner linken Seite gedreht auf einem unerkenntlichen Gegenstand und stützt sich mit dem linken Ellbogen auf einer Ablage, eventuell einem Tisch, ab, dies ist  jedoch nicht klar zu erkennen. Sein Alter ist schwer zu schätzen, er könnte um die zwanzig sein.

Allgemein ist der Hintergrund flächig und undeutlich gemalt, der Junge hingegen ist mit genauen Umrissen dargestellt. Auf der linken  Seite im Hintergrund lässt sich ein grünbrauner Vorhang erahnen, der das Bild auf dieser Seite abschließt. Mittig auf der Höhe des Kopfes des Jungen zieht sich ein dunkelbrauner Balken durch den Hintergrund. Die Flächen darüber und darunter sind hellblau und grün getupft und könnten ein Fenster andeuten.

Der Junge stützt sich mit dem Ellbogen auf die Ablage, wobei sein Kopf in seiner Hand ruht. Der rechte Arm, der sehr lang wirkt, hängt schlaff herunter, fast mittig im Bild, und liegt auf seinen Knien. Seine Haltung sieht leicht gelangweilt aus, als würde er auf etwas oder jemanden warten. Seine dunkelbraunen Haare sind etwa schulterlang und zu einem Zopf gebunden, der ihm gerade auf dem Rücken liegt. Sie sind mittig gescheitelt und hinter das Ohr gestrichen. Er hat blasse, helle Haut und ein zierliches Gesicht. Im Vergleich dazu erscheint sein sichtbares rechtes Ohr sehr groß. Seine dunklen Augen schauen geradeaus ins Leere.

Die Kleidung des Jungen ist elegant: Er trägt ein weißes, langärmliges Hemd mit einer geschlossenen Weste darüber und eine blauen Hose. Vorderteil und Kragen der Weste sind leuchtend Rot, der Rücken ist aus beigefarbenem Stoff. Dazu trägt er ein blaues Halstuch. Da dieses nur durch blaue Farbflächen angedeutet ist, lässt sich nicht erkennen wie es gebunden ist. Sein Körper ist auf dem Gemälde nur bis zu den Oberschenkeln zu sehen. Quer über seinen Knien liegt eine braune Decke oder ein großes Stück brauner Karton. Neben dem Jungen auf der Ablage liegt ein Stück weißes Papier. Vielleicht will er etwas schreiben und sieht daher nachdenklich oder fast schon gelangweilt aus. Allgemein dominieren in dem Ölgemälde die Farben blau, grün und rot, die zusammen eine sehr stimmige Komposition ergeben und dem Bild zu einer warmen  Atmosphäre verhelfen.

Bildquelle: billerantik.de

Text: Clara Hoffmann

 

 

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100 Meisterwerke: 36. „Papst Innozenz X“ von Francis Bacon

Innozenz X

Das Portrait von Papst Innozenz X wurde zwischen 1950 und 1965 von dem irischen Maler Francis Bacon angefertigt und zeigt einen schreienden, bleichen Papst, weshalb es auch als „Der Schrei des Papstes“ bekannt ist. Es ist ca. 1,20 m breit und 1,40 m hoch. Das Gemälde ist Teil einer Serie von verfremdeten Papst Portraits. Als Vorlage für dieses dient ein realistisches Portrait von Diego Velázquez aus dem 17. Jahrhundert. In Bacons Version erinnert nahezu ausschließlich die Grundhaltung des Papstes an das Original.

Das Gemälde wirkt im ersten Moment sehr unheimlich und düster, geradezu Angst einflößend. Es ist kein Hintergrund auszumachen. Nur der Papst, der von grellen Schlingen oder Stangen auf seinem Stuhl gefesselt zu sein scheint, ist zu sehen. Zusätzlich krallt er sich an den Armlehnen fest. Er sitzt aufrecht, aber sehr in den Stuhl gezwungen. Die Arme sind über die Armlehnen der Länge nach ausgestreckt und die Beine sind unter dem Gewand fast nicht zu sehen. Die vergoldeten Elemente des Stuhls, scheinen auf Holz gearbeitet zu sein, wahrscheinlich sind es nur Beschläge. Die gebogenen, gelb-grellen Schlingen scheinen den Papst an den Füßen festzuhalten. Auch zu den Handgelenken hin führen diagonal zwei zarte, gelbe Schlingen.

Der Papst trägt eine zylinderförmige, violette Kappe und einen Umhang in der gleichen Farbe. Die Kappe ist kleiner als sein Kopf und sitzt wie eine Art Fez darauf. Der Umhang wirft leichte Falten. Direkt unter dem Kinn des Papstes erkennt man den weißen Kragen seines Hemdes. Er trägt keinen Schmuck. Besonders hervor stechen allerdings seine violette Kappe und der bauchlange Umhang. Darunter trägt er ein langes, weißes Gewand mit langen Ärmeln. Es ist nicht genau zu erkennen, wie lang das Gewand ist, aber vermutlich reicht es bis zu den Knöcheln.

Das blasse Gesicht wirkt durch den Schrei schmerzverzerrt, beinahe, als müsste er alles Leid der Welt aushalten und als wolle er davon befreit werden. Der Mund ist weit aufgerissen und beide Zahnreihen sind sichtbar. Die Zunge ist in der Dunkelheit nicht zu sehen. Das ovale Gesicht, mit der grauen Haut und den Schatten, sowie die lange, hakenförmige Nase deuten darauf hin, dass der Papst deutlich über Fünfzig sein muss, vermutlich älter.

Weder vom Papst noch von dem Stuhl sind klare Konturen auszumachen. Alles wirkt verzerrt, als würde es sich auflösen. Über dem gesamten Gemälde liegt eine Art verzerrter Filter, so als wäre es eine transparente Holzmaserung. Die hellbraune Leinwand scheint durch die kräftigen parallelen Pinselstriche in schwarz und blaugrau, die vor allem den Hintergrund, aber teilweise auch die Figur vertikal durchziehen. Der Maler hat noch eine Art weißen Nebel über das Bild gelegt.  Es scheint, als wäre der Papst von verzerrten Geistergestalten, die ihn heimsuchen, umzingelt. Man kann keine einzelne Gestalt oder Gliedmaßen erkennen. Es handelt sich eher um in die Länge gezogene Schatten. Einige dieser Schatten sind schwarz-blau und scheinen von den Füßen her in den Papst hinein zu fahren.

Bildquelle: Ibiblio.org

Text: Max Scheller

 

 

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100 Meisterwerke: 34. „Susanna im Bade“ von Jacopo Tintoretto

Susanna im Bade

Das Bild „Susanna im Bade“ ist ein Gemälde des Venezianischen Malers Jacopo Tintoretto aus den Jahren 1555-56. Es ist im Querformat in der Größe 146cm x 193,5 Zentimeter mit Ölfarben auf Leinwand gemalt und heute im Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien. „Susanna im Bade“ gilt als Tintorettos  berühmtestes Werk.

Auf dem Bild ist de Ausschnitt eine Gartens zu sehen in dem eine nackte Frau an einem Wasserbecken von zwei alten Männern beobachtet wird. Die völlig unbekleidete Frau sitzt im Vordergrund am rechten Bildrand. Ihr Oberkörper ist leicht nach vorne geneigt und sie umfasst mit beiden Armen ihr rechtes Bein, das sie angewinkelt auf dem Boden aufgestellt hat. Die Frau sitzt seitlich, leicht dem Betrachtenden zugewandt. Ihr linkes Bein ist bis zur Wade in das Wasserbecken getaucht. Unter der Wasseroberfläche ist noch ihre Wade zu erkennen, der Fuß allerdings nicht mehr. Das Becken ist aus Stein und rechteckig, wie tief und lang es ist, ist nicht erkennbar.

In Susannas Rücken ist der Teil eines Baumstammes zu sehen,  der in seinem Wuchs der Linie ihres gebeugten Rückens folgt, also schräg wächst. Hinter dem Baumstamm, am rechten Bildrand,  leicht über ihrem Kopf sind Holunderblüten abgebildet. Auf einem Ast des Holunderbusches sitzt eine Elster. Der Badebereich wird durch ein dichtes Rosenspalier mit hellrosa Blüten begrenzt. Es beginnt im äußeren linken Bildrand und steht gegenüber der Badenden.

Auf dem Boden an dem Spalier lehnt, der Frau zugewandt, ein Spiegel, in den die Frau versunken blickt. Der Spiegel ist rechteckig und hochkant. Er hat einen schmalen, vielleicht vergoldeten Holzrahmen und ist von der Größe her eher ein Spiegel, der Gesicht und Büste abbildet. Kein Ganzkörperspiegel. Von der Spiegelung ist nicht viel zu sehen, nur ein wenig Spitzentuch, das direkt davor liegt.

Susanna hat blonde, leicht ins rötlich gehende Haare und eine aufwendige Flechtfrisur mit vielen, eng am Kopf anliegenden Zöpfen. An ihrem Ohr hängt ein Perlenohrring mit einer traubengroßen Perle und an beiden Handgelenken trägt sie goldene Armreifen, die mit Perlen oder Steinen besetzt sind. Sie wirkt sehr jung; hat ein jugendliches und faltenfreies Gesicht mit großen Augen und einer geraden schmalen Nase. Der Mund ist schmal, der Gesichtsausdruck eher ruhig und konzentriert.

Die Figur der Frau ist leicht rundlich und weich, sie hat eine sehr helle, makellose Haut. Es zeichnen sich keine Knochen ab. Der Bauch ist fest und die Brüste, soweit sie nicht von ihren Armen verdeckt sind, eher klein. Ein weißes Tuch mit Spitze und Fransen ist um ihr rechtes Bein geschlungen. Es liegt über ihrem Oberschenkel, das eine Ende kommt auf der dem Betrachtenden zugewandten Seite auf dem Boden zwischen ihren Beinen zum Liegen, verschwindet dann auf der dem Betrachtenden abgewandten Seite und kommt in der Mitte ihres Unterschenkels wieder zum Vorschein. Über ihrem Schienbein liegt noch ein Zipfel des Tuchs, der größte sichtbare Teil des Tuches liegt hinter ihrem rechten bein auf dem Boden und berührt fast den an der Hecke lehnenden Spiegel. Es könnte aus Seide sein, jedenfalls ist es ein leichter Stoff, der sich in viele Falten legt und bauscht.

Vor ihr und um den Spiegel herum liegen ein Kamm, eine Perlenkette, zwei Ringe, eine Hut- oder Kleidernadel und stehend, fast am Beckenrand  befindet sich noch ein gläsernes Gefäß mit Deckel, ähnlich einer Zuckerdose, dessen Inhalt nicht zu erkennen ist. Hinter ihr liegt ein rotes, reich mit goldfarbenen Borten verziertes Kleid, es schaut nur ein Teil des Kleides hervor, eventuell der Arm und Halsauschnitt. Es wirkt nicht wie ordentlich zusammen gefaltet, sondern eher wie ausgezogen und fallen gelassen. Die Frau wird von der Sonne beschienen und ist in der ansonsten eher dunkel gehaltenen Badeszene leuchtend hell gemalt und sticht dadurch besonders hervor. Dieser Hell-Dunkel Effekt wird auch Chiaroscuro- Effekt genannt.

Hinter der Rosenhecke verstecken sich zwei alte Männer, die die Frau beobachten. Einer, mit Glatze und weißem Vollbart, liegt im Bildvordergrund hinter der Hecke und schaut von vorne auf die Badende, der Kopf ragt mit der hell glänzenden Glatze dem Betrachtenden entgegen. Sein Blick ist auf das Wasser des Beckens gerichtet. Der andere mit weißem Kopf- und Barthaar steht in der hinteren Bildmitte am Ende der Hecke, nur leicht von dieser verborgen, im Halbprofil dem Betrachtenden zugewandt. Er hält sich an der Hecke fest um besser dahinter hervorschauen zu können. Beide Männer tragen rote Gewänder, es ist viel gewickelter Stoff zu erkennen, vielleicht handelt es sich um eine Art Mantel. Die Frau scheint nichts von der Anwesenheit der Beiden zu bemerken.

Außerhalb der Badeszene ist im Bildhintergrund eine parkähnliche Landschaft zu erkennen: Bäume, Säulen und ein kleiner Teich mit Enten sind in der Mitte des Hintergrundes zu sehen. Im linken Bildhintergrund steht ein Hirsch und noch weiter hinten sind ganz leicht gezeichnete Gebäude mit großen Steinstatuen an der Fassade erkennbar.

Das Bildmotiv stellt eine Szene aus der Bibel dar. Die Badende ist die Ehefrau eines reichen Mannes und wird von den beiden Alten in ihrem Garten beim Baden überrascht. Sie verlangen von ihr, dass sie sich ihnen hingibt. Über ihre Weigerung erbost, klagen sie sie des Ehebruchs an. Sie wird zum Tode verurteilt, in letzter Sekunde aber durch den Propheten Daniel errettet, der mit einer Einzelbefragung der beiden Alten aufdeckt, dass der Ehebruch nur erfunden war. Diese Geschichte hat Einfluss auf die Rechtsprechung und die getrennte Befragung von Zeugen genommen.

Das Thema wird in den verschiedensten Kunstformen bearbeitet.

Bildquelle: Google Arts Project

Text: Astrid Pruß

 

 

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100 Meisterwerke: 32. „Sterbezimmer“ von Edward Munch

Sterbezimmer

Edvard Munch war ein norwegischer Maler und Grafiker des Symbolismus. Neben zahlreichen Gemälden fertigte er ebenfalls Grafiken und Zeichnungen an. Munch gilt als wegweisend in der expressionistischen Malerei der Moderne. In Deutschland und im übrigen Mitteleuropa genoss er früh den Ruf eines epochemachenden Neuschöpfers. Heute sind seine Werke weltweit berühmt.

Das Bild mit den Maßen 38 x 58,5 cm zeigt einen Raum, in dem sich sieben sitzende oder stehende Personen um ein Bett mit Beistelltisch gruppieren. Der Raum hat einen hellbraunen Holzfußboden, dessen Dielen vertikal verlaufen. Der Boden hat im unteren rechten Teil des Bildes einen Fleck, der als Umriss eines horizontal liegenden Kopfes interpretiert werden kann. Der Raum wird von zwei olivgrünen Wänden begrenzt. Von der linken Wand ist nur ein Bruchteil in der hinteren Ecke sichtbar. Dort befindet sich ein vertikal angebrachtes Holzbrett. An diesem Brett stützt sich ein Mann mit der rechten Hand ab, seine linke hat er in der Hosentasche. Er trägt einen blauen Pullover und eine Hose, bei der das linke Bein braun und das rechte grün ist. Der Kopf des Mannes ist in Richtung der Wand nach unten geneigt. Sein Gesicht ist nicht zu erkennen, da keine Details wie Augen oder Nase gezeichnet sind. Die Gesichtsfarbe des Mannes ist leicht rötlich. An der Wand, die von vorne nahezu in ganzer Breite sichtbar ist, hängt mittig über dem Bett ein Bild. Es hat einen Holzrahmen und hängt mit einer Schnur an einem Nagel und zeigt in wenigen schwarzen Strichen die Abbildung eines Mannes mit wollener Seefahrermütze und Bart.

Das hölzerne Einzelbett ist mit weißer Bettwäsche bezogen. Ein Teil davon hängt auf der rechten Seite herab. Das Kopfkissen liegt auf der Wandseite. Rechts des Bettes befindet sich ein Beistelltisch, auf dem zwei Fläschchen mit roter Flüssigkeit stehen sowie ein Glas mit einem Stab auf dem rechten vorderen Rand.

Rechts des Bettes sitzt eine Frau in einem blauen Kleid und weißer Kutte darüber auf einem Stuhl. Sie hat eine braune, halbdurchsichtige Decke mit roten Punkten auf dem Schoss. Ihr Gesicht ist nicht zu erkennen. Sie sitzt mit dem Stuhl Richtung Kopfkissen. Der Stuhl ist aus Holz und Rund geschwungen. Seine Lehne ist hoch und eine zweite Frau stützt sich mit der linken Hand daran ab. Diese Frau ist schlank und trägt ein langes, graublaues Kleid. Sie hat eine blasse Gesichtsfarbe. Ihre Haare sind schwarz und zu einem Dutt zusammengeknotet. Die rechte Hand hält sie mit der Innenfläche nach oben gerichtet auf Hüfthöhe.

Hinter der Frau im Stuhl und nahe am Beistelltisch, steht ein alter Mann mit einem grauen Vollbart. Sein Oberlippenbart verläuft spitz zur Seite. Der Kopf ist leicht geneigt und die Augen geschlossen. Mittig auf dem Kopf hat er eine Glatze, seine seitlichen Haare sind grau. Er trägt ein blaues Jackett und eine blaugraue Hose. Seine Hände sind vor der Brust wie zum Gebet gefaltet.

Am Fußende des Bettes steht ein Mann mit dem Gesicht zum Bett gewandt. Er hat braune Haare und helle Haut. Sein Kopf ist leicht gesenkt. Das Gesicht ist nicht erkennbar, da es Richtung Bett zeigt. Er trägt einen blauen Anzug mit weißem Kragen.

Fast Rücken an Rücken mit diesem Mann steht eine junge Frau, die in Richtung des Betrachtenden schaut. Sie hat lange, dunkle und mit einem Mittelscheitel zur Seite gekämmte Haare. Ihr Gesicht ist blass und traurig. Die blauen Augen haben tiefe Augenringe. Der Blick ist traurig und leer. Sie trägt ebenfalls ein dunkelblaues und schlichtes, langes Kleid. Das Kleid hat entweder ein Lochmuster oder gewollte Akzente über den ganzen Stoff verteilt. Es handelt sich um etwas tropfenförmige, nach unten zerlaufende, rötliche Farbtupfer.

Ganz im Vordergrund, vor der Frau mit den Augenringen sitzt eine weitere junge Frau in einem kleineren Holzstuhl. Ihre rot-braunen Haare sind zu einem langen Zopf geflochten. Sie sitzt gebeugt, hat den Blick nach unten gewandt und ihr Gesicht ist nicht erkennbar. Die Hände sind auf ihren Knien zum Gebet verschränkt. Ihr Kleid ist ebenfalls lang und blau.

Bildquelle: Wikimedia

Text: John Patzwaldt

 

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